Bosch"Das schmerzt"

Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach begründet den Ausstieg aus der Photovoltaik – und erklärt den Abgang eines Topmanagers. von 

DIE ZEIT: Bosch überrascht mit Hiobsbotschaften: Erst steigt das Unternehmen aus dem Solargeschäft aus, dann verabschiedet sich auch die Nummer zwei im Management, der Leiter der Kfz-Sparte Bernd Bohr. Fährt Bosch im Krisenmodus?

Franz Fehrenbach: Nein, absolut nicht. Die Entscheidung zum Ausstieg aus der kristallinen Photovoltaik haben wir uns nicht leicht gemacht. Wir haben sehr genau geprüft, ob eine wirtschaftliche Fortführung dieses Bereichs möglich ist. Das Ergebnis war negativ – vor allem aufgrund der riesigen Überkapazitäten in China, des ruinösen Wettbewerbs mit einem Preisverfall von bis zu 40 Prozent im Jahr. Weiterzumachen hätte für uns unvertretbar hohe Risiken mit sich gebracht.

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ZEIT: Und wie war das mit Herrn Bohr?

Fehrenbach: Bernd Bohr hatte eine andere Lebensplanung, er wollte nach 30 Jahren bei Bosch und 14 Jahren in der Geschäftsführung etwas anderes machen. Wir haben das akzeptiert. Annahmen, dass sein Schritt damit zu tun hätte, dass er nicht mein Nachfolger geworden ist, sind falsch. Er hat uns lange zuvor gesagt, dass er nie Vorsitzender der Geschäftsführung werden wollte.

ZEIT: Die Bosch-Führung wollte mit dem Einstieg in die Photovoltaik im Jahr 2008 unabhängiger vom Automobilgeschäft werden. Man hat sich bei Bosch stets zugute gehalten, in schwierigen Zeiten als Stiftungsunternehmen länger durchhalten zu können als andere, die vom Kapitalmarkt abhängig sind. Ist man bei Bosch mutlos geworden?

Fehrenbach: Nein, ganz und gar nicht. Sondern wir haben heftig um einen Bosch-Weg gerungen und wollten keine vorschnellen Schlüsse ziehen, auch wenn sich in den letzten zwei Jahren die Branchenschwierigkeiten ständig verschärften und es etliche Ausstiege und Insolvenzen gab. Unsere Mitarbeiter im Solarbereich waren hoch engagiert und haben für den Erhalt der Photovoltaik gekämpft. Dafür zolle ich ihnen großen Respekt. Umso mehr bedauere ich diese Entscheidung. Das schmerzt mich persönlich sehr.

ZEIT: 3.000 Menschen könnten im schlimmsten Falle auf der Straße landen.

Fehrenbach: Wir werden uns jetzt mit aller Kraft in engem Kontakt mit Arbeitnehmervertretern, Gewerkschaft, Politik und anderen Unternehmen bemühen, möglichst sozialverträgliche Lösungen zu finden, dazu gehören auch Verkäufe von Betriebsteilen und die Übernahme von Beschäftigten durch andere Bosch-Bereiche, sofern dort Vakanzen bestehen.

ZEIT: Haben die Chinesen mit ihren subventionierten Solarfirmen Ihr Geschäft kaputt gemacht?

Fehrenbach: Das kann man so drastisch nicht sagen. Die Branche schreibt weltweit rote Zahlen. Selbst der chinesische Hersteller Suntech, 2011 noch Weltmarktführer, hat vor einigen Tagen Insolvenz angemeldet. Wir bei Bosch sind Verfechter des freien Welthandels und stellen uns überall dem Wettbewerb. Aber in diesem Falle konnten selbst wir trotz unserer technischen Qualitäten keine internationale Wettbewerbsfähigkeit herstellen.

Leserkommentare
  1. „Zurzeit allerdings investieren wir sehr viel in die Zukunft“. So what? Bosch investiert also neuerdings in die Zukunft - und nicht mehr, wie früher, in die Vergangenheit. Daß sich die bildungsbürgerliche und folglich der deutschen Sprache dankenswerterweise verpflichtete „Zeit“ derartige tautologische Sprachschludereien unwidersprochen bieten läßt, muß schon bedenklich stimmen.

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    Die Investition in die Photovoltaik war offenbar keine in die Zukunft. Deshalb der Ausstieg.

    Kein Wunder. Schließlich handelte es sich um einen künstlichen, von der Politik geschaffenen Markt für eine Techonologie, die nur mit Subventionen lebensfähig ist.

    So ist das, wenn die Politik, wie auf so vielen Feldern, herumdilettiert. Bosch ist richtigerweise noch rechtzeitig ausgestiegen. Der deutsche Steuerzahler kann dies nicht. Und so subventioniert er, gezwungen durch den Staat (EEG), unter anderem den Strom, den andere Länder aus dem deutschen Netz beziehen, aber auch milliardenschwere Offshore-Investitionsruinen für Windstrom vor Deutschlands Küsten. Da werden auch noch andere Unternehmen kräftig Abschreibungen vornehmen müssen.

    Die alte Unternehmerweisheit "Investiere nie in subventionsabhängige Märkte" wird ihre Gültigkeit noch öfters unter Beweis stellen.

  2. Die Investition in die Photovoltaik war offenbar keine in die Zukunft. Deshalb der Ausstieg.

    Kein Wunder. Schließlich handelte es sich um einen künstlichen, von der Politik geschaffenen Markt für eine Techonologie, die nur mit Subventionen lebensfähig ist.

    So ist das, wenn die Politik, wie auf so vielen Feldern, herumdilettiert. Bosch ist richtigerweise noch rechtzeitig ausgestiegen. Der deutsche Steuerzahler kann dies nicht. Und so subventioniert er, gezwungen durch den Staat (EEG), unter anderem den Strom, den andere Länder aus dem deutschen Netz beziehen, aber auch milliardenschwere Offshore-Investitionsruinen für Windstrom vor Deutschlands Küsten. Da werden auch noch andere Unternehmen kräftig Abschreibungen vornehmen müssen.

    Die alte Unternehmerweisheit "Investiere nie in subventionsabhängige Märkte" wird ihre Gültigkeit noch öfters unter Beweis stellen.

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