Mit einem Vorstellungsgespräch hatte er selbstverständlich gar nicht gerechnet. Aber Einspruch will Gustav Leipold dennoch erheben, weil scheinbar »wieder gemauschelt wurde« – das sei eben so üblich in Kärnten, wenn eine Spitzenposition, wie es die Leitung der Landesholding ist, neu vergeben wird.

Der chancenlose Bewerber schreibt es überhaupt auf seine Fahne, dass diese Stelle vakant geworden war. Denn vor allem seinen Recherchen ist es zu verdanken gewesen, dass die bisherigen Vorstände ihre Büros räumen mussten. Im Sommer vergangenen Jahres waren sie in erster Instanz wegen Untreue verurteilt worden, da sie dem Steuerberater Dietrich Birnbacher ein Millionenhonorar für ein weitgehend wertloses Gutachten ausbezahlt hatten. Der spektakuläre Prozess löste in Klagenfurt ein politisches Erdbeben aus. Lob und Meriten strichen andere ein. Doch tatsächlich, so behauptet Leipold in seiner Bewerbung, habe er »großen Anteil daran, dass dieses zu Unrecht bezahlte Honorar wieder zurückfließen wird«.

Leipold ist 50 Jahre alt, Jurist und seit 1999 fast durchgehend arbeitslos. Er gluckst beim Sprechen, dehnt einzelne Wörter wie Kaugummi und verweigert knappe Antworten. In den Medien ist der Mann unvermittelbar. Doch in der Kärntner Justiz ist seine Leistung mittlerweile eine Legende. Im Alleingang, gegen den Willen des grünen Aufdeckers Rolf Holub, seines zeitweiligen Auftraggebers, hatte er im Februar 2010 die Staatsanwaltschaft Klagenfurt angezeigt, die den Fall Birnbacher eingestellt hatte, und dadurch eine Wiederaufnahme der Ermittlungen erzwungen. »Ohne ihn wären die Gerichte kaum in die Lage gekommen, ein Urteil im Fall Birnbacher zu sprechen«, sagt ein Klagenfurter Richter.

Die Lorbeeren für dieses Husarenstück erntete indes der Vorzeige-Grüne Holub, der nun bei den Landtagswahlen mit einem Regierungssitz belohnt wurde. Er habe Leipolds Verdienste »immer gewürdigt«, sagt er. Im Wahlkampf freilich habe sich alles auf den mediengewandten Spitzenkandidaten zugespitzt: »Holub war besser zu verkaufen als Leipold«, sagt Holub.

Er sei ein fröhlicher Geselle, schildern seine Freunde ihren Spezi Leipold. Einer, der selten um einen Schabernack verlegen sei und eine Gesellschaft mit seinen schrägen Tischsitten prächtig zu unterhalten verstehe – um gleich darauf einen todernsten Vortrag über Gesellschaftsrecht zu halten. Ein Hochbegabter, dem nur scheinbar alles gleichgültig sei.

Als Leipold noch als Jurist im Landesdienst arbeitete, zog er sich an heißen Tagen mitunter bis auf die Boxershorts aus – trotz Parteienverkehrs. Der schräge Vogel grinst: »Ja, das könnte stimmen. Auf Kleiderkonventionen habe ich nie Wert gelegt.« Auch mit den starren Strukturen im öffentlichen Dienst, mit der »Parteigünstlingswirtschaft« habe er sich nicht abfinden wollen. Eines Tages ließ er alles hinter sich, kündigte und ging zurück an die Universität, wo er bis heute in Geografie und Philosophie eingeschrieben ist.

Seit 14 Jahren lebt er nun mit einer kurzen Unterbrechung von der Arbeitslosenunterstützung. Zwischen 2009 und 2010 heuerten ihn die Grünen an, sie im Hypo-Untersuchungsausschuss, den Holub leitete, als Rechercheur zu Unterstützen. Für 1.800 Euro brutto, im Monat, sagt Leipold. Damals schlug für den Kauz die große Stunde.

Während Parteichef Holub in Zagreb und München nach der rauchenden Pistole suchte, wühlte sich Leipold in Klagenfurt durch die Aktenberge. Zwar waren die beiden Skandal-Scouts gleichermaßen empört, als die Staatsanwaltschaft Klagenfurt im Herbst 2009 ihre Ermittlungen mit fadenscheinigen Begründungen einstellte. Doch nur Leipold war bereit, bis zum Äußersten zu gehen und die Anklagebehörde wegen »Amtsmissbrauchs« anzuzeigen: »Noch habe ich den Glauben an den Rechtsstaat nicht verloren«, schrieb er damals in einer Sachverhaltsdarstellung an die Generalprokuratur. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft griff die Sache auf, leitete Ermittlungen gegen die Schwesterbehörde in Klagenfurt ein und gab den Kollegen schließlich den unmissverständlichen Ratschlag, die Causa Birnbacher neu aufzurollen.