WirtschaftsforensikerAuf der Jagd

Wirtschaftsforensiker spüren korrupten Mitarbeitern nach – ganz diskret. Einblicke in einen heiklen Job von Malte Buhse

Mit einer betrogenen Ehefrau fing es an. Sie war misstrauisch geworden, sie glaubte nicht daran, dass sich ihr Mann bei den ständigen Geschäftsreisen nach Afrika nur um das Wohl der Firma kümmerte. Also rief sie seinen Chef an. Als der sich das Budget des Außendienstmitarbeiters genauer anschaute, war er geschockt: Das Afrika-Geschäft verschlang jeden Monat Unmengen an Geld. Was machte der Mann damit? Um das herauszufinden, rief der Chef bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG an und bestellte Frank Weller und sein Team.

Weller ist 51 Jahre alt und Partner bei KPMG in der Abteilung "Forensic". Sein Job ist es, lautlos Kriminelle zu jagen. Er wird immer dann gerufen, wenn ein Unternehmen möglichst diskret unangenehme Angelegenheiten regeln möchte. Leute wie Weller ermitteln gegen Topmanager, die Geld aus der Firmenkasse abgezweigt haben, gegen Mitarbeiter, die Firmengeheimnisse an Konkurrenten verkaufen. Geschichten, die Journalisten brennend interessieren und den Unternehmen negative Schlagzeilen bescheren – und die Weller daher unauffällig aus der Welt schaffen soll. So wie die Geschichte mit dem Außendienstmitarbeiter, dem Weller und sein Team bis nach Afrika hinterherjagten; die Weller natürlich nur verkürzt preisgeben kann.

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Zunächst setzten sich die KPMG-Detektive an die Firmenrechner und suchten alle Daten über den Außendienstler zusammen, die sie in die Finger bekamen: E-Mails, gespeicherte Telefonate, Belege, Gehaltsabrechnungen, dabei durchsuchten sie keine Privatwohnungen und zapften keine Telefone an, denn hier stoßen auch Leute wie Weller an ihre Grenzen. Aber die Staatsanwaltschaft wollen Firmenchefs eben nur ungern einschalten, wenn sie merken, dass Geld verschwunden ist oder Entwürfe für neue Produkte bei einem Wettbewerber gelandet sind. Denn Hausdurchsuchungen und Gerichtsverhandlungen sorgen schnell für ungewollte Öffentlichkeit. Und solange nur das Unternehmen selbst Geld verloren hat, lassen Polizei und Staatsanwaltschaft den Firmenchefs bei der Wahl der Ermittlungsmethode freie Hand.

Frank Weller reist den Hinweisen um die ganze Welt hinterher

Die privaten Wirtschaftsdetektive sind nicht nur diskreter als die Staatsanwaltschaft, sondern oft auch schneller. Wenn die Spur des Täters in ein anderes Land führt, müssen die staatlichen Ermittler erst ein Amtshilfegesuchen stellen, das dann monatelang durch die Behörden wandert. Frank Weller setzt sich einfach ins Flugzeug und reist den Hinweisen hinterher – zur Not um die ganze Welt.

Wie bei dem Außendienstmitarbeiter, der von seiner Frau verdächtigt wurde. Die KPMG-Detektive flogen nach Afrika, durchsuchten seine Firmenwohnung und nahmen Computer und Festplatten mit. "Dabei kommen schnell mehrere Terrabyte zusammen", sagt Weller.

Aus dem riesigen Datenberg versuchen Weller und sein Team dann, das meiste herauszuholen. In dem Team arbeiten 20 Informatiker, die Programme schreiben, mit denen sich E-Mails nach verdächtigen Stichwörtern durchsuchen lassen. Gewieften Tätern, die ihre Kommunikation mit harmlosen Wörtern verschlüsseln, kommt man aber nur mit menschlichem Spürsinn auf die Schliche. "Manchmal lesen wir tagelang nur E-Mails", sagt Weller.

Im Fall des Außendienstmitarbeiters stieß Frank Weller bald auf ein entlarvendes Foto: Darauf war eine romantische Hochzeitsfeier zu sehen, allerdings ohne die erste Ehefrau des Mannes. Der Mann hatte im Ausland erneut geheiratet, und das sogar zweimal. Zusammen mit seiner deutschen Ehefrau hatte er nun drei Frauen, und die kosteten Geld. Durch einen Anruf bei der Hochzeitsplanerin, die mit der pompösen Hochzeit auf ihrer Homepage warb, fanden die Ermittler heraus, wie teuer allein die Feier war. "Oft reicht ein einfacher Vergleich zwischen dem Gehalt und den geschätzten Ausgaben eines Mitarbeiters, um zu sehen, ob jemand weitere Geldquellen hat", sagt Weller.

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