Papst Franziskus: Nach der Wahl in RomEr hat keine Angst

Was es bedeutet, dass zum ersten Mal ein Jesuit zum Papst gewählt worden ist. Fragen an Hans Zollner, Psychologe und Vize-Rektor der Jesuiten-Universität Gregoriana in Rom von 

DIE ZEIT: Pater Zollner, hätten Sie gedacht, dass jemals ein Jesuit Papst wird?

Hans Zollner: Nein. Es war immer so, dass es den weißen Papst gab und den schwarzen Papst – also einerseits den Heiligen Vater und andererseits den Jesuitengeneral, dessen Auftrag es war, der Kirche und dem Papst zu dienen. Und kein Jesuit war je Papst geworden, auch wenn unsere Ordensgeneräle nach Ignatius von Loyola, dem Ordensgründer, den Beinamen schwarzer Papst bekamen, wegen seines schlichten schwarzen Habits.

ZEIT: Als ergebenster Gefolgsmann des eigentlichen Papstes repräsentierte er seinerzeit eine Auffassung vom christlichen Leben, die ihn aus heutiger Sicht glaubwürdiger erscheinen lässt als den Pontifex selbst. Aber Ignatius war nun einmal als dessen Unterstützer vorgesehen, nicht als Konkurrent.

Zollner: Ja, daran haben wir uns gewöhnt. Es gab zwar Zeiten, in denen die Jesuiten sehr viel Macht hatten in der Kirche. Aber nie wurde einer von uns Papst.

ZEIT: Die Jesuiten schwören äußerste Zurückhaltung, was Ämter anbelangt. Ist ein jesuitischer Papst eigentlich noch Jesuit?

Zollner: Wir Jesuiten legen ein Gelübde ab, dass wir keine Ämter anstreben sollen. Es kann nur dann aufgehoben werden, wenn der Papst selber einschreitet, und das hat vor allem Johannes Paul II. einige Male gemacht. Er machte Bergoglio zum Erzbischof von Buenos Aires. Die Eigenart unseres Ordens war Johannes Paul II. wohl fremd. Denn wir sollen höchstens dort Bischöfe werden, wo es sich um Missionsgebiete handelt.

ZEIT: Darf ein Papst aufgrund seiner absoluten Machtfülle sich über das jesuitische Gelübde hinwegsetzen?

Zollner: Wenn ein Papst meint, dass er einen Jesuiten braucht, kann er ihn einsetzen, wo er will. Die Päpste haben dem Jesuitenorden immer wieder Aufgaben erteilt. Paul VI. zum Beispiel schickte uns in die Auseinandersetzung mit dem Atheismus. Johannes Paul II. wollte uns für die neue Evangelisierung. Benedikt XVI. betonte unsere Aufgabe, Glauben und Wissen zu vereinen. Auch Papst Franziskus kann uns einen Auftrag geben, so wie wir etwa beauftragt sind, die Universität Gregoriana zu führen.

ZEIT: Sie selbst sind Vizerektor der Pontificia Università Gregoriana, die von Ignatius von Loyola gegründet wurde. Der Papst hat sie im Angelus erwähnt. Es heißt, dass Kardinal Bergoglio aber jahrelang im Streit mit dem Jesuitenorden lag. Warum?

Zollner: Es ging um seine Rolle in der Diktatur, er musste als Provinzial einen schmalen Pfad beschreiten. Aber ich denke, das ist beigelegt. Er hat sich ja bereits mit unserem Generaloberen getroffen.

ZEIT: Wer heute das Wort Jesuit hört, denkt an eine intellektuelle Elite. Trifft das Klischee zu?

Zollner: Wir haben eine lange Tradition in der Erziehung und der humanistischen Bildung, nicht unbedingt nur in der Academia. Allein heute sind in den USA 28 Universitäten in unserer Verantwortung.

ZEIT: Bekämpfen Sie dort immer noch die Evangelischen? Die Jesuiten wurden ja gegründet, um Martin Luther zu bekämpfen.

Zollner: Das wird immer wieder behauptet, aber es ist historisch falsch. Viel stärker als über die Gegnerschaft zur Reformation definieren wir uns über die Exerzitien des Ignatius von Loyola, über eine Spiritualität der Weltfreudigkeit, die auch in Verbindung zu Franz von Assisi steht: Gott suchen und finden in allen Dingen. In einer der bedeutendsten ignatianischen Meditationen heißt es, dass Gott anwesend ist in allen Dingen und sich für mich müht. Das heißt, ich muss nur die Augen und das Herz aufmachen, um Gott zu entdecken.

Leserkommentare
    • Baguio
    • 28. März 2013 16:40 Uhr

    Pfarren sind ein Hort für Familie und Kultur und dort sollte auch der Kindergarten sein.

    Eine Leserempfehlung

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