Willi-Otto Andresen, ein Mann mit rötlichem Haar und Schnauzer, sitzt in seiner Küche, die ihm eigentlich gar nicht mehr gehört. Genau wie das Wohnzimmer mit dem geblümten Sofa im Landhausstil, das seine Frau so mag, oder das Badezimmer, in dem sich seine Tochter in diesem Moment die Haare föhnt. Andresen hat rund eine halbe Million Euro Schulden, und es kann gut sein, dass das Haus mit dem Türschild "Hier lebt, liebt und streitet Familie Andresen" bald nicht mehr sein Zuhause ist.

Schuld daran sei Burger King, sagt Andresen. Fast 30 Jahre lang hat er für die Fast-Food-Kette gearbeitet, zuerst war er Schichtleiter, zuletzt Franchisenehmer. Jetzt ist er Kläger. 116.723,70 Euro Schadensersatz fordert er von Burger King vor Gericht. Die Summe hätte er verdienen können, wenn Burger King ihm nicht zu Unrecht gekündigt hätte, sagt er. Andresen erhebt schwere Vorwürfe. Bei der ersten Verhandlung Ende Februar in München scheiterte ein Vergleich. Im Mai geht es weiter.

Etwa 170 Franchisenehmer arbeiten hierzulande für Burger King. Manche berichten von ähnlichen Erlebnissen wie Andresen, ob in Aachen, Düren oder in Eckernförde: Die Fast-Food-Kette habe Franchisenehmer und Investoren um ihr Geld gebracht. Mal geht es um eine halbe Million Euro, mal um weitaus mehr Geld. Die Geschichte von Burger King und Andresen ist eine Geschichte über modernes Unternehmertum, den Traum vom Aufstieg und die bittere Realität. Andresen sagt: "Ich habe zugesehen, wie ich sterbe."

Aber der Reihe nach.

Die Geschichte von Andresen und Burger King beginnt Anfang der achtziger Jahre. Der Fast-Food-Markt in Deutschland ist da noch jung, es gibt weder Dönerläden noch Ditsch, noch Dunkin’ Donuts. McDonald’s hat schon 1971 die erste Filiale in München eröffnet, Burger King kommt fünf Jahre später nach West-Berlin, dann auch in andere Städte. Der Slogan: Have it your way. Noch gibt es kein Drive-in und keine BK Whopper Bar, kein Burger-King-Café und keine Werbespots im Fernsehen.

Der junge Andresen geht gern zu Burger King, ihm schmecken die Burger dort besser als bei McDonald’s. Und als er nach seiner Ausbildung zum technischen Zeichner keinen Job findet, weil die Computer inzwischen schneller und auch besser sind, dauert es nicht lange, bis der damals 26-Jährige weiß, was er will: Er möchte für Burger King arbeiten. Systemgastronom werden. 1984 beginnt er als Schichtleiter.

Andresen ist heute 56 Jahre alt, geboren wurde er auf Nordstrand, einer Halbinsel in Nordfriesland. Damals arbeitet sich der Mann aus der Provinz hoch, wird Restaurantleiter und trägt die Verantwortung für zwanzig Angestellte. Dann wird er District-Manager und bekommt einen Dienstwagen, einen 3er BMW. Mit dem fährt er durch die Republik.

Dann wird er Neueröffnungs-Manager. Zwei Wochen bevor eine Filiale aufmacht, ist er da, schaut, wie das Personal arbeitet und welche Waren noch fehlen. Noch mehr Verantwortung, noch mehr Reisen. 120.000 Kilometer, sagt Andresen, habe er im Jahr abgerissen. Er verdient gut zu dieser Zeit, und den Erfolg möchte er festhalten. Er kauft ein Reihenhäuschen in Halstenbek, einem Ort in der Nähe von Hamburg.

Und es sollte noch weiter aufwärtsgehen. Mit einer eigenen Filiale. Als Unternehmer.

Burger King verspricht auf seiner Website, als Franchisenehmer könne man "Teil der weltweiten Familie" werden. Burger King sucht Partner, die "ihr unternehmerisches Können bereits erfolgreich unter Beweis gestellt haben, die unsere Leidenschaft für Systemgastronomie teilen und mit einem starken Partner wachsen möchten". Andresen, der zu diesem Zeitpunkt bereits fast zwanzig Jahre für Burger King arbeitet, scheint als Franchisepartner perfekt. Gemeinsam mit seinem Freund und Partner Hans von Stosch wagt er den großen Schritt.