Turkish Airlines"Wir wollen wachsen"

Turkish-Airlines-Chef Temel Kotil verteidigt Nachtflüge und die Entlassung Hunderter Mitarbeiter.

Temel Kotil, der Chef von Turkish Airlines (Archivbild)

Temel Kotil, der Chef von Turkish Airlines (Archivbild)

DIE ZEIT: Herr Kotil, Turkish Airlines wächst rasend schnell. Verdanken Sie das politischer Hilfe? Der türkische Staat ist mit fast 50 Prozent an Turkish Airlines beteiligt und will die Luftfahrt bewusst fördern.

Temel Kotil: Nein. Wir denken schneller als die Politiker. Wir fliegen heute schon viele afrikanische Städte an, zum Beispiel Mogadischu. Nicht aus politischen Gründen, sondern weil es sich lohnt und wir damit Geld verdienen.

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ZEIT: Dann liegt Ihr Erfolg wohl daran, dass Sie keine Probleme mit Streiks haben, anders als etwa die Lufthansa?

Kotil: Keine Fluggesellschaft mag Streiks. Damit werden unsere Passagiere vergrault. Deshalb habe ich auch 300 Flugbegleiter entlassen, als sie vergangenen Mai nicht zur Arbeit erschienen sind. Wir mussten viele Flüge ausfallen lassen.

ZEIT: Die Mitarbeiter erschienen nicht zur Arbeit und wurden gefeuert?

Kotil: Ja, wenn ich morgens nicht ins Büro komme, werde ich auch rausgeschmissen.

Turkish-Airlines: Die Partner

Lufthansa und Turkish Airlines sind Partner in der Star Alliance. Sie kooperieren bei Anschlussflügen, Vielfliegerprogrammen und dem Zutritt zur Lounge.

Die Rivalen

Der Erfolg von Turkish Airlines in Europa gefährdet das Wachstum der Lufthansa. Die Economy Class der Türken zählt zu den besten der Welt. Lufthansa reagiert mit der Einführung einer Premium Economy Class.

Die Verflechtung

Mit einer gegenseitigen Unternehmensbeteiligung könnte Lufthansa von den niedrigeren Kosten des Rivalen profitieren und Linien wie Emirates oder Etihad in Schach halten.

ZEIT: Nach unseren Informationen ging es um einen gewerkschaftlichen Protest, den Sie damit unterbunden haben. Ist das die Art, mit der Sie das Wachstum von Turkish Airlines aufrechterhalten?

Kotil: Das war kein Streik, dafür haben wir eine Gewerkschaft, die mit sechs Tagen Vorlauf einen Ausstand verkündet, damit wir uns darauf einstellen können. All das ist nicht passiert.

ZEIT: Aber Gewerkschaften haben Sie schon?

Kotil: Natürlich. Wir lieben unsere Beschäftigten.

ZEIT: Deutsche Gewerkschafter könnten argumentieren, dass Ihr Erfolgsgeheimnis ein autokratischer Führungsstil ohne Mitbestimmungsrechte ist.

Kotil: Nein, ich habe die Verantwortung für eine ganze Mannschaft. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter, aber jeder hat seine Verantwortung und seine Pflichten. Dafür haben wir auch ethische Regeln verabschiedet. Wir haben nicht nur Beschäftigte, sondern auch Aktionäre und Passagiere, um die müssen wir uns auch kümmern.

ZEIT: Kann Ihre Fluggesellschaft weiter so wachsen wie bisher, schneller als jede andere in Europa?

Kotil: Turkish Airlines wächst sogar schneller als jede andere in der Welt. Der erste Schritt war, ausgehend von unserem Drehkreuz Istanbul ein europäisches Netzwerk zu bauen. Bis dahin war Istanbul kein Tor zur Welt, sondern einfach eines von vielen Zielen in Europa. Unser Geschäftsmodell basierte allein auf dem Heimatmarkt. Wenn dann die türkische Wirtschaft in die Rezession schlittert, bist du tot. Deshalb haben wir auf Passagiere gesetzt, die in Istanbul umsteigen, und haben laufend neue Strecken in der Welt angeboten. 2003 hatten wir rund 100 Ziele, heute sind es 219. Am Ende des Jahres 247. Das sind mehr, als jede andere europäische Fluggesellschaft anbietet, es ist das viertgrößte Netz der Welt. Für dieses Jahr rechnen wir mit 46 Millionen Passagieren. Viermal so viel als vor zehn Jahren.

Leser-Kommentare
  1. Er darf gerne 24 Stunden fliegen dürfen, solange Anwohner dadurch nicht belästigt werden. Nachtflugverbote haben ihren Sinn und sei es, dass dadurch der Druck wächst, leisere Triebwerke zu bauen. Das nützt am Ende allen. Er sollte also nicht für mehr Nachtflüge werben, sondern für leisere Triebwerke. Dann kann er auch rund um die Uhr fliegen.

    8 Leser-Empfehlungen
    • Wombel
    • 02.04.2013 um 19:21 Uhr

    Wirtschaftsstandort, noch gibt es Menschen die hier einfach nur Wohnen und Leben.

    9 Leser-Empfehlungen
  2. in den Pampas fernab jeder Zivilisation,ist dann die Anreise etwas beschwerlicher dafür darf man Nachts Höllenlärm machen
    die meiste Zeit vertun wir damit,Zeit zu gewinnen

    3 Leser-Empfehlungen
    • thwe74
    • 02.04.2013 um 20:30 Uhr
    4. Oh je

    .. Als Betreiber einer lukrativen Fluglinie mit einem vollen Bestellzettel im Koffer für neuen Maschinen hat man doch die besten Druckmittel, um die Flugzeugbauer zum Bau noch leiserer und umweltfreundlicherer Maschinen zu zwingen, oder nicht?!?!

    Denn: Weniger lärmgeschädigte Menschen => Mehr Apzeptanz und weniger Protest => Weniger Lärmschutzmaßnahmen für die Flughafenbetreiber => Bessere Auslastung der Flughäfen da Ruhezeiten nicht mehr nötig => Weniger Kosten für die Fluglinie. Eigentlich ganz einfach, oder nicht?

    Der Wohlstand auch am anderen Ende der Welt steigt auch an, ebenso der Wunsch der dortigen Flughafenanwohner nach mehr Ruhe. Darauf kann man sich also nicht ausruhen.

    Das Witzige an der ganze Geaschichte ist: Je mehr Flugverkehr desto eher gehen die Ölvorräte zu Ende. Wachstum, aber nur kurzfristig?!?!

    Wir werden sehen...

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  3. Im12-Monatsbericht von Turkish Airlines für 2012 hat jemand auf Seite 33 (Sektion 5.2, Segmentberichterstattung) vergessen, die Zahlen von 2011 durch die von 2012 zu ersetzen. Ziemlich schlampig, wie ich finde. Der Bericht von 2011 ist noch schlimmer.

    Ich bin kein Experte, aber die Unternehmenssteuer von TA scheint nur bei 2-3% des Vorsteuergewinns zu liegen. Könnte das evtl. eine verdeckte Subvention sein? Und dann verstehe ich auch nicht, weshalb Vertriebs- und Marketingausgaben von TA bei 11% des Umsatzes liegen. Zum Vergleich: die Lufthansa gibt nur 1% des Umsatzes für "Werbung und Verkaufsförderung" aus.

    Und: TA zahlt nur 7% des Umsatzes an Gebühren (Landung/Navigation), Lufthansa 20%.

    Irgendwas ist da jedenfalls seltsam bei einer der beiden Fluglinien.

    TA 2012:
    http://www.turkishairline...

    Lufthansa 2012:
    http://investor-relations...

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    • H.v.T.
    • 03.04.2013 um 6:05 Uhr

    Eine nicht zu unterschätzende Fragestellung, die sich durch Ihren Beitrag ergibt.
    Wie begründen sich diese Unterschiede, die sich auch als massive Wettbewerbsvorteile deuten lassen ? Wer gewährt hier etwas, und mit welchem Ziel ?

    Ich wünschte mir, Herr Tatje hätte hier ein wenig nachgefragt beim TA-Chef.

    • H.v.T.
    • 03.04.2013 um 6:05 Uhr

    Eine nicht zu unterschätzende Fragestellung, die sich durch Ihren Beitrag ergibt.
    Wie begründen sich diese Unterschiede, die sich auch als massive Wettbewerbsvorteile deuten lassen ? Wer gewährt hier etwas, und mit welchem Ziel ?

    Ich wünschte mir, Herr Tatje hätte hier ein wenig nachgefragt beim TA-Chef.

  4. braucht dieser Herr keinen Schlaf oder er wohnt nich in einer Einflugzone, redet über Sachverhalte, die er selbst nicht erleben muß.

    4 Leser-Empfehlungen
  5. Ein Nachtflugverbot darf es nur als Übergangslösung geben. Prinzipiell hat Herr Kotil recht, dass die Luftfahrt ein 24-Stunden Geschäft ist und Airlines/Flughäfen durch ein Nachtflugverbot sehr stark einschränkt werden.
    Ein Nachtflugverbot als Druckmittel für leisere Triebwerke ist unsinnig, denn Boeing oder Airbus stört es wenig wer ihre Flugzeuge kauft und ob diese letztlich in Dubai durchgängig ohne Nachtflugverbot starten und landen oder in Frankfurt mit Nachtflugverbot unterwegs sind.
    Flughäfen ohne Nachtflugverbot werden eben einfach sehr viel stärker wachsen als Flughäfen mit einer Nachtflug Beschränkung, was letztlich dazu führt das viele Menschen ruhiger schlafen, aber ein ganzer Standort wirtschaftlich leidet bzw. sein potenzial nicht ganz entfalten kann.

    2 Leser-Empfehlungen
  6. Natürlich könnten Fluggesellschaften ohne Nachtflugverbot schneller wachsen. Ebenso wie Chemieunternehmen ohne Umweltschutz, Lebensmittelhersteller ohne Hygieneregeln, Fabriken ohne Gewerkschaften, Baumwollplantagen ohne Abschaffung der Sklaverei...

    Na und?

    16 Leser-Empfehlungen
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    • scoty
    • 03.04.2013 um 7:44 Uhr

    und schauen sie zu wie andere im 20. Jahrhundert Geld verdienen.

    "schauen sie zu wie andere im 20. Jahrhundert Geld verdienen"

    Ich lebe im 21. Jahrhundert - Sie nicht?

    Was bitte hat Sklaverei mit Nachtflugverbote zu tun?
    Fabriken ohne Gewerkschaften benötigten keine Zeitarbeitsmitarbeiter der neuere Sklaverei .

    • scoty
    • 03.04.2013 um 7:44 Uhr

    und schauen sie zu wie andere im 20. Jahrhundert Geld verdienen.

    "schauen sie zu wie andere im 20. Jahrhundert Geld verdienen"

    Ich lebe im 21. Jahrhundert - Sie nicht?

    Was bitte hat Sklaverei mit Nachtflugverbote zu tun?
    Fabriken ohne Gewerkschaften benötigten keine Zeitarbeitsmitarbeiter der neuere Sklaverei .

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