Stilkolumne : Bastschuhe

Eine Stilkritik
Bast? Passt! Espandrilles von Attilio Giusti Leombruni © Peter Langer

Früher hatte man eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie sich Luxus in der Mode ausdrückt – nämlich über wertvolle Materialien. Seide, Kaschmir und natürlich Pelz galten als Grundbausteine der Luxusmode. In jüngerer Zeit wurde dieses Prinzip immer wieder durchbrochen. So ließ Tomas Maier, Chefdesigner der Luxusmarke Bottega Veneta, seine Models unlängst in Kleidern aus seidig glänzendem Polyester über den Laufsteg schreiten. Das war keineswegs eine provokante Geste. Maier fand einfach, Polyester eigne sich als Material für seine Kleider besser als Seide. Der Kunststoff schimmert tiefer, fällt eleganter und knittert weniger. Luxus ausschließlich als Angelegenheit hochwertiger Materialien zu betrachten, hält Maier für engstirnig.

In der Luxusmode tauchen immer mehr Materialien auf, die früher verpönt waren. Wolfgang Joop präsentierte auf der Pariser Modewoche für seine Marke Wunderkind dicke Mäntel aus Wolle mit Hanf. Das raue Material habe ihn an die Ästhetik von Stoppelfeldern erinnert, sagte er nach der Show. Es gehe ihm um die Vision einer Frau, die auf einem Acker genauso elegant wirke wie auf einem roten Teppich. Die Luxusmarke Louis Vuitton und der italienische Schuhhersteller Attilio Giusti Leombruni bieten für diesen Sommer Sandalen aus einfachem Bast an.

Wie es dazu gekommen ist? Der Symbolwert von Luxusmaterialien hat sich relativiert. Kaschmir gilt nicht mehr automatisch als Synonym für Luxus, denn mittlerweile ist er sehr günstig zu haben, freilich nicht in sehr guter Qualität. Es braucht einige Materialkenntnis, um guten Kaschmir von schlechtem zu unterscheiden. Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen traditionellen edlen Materialien: Sie sind gewöhnlich geworden. Exklusivität beruht nicht mehr auf dem Material, sondern auf der Idee und der Verarbeitung. Ist das vormals Ungewöhnliche gewöhnlich geworden, dann kann das einst Gewöhnliche ungewöhnlich werden.

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Bast hat in der Luxusmode übrigens schon eine längere Geschichte. Der Schuhmacher Salvatore Ferragamo wählte ihn in den vierziger Jahren als Material für Damenschuhe. Es war Krieg, und in Italien war alles Leder für die Produktion von Soldatenstiefeln vorgesehen. Wie schön, dass uns Bastschuhe nun unter angenehmeren Umständen begegnen.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

das ist die Meinung einer bestimmten Gruppe..moderne Performer

spannenderweise sind diese oft politisch grün bzw. pseudoliberal angehaucht , um es knackig zu formulieren.
Das Dogma der Lohas verbietet natürlcih eine Konzentration aufs MAterial- sie wäre politisch nicht korrekt. Kapitalismuskritik leben , gleichzeitig purkapitalistisch denken. Das ist die heuchelnde Tragik unserer ZEit
Schade ist ,dass aufgrund eines sehr stark vorhanden Distinktionsbedürfnisses dieser Schicht nun auf andere Art diffamiert wird als früher.
Der hier oft zitierten "Unterschicht" ( übrigens sehr abwertend)fühlt man sich aufgrund der Bastschuhe überlegen.
Alles eine Frage des Geldes.

Jetzt kommt halt die Öko-Luxus-Welle

Pelzmantel ist nicht ganz korrekt, Öko zu kratzig, das Design oft bodenständig bis krude, also muss es Designer-Öko-Luxus sein.
Nur verstehe ich nicht, warum behauptet wird, man kehre wertvollen Materialien den Rücken. Ich vermute die hier verwendeten "einfachen Materialien" sind teurer als vieler "Allerweltsluxus".

und wieder mal

einer von hr. prüfers absolut überflüssigen, ja, fast skurill anmutenden artikeln.
kschmir, seide und pelz sind schon zu vulgär weil die nämlich mittlerweile bei c&a und ik zu kaufen sind!? seine hanfmäntel erinnern hr. joop an frauen die auch elegant über ein stoppelfeld mit highheels maschieren? tatsache ist, wenn hr prüfer mal rescherchieren würde, anstatt nur nachzuplappern was diese modefuzzis von sich geben, das es der kuxusmodebranche nicht gut geht. auch die reichen spüren die krise und sparen und haben z.t. ein anderes wertemass entwickelt. die kaufen mittlerweile nicht mehr nur bei dior und genossen. nichts für ungut hr. prüfer, es gäbe wirklich auch interessante neuigkeiten auf diesen gebiet.