Niemand außer mir sieht die Katastrophe kommen. Am Himmel brennende Flugzeuge, die in Richtung Erde stürzen. Die Menschen um mich herum sind ahnungslos, ich gerate in Panik, versuche, die anderen zu warnen und Schutz zu finden, aber es ist zu spät. Ich kann die Tragödie nicht aufhalten, vermag niemanden zu retten. Die ersten Wrackteile stürzen herab, kein Schutz, nirgends. Als ich aufwache, bin ich schweißgebadet, mein Herz rast.

Diesen Albtraum habe ich in leicht abgewandelter Form schon einige Male geträumt. Am Ende bin ich meist allein inmitten der Zerstörung, allein mit meiner Angst und meiner Verzweiflung.

Angst ist ein wichtiges Thema für mich, nicht nur in meinen Träumen. Ich weiß nicht, woher sie kommt, aber sie ist mein ständiger Begleiter. Sie ist mal stärker, mal schwächer, aber immer da. Versagensangst zum Beispiel, die Angst davor, nicht zu genügen, Erwartungen nicht erfüllen zu können. Vor allem beruflich fühle ich mich diesen Ängsten oft ausgeliefert. Wenn ich die vielen großartigen Schauspieler sehe, die weniger erfolgreich sind als ich, frage ich mich, warum ich mehr Glück habe als die. Wie lange geht das noch gut? Wann kommt mir jemand auf die Schliche und erkennt, dass ich meinen Erfolg nicht verdiene? Jede schlechte Kritik, jede Szene, die nicht den Erwartungen entspricht, meinen oder denen des Regisseurs, verstärkt diese Angst.

Dazu kommt eine tief sitzende Existenzangst. Diese Angst davor, irgendwann meinen Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren zu können und nicht zu wissen, wie es weitergehen soll. Wenn ich darüber nachdenke, ist mir klar, dass es kaum einen Anlass für solche Sorgen gibt. Ich führe ein sehr privilegiertes Leben, habe das große Glück, früh meinen Traumberuf gefunden zu haben, meine Karriere ging bisher stetig voran, ich habe genügend Rollenangebote und verdiene gut. Theoretisch weiß ich, dass es immer weitergeht im Leben. Aber die Angst widersteht der Vernunft.

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Ich habe mir häufig gewünscht, anders zu sein, angstfreier. Habe die Menschen um mich herum beneidet, die anders, scheinbar leichter mit sich und ihrem Leben umgehen. Oft denke ich, mein Leben wäre in vielen Situationen einfacher, wenn ich nicht alles so wichtig nehmen würde. Dann wiederum frage ich mich, ob diese Menschen, die ich so beneide, nicht auch Ähnliches empfinden und es nur anders mit sich austragen, ihre Ängste also weniger sichtbar werden lassen. Vor allem aber frage ich mich, ob meine Ängste nicht vielleicht ein wichtiger Teil von mir sind, sogar einer, der ausmacht, wer ich bin. Sicher, häufig empfinde ich sie als Last, als Blockade, andererseits sind sie in vielen Situationen Ansporn und Motor. In gewisser Weise sind sie womöglich auch ein Grund dafür, dass es Menschen gibt, die mich mögen. So, wie ich bin, mit all meinen Ängsten und Unsicherheiten.

Und wovon träumen Sie? Wenn Sie morgens aufwachen – an welchen Traum erinnern Sie sich? Schicken Sie uns eine Mail an traum@zeit.de. Eine Auswahl der Einsendungen veröffentlichen wir im April

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