Deutsche AußenpolitikWir tun doch nix ...

... wir wollen nur profitieren. Deutschland ist strikt gegen Interventionen, aber für Waffenexporte, es kritisiert nicht gern Diktaturen und lässt seine afghanischen Helfer im Stich. Über die Verlogenheit der neuen deutschen Außenpolitik

Transportpanzer vom Typ Boxer bei einer Präsentation der Bundeswehr auf dem Übungsgelände in Putlos (Archiv)

Transportpanzer vom Typ Boxer bei einer Präsentation der Bundeswehr auf dem Übungsgelände in Putlos (Archiv)

1. Deutsche Zustände

Ja, in so einem Land zu leben, das kann man sich vorstellen: in einem Land, das militärische Interventionen strikt ablehnt, dafür aber auch auf lukrative Waffenexporte weitgehend verzichtet; das keine Kriege für Menschenrechte führen will, im Gegenzug jedoch laut und deutlich Verletzungen dieser Rechte anprangert, selbst wenn das ökonomisch mal von Nachteil sein kann.

Auch in einem ganz anderen Land (nennen wir es Frankreich) zu leben, kann man sich zur Not vorstellen: in einem Land mit einem starken Militär, das pragmatisch eingesetzt wird, mal für die eigenen Interessen, mal für Menschenrechte; ein Land, das Waffen exportiert, wenn es machtpolitisch opportun erscheint, das China oder Russland nur mäßig kritisiert, weil so was schlecht fürs Geschäft ist.

Anzeige

Deutschland ist keines von beidem, weder jenes konsequent pazifistische noch dieses machtpolitisch abgeklärte Land, vielmehr ist es die schlechte Mischung aus beidem: ein Land, das strikt jede Beteiligung an militärischen Interventionen ablehnt, dafür aber nach Kräften Waffen exportiert, gern auch in Diktaturen und in Krisenregionen; das gegenüber China und Russland nur sehr verhalten über Menschenrechte spricht und sogar selbst anfängt, zu zweifeln, ob Demokratie immer und überall die beste Lösung ist; und das sich bei alledem auch noch als Moralweltmeister geriert.

Nein, in einem solchen Land möchte man nicht leben. Auch die Deutschen möchten das nicht. Darum wird nicht darüber geredet, was außen-, sicherheits- und menschenrechtspolitisch aus diesem Land geworden ist und ob man wirklich will, was man da tut.

Leser-Kommentare
    • BSiR
    • 02.04.2013 um 2:10 Uhr

    Nicht vordringlich Menschenrechte, sondern eher Hunger und Not, umfassendes Elend treiben die Menschen in die Bundesrepublik.
    Und warum?
    Weil die ehemalige UdSSR ein Chaos in allen Belangen in den von Ihnen genannten Ländern hinterlassen hat. In ähnlicher Situation sind die Länder, in denen viele Jahre die Kolonialmächte gehaust haben.
    Ich glaube kaum, dass die vielen Einreisewilligen mehr als nur den Begriff "Menschenrechte" kennen. Ich behaupte sogar, dass selbst in Deutschland Viele nicht mehr als das Wort kennen. Sie wissen sicher auch, dass die AEMR nicht einmal völkerrechtsverbindlich sind und X Staaten ihre eigenen Definitionen haben.
    Jeder auch nur halbwegs normale Mensch, der Alleinstehende in Verantwortung für sich selbst, Väter und Mütter von Kindern für eben diese und auch für sich selbst, wird überall auf der Welt Verhältnisse suchen, in denen er/sie nach ihren Vorstellungen vom Leben leben können.
    Und Viele davon kämen erst gar nicht, wenn sie vorher wüssten, welche Drangsale in dem "gelobten Land" auf sie warten.
    Ich empfehle Ihnen einmal ein Asylkantenheim zu besuchen. Dort sehen Sie, welchen Begriff der deutsche Staat von Menschenrechten hat. Eine Abschiebehaftanstalt ist noch besser. Sie finden dort Kinder jeden Alters hinter Gittern und Stacheldraht.
    Ihr "sehr, sehr, sehr" in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten bezeugt Ihre völlige Ahnungslosigkeit.

    Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Aber Leute,"
  1. wir sind gegen die gewalt, gegen alles was gegen die menschenrecht verstösst, aber wir verkaufen unsere waffen an alle die sie brauchen.
    egal gegen wen !
    dies ist schlicht und einfach eine frechheit gegen die demokratie!

    es lebbe merkel und schwucht..... aus dem western..................

  2. sicher ein Beleg, dafür dass wir alles falsch machen würden, aber warum eigentlich ?

    L'Armée syrienne mercenaire se retourne contre la France

    http://www.youtube.com/wa...

    Die kriegen nichts mehr, punktum. Wer wesentlich ungeduldiger ist, als z.B. Herr Maliki, der hat eben Pech.

    Die Neigung des Westens, solche Leute vor Assad und seinen Hausmittelchen zu retten, bevor sie uns an den Kragen können, wird durch Drohungen nun mal nicht gefördert. Sollen wir uns grämen, wegen deren Größenwahn (mit dem sie auf unseren Gräbern tanzen wollen) ?

    Mag die Türkei sie retten, falls Russland einverstanden ist und die PKK nichts dagegen hat. #131

    Danach müssten die Herren Erdogan und Öcalan ihnen aber erklären, wie gemäßigter Islam geht. Herr Putin wird das überprüfen wollen, damit es in Syrien nicht so ein Reinfall wird, wie Libyen. Falls er überhaupt zustimmt.

    Es wird uns schwindelig: beim Anblick der Fallhöhe, auf welche sich Leute emporgeackert haben, die nicht müde werden, zu erklären, dass sie unsere Feinde sind.

    Sie wollen ihren verlorenen Zugriff in Mali an Europa rächen, wir wissen aber: wenn wir es nicht verhindern, dann nebelt Assad sie weg. Wovor haben wir Angst ?

    Vor youtube-videos und den Fragen unserer Kinder ?

    Das lässt sich alles fein säuberlich erklären. Wenn man will.

    Seit dem Verfall der klassischen Bildung scheint es manchen von uns nicht mehr zumutbar, des Verhängnisses zerstrittener Feinde angesichtig zu sein.

    Schade eigentlich.

  3. ...das sie den Artikel gelesen haben, aber nicht eine Sekunde verstanden haben worum es geht. Sie sollten sich ernsthaft nochmal die Zeit nehmen um alles in ruhe und Sachlich zu lesen, bevor sie sich so unbegründet aufplustern.

    Vieleicht kommen sie dann dahinter, das es den Autoren vielmehr nur um eine klare Linie geht und weniger um Militäreinsätze.
    Es ist traurig das soviele andere Leser nicht in der Lage sind, sich mit dem Artikel objektiv außeinander zu setzen.

    Für mich ist das eine intelektuelle Bankroterklärung. Nicht nur weil sie den Artikel so offensichtlich nicht verstanden haben, sondern auch weil sie demokratische Grundprinzipien und die Meinungsfreiheit scheinbar für unwichtig halten.

    Wer im übrigen gedient hat, ist sich der Tatsache bewußt das er von seinem Dienstherrn in den Einsatz geschickt werden kann. Das ist schlicht der Beruf.
    Die Entscheidungsfindung dazu liegt in den Händen der Volksvertreter, nicht in den Händen der Soldaten selber.

    Allerdings sind sie nicht alleine. Viele andere Kommentare sind nur geschrieben worden um der eigenen Wut luft zu verschaffen. Sachlichkeit und ein außeinander setzen mit den Argumenten sind erschreckend selten. Einige Kommentatiren schrecken auch nicht vor falschen Informationen zurück.

    Ein echtes Trauerspiel.

    MfG

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Auf die Schnelle ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... das hier zum Thema Libyen z. B.:

    "Ein überschaubares militärisches Ziel, das keine Bodentruppen, sondern nur Luftangriffe erforderte. Eine Bevölkerung, die nach Demokratie und nach Hilfe rief."

    Benghazi war kein überschaubares Ziel. Und das mit den Bodentruppen wissen Schreibtischstrategen immer am besten. In dem Fall ist es sogar falsch, weil die Bodentruppen als Folge des Libyen-Durcheinanders heute in Mali sind.

    Apropos Mali: Hier haben selbst die Autoren davon abgesehen, einen Zusammenhang zwischen Waffenlieferungen und Einsätzen (aussen den "global-galaktischen") herzustellen. Es ist schlicht und einfach der Ruf nach einem Kriegseinsatz der Bundeswehr.

    Dieser global-galaktische Zusammenhang wird ausschliesslich als Grund für den Ruf nach Interventionseinsätzen verwendet. Das sollte einem aufmerksamen Leser wie Ihnen nicht entgehen.

    In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: ein Berufsoldat muss in den Einsatz, wenn sein Oberkommandierender das so befiehlt. Dafür ist in den meisten demokratischen Staaten Parlamentsmitwirkung/zustimmung vorgesehen. Allerdings ist in keiner Verfassung die Mitwirkung von interventionslüsteren Journalisten vorgesehen. Die drei versuchen etwas herbeizuschreiben, von dem sie keine Ahnung haben, weil sie keine Ahnung haben woll(t)en. Das ist alles andere als ehrenhaft!

    ... das hier zum Thema Libyen z. B.:

    "Ein überschaubares militärisches Ziel, das keine Bodentruppen, sondern nur Luftangriffe erforderte. Eine Bevölkerung, die nach Demokratie und nach Hilfe rief."

    Benghazi war kein überschaubares Ziel. Und das mit den Bodentruppen wissen Schreibtischstrategen immer am besten. In dem Fall ist es sogar falsch, weil die Bodentruppen als Folge des Libyen-Durcheinanders heute in Mali sind.

    Apropos Mali: Hier haben selbst die Autoren davon abgesehen, einen Zusammenhang zwischen Waffenlieferungen und Einsätzen (aussen den "global-galaktischen") herzustellen. Es ist schlicht und einfach der Ruf nach einem Kriegseinsatz der Bundeswehr.

    Dieser global-galaktische Zusammenhang wird ausschliesslich als Grund für den Ruf nach Interventionseinsätzen verwendet. Das sollte einem aufmerksamen Leser wie Ihnen nicht entgehen.

    In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: ein Berufsoldat muss in den Einsatz, wenn sein Oberkommandierender das so befiehlt. Dafür ist in den meisten demokratischen Staaten Parlamentsmitwirkung/zustimmung vorgesehen. Allerdings ist in keiner Verfassung die Mitwirkung von interventionslüsteren Journalisten vorgesehen. Die drei versuchen etwas herbeizuschreiben, von dem sie keine Ahnung haben, weil sie keine Ahnung haben woll(t)en. Das ist alles andere als ehrenhaft!

  4. und was der ehemalige Zivildienstleistende, für den heute Krieg führen und “Verantwortung übernehmen“ scheinbar synonym sind, verschweigt.

    “Deutschlands außenpolitische Schande
    Von Jörg Lau 25. August 2011 um 15:10 Uhr
    Deutschland hat den libyschen Rebellen in der Not nicht geholfen. Jetzt will die Regierung dennoch einen Anteil an deren Sieg reklamieren. Sie hat noch nicht begriffen, dass sie einen historischen Moment verpasst hat. Von Jörg Lau und Bernd Ulrich (aus der ZEIT Nr. 35, S. 4)“

    http://blog.zeit.de/joerg...

    Noch während die Rebellen gegen Gaddhafi kämpften, wurden die Schwarzafrikaner verfolgt, vertrieben, gefoltert, gelyncht gemordet. Was ist aus ihnen geworden? Aus der Presse erfährt man nichts. Sie zählen nicht.

  5. Jetzt – nach den Schwarzafrikanern- sind die Christen, Sufis und andere Minoritäten dran:

    Und die Welt schaut untätig zu - Libysche Salafisten wüten gegen Christen - In Libyen ist eine regelrechte Christenverfolgung im Gang.
    http://www.livenet.ch/the...

    „Laut Dominique Rézeau sind von den offiziell rund 200.000 Christen, die vor dem Sturz Ghaddafis in Libyen lebten und drei Prozent der Bevölkerung ausmachten, nach dem sogenannten Arabischen Frühling „nur mehr wenige Tausend übriggeblieben“.

    http://www.katholisches.i...

    Frauen haben ihre Gleichberechtigung in der neuen Verfassung verloren:

    „Libya - A guarantee of equality has been removed from the new constitution written after the revolution in 2011. There has been a rise in sexual assaults on the streets.”

    http://www.guardian.co.uk...

  6. Damals also sollte Deutschland nach den Vorstellungen von Herrn Lau an der Seite von Ländern wie Saudi Arabien, einer radikal-islamistischen Diktatur, die die Freiheitsbewegung in Bahrain niedergeschlagen hat und einen reaktionären Islamismus exportiert, der die Rechte von Frauen und Minderheiten mit Füßen tritt, sowie den USA, ein Land, das u. a. die Folter praktiziert, („Geheimgefängnisse: US-Veteranen bauten Folter-Netzwerk im Irak auf“
    http://www.spiegel.de/pol... um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen) – damals also, an der Seite dieser Länder, sollte Deutschland Libyen „befreien“.

    • Atan
    • 02.04.2013 um 5:33 Uhr

    nur anschließen: wer für alle möglichen Intervention so weitgehend andere Mitbürger bzw deren Kinder opfern möchte, ohne den vielfach ganz offensIchtlichen Preis zu nennen ( in vielen ausländischen Zeitungen 10 Jahre nach dem Irak-Einmarsch gerade gut nachzulesen), die teilweise grotesken Missverhältnisse zwischen Aufwand und Ergebnis nicht sehen will und dabei noch nicht mal untersucht, ob die ganz konkrete deutsche Außenpolitik eigentlich nicht ganz gut mit Opportunität und Eigeninteresse begründet werden kann, braucht nicht weiter ernstgenommen werden.
    Das ist wirklich nichts weiter als der Nachhall schuldbeladenen Gewinsels, das einerseits ständig alle anderen um ihre "Normalität" beneidet und doch ständig irgendwelche großmoralischen Extratouren einfordert.
    Leute, schnappt Euch einfach ein Gewehr und zieht in den Bürgerkrieg Eurer Wahl, geht zur Fremdenlegion, aber nervt nicht mit dem Lamento, warum niemand anders für Eure Ideale Krieg führen will. Hemingway und Co waren da weit überzeugender...

    Antwort auf "Auf die Schnelle ..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service