Mercedes ML 350 BlueTECVon A nach B

Jürgen von Rutenberg fährt mit dem Mercedes ML 350 BlueTEC nach Hirschhorn (Neckar).

Mercedes-Benz ML 350

Mercedes-Benz ML 350

Als Auswüchse automobiler Spießigkeit waren mir immer jene Dach- und Heckträger erschienen, auf denen bunte Fahrräder über den Autobahnstaus thronten. Von der Autodesignverschandelung abgesehen: Reicht es denn nicht, mit dem Fahrrad aus der Stadt hinauszufahren? Oder aber mit dem Auto? Und wenn es doch mal beides sein muss: Fahrräder hinten rein in die Karre, Klappe zu, los geht’s.

Ja, so dachte ich, bis eines Tages eine Art Mobilitätsgesamtpaket der Firma Mercedes-Benz in mein Leben trat, zu Testzwecken. Da war zunächst ein mächtiger SUV namens ML 350 BlueTEC. In dessen fahrradkellergroßem Stauraum lagen ein blendend weißes Mercedes-»Fitnessbike« und ein knallrotes Mercedes-»Kidsbike«. Und, richtig, ein Heckträger. Ich studierte also dessen Montageanleitung – erst widerwillig, dann ungläubig staunend: Das schwere, sperrige Ding sollte nur auf einem einzigen Punkt aufsitzen, dem Kopf der Anhängerkupplung.

Anzeige

Immerhin, diese Technik wurde laut Herstellerfirma mft schon vor 20 Jahren vom TÜV zugelassen, mir als Heckträgerverweigerer war sie neu. Und suspekt, Stichwort Schwerkraft: Ich sah das Gestell beim nächstbesten Huckel abrutschen und funkensprühend über die Autobahn schleifen. Bei näherer Betrachtung jedoch wirkten die Hebel und Gewinde restlos durchdacht und vor allem: robust. Gestell gerade rücken, zudrehen, hebeln, dann saß alles so fest auf der Kugel, dass ich beim Wackeltest das ganze 2,2 Tonnen schwere Auto zum Schaukeln brachte. Schnell waren die Räder festgezurrt und sogar diebstahlsicher abgeschlossen.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Die Testkleinfamilie brach in Berlin auf zu einem Tagesritt über 600 Kilometer Autobahn. Der Heckträgerhersteller empfiehlt seinen Kunden 130 km/h als Höchstgeschwindigkeit, ansonsten wurde das erhabene Fahrgefühl der Luxus-SUV-Limousine durch den rückwärtigen Anbau in keiner Weise eingeschränkt. Wir kamen in der Nähe von Heidelberg an, im Städtchen Hirschhorn, auch »Perle des Neckars« genannt, und zwar völlig zu Recht: Hier wohnt die deutsche Romantik in engen Gassen, durch die keine SUVs passen, umso besser aber Fitness- und Kidsbikes. Ich hatte mich in einen Menschen verwandelt, der auf seinem Heckträger bunte Fahrräder über die Autobahn karrt, um schnuckelige Fachwerkhäuser zu bewundern. Es war herrlich. Und nie wieder werde ich mir ein Auto ohne Anhängerkupplung zulegen.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 190 kW (258 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h
CO₂-Emission: 194 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,4 Liter
Basispreis: 59.559 Euro

Jürgen von Rutenberg ist Redakteur beim ZEITmagazin.

 
Leser-Kommentare
  1. Chapeau: In diesem „von A nach B“ mit einem Benz ML 350 BlueTEC erfahre ich, was ich schon immer wissen wollte über die "Auswüchse automobiler Spießigkeit" auch von "Dach- und Heckträgern". Immerhin: Jürgen von Rutenberg samt seiner "Testkleinfamilie" hat es, dank dieses gesponserten Spritverschwenders geschafft, bei einem „Tagesritt“ auf 600 Kilometern Autobahn, von der Hauptstadt bis "in die Nähe von Heidelberg" zu kommen, um in Hirschhorn, der "Perle des Neckars", seiner (möglicherweise gähnenden) „Testkleinfamilie“, die "deutsche Romantik in engen Gassen" zu präsentieren.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service