Wenn die Deutsche Bahn am Donnerstag dieser Woche ihren Geschäftsbericht 2012 vorlegt, kann sie einen Rekordgewinn verkünden: 1,5 Milliarden Euro. Besonders erfolgreich war der Fernverkehr, der Gewinn verdoppelte sich hier auf über 350 Millionen Euro. Trotzdem hat die Bahn erst im Dezember die Preise deutlich erhöht. Begründung: »Vor allem die kontinuierlich gestiegenen Energiekosten machen teurere Bahntickets notwendig.«

Nun droht die nächste Preiserhöhung: Am Donnerstag könnte sich entscheiden, ob die Bahn die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energie und damit die Kosten für die Energiewende mittragen muss (siehe Wirtschaft, S. 25). Das könnte sich zusätzlich auf die Ticketkosten niederschlagen, weshalb die Bahn sich dagegen sperrt. Doch ihre irreführende Begründung der letzten Preiserhöhung untergräbt ihre Glaubwürdigkeit.

»DB-Preisanpassung mit 2,8 Prozent deutlich unter der Kostenentwicklung der letzten zwei Jahre« heißt es in einer kleinen Broschüre des Bahn-Vorstandes zur letzten Preiserhöhung. Eine Grafik zeigt den rasanten Anstieg der Verbraucherpreise für Strom und Superbenzin. Doch die sind für die Energieversorgung des Zugverkehrs irrelevant. Der Bahnstrom stammt nämlich nicht aus dem öffentlichen Netz, sondern zu drei Vierteln aus Kraftwerken, die ihn aufgrund langfristiger Verträge exklusiv liefern. Diese Verträge hält das Staatsunternehmen geheim. »Darüber geben wir keine Auskunft«, sagt der Sprecher der Bahn-Tochter DB Energie. Für eine Kostenexplosion gibt es keinen aktuellen Grund, im Gegenteil: An der Strombörse ist der Großhandelspreis in den letzten zwölf Monaten um 20 Prozent gesunken. Und Super tankt die Bahn eh nicht, sie setzt im Personenverkehr Dieselloks ein. Der Dieselpreis hat sich seit 2011 kaum verändert.

Von der EEG-Abgabe ist die Bahn derzeit noch weitgehend befreit. Für ihren Jahresverbrauch von fast zehn Milliarden Kilowattstunden muss sie 2013 lediglich 55 Millionen Euro zahlen, gut 20 Millionen mehr als 2012. Ein normaler Verbraucher müsste für die gleiche Menge fast 500 Millionen Euro berappen. Hätte die Bahn die volle EEG-Umlage in ihrer Preiserhöhung berücksichtigt, würden unsere Fahrkarten nicht 2,8, sondern zehn Prozent teurer. Auch die angekündigte Erhöhung des Ökostromanteils fällt wenig ins Gewicht. Insgesamt ergeben die Energiekosten der Bahn kein Hauptargument für die letzte Erhöhung der Fahrpreise um 2,8 Prozent.

Mit diesem Widerspruch konfrontiert, reagiert der DB-Sprecher für den Personenverkehr mit einer überraschenden Volte: Tatsächlich habe die Bahn ihre Fahrpreise gar nicht um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöht. Nur Tickets zum Normalpreis seien teurer geworden, nicht aber die Sparangebote, die 29 Prozent aller Fahrgäste im Fernverkehr nutzten. Insgesamt lägen die erwarteten Mehreinnahmen deshalb »unter 100 Millionen Euro«.

Die Bahn ist Deutschlands größter Stromverbraucher. Auch die Geschäftsführung wendet sehr viel Energie auf – um ihre Preispolitik zu verschleiern. Wenn sie von der Öffentlichkeit Unterstützung gegen die EEG-Einbindung erwartet, sollte sie auf Geheimniskrämerei und faule Tricks verzichten.