Leipolds Anzeige, sagt Birnbachers Rechtsanwalt Richard Soyer, habe »extrem viel bewirkt«: »Wenn Sie so wollen, dann hat er den Stein ins Rollen gebracht, was letztlich zu einer Schubumkehr bei meinem Mandanten geführt hat.« Am 25. Juli 2012 gestand Birnbacher: Der Großteil seines Honorars hätte in die Parteikassen von BZÖ und ÖVP fließen sollen.

Warum Holub damals gegen die Anzeige war? »Aus heutiger Sicht finde ich das natürlich gut«, sagt er. »Aber damals konnte ich das nicht befürworten, weil Leipold geheime Unterlagen aus dem Untersuchungsausschuss verwendet hatte.« Ein hoher Funktionär der Kärntner Grünen, der anonym bleiben will, hat eine andere Erklärung. Niemand habe damals so recht an den Erfolg der Anzeige geglaubt: »Holub hatte Angst, sich zu blamieren.«

Der Grünen-Chef, erzählt Leipold, sei da nicht der Einzige gewesen. Wochenlang habe er sich um symbolische Unterstützungserklärungen für seine Anzeige bemüht. Künstler, Prominente, Aushängeschilder der Kärntner Zivilgesellschaft hätten ihm zunächst ihre Unterschrift versprochen, später aber einen Rückzieher gemacht: »Sie wollten sich nicht mit der Staatsanwaltschaft anlegen.« Elf Gleichgesinnte blieben über, die sich nicht um lokale Autoritäten scherten: Leipolds Vater, ein roter Spitzenbeamter im Ruhestand; zwei grüne Gemeinderäte aus Klagenfurt; Freunde und Bekannte.

Das prekäre Aufdeckerleben konnte sich der Junggeselle nur leisten, weil er keinerlei privaten Verpflichtungen eingegangen war. Er lebt allein und hielt sich mit Nebenjobs über Wasser, arbeitete als Hauswart oder belieferte Veranstaltungen der Grünen mit selbst gekochtem Gulasch. Als ihn die Sachbearbeiter des AMS in eine ausgelagerte Leiharbeitsfirma abschieben wollten, protestierte er und zog bis zum Verwaltungsgerichtshof: Die Höchstrichter gaben ihm recht.

Was ist nun aus seiner Bewerbung bei der Kärntner Landesholding geworden? Vor einiger Zeit, erzählt Leipold, habe ihn der Vorsitzende des Aufsichtsrates angerufen, ganz unverbindlich, »er wollte wissen, ob ich nicht einen Job außerhalb Kärntens suche«. Da war der Vorstandsjob intern schon vergeben. Die Ausschreibung, schrieb Leipold später in einem Brief an den Aufsichtsrat, sei eine Farce gewesen. Nun hat er bereits die nächste Anzeige abgeschickt, immerhin sei eine externe Beratungsfirma für viel Steuergeld mit der Personalsuche beauftragt worden. 24 Unterstützungserklärungen hat Leipold schon gesammelt. Die des designierten Landesrats Holub ist nicht darunter.