UmweltverschmutzungAlles so sauber
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 Die saubere Luft fiel den Menschen erst gar nicht auf

Die schärfsten Grenzwerte kamen in den 1980er Jahren aus Brüssel, Bonn setzte sie – oft zähneknirschend – um. Erstmals galten nicht nur Höchstwerte für die Belastung der umliegenden Bevölkerung, sondern auch für das Abgas selbst. Hohe Schornsteine halfen nicht mehr, es mussten Filter her. Schon 1988, nach noch nicht einmal zehn Jahren entschiedener Umweltpolitik, waren vier Fünftel aller Kohlekraftwerke mit einer Rauchgaswäsche nachgerüstet, die anderen wurden bis 1993 stillgelegt. 90 Prozent des Schwebstaubs und des Schwefeldioxids verschwanden aus der Luft über dem Ruhrgebiet. Der Veränderung kam schnell, und doch fiel sie den Menschen in Dortmund zunächst gar nicht auf.

»Wie gut die Luft geworden war, habe ich erst gemerkt, als ich Mitte der achtziger Jahre durch die DDR gefahren bin«, erinnert sich Norbert Appel. »Plötzlich stank es so, wie ich es aus der Kindheit kannte.« Der Pfarrer war gerade zwischen Halle und Bitterfeld unterwegs, das Seitenfenster seines VW-Käfers heruntergekurbelt. Im ostdeutschen Braunkohle- und Chemierevier war die Luft noch stärker verpestet als in den schlimmsten Jahren des Ruhrgebiets. Doch zehn Jahre nach der Wende konnte man auch dort wieder durchatmen.

Die Stilllegung der größten Dreckschleudern hat dazu beigetragen, doch noch wichtiger war die Nachrüstung von Kraftwerken und Industrieanlagen mit moderner Umwelttechnik. Das zeigt sich auch auf den Abraumhalden des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. »Früher haben sie sich oft selbst entzündet und vor sich hin geschwelt«, erklärt Wolfgang Gaida auf dem künstlichen Gipfel über Bottrop. Der Landschaftsarchitekt ist beim Regionalverband Ruhr für die Umwandlung von Industriebrachen in Freizeitlandschaften zuständig. »Heute wird der Kohlestaub aus dem Abraum herausgewaschen, bevor er auf die Halde kommt«, sagt er. Zwei Steinkohlezechen sind im Ruhrgebiet noch aktiv, eine davon in Bottrop. Die zugehörige Kokerei Prosper-Haniel produziert direkt unterhalb der Halde Tetraeder. Früher glich der Kunstberg in der Rauchfahne einer Mondlandschaft, inzwischen ist er bewachsen. »Rubinien, Traubenkirschen, Wildrosen, Schlehen, und Birken«, zählt Gaida auf. »Ganz oben wächst Sanddorn, er kommt mit den extremen Bedingungen gut klar.«

Der Boden ist das Archiv der Umweltverschmutzung. Hier bleiben Quecksilber, Phosphor, Benzole und Dioxine lange erhalten, und auch kleine Neueinträge reichern sich weiter an. Für Claudia Baitinger ist das ein entscheidendes Argument gegen neue Schornsteine. Gleich gegen zwei fast fertiggestellte milliardenteure Großkraftwerke in Datteln und Lünen nördlich von Dortmund hat sie mit dem BUND erfolgreich geklagt. Angelpunkt war der Schutz eines benachbarten Flora-Fauna-Habitats. Dort war die nach EU-Recht zulässige Vorbelastung mit Schwermetallen überschritten. Jetzt bieten die Kraftwerksinvestoren eine Reduktion der Leistung und zusätzliche Filter an. »Geht doch«, meint Baitinger und ergänzt: »Die brauchen den Druck.«

»Umweltpolitik war in Deutschland immer dann erfolgreich, wenn das überzeugende Engagement der Bürger politisches Handeln erzwang«, sagt Klaus Töpfer. Von 1987 bis 1994 war er Deutschlands zweiter Umweltminister, später Chef des UN-Umweltprogramms in Nairobi. »Alle Umweltprobleme, die für die Menschen sichtbar, riechbar und hörbar sind oder gesundheitliche und wirtschaftliche Konsequenzen befürchten« ließen, seien »erfolgreich in Angriff genommen« worden. Selbst an der Emscher ist das mittlerweile nicht zu übersehen. Munter plätschert der klare Bach von der Quelle bei Holzwickede bis hinein nach Dortmund. Die ersten Fische wurden gesichtet, und von der Blauflügel-Prachtlibelle bis zur Köcherfliege sind Dutzende bedrohte Arten zurückgekehrt. In einigen Jahren werden es noch mehr sein. Dann verschwindet das Absturzbauwerk an der Mündung in den Rhein, und die Fische haben wieder freie Bahn von Basel bis nach Dortmund. »Schon heute stehen die Tiere vor dem Auslass und wollen hoch«, sagt Mario Sommerhäuser, Biologe bei der Emschergenossenschaft. Drei neue Klärwerke an den Emscherzuläufen und der Neubau einer biologischen Reinigungsstufe direkt vor der Mündung holen so viel Schmutz aus dem Fluss, dass er für Fische attraktiv wird.

»Cloaca maxima des Ruhrgebiets« nannte man die Emscher früher. Das hatte seinen Grund, wie man im Süden der Halde Tetraeder noch immer sehen kann. Der Fluss transportiert hier – eingezwängt in einen offenen Betontrog, gesäumt von schnurgeraden Deichen – eine giftig-braune Brühe: die Abwässer von 2,3 Millionen Menschen und noch einmal die gleiche Menge an Industrieabwasser.

Doch die Tage des größten »offenen Schmutzwassersystems« Europas, so der Fachausdruck, sind gezählt. Bis 2020 wird die Emscher in riesigen Kanalrohren verschwinden, darüber entsteht wieder ein Fluss. 4,5 Milliarden Euro investieren die Emschergenossenschaft und das Land NRW, es ist eines der größten Bauvorhaben der Republik – und völlig unumstritten. Dabei sind viele Tausend Anlieger direkt von jahrelangen Rammarbeiten und hunderttausenden Fahrten von Lkws betroffen. Doch der Zweck leuchtet jedem ein. Ganze zwei Klagen gab es dagegen – eine war unzulässig, die zweite wurde zurückgezogen.

Ein Bad in der Weser, Lachse im Rhein, Muscheln in der Emscher – Deutschlands Gewässer sind so sauber wie seit 50 Jahren nicht mehr. Der Rhein ist nicht mehr mit Blei, die Elbe nicht mehr mit Quecksilber vergiftet, auf kleinen Flüssen und Bächen sind kaum noch Schaumberge zu sehen. Seit ein paar Jahren streifen auch wieder Wölfe und Luchse durch die deutschen Wälder, Biber und Fischotter schwimmen in kleineren Wasserläufen. Im Kaiserstuhl kann man Wildkatzen beobachten, Luchse im Harz. Selbst Adler werden wieder gesichtet.

Eine völlige Wiederherstellung der Natur freilich ist nicht möglich. Die Ränder der Emscher, die früher Flussauen säumten, lassen sich nicht mehr renaturieren. 200 Jahre Bergbau haben den Untergrund des Ruhrgebiets durchlöchert wie einen Schweizer Käse, über weite Strecken ist der Erdboden um bis zu 20 Meter abgesackt. Große Pumpwerke müssen die Emscher und ihre Zuflüsse in Richtung Rhein bewegen. Würden sie abgeschaltet, wäre das Ruhrgebiet schon bald eine Seenplatte. Es ist eine der sogenannten Ewigkeitslasten der Kohleförderung. Sie kostet nicht nur Geld, sondern benötigt sehr viel Energie – so trägt der Umweltschutz indirekt auch zum Klimawandel bei.

Das Stahlwerk in Dortmund-Hörde, das den Stadtteil mit seinen Abgasen, Rohren und Loren 150 Jahre lang geprägt hat und Generationen Arbeit gab, ist verschwunden. 2001 wurde es aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt, demontiert und in Teilen nach China verkauft. Zurück blieb ein gewaltiges Loch, das vor zwei Jahren mit Trinkwasser geflutet wurde. So entstand der Phoenix-See, der mit 24 Hektar größer ist als die Hamburger Binnenalster. Seine steile Nordseite wird gerade zu Dortmunds Goldküste, die ersten Designervillen sind schon bezugsfertig. Direkt davor mäandert die Emscher in ihrem neuen grünen Bett. Aus dem Abraum entstand ein Aussichtsberg. Unterhalb dessen hat die Emschergenossenschaft einen Weinberg angelegt, 96 Reben der Sorte Phoenix.

 
Leser-Kommentare
  1. nur habe ich arge Zweifel ob ausgerechnet das Ruhrrevier als "sauber" angesprochen werden kann?

    Zudem, das erzähle ich als Arbeitschutzverantwortlicher bei jeder Einweisung in Überwachungsgeräte wieder, sind niedrigere Konzentrationen keine Gewähr für Hamlosigkeit, es kommt immer auf die Gesamtdosis an....

    Der Untergrund ist auch nicht besser geworden, allenfalls unzureichend untersucht! Mit Parameterlisten allein kommt man da nicht weiter.

    Peter

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  2. Durch Auflagen seitens der Politik und der verbesserten, modernen Technik wurden Industriebetriebe immer sauberer. Aber einen guten Teil zur "wunderbaren" Luftverbesserung trug und trägt einfach das verschwinden der Industriebetriebe bei. Tja, man kann nicht alles haben: saubere Luft und Arbeitsplätze, gerade im Ruhrpott. Nicht wahr?

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    Ein großer Teil der Stahlwerke wurde dicht gemacht, als diese durch eine Absatzkrise beim Stahl unrentabel waren. Damals wurden Werke komplett an die Chinesen verkauft. Zwischenzeitlich war die Stahlproduktion hoch profitabel. Durch die Wirtschaftskrise sieht es jetzt wieder anders aus.

    Die Stahlproduktion ist nicht mehr zwangsläufig mit viel Dreck für die Umwelt verbunden.

    Ein großer Teil der Stahlwerke wurde dicht gemacht, als diese durch eine Absatzkrise beim Stahl unrentabel waren. Damals wurden Werke komplett an die Chinesen verkauft. Zwischenzeitlich war die Stahlproduktion hoch profitabel. Durch die Wirtschaftskrise sieht es jetzt wieder anders aus.

    Die Stahlproduktion ist nicht mehr zwangsläufig mit viel Dreck für die Umwelt verbunden.

  3. Ich bin in Dortmund aufgewachsen. Wir haben zwar die Wäsche im Garten getrocknet, aber wir hatten auch jede Menge Wäsche. Helle Kleidung zeigte schon nach wenigen Stunden Schmutzränder.

    Hinter dem Häuschen meiner Großeltern am Rande des Ruhrgebietes floß ein Bach. Mir war als Kind verboten, ins Wasser zu fassen. Der Bach stank fürchterlich, und mein Opa nannte ihn Köttelbecke.

    Vor einiger Zeit bin ich dort hingefahren, um meinen Kindern die Spielplätze meiner Kindheit zu zeigen. Der Bach war klar, und an seinem Ufer saßen Angler.

    Ein Bild, das in meiner Kindheit überhaupt nicht vorstellbar war.

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  4. Der südliche Teil der Ruhrgebiets war schon immer dessen "grüne Schokoladenseite". Man sollte daher etwas differenzieren.

    Der "typische Geruch" kommt in der Regel weniger von den Industrieanlagen, als von der massenhaften Kohleverfeuerung durch die Privathaushalte. Insbesondere Braunkohle stinkt bei der Verbrennung. Kohle war halt in beiden Regionen damals ein billiger Brennstoff. Mittlerweile haben die meisten Haushalte auf Öl oder Gas umgestellt, weil das auch bequemer ist, weniger staubt und stinkt.

    Jede alte Industriebrache ist problematisch, da wurde vieles einfach in den Boden gekippt oder lief aus. Hierbei würde ich aber den Boden eines Stahlwerks oder eines metallverarbeitenden Betriebs ganz klar einem Chemiewerk vorziehen.

    Eine Kleinigkeit zum Schluss: Das Ruhrgebiet hat eine gute geographische Lage mit viel Westwind. Da wird die verbrauchte Luft auch schnell weggeweht. In etlichen deutschen Großstädten ist aufgrund von Talkessellagen der Luftaustausch wesentlich schlechter.

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    auch ich arbeite im Bereich Chemie, glücklicherweis nicht im Pott!
    Kollegen von dort bereichten häufiger das die ihre Hausanalytik gegen Störeinflüsse aus dem Untergrund, meist Ausgasungen oder Eindringen in den Bauwerkskeller(!), aufwändig abschirmen oder fremdvergeben müssen!

    Selbst Brauchwassergewinnung kann zum Problem werden, übersteigen die Aufbereitungskosten doch den Trinkwasserpreis, weil auch Chemie- und Bergbaubrachen praktisch überall Störsubstanzen vorhanden sind.

    Stahl ist wohl ok, Metallverarbeitung nur ohne Entfettung, da dort großzügig mit Tetra; Methylenchlorid etc geferkelt wurde.

    Peter

    Oh je. Das musst du gelesen haben.
    .
    Ich kann dir von einer/mehreren Strassenbahnlinie erzählen, die du mit geschloßenen Augen fahren und am Geruch erkennen konntest wo du gerade warst!
    .
    Treber = Unionbrauerei
    Benzol die 1. = Kokerei Hansa
    Benzol die 2. = Kokerei Hansemann
    ....
    .
    Braunkohle wurde im "Pott" fast gar nicht verheizt. Da gab es feinsten "Anthrazit" als Deputatkohle;-) Man hatte es doch, oder der Nachbar:-)
    .
    Grinsegruesse
    Sikasuu

    auch ich arbeite im Bereich Chemie, glücklicherweis nicht im Pott!
    Kollegen von dort bereichten häufiger das die ihre Hausanalytik gegen Störeinflüsse aus dem Untergrund, meist Ausgasungen oder Eindringen in den Bauwerkskeller(!), aufwändig abschirmen oder fremdvergeben müssen!

    Selbst Brauchwassergewinnung kann zum Problem werden, übersteigen die Aufbereitungskosten doch den Trinkwasserpreis, weil auch Chemie- und Bergbaubrachen praktisch überall Störsubstanzen vorhanden sind.

    Stahl ist wohl ok, Metallverarbeitung nur ohne Entfettung, da dort großzügig mit Tetra; Methylenchlorid etc geferkelt wurde.

    Peter

    Oh je. Das musst du gelesen haben.
    .
    Ich kann dir von einer/mehreren Strassenbahnlinie erzählen, die du mit geschloßenen Augen fahren und am Geruch erkennen konntest wo du gerade warst!
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    Treber = Unionbrauerei
    Benzol die 1. = Kokerei Hansa
    Benzol die 2. = Kokerei Hansemann
    ....
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    Braunkohle wurde im "Pott" fast gar nicht verheizt. Da gab es feinsten "Anthrazit" als Deputatkohle;-) Man hatte es doch, oder der Nachbar:-)
    .
    Grinsegruesse
    Sikasuu

  5. Südwestfälische Seenplatte:
    .
    Die Bergsenkungen (bis 20-30m unter natürliche Entwässerung) im Ruhrgebiet betreffen Flächen von mehreren hundert Km². Die Kosten für die Wasserhaltung/Instandhaltung waren bis vor kurzer Zeit auf EWIG an die Produktion gekoppelt.
    .
    Das hat von der Goldmark bis zum Euro gut geklappt. Erst unter Rütgers/Merkel wurde dieser "Ewigkeitsvertrag" aufgelöst, die RAG in einen "weissen/schwarzen" Bereich zerschlagen und die Bergschäden in eine Stiftung ausgelagert, die mit dem Kapital des "weißen" Bereichs aus dem Börsenverkauf ausgestattet werden soll.
    .
    Damit wird wie wohl auch bei den AKWs der Gewinn privatisiert und auf Dauer die Schäden wohl vergesellschaftet!
    .
    Die Bergehalden sind ein weiteres GROSSES Problem. Das Gestein ist sehr salzhaltig (bis 4%) und verdirbt durch Sickerwasser die umliegenden Grund-/Oberflächenwasser.
    .
    Die "Löcher=Zechen" müssen s.o. abgepumt werden. Saufen sie ab bekommt Grubenwasser (sehr salzhaltig) Kontakt zum Grundwasser und die Wasserversorgung von ca 8 Mio. Menschen... s.o.
    .
    Der Rhein bei Wesel ist der "welthöchste"? Fluß über dem umliegenden Land. Wenn dort die Deiche.......
    .
    Mit "Nachwehen" des Bergbaus wird diese Region noch auf "ewig" belastet sein, wobei die "Südwestfälische Seenplatte" wohl die größte Binnenwasserfläche Europas sein würde. Spannendes Segel und Freizeitrevier :))
    .
    Was bei Starkregen.... geschieht? Mehrfach "klein Venedig" gab es hier schon!
    .
    Sauber, aber nicht "rein" :-)
    Weiss
    Sikasuu

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    na dann können wir hier im Revier ja froh sein, dass für 4 Millionen Bürger die Trinkwassergewinnung über die Ruhr erfolgt ;)

    Die Ruhr ist von irgendwelchen Bergbauüberresten nicht betroffen (Bergbau dort in vorindustrieller Zeit: Zeche Eimerweise) und auch Stahl- und Chemieindustrie findet man im Norden des Ruhrgebietes.

    Was die Trinkwasserqualität in der jüngeren Vergangenheit gestört hat, waren (und sind) sind die eingeschwämmten Überreste der Landwirtschaft, Biozide (Pflanzenschutzmittel, Antibiotika, etc.) .

    http://www.lanuv.nrw.de/v...

    Aber ansonsten : die Lebensqualität ist spürbar gestiegen !

    In unserem Wirtschaftssystem ist es immer so, dass die Allgemeinheit für die Folgekosten aufkommt. Verbleiben die Kosten bei den Rechtsnachfolgern der alten Zechen, so haben diese massive Wettbewerbsnachteile und die Bewohner der Region werden doppelt bestraft.
    Die Leute, die damals den großen Reibach gemacht haben, haben ihre Gewinne schon längst im Trockenen.

    Überflutungen bei Starkregen gibt es auch in vielen anderen Regionen. Dies hatte im Ruhrgebiet eher mit der Bodenversiegelung und der Kanalisation zu tun, als das die "Pumpen nicht nachgekommen wären".

    na dann können wir hier im Revier ja froh sein, dass für 4 Millionen Bürger die Trinkwassergewinnung über die Ruhr erfolgt ;)

    Die Ruhr ist von irgendwelchen Bergbauüberresten nicht betroffen (Bergbau dort in vorindustrieller Zeit: Zeche Eimerweise) und auch Stahl- und Chemieindustrie findet man im Norden des Ruhrgebietes.

    Was die Trinkwasserqualität in der jüngeren Vergangenheit gestört hat, waren (und sind) sind die eingeschwämmten Überreste der Landwirtschaft, Biozide (Pflanzenschutzmittel, Antibiotika, etc.) .

    http://www.lanuv.nrw.de/v...

    Aber ansonsten : die Lebensqualität ist spürbar gestiegen !

    In unserem Wirtschaftssystem ist es immer so, dass die Allgemeinheit für die Folgekosten aufkommt. Verbleiben die Kosten bei den Rechtsnachfolgern der alten Zechen, so haben diese massive Wettbewerbsnachteile und die Bewohner der Region werden doppelt bestraft.
    Die Leute, die damals den großen Reibach gemacht haben, haben ihre Gewinne schon längst im Trockenen.

    Überflutungen bei Starkregen gibt es auch in vielen anderen Regionen. Dies hatte im Ruhrgebiet eher mit der Bodenversiegelung und der Kanalisation zu tun, als das die "Pumpen nicht nachgekommen wären".

  6. auch ich arbeite im Bereich Chemie, glücklicherweis nicht im Pott!
    Kollegen von dort bereichten häufiger das die ihre Hausanalytik gegen Störeinflüsse aus dem Untergrund, meist Ausgasungen oder Eindringen in den Bauwerkskeller(!), aufwändig abschirmen oder fremdvergeben müssen!

    Selbst Brauchwassergewinnung kann zum Problem werden, übersteigen die Aufbereitungskosten doch den Trinkwasserpreis, weil auch Chemie- und Bergbaubrachen praktisch überall Störsubstanzen vorhanden sind.

    Stahl ist wohl ok, Metallverarbeitung nur ohne Entfettung, da dort großzügig mit Tetra; Methylenchlorid etc geferkelt wurde.

    Peter

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    Hast du aber noch nett gesagt!
    .
    Mal zwei Beispiele:
    1. Ex Zechengelände Dortmund Mengede, Zeche Hansemann (mit Kokerei):
    Nachnutzung Wohnbebauung. MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, nach Arbeitsschutzrichtlinien unbegehbar, Schwerer Atemschutz........ gequählte Sanierung. Waren ja bloß Sozialwohnungen.....
    .
    2. Ex Zechengelände Dortmund Dorstfeld (Süd) mit Kokerei:
    Nachnutzung Eigenheimsiedlung (Uninähe) MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, Garten usw. s.o.
    .
    Die aufwändigste Bodensanierung Europas bis in 2 m Tiefe. Trotzdem fast unverkäuflich.........
    .
    Beide Flächen wurden "lastenfrei" vom Bergbau an die Stadt übergeben. Jeder "Altanwohner" hätte dort nicht einmal einen Hühnerstall aufgestellt!
    ####
    Warum haben wir hier im "Pott" denn wohl so viele "Grünflächen" auf alten Industriebrachen? :-((
    .
    Ach, was solls. Die Alteigentümer werden ja für die Umwelt-Schäden nie zur Kasse gebeten! (Siehe Phönix, Gelsenkirchen, Bottrop, Oberhausen, Duisburg, RAG-Stiftung.......demnächst "Endlager")
    .
    Knurrende Gruesse
    Sikasuu

    Also neben einem Chemiewerk wohnen oder auf oder neben einem ehem Chemiewerk zu bauen, ist auch nicht so prickelnd. Wenn ich mich recht erinnere, war eine problematische Häuserzeile auf dem Grundstück einer Munitionsfabrik erbaut worden.

    Gerade bei alten Chemiewerken dürfte die Gegend besonders prickelnd sein. Ich erinnere mich merkwürdigen Schnee in Frankfurt Hoechst, als es dort mal gebrannt hatte. Gerade im WKII sind diese Werke auch kräftig bombardiert worden. Bei den Bränden dürften so einige Verbindungen in die Umwelt entwichen sein.

    Mir hat, ehrlich gesagt, schon im Studium die räumliche Nähe zu den Chemikern gereicht. Da war regelmäßig Party mit der Feuerwehr.

    Hast du aber noch nett gesagt!
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    Mal zwei Beispiele:
    1. Ex Zechengelände Dortmund Mengede, Zeche Hansemann (mit Kokerei):
    Nachnutzung Wohnbebauung. MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, nach Arbeitsschutzrichtlinien unbegehbar, Schwerer Atemschutz........ gequählte Sanierung. Waren ja bloß Sozialwohnungen.....
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    2. Ex Zechengelände Dortmund Dorstfeld (Süd) mit Kokerei:
    Nachnutzung Eigenheimsiedlung (Uninähe) MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, Garten usw. s.o.
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    Die aufwändigste Bodensanierung Europas bis in 2 m Tiefe. Trotzdem fast unverkäuflich.........
    .
    Beide Flächen wurden "lastenfrei" vom Bergbau an die Stadt übergeben. Jeder "Altanwohner" hätte dort nicht einmal einen Hühnerstall aufgestellt!
    ####
    Warum haben wir hier im "Pott" denn wohl so viele "Grünflächen" auf alten Industriebrachen? :-((
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    Ach, was solls. Die Alteigentümer werden ja für die Umwelt-Schäden nie zur Kasse gebeten! (Siehe Phönix, Gelsenkirchen, Bottrop, Oberhausen, Duisburg, RAG-Stiftung.......demnächst "Endlager")
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    Knurrende Gruesse
    Sikasuu

    Also neben einem Chemiewerk wohnen oder auf oder neben einem ehem Chemiewerk zu bauen, ist auch nicht so prickelnd. Wenn ich mich recht erinnere, war eine problematische Häuserzeile auf dem Grundstück einer Munitionsfabrik erbaut worden.

    Gerade bei alten Chemiewerken dürfte die Gegend besonders prickelnd sein. Ich erinnere mich merkwürdigen Schnee in Frankfurt Hoechst, als es dort mal gebrannt hatte. Gerade im WKII sind diese Werke auch kräftig bombardiert worden. Bei den Bränden dürften so einige Verbindungen in die Umwelt entwichen sein.

    Mir hat, ehrlich gesagt, schon im Studium die räumliche Nähe zu den Chemikern gereicht. Da war regelmäßig Party mit der Feuerwehr.

  7. Am Nordhang des "Phonixsees" ist schon vor Jahrhunderten ein "Weingarten" gewesen:-) Die Strassennamen "Weingartenstrasse, usw......" und ein Blick in die Regionalgeschichte zeugen noch davon.
    (In Lünen-Brambauer 20km weiter nördlich (auf der Halde) stehen Reben schon seit ca 20 Jahren:-))
    .
    Btw. Der Phönixsee selbst ist auch kein sich selbsterhaltendes Gewässer. Als "Flachwassertümpel" (die "saubere" Emscher wir daran vorbeigeleitet um sie vor "Verunreinigung" mit Industrierückständen zu schützen) wird er erheblichen Pflegeaufwand brauchen um nicht zu "kippen".
    .
    Das für die seit >200 Jahren kontaminierte Ex-Stahlwerksfläche keine andere Nutzung möglich, war sollte auch einmal gesagt werden.
    .
    Ein "hübscher" Beitrag im Überblick, der leider die bestehenden Probleme nicht wirklich umreißt, sondern m.M.n. mehr verschleiert!
    .
    Verständlich, wenn die Hauptinformationen von interessengeleitetet "Pressestellen" aus der Region kommen :-((
    .
    Gruss
    Sikasuu

    Eine Leser-Empfehlung
  8. Oh je. Das musst du gelesen haben.
    .
    Ich kann dir von einer/mehreren Strassenbahnlinie erzählen, die du mit geschloßenen Augen fahren und am Geruch erkennen konntest wo du gerade warst!
    .
    Treber = Unionbrauerei
    Benzol die 1. = Kokerei Hansa
    Benzol die 2. = Kokerei Hansemann
    ....
    .
    Braunkohle wurde im "Pott" fast gar nicht verheizt. Da gab es feinsten "Anthrazit" als Deputatkohle;-) Man hatte es doch, oder der Nachbar:-)
    .
    Grinsegruesse
    Sikasuu

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