ÖkostromMit der Kraft des Windes

Öl und Gas prägen die Vereinigten Staaten. Doch Bürger und Investoren wollen ihr Land in eine grüne Zukunft führen. von Markus Wacket

Sollten sich die Vereinigten Staaten jemals zu einer Energiewende durchringen – sie könnte am Fuße der Rocky Mountains ihren Anfang nehmen. Am Schulhof der Ponderosa Highschool beispielsweise, rund zwanzig Meilen südöstlich von Denver, Colorado. Da hat die Energiewende sogar schon einen Namen: "Kiwidinok" tauften die Jugendlichen ihr Windrad, in der Sprache der Kiowa-Indianer umschreibt das die Kraft des Windes. Aus der Ferne sieht der Eigenbau zwar wie eine dieser Papierwindmühlen aus, die auch deutsche Vorgärten zieren. Aber Kiwi, wie die Schüler sie rufen, liefert mit ihren kurzen Flügeln in gut zehn Metern Höhe tatsächlich Strom. Er treibt die Schulcomputer an, die in bunten Kurven die Energieausbeute dokumentieren.

Rund 100 solcher Räder drehen sich mittlerweile in rund einem Dutzend US-Bundesstaaten. Die Initiative Wind for Schools wurde vor einigen Jahren hier in Colorado erdacht. Charles Newcomb vom National Renewable Energy Laboratory (NREL) in Denver, dem grünen Forschungszentrum der USA, erinnert sich. Mit einem Kollegen habe er am Wochenende beim Angeln gegrübelt, wie den Amerikanern die Idee grüner Energie vermittelt werden könne, sagt er. Doch reden allein würde nicht reichen, schon gar nicht bei den Erwachsenen. Seit den Stunden am Fluss sei er davon überzeugt. Man müsse vielmehr bei den Schülern beginnen, sagt Newcomb, "und die werden dann die Eltern mitziehen."

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Betreut von örtlichen Universitäten und dem NREL und finanziert von Kommunen, werden seitdem Schulen auf dem Weg zu sauberer Energie unterstützt. Wobei dies auf jeden Fall ein schmutziger Job sein solle, meint Newcomb. "Die Schüler graben das Loch, der Beton kommt für das Fundament, jeder macht mit, und am Ende haben alle Dreck an den Händen", sagt er und stellt die entscheidende Frage: "Wie schaffen wir es, dass Kinder nicht Polizist oder Feuerwehrmann werden wollen, sondern Umweltschützer, Biologen oder Banker – aber Banker, die in erneuerbare Energien investieren?"

Natalie Walter will zwar keine Bankerin werden, aber eine grüne Ader hat die 18-Jährige schon. Die ehemalige Schülerin der Ponderosa Highschool hat das Projekt Kiwidinok mit vorangetrieben und genau das beobachtet, was sich die beiden NREL-Mitarbeiter erhofft hatten: In einer Gegend mit sprudelnden Erdgasquellen sprachen Eltern und Schüler auf einmal über grünen Strom und Energiesparen. "In der Schule liegt der Schwerpunkt meist auf der Theorie, die später angewendet werden soll", sagt Walter. "Aber erst etwas schaffen und dann darüber nachdenken ist manchmal doch besser." Umgekehrt offenbarten sich schnell Lücken in physikalischer Theorie – selbst bei Lehrern. Als sich das Windrad eines Tages nicht mehr drehte, rief ein Pädagoge noch vom Schulparkplatz aus besorgt bei der Projektleiterin an. Die konnte ihn beruhigen: Es wehte kein Wind.

Ernest Moniz: Umstritten

US-Präsident Barack Obama hat den Physiker Ernest Moniz als neuen Energieminister nominiert. Der Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist umstritten: Moniz sei ein Mann der Atom- und Gasindustrie, sagt der Naturschutzbund Sierra Club.

Pro Fracking

In einer von Moniz autorisierten Studie wird die umstrittene Fracking-Methode bei der Gasförderung als »beherrschbar« bezeichnet. Moniz war Direktor der MIT Energy Initiative, die überwiegend von Öl- und Gasfirmen finanziert wird.

Neuer Fokus

Moniz solle als Minister jetzt seinen Fokus »auf sichere, saubere Energiequellen wie Wind und Sonne legen«, fordert der Sierra Club.

Windstille herrscht selten entlang den Rocky Mountains und im mittleren Westen. Zugleich wird grüne Energie hier für gewöhnlich nicht geschätzt. Auch deswegen konzentriert sich Wind for Schools auf diese Landstriche fernab der Metropolen. Der sogenannte Wind-Belt zieht sich von Montana und North Dakota im Norden über Colorado und Oklahoma bis hinunter nach Texas.

Insgesamt ging im Jahr 2012 die Rekordmenge von rund 13.000 Megawatt neuer Windenergie ans Netz. Rechnerisch entspricht das der Leistung von etwa einem Dutzend Atommeiler und steht für die Hälfte der gesamten Energiekapazität, die die USA im Jahr 2012 neu aufbauten.

Auch die Solarbranche legte nach ersten Berechnungen um rund 70 Prozent zu und baute neue Anlagen mit rund 3200 Megawatt. Wer durch die Wüsten im Innern von Kalifornien fährt, sieht immer mal wieder blaue Oasen aus spiegelndem Glas vor sich, in deren Schatten einige Vögel Schutz suchen. Konzerne wie First Solar oder Sunpower bauen hier für viele Milliarden Dollar die größten Solarfarmen der Welt, sie sollen Strom für 100.000 Haushalte und mehr liefern. Großinvestor Warren Buffett steckte kürzlich 2,5 Milliarden Dollar in ein Sunpower-Projekt.

Leserkommentare
    • Karl63
    • 31. März 2013 17:55 Uhr

    auch wenn ohne die hierzulande so großzügig gewährten Subventionen der Ausbau der Regenerativen Energien in den USA sehr viel langsamer vonstatten gehen wird.
    Umgekehrt, wenn Regenerative Energien in den USA schon jetzt einen größeren Beitrag zur Stromversorgung leisten als die Kernenergie, dann bedeutet dies nichts anderes als dass diese schon jetzt unter den dortigen Marktbedingungen konkurrenzfähig sind. Offensichtlich glaubt auch dort niemand an eine wirkliche Zukunft der Kernenergie, denn auch dort tut sich in Sachen Neubau von Kernkraftwerken so gut wie nichts.
    Genauso wie hier bedeutet auch dort eine dezentrale Stromerzeugung, dass die Wertschöpfung sich in gleichem Maße dezentralisiert. Beim Fracking ist das wohl etwas anders, weil der Gewinn nur für eine relativ überschaubare Anzahl von Akteuren verbleibt - und mögliche Umweltschäden dann an der Allgemeinheit hängen bleiben.
    Es sollte aber auch klar sein, mit Methoden wie Fracking lässt sich das Zeitalter der Nutzung fossiler Energieträger bestenfalls etwas verlängern, es ist schon heute deutlich absehbar wann die verfügbaren Reserven erschöpft sind. Sonne und Wind werden aber - auch und geraden in den USA - auch weiterhin zur Verfügung stehen.

    4 Leserempfehlungen
  1. Die USA haben bisher noch gar nichts begriffen. Ein aufwache aus ihrem medialen FoxNews-Koma geht viel zu langsam voran. Erst muss das Eis gebrochen werden und ein vollständiges Umdenken stattfinden befor sich dort etwas ändert. Dazu braucht es eine Art Schockerlebnis. Wie zum Beispiel eine entscheidenden militärische Niederlage oder die Befreiung Palästinas oder ähnliches. Erst dann kann mit der Vergangenheitsbewältigung von er gesamten Geschichte und Ideologie begonnen werden, inklusive aller Kriege, der Aufklärung von 9/11 und neuregulierung ihres Wahl- Parteien und Wirtschaftsystems. Selbst dann wird es ein bis zwei Generationen dauern bis der konservative Kern in den USA, der sich aber Aufgrund von Zuwanderung kultureller und gebildeter Menschen aus mexiko und Südamerika und Asien minimiert, beginnt aufzulösen. Bis dahin bleibt das ganze Gerede von Fracking, Nachhaltigkeit nichts anderes wie soviles in den USA: Eine durch Petro-Dollar und WallStr. aufgepumpte Spekulationsblase voller heißer Luft.

    2 Leserempfehlungen
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    Hmm....! Palästina ist längst befreit, genau seit 1918.

  2. Hmm....! Palästina ist längst befreit, genau seit 1918.

    Antwort auf "Alles falsch"
  3. fürchten den Abrutsch in die völlige Armut. Solarzellen auf dem Dach, Fracking und iPhones sind nichts als Nebelkerzen.

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  4. " Rekordmenge von ... Megawatt "

    Megawatt ist eine Einheit für Leistung.

    Die Einheit für Menge in Form von physikalischer Arbeit oder Energie heißt Megawattstunde.

    Leistung mal Zeit ergibt Energie ( z.B. MWh Megawattstunde )

    7 Leserempfehlungen
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    denn die Angabe bezieht sich auf die theoretisch lieferbare Leistung.

    Ihre Angabe wäre die Berechnung unter Volllast in einer Stunde. Nur da dies so gut wie nie vorkommt, nimmt man die theoretische Leistung um einen Vergleichswert bilden zu können.

    Vielleicht ist die Bezeichnung Windenergie (oft auch Windkraft) nicht sonderlich glücklich gewählt, aber sie entspricht dem allgemein gültigen Sprachgebrauch und soll vor allem Nichtphysiker einen Eindruck vermitteln um was es geht.

    • taho
    • 31. März 2013 19:24 Uhr

    Ich kann ergänzend immer wieder zum Thema Klimaschutz auf den hervorrangenden Zeit-Online Artikel "California Greening" aus 2007 verweisen.
    http://www.zeit.de/2007/43/T-Energiesparer-Kalifornien

    Unser Problem ist immer wieder das gleiche. Wir könnten technologisch schon 30 Jahre weiter sein in der Akku-Technik, Klimaschutz, erneuerbarer Energien, you name it. Ich wünschte mir mehr mutige Unternehmer, die es der Idee von Google gleichtun würde. O.a. Artikel sollte - mit Erlaubnis des Verfassers - an den Uni's vorgestellt werden, oder als Vorlage für Verbesserungsvorschläge dienen. Gibt es eigentlich Firmen in Deutschland die ähnlich wie Google verfahren?

    Eine Leserempfehlung
  5. Google ist weltweit der größte Stromverbraucher.

    Daß die sich jetzt ein grünnes Mäntelchen anziehen ist doch nur Gewissensberuhigung.

    Die sollten erst mal ihren Sromverbrauch gewaltig reduzieren.

    Was muß ich mein Geschwätz hier schon nach 1 Stunde über Google finden.

    Es würde auch reichen wenn die nachts das ganze Web abfragen.

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    • xy1
    • 31. März 2013 21:48 Uhr

    Sich erst bei Google zu jeder Tages-und-Nachtstunde die gewünschte Info kostenlos! holen und dann unerbetene, unqualifizierte Ratschläge erteilen.

  6. sind die Amerikaner sehr ökonomisch. Solarpanels werden dort aufgestellt wo die Sonne scheint und Windräder wo auch der Wind weht. So kommt man auch ohne unsinnige Subventionen aus. Photovoltaik hier in Deutschland ist Unsinn und nur mit irre hohen Subventionen möglich. ( Wie bei der Kohle) . Grüner Unsinn halt.....wie immer !!!

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