UmweltverschmutzungAlles so sauber

Der Himmel über dem Ruhrgebiet ist wieder blau. Ein Besuch in der einst dreckigsten Region Deutschlands

Auf die verrückte Idee, Wäsche an die frische Luft zu hängen, wäre im Ruhrgebiet damals niemand gekommen. Frische Luft gab es nicht. »Der Dreck war überall«, erinnert sich Norbert Appel. Der vollbärtige Pfarrer ist damals in Dortmund-Hörde zur Schule gegangen, genau zwischen Phönix-West und Phönix-Ost, den beiden Teilen des Stahlwerks der Hüttenunion. Aus dem Klassenzimmer fiel der Blick auf den Schlot der Hörder Fackel an der gegenüberliegenden Straßenseite. »Das Christkind backt Plätzchen«, sagten die Eltern ihren Kindern, wenn die Flammen gelbrot in den grauen Himmel schlugen.

Ruß, Schwefel, Staub und Stickoxide – am schlimmsten war der Smog Anfang Dezember 1962. Eine Inversionswetterlage hatte fünf Tage lang den Luftaustausch gestoppt, die Schadstoffbelastung schoss in die Höhe, über 150 Menschen starben, darunter auch die sechsjährige Tochter einer Cousine von Norbert Appel. »Sie bekam einfach keine Luft mehr«, erinnert er sich. Die Familie habe den Erstickungstod mit einer »gewissen Selbstverständlichkeit« hingenommen. »Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen!«

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Denn der Smog hat sich gelichtet. Industrieanlagen, dicht befahrene Straßen und endlose Besiedlung prägen noch immer das Bild des Ruhrgebiets, doch dazwischen gibt es klare Bäche, grün überwachsene Abraumhalden, ausgedehnte Wälder. Wer im Sommer einen Strandnachmittag an der Ruhr verbringt, muss mit Sonnenbrand rechnen. Und an Wäscheständern in Wanne-Eickel wehen weiße Bettlaken.

Keine 40 Jahre hat das Großreinemachen gedauert. Nicht nur im Ruhrgebiet. Vom Bodensee bis nach Kiel hat sich die Qualität von Luft, Wasser und Boden enorm verbessert. Alles Abwasser wird geklärt, alle offenen Hausmülldeponien wurden geschlossen, alle Müllverbrennungsanlagen mit einer Rauchgaswäsche ausgerüstet, ihr Dioxinausstoß ist fast auf null gesunken. Deutschlands Wälder haben sich um zehn Prozent ausgedehnt, drei Viertel ihrer Bäume sind gesund. Blei ist zuerst aus dem Benzin und dann aus der Luft verschwunden, FCKW wurde verboten, das Ozonloch beginnt sich langsam zu schließen. Erneuerbare Energie hat die Atomkraft im Stromnetz überholt. Die Fläche der Naturschutzgebiete hat sich seit 1972 versiebenfacht.

Die Erfolge der Umweltpolitik sind unübersehbar, doch nirgendwo fallen sie so drastisch ins Auge wie im industriellen Zentrum Nordrhein-Westfalens.

Den besten Überblick bietet die Halde Tetraeder mitten in Bottrop. Sie ist nach einer spektakulären Metallkonstruktion benannt, die weit über den 75 Meter hohen Gipfel aus dem Abraum der benachbarten Zeche hinausragt. Ganz oben schwebt eine Aussichtsplattform, unter der sich das Industrierevier mit seinen gut fünf Millionen Einwohnern und vielen Dutzend Schloten ausbreitet. Die auffälligsten von ihnen stehen in Scholven, Herne und Voerde neben Steinkohlekraftwerken, die zu den größten Deutschlands gehören. Mit ihrer Höhe zwischen 250 und 300 Meter markieren sie den Anfang vom Ende des dreckigen Potts. »Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden«, hatte Willy Brandt im Bundestagswahlkampf 1961 gefordert und war damals – auch von seinen Genossen –verlacht worden. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, und der Schmutz galt als seine notwendige Begleiterscheinung. Jedes Jahr bliesen die Schlote der Montanindustrie zwischen Dortmund und Duisburg weit über eine Million Tonnen Staub, Asche und Ruß sowie vier Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Luft. Dazu kamen die Abgase der Chemieindustrie und des zunehmenden Autoverkehrs. Regen spülte das Gift in Bäche und Flüsse, Kläranlagen existierten kaum, Fische starben, die Trinkwasserqualität litt.

Umweltschutz war noch kein Begriff, stattdessen galt seit Beginn der Industrialisierung das Prinzip der Ortsüblichkeit. Kurorte und wohlhabende Stadtteile blieben vom Dreck verschont, das Ruhrgebiet sollte ihn akzeptieren. Das änderte sich erst mit dem rasch wachsenden Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre. Sie brachten nicht nur extreme Schadstoffkonzentrationen, sondern auch eindeutige Erkenntnisse über deren Folgen. Willy Brandt bezog sich in seiner Wahlkampfrede auf »erschreckende Untersuchungsergebnisse«, die eine »Zunahme von Leukämie, Krebs, Rachitis und Blutbildveränderungen sogar schon bei Kindern« festgestellt hätten.

Bund und Länder erließen damals erste Grenzwerte, die Industrie unterlief sie mit einer »Politik der hohen Schornsteine«. Die Luftschadstoffe wurden nicht reduziert, sondern so weiträumig verteilt, dass sie nirgendwo die erlaubte Konzentration überschritten. Tatsächlich halbierte sich damit die Belastung im Ruhrgebiet, dafür fiel nun in halb Europa saurer Regen. »In Schweden wurden deutsche Touristen in Broschüren aufgefordert, sich zu Hause für Filter stark zu machen«, erinnert sich Wilfried Kühling. Seit 30 Jahren forscht und kämpft der Dortmunder Umweltingenieur für saubere Luft, unter anderem im wissenschaftlichen Beirat des BUND. Ein »Riesenerfolg« sei im Rückblick zu verzeichnen, sagt er, »auch Dank der EU«.

Leser-Kommentare
  1. diese Bäume haben mit Rubinen nichts gemein. Hervorragendes Pioniergehölz.

    Sie gefallen mir sehr, äusserst attraktiv in der Blüte.

    Jedoch (um dem süßen Becher etwas Galle hinzuzufügen): Sie ist ein Neophyt, gar ein invasiver!
    Noch schlimmer: Ein amerikanischer!

    Es gibt erste Stimmen, die Verbote fordern... ;-)

  2. Ein großer Teil der Stahlwerke wurde dicht gemacht, als diese durch eine Absatzkrise beim Stahl unrentabel waren. Damals wurden Werke komplett an die Chinesen verkauft. Zwischenzeitlich war die Stahlproduktion hoch profitabel. Durch die Wirtschaftskrise sieht es jetzt wieder anders aus.

    Die Stahlproduktion ist nicht mehr zwangsläufig mit viel Dreck für die Umwelt verbunden.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Ein Wunder?"
  3. na dann können wir hier im Revier ja froh sein, dass für 4 Millionen Bürger die Trinkwassergewinnung über die Ruhr erfolgt ;)

    Die Ruhr ist von irgendwelchen Bergbauüberresten nicht betroffen (Bergbau dort in vorindustrieller Zeit: Zeche Eimerweise) und auch Stahl- und Chemieindustrie findet man im Norden des Ruhrgebietes.

    Was die Trinkwasserqualität in der jüngeren Vergangenheit gestört hat, waren (und sind) sind die eingeschwämmten Überreste der Landwirtschaft, Biozide (Pflanzenschutzmittel, Antibiotika, etc.) .

    http://www.lanuv.nrw.de/v...

    Aber ansonsten : die Lebensqualität ist spürbar gestiegen !

    3 Leser-Empfehlungen
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    genau solche Feststellungen, wie in Ihrem Link, sind Teil des Problems!

    Mit Konzentrationsangaben kann ich viel schönreden und als Land NRW die Aktenlage so gestalten, dass kein Handlungsbedarf "nach Rechtslage" daraus erwächst. Typisch verantwortungsloses Handeln der rot-grünen Landesregierung.

    Das ist natürlich logisch so zu handeln, wenn ein Bundesland dermaßen pleite ist. denn die sachgerechte Einschätzung der Schadstoffexposition für einen Standort ist nur über ein sogen. Dauermonitoring möglich. Und genau das wird erfahrungsgemäß nicht gemacht, denn dann wäre z.B. die Einschätzung des PFT-Problems eine ganz andere!

    Bei mir im Technikum gibts bei Neusynthesen ein Dauermonitoring von Kollegen und Technik mit zweckmäßigen Geräten. Das gibts nicht geschenkt, ist aber der einzige Weg Arbeitssicherheit zu gewährleisten, nachvollziehbar!

    Und ausgerechnet eine "umweltfreundliche" Regierung hält sich hier zurück?

    Peter

    Ich bin kein Fan von Klärschlamm/aus Altöl aufgearbeiteter Dünger auf den Feldern (PCB? in der Ruhr) und weiss auch um die Probleme von Gelsenwasser (nördlicher Pott) mit Kunstdünger/ Pestizieden/Gülle....
    .
    aber zw. Landwirtschaft und Zeche/Industrie gibt es einen gewaltigen Unterschied.
    .
    Die "Schadstoffeinträge" der Landwirtschaft sind "oberflächlich" D.h. die sind steuerbar und können mit geeigneten Massnahmen verhindert werden.
    .
    Die Probleme die Zechen/Kokereien/Schwerindustrie hier seit mehreren hundert Jahren verursacht haben sind leider sehr "nachhaltig".
    .
    Benzol, Chemie, Salz.... im Grundwasser haben eine um Potenzen größere und LÄNGERE Schadenswirkung als die Bauern mit ihren Feldern im Oberfflächenwasser. (Wo ist noch einmal die "Kerosinblase im Grundwasser? Bei Weeze oder irgendwo "linksrheinisch"?)
    .
    Was nicht heißen soll, das die "Landwirtschaft" nicht mit Pestiziden, Klärschlamm, Gülle und Kunstdünger gebremst werden muss.
    .
    Gruss
    Sikasuu

    genau solche Feststellungen, wie in Ihrem Link, sind Teil des Problems!

    Mit Konzentrationsangaben kann ich viel schönreden und als Land NRW die Aktenlage so gestalten, dass kein Handlungsbedarf "nach Rechtslage" daraus erwächst. Typisch verantwortungsloses Handeln der rot-grünen Landesregierung.

    Das ist natürlich logisch so zu handeln, wenn ein Bundesland dermaßen pleite ist. denn die sachgerechte Einschätzung der Schadstoffexposition für einen Standort ist nur über ein sogen. Dauermonitoring möglich. Und genau das wird erfahrungsgemäß nicht gemacht, denn dann wäre z.B. die Einschätzung des PFT-Problems eine ganz andere!

    Bei mir im Technikum gibts bei Neusynthesen ein Dauermonitoring von Kollegen und Technik mit zweckmäßigen Geräten. Das gibts nicht geschenkt, ist aber der einzige Weg Arbeitssicherheit zu gewährleisten, nachvollziehbar!

    Und ausgerechnet eine "umweltfreundliche" Regierung hält sich hier zurück?

    Peter

    Ich bin kein Fan von Klärschlamm/aus Altöl aufgearbeiteter Dünger auf den Feldern (PCB? in der Ruhr) und weiss auch um die Probleme von Gelsenwasser (nördlicher Pott) mit Kunstdünger/ Pestizieden/Gülle....
    .
    aber zw. Landwirtschaft und Zeche/Industrie gibt es einen gewaltigen Unterschied.
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    Die "Schadstoffeinträge" der Landwirtschaft sind "oberflächlich" D.h. die sind steuerbar und können mit geeigneten Massnahmen verhindert werden.
    .
    Die Probleme die Zechen/Kokereien/Schwerindustrie hier seit mehreren hundert Jahren verursacht haben sind leider sehr "nachhaltig".
    .
    Benzol, Chemie, Salz.... im Grundwasser haben eine um Potenzen größere und LÄNGERE Schadenswirkung als die Bauern mit ihren Feldern im Oberfflächenwasser. (Wo ist noch einmal die "Kerosinblase im Grundwasser? Bei Weeze oder irgendwo "linksrheinisch"?)
    .
    Was nicht heißen soll, das die "Landwirtschaft" nicht mit Pestiziden, Klärschlamm, Gülle und Kunstdünger gebremst werden muss.
    .
    Gruss
    Sikasuu

  4. Hast du aber noch nett gesagt!
    .
    Mal zwei Beispiele:
    1. Ex Zechengelände Dortmund Mengede, Zeche Hansemann (mit Kokerei):
    Nachnutzung Wohnbebauung. MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, nach Arbeitsschutzrichtlinien unbegehbar, Schwerer Atemschutz........ gequählte Sanierung. Waren ja bloß Sozialwohnungen.....
    .
    2. Ex Zechengelände Dortmund Dorstfeld (Süd) mit Kokerei:
    Nachnutzung Eigenheimsiedlung (Uninähe) MASSIVE Benzolausgasungen in den Kellern, Garten usw. s.o.
    .
    Die aufwändigste Bodensanierung Europas bis in 2 m Tiefe. Trotzdem fast unverkäuflich.........
    .
    Beide Flächen wurden "lastenfrei" vom Bergbau an die Stadt übergeben. Jeder "Altanwohner" hätte dort nicht einmal einen Hühnerstall aufgestellt!
    ####
    Warum haben wir hier im "Pott" denn wohl so viele "Grünflächen" auf alten Industriebrachen? :-((
    .
    Ach, was solls. Die Alteigentümer werden ja für die Umwelt-Schäden nie zur Kasse gebeten! (Siehe Phönix, Gelsenkirchen, Bottrop, Oberhausen, Duisburg, RAG-Stiftung.......demnächst "Endlager")
    .
    Knurrende Gruesse
    Sikasuu

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Lieber Mathematiker,"
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    ein Schulfreund von mir hat vor Jahren die aufgelassene Zeche Recklinghausen untersucht und wusste da auch spannendes zu erzählen.
    Benzol war wohl noch unter den "freundlicheren" Organika, zumal es angeblich einen lustigen Stoffaustausch mit dem Grundwasser geben soll. So wie ich es verstanden hab, ist dort garnichts sanierbar?

    Peter

    Rat deinem Freund doch mal auf so einen Thema zu promovieren!
    .
    Ich weiß nur oberflächlich im diese Probleme, aber das macht mich schon sehr "brummig".
    .
    Wenn man die Geschichte dieser Region etwas kennt und das jetzige Verfahren durchschaut, kann man nur noch böses werden.
    .
    Wir machen den Laden dicht, etwas guene Wiese drüber und nach uns die Sinflut/ bzw. sollen sich die Leute damit plagen.
    .
    So eine ähnliche Veranstaltung scheint ja jetzt wieder an zu laufen. Siehe Endlager et. all.
    .
    Gruss
    aus Luedenscheid Nord
    Sikasuu

    ein Schulfreund von mir hat vor Jahren die aufgelassene Zeche Recklinghausen untersucht und wusste da auch spannendes zu erzählen.
    Benzol war wohl noch unter den "freundlicheren" Organika, zumal es angeblich einen lustigen Stoffaustausch mit dem Grundwasser geben soll. So wie ich es verstanden hab, ist dort garnichts sanierbar?

    Peter

    Rat deinem Freund doch mal auf so einen Thema zu promovieren!
    .
    Ich weiß nur oberflächlich im diese Probleme, aber das macht mich schon sehr "brummig".
    .
    Wenn man die Geschichte dieser Region etwas kennt und das jetzige Verfahren durchschaut, kann man nur noch böses werden.
    .
    Wir machen den Laden dicht, etwas guene Wiese drüber und nach uns die Sinflut/ bzw. sollen sich die Leute damit plagen.
    .
    So eine ähnliche Veranstaltung scheint ja jetzt wieder an zu laufen. Siehe Endlager et. all.
    .
    Gruss
    aus Luedenscheid Nord
    Sikasuu

  5. genau solche Feststellungen, wie in Ihrem Link, sind Teil des Problems!

    Mit Konzentrationsangaben kann ich viel schönreden und als Land NRW die Aktenlage so gestalten, dass kein Handlungsbedarf "nach Rechtslage" daraus erwächst. Typisch verantwortungsloses Handeln der rot-grünen Landesregierung.

    Das ist natürlich logisch so zu handeln, wenn ein Bundesland dermaßen pleite ist. denn die sachgerechte Einschätzung der Schadstoffexposition für einen Standort ist nur über ein sogen. Dauermonitoring möglich. Und genau das wird erfahrungsgemäß nicht gemacht, denn dann wäre z.B. die Einschätzung des PFT-Problems eine ganz andere!

    Bei mir im Technikum gibts bei Neusynthesen ein Dauermonitoring von Kollegen und Technik mit zweckmäßigen Geräten. Das gibts nicht geschenkt, ist aber der einzige Weg Arbeitssicherheit zu gewährleisten, nachvollziehbar!

    Und ausgerechnet eine "umweltfreundliche" Regierung hält sich hier zurück?

    Peter

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    Rückschritt in Sachen Umwelt- und Naturschutz hier mehr dazu:
    http://www.bund-nrw.de/th...

    Natürlich könnte vieles noch besser laufen aber in Sachen PFT hat die jetzige Regierung schon mehr veranlasst, als schwarz-gelb in 5 Jahren !

    Und natürlich haben wir ein massives Finanzproblem nicht nur in NRW und eben massive Altlasten. Und trotzdem geht der Artikel in die richtige Richtung.

    Das Ruhrgebiet hat sich sowohl in Sachen Umweltschutz als auch Kulturangebot deutlich positiv entwickelt in den letzten Jahrzehnten.

    Die Ewigkeitslasten, die durch die nötigen Sümpfungsmaßnahmen nach dem Kohleabbau charakterisiert sind, damit nicht ganze Stadtteile zu Teichlandschaften werden sind richtigerweise erwähnt im Artikel. Natürlich wird wie immer darüber gestritten, wer die Kosten tragen soll.

    Die Fortschritte sind trotzdem jetzt schon in Teilbereichen zu besichtigen, wie z.B. die renaturierte Emscher samt Nebengewässern am Phönix-See in Dortmund.

    Die offenen Abwasserkanäle im Volksmund "Köttelbecke" in der aktiven Bergbauzeit waren die einzig effektive Methode, den Abfluss der Abwässer über das Emschersystem zu gewährleisten. Denn Brüche und Tröge die die Fließrichtung umkehrten konnten so schnell erkannt und behoben werden.

    Gerade der Umbau des Emschersystems ist ein Jahrhundertprojekt, ich freu mich schon auf die Lachswanderung bis zur Emscherquelle in Holzwickede..-);

    Ich musste erst einmal einen Blick bei wiki reinwerfen, um zu erfahren, wer oder was diese PFT, perfluorierte Tenside, sind und was sie bewirken.

    Sie wurden in überhöhten Konzentrationen in der Ruhr, Möhne, in der Muttermilch, in der Leber von Wildschweinen und sogar bei Eisbären gefunden. Sie stehen im Verdacht, u.a. Krebs zu erzeugen.

    Wenn diese Stoffe nicht durch Bakterien metabolisierbar sind, also nicht biologisch abbaubar, wie wird man sie denn wieder los?

    Meine Kenntnisse in Chemie sind leider sehr begrenzt.

    Rückschritt in Sachen Umwelt- und Naturschutz hier mehr dazu:
    http://www.bund-nrw.de/th...

    Natürlich könnte vieles noch besser laufen aber in Sachen PFT hat die jetzige Regierung schon mehr veranlasst, als schwarz-gelb in 5 Jahren !

    Und natürlich haben wir ein massives Finanzproblem nicht nur in NRW und eben massive Altlasten. Und trotzdem geht der Artikel in die richtige Richtung.

    Das Ruhrgebiet hat sich sowohl in Sachen Umweltschutz als auch Kulturangebot deutlich positiv entwickelt in den letzten Jahrzehnten.

    Die Ewigkeitslasten, die durch die nötigen Sümpfungsmaßnahmen nach dem Kohleabbau charakterisiert sind, damit nicht ganze Stadtteile zu Teichlandschaften werden sind richtigerweise erwähnt im Artikel. Natürlich wird wie immer darüber gestritten, wer die Kosten tragen soll.

    Die Fortschritte sind trotzdem jetzt schon in Teilbereichen zu besichtigen, wie z.B. die renaturierte Emscher samt Nebengewässern am Phönix-See in Dortmund.

    Die offenen Abwasserkanäle im Volksmund "Köttelbecke" in der aktiven Bergbauzeit waren die einzig effektive Methode, den Abfluss der Abwässer über das Emschersystem zu gewährleisten. Denn Brüche und Tröge die die Fließrichtung umkehrten konnten so schnell erkannt und behoben werden.

    Gerade der Umbau des Emschersystems ist ein Jahrhundertprojekt, ich freu mich schon auf die Lachswanderung bis zur Emscherquelle in Holzwickede..-);

    Ich musste erst einmal einen Blick bei wiki reinwerfen, um zu erfahren, wer oder was diese PFT, perfluorierte Tenside, sind und was sie bewirken.

    Sie wurden in überhöhten Konzentrationen in der Ruhr, Möhne, in der Muttermilch, in der Leber von Wildschweinen und sogar bei Eisbären gefunden. Sie stehen im Verdacht, u.a. Krebs zu erzeugen.

    Wenn diese Stoffe nicht durch Bakterien metabolisierbar sind, also nicht biologisch abbaubar, wie wird man sie denn wieder los?

    Meine Kenntnisse in Chemie sind leider sehr begrenzt.

  6. ein Schulfreund von mir hat vor Jahren die aufgelassene Zeche Recklinghausen untersucht und wusste da auch spannendes zu erzählen.
    Benzol war wohl noch unter den "freundlicheren" Organika, zumal es angeblich einen lustigen Stoffaustausch mit dem Grundwasser geben soll. So wie ich es verstanden hab, ist dort garnichts sanierbar?

    Peter

  7. Ich bin kein Fan von Klärschlamm/aus Altöl aufgearbeiteter Dünger auf den Feldern (PCB? in der Ruhr) und weiss auch um die Probleme von Gelsenwasser (nördlicher Pott) mit Kunstdünger/ Pestizieden/Gülle....
    .
    aber zw. Landwirtschaft und Zeche/Industrie gibt es einen gewaltigen Unterschied.
    .
    Die "Schadstoffeinträge" der Landwirtschaft sind "oberflächlich" D.h. die sind steuerbar und können mit geeigneten Massnahmen verhindert werden.
    .
    Die Probleme die Zechen/Kokereien/Schwerindustrie hier seit mehreren hundert Jahren verursacht haben sind leider sehr "nachhaltig".
    .
    Benzol, Chemie, Salz.... im Grundwasser haben eine um Potenzen größere und LÄNGERE Schadenswirkung als die Bauern mit ihren Feldern im Oberfflächenwasser. (Wo ist noch einmal die "Kerosinblase im Grundwasser? Bei Weeze oder irgendwo "linksrheinisch"?)
    .
    Was nicht heißen soll, das die "Landwirtschaft" nicht mit Pestiziden, Klärschlamm, Gülle und Kunstdünger gebremst werden muss.
    .
    Gruss
    Sikasuu

    Eine Leser-Empfehlung
  8. Rat deinem Freund doch mal auf so einen Thema zu promovieren!
    .
    Ich weiß nur oberflächlich im diese Probleme, aber das macht mich schon sehr "brummig".
    .
    Wenn man die Geschichte dieser Region etwas kennt und das jetzige Verfahren durchschaut, kann man nur noch böses werden.
    .
    Wir machen den Laden dicht, etwas guene Wiese drüber und nach uns die Sinflut/ bzw. sollen sich die Leute damit plagen.
    .
    So eine ähnliche Veranstaltung scheint ja jetzt wieder an zu laufen. Siehe Endlager et. all.
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    um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen:

    Altlasten können je nach Dringlichkeit gesichert oder saniert werden und dazu gibt es in der Regel klare, gesetzliche Regeln und Verordnungen etc..

    Entscheidend ist in der Regel, wie mobil mögliche Schadtsoffe im jeweiligen Medium, (Boden Grundwasser etc.) sind. Daraus leitet sich Ihr mögliches Gefährdungspotential ab.

    Beispiel die im Ruhrgebiet oft "verbuddelte" Hochoffenschlacke. Solange mögliche Schadtstoffe in dieser Schlacke fest gebunden sind und z.B. nicht durch das Eindringen von (saurem)Wasser chemisch mobilisiert werden können geht kaum eine direkte Gefahr von solchen Stoffen aus.

    Nicht jede Altlast muss also zwingend saniert werde, was in der Regel z.B. den kompletten Bodenaustausch zur Folge hätte, mit enormen Aufwand samt Kosten, das muss man richtigerweise im Auge behalten und gehört zur Wahrheit dazu. Das gilt natürlich verstärkt auch für das Grundwasser, was gesetztlich aber eher noch besser geschützt ist.

    Als latente, deutlich schwerwiegendere Gefahr für das Ruhrgebiet/alle Ballungsräume ist eher eine völlig verfehltes Verkehrskonzept anzusehen, das allein aufs Auto gesetzt hat. Die Luftqualität, die in der Industrieproduktion durch Filter etc. deutlich verbessert werden konnte ist durch den überbordenden Autoverkehr, Stickoxide, Feinstaub, Dieselruß etc. massiv wieder verschlechtert worden, vom Flächenfraß durch den ruhenden Autoverkehr ganz zu schweigen.

    der Rat kommt zu spät. Der hat schon über ein thermodynamisches Thema vonwegen Chemosorption promoviert; von ihm hab ich auch einiges zur Unterscheidung von Konzentrationsmessungen und der sogenannten Gesamtfracht an Schadstoffen gelernt.
    Auch die unterschiedlichen Messmethoden.

    Und die eingebrachten Pestizide tauchen wohl schon an Orten auf an denen diese erst in "100" Jahren nachweisbar sein sollten.
    Ansonsten trägt wohl wieder der Bürger die Kosten!

    Peter

    um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen:

    Altlasten können je nach Dringlichkeit gesichert oder saniert werden und dazu gibt es in der Regel klare, gesetzliche Regeln und Verordnungen etc..

    Entscheidend ist in der Regel, wie mobil mögliche Schadtsoffe im jeweiligen Medium, (Boden Grundwasser etc.) sind. Daraus leitet sich Ihr mögliches Gefährdungspotential ab.

    Beispiel die im Ruhrgebiet oft "verbuddelte" Hochoffenschlacke. Solange mögliche Schadtstoffe in dieser Schlacke fest gebunden sind und z.B. nicht durch das Eindringen von (saurem)Wasser chemisch mobilisiert werden können geht kaum eine direkte Gefahr von solchen Stoffen aus.

    Nicht jede Altlast muss also zwingend saniert werde, was in der Regel z.B. den kompletten Bodenaustausch zur Folge hätte, mit enormen Aufwand samt Kosten, das muss man richtigerweise im Auge behalten und gehört zur Wahrheit dazu. Das gilt natürlich verstärkt auch für das Grundwasser, was gesetztlich aber eher noch besser geschützt ist.

    Als latente, deutlich schwerwiegendere Gefahr für das Ruhrgebiet/alle Ballungsräume ist eher eine völlig verfehltes Verkehrskonzept anzusehen, das allein aufs Auto gesetzt hat. Die Luftqualität, die in der Industrieproduktion durch Filter etc. deutlich verbessert werden konnte ist durch den überbordenden Autoverkehr, Stickoxide, Feinstaub, Dieselruß etc. massiv wieder verschlechtert worden, vom Flächenfraß durch den ruhenden Autoverkehr ganz zu schweigen.

    der Rat kommt zu spät. Der hat schon über ein thermodynamisches Thema vonwegen Chemosorption promoviert; von ihm hab ich auch einiges zur Unterscheidung von Konzentrationsmessungen und der sogenannten Gesamtfracht an Schadstoffen gelernt.
    Auch die unterschiedlichen Messmethoden.

    Und die eingebrachten Pestizide tauchen wohl schon an Orten auf an denen diese erst in "100" Jahren nachweisbar sein sollten.
    Ansonsten trägt wohl wieder der Bürger die Kosten!

    Peter

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