JerusalemKönig Davids Badewanne

In Jerusalem werden archäologische Grabungen zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung missbraucht. von 

Touristen im Archäologie-Park "City of David"

Touristen im Archäologie-Park "City of David"  |  © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Für einige Minuten verstummen die Besucher des Archäologie-Parks "City of David" in Jerusalem. Es ist zwölf Uhr an diesem Sonntagmittag, und der Muezzin liefert sich mit den Harfenklängen aus den Lautsprechern der Ausgrabungsstätte einen Wettstreit, wer lauter ist. Das biblisch-jüdische Jerusalem tritt an gegen das moderne muslimische Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt findet auf allen Ebenen statt – selbst auf der akustischen.

Nachdem der Lärm abgeklungen ist, beginnt Jonathan Misrachi zu sprechen. "Es geht darum, ein Gefühl zu erzeugen", sagt er, "das Gefühl, dass das hier unser Land ist." Misrachi ist Mitarbeiter von Emek Schaveh, einer von israelischen Archäologen gegründeten Organisation, die sich gegen die politische Instrumentalisierung von Archäologie wehrt. In regelmäßigen Abständen führt Misrachi Touristen durch die Davidsstadt.

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Die Ausgrabungsstätte in Jerusalem ist eine beliebte Attraktion für Israel-Touristen, jedes Jahr zieht sie bis zu 350.000 Besucher an. Ihr Name stammt aus dem Alten Testament. Hier soll David, der König der Juden, um 1.000 vor Christus über sein Reich geherrscht haben. Heute liegt die Davidsstadt mitten im palästinensischen Stadtteil Silwan, im israelisch besetzten Ostjerusalem. 45.000 Menschen leben hier, kaum hundert Meter von der Al-Aksa-Moschee und der Klagemauer entfernt.

Die Lage der Ausgrabungsstätte ist von strategischer Bedeutung. Die Davidsstadt verbindet den jüdischen Teil der Altstadt mit den neuen jüdischen Stadtvierteln – und trennt gleichzeitig die arabischen Stadtteile Jerusalems. Wird das Gebiet weiter besiedelt, wird die Altstadt künftig von Ostjerusalem abgeschnitten, aber mit den jüdischen Siedlungsblöcken im Nordosten verbunden sein.

Für die Siedlungen in der Gegend ist weitgehend eine private Siedlerorganisation namens Elad verantwortlich. Außerdem hat Elad die Kontrolle über die Davidsstadt. Die Organisation leitet die Ausgrabungen, das Besucherzentrum und die geführten Touren durch die Stätte. Immer wieder wird von Organisationen wie Emek Schaveh kritisiert, dass hier Kulturerbe in der Hand einer privaten Organisation liegt, die der politischen Rechten zuzuordnen ist.

Wo liegt Davidsstadt?
Die Davidsstadt liegt südlich von der Altstadt von Jerusalem.

Die Davidsstadt liegt südlich von der Altstadt von Jerusalem.  |  © ZEIT-Grafik

Dass die Davidsstadt von einer Siedlerorganisation betrieben wird, ist eine Entscheidung der Regierung gewesen. Die Ausgrabungsstätte ist damit Teil der systematischen Politik Israels, Kontrolle über palästinensische Gebiete zu erlangen und mithilfe von Siedlungen Fakten zu schaffen, die eine Zweistaatenlösung und eine Einigung zwischen Israel und den Palästinensern weiter erschweren würden.

Bereits vor 150 Jahren hat der britische Archäologe Charles Warren in Silwan Ausgrabungen geleitet. Nach der Besetzung von Ostjerusalem im Zuge des Sechs-Tage-Krieges 1967, begannen auch israelische Archäologen mit Ausgrabungen in der Gegend. Oft geschehen diese auf Kosten der palästinensischen Bevölkerung. Wenn etwa Tunnel mit schwerem Gerät gegraben werden, um jahrtausendealte Artefakte freizulegen, führen die Arbeiten zu Rissen und Beschädigungen in den umliegenden Häusern.

Der Kontrast zwischen Silwan und der Davidsstadt könnte kaum größer sein. Draußen der heruntergekommene Stadtteil, schmutzige Straßen, Autolärm. Drinnen, im archäologischen Park, Harfenklänge, Olivenbäume, blühende Stiefmütterchen – eine Oase der Ruhe. So soll sich der Besucher das biblische Jerusalem vorstellen.

Informationstafeln in englischer Sprache kommentieren die Ausgrabungen. Jede beginnt mit einem Bibelzitat und verknüpft die Mauerreste mit dem Alten Testament. Auf einer steht: "...und die Stadt soll wieder auf ihre Hügel gebaut werden, und der Tempel soll stehen nach seiner Weise" – Jeremia 30,18. Neben dem Schild steht eine Gruppe deutscher Touristen. Ihr Tourguide erzählt, wie der opulente Charakter der Bauten darauf schließen ließe, dass hier einst die Jerusalemer Elite gelebt habe. Eine Nonne nickt andächtig. Die Organisation Elad bringt die Steine zum Sprechen und lässt keinen Zweifel daran, was hier geschehen sein soll.

Dabei sind Ausgrabungen in Israel längst nicht so eindeutig wie etwa in Ägypten. "Archäologie ist keine exakte Wissenschaft", sagt Misrachi auf seiner Tour. "Wir können die Strukturen, die wir finden, oft nicht genau datieren, und meist wissen wir auch nicht, wofür sie gut waren. Das macht die Interpretation der Funde problematisch."

Leserkommentare
  1. Wie schrecklich, dass Kinder mit Büchern konfrontiert werden, die ihnen ihre eigene Geschichte erklären. Die arabische WAQF als derzeitige Verwalterin des Tempelbergs lässt in der Zwischenzeit Bagger auffahren, um mutwillig und rücksichtslos die Zeugen der Geschichte auf die Deponie zu fahren.
    Davon erfährt man in der Story leider nichts.

    12 Leserempfehlungen
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    Bei den von Ihnen erwähnten Kindern handelt es sich um Kinder jüdischer Einwanderer. Ihre Geschichte beginnt im 19 Jhd. mit dem Aufflammen des Zionismus und nicht mit irgendwelchen Häuserruinen aus vergangenen Jahrtausenden.

    richtiger und wichtiger, in büchern für kleine wie große zu vermitteln, dass die geschichte Jerusalems keine exklusiv jüdische ist, seit den anfängen der stadt nicht gewesen ist?

    ein bißchen erinnert mich diese 'judaisierung' der davidsstadt an Köln und den dortigen streit um die "archäologische Zone und das jüdische Museum"
    http://www.ksta.de/koeln/...

    seine Version der Geschichte...

    Die "wahre" Geschichte sieht vermutlich noch einmal ganz anders aus...

    Wie immer, wenn ich meinen Blick nach Nahost richte, sehe ich nicht aggresive Araber und sich verteidigende Juden.
    Ich sehe auch keine aggresiven Juden und sich verteidigende Araber.

    Ich sehe nur aggresive Idioten!

    Und leidende Zivilbevölkerung!

    [..]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

  2. Bei den von Ihnen erwähnten Kindern handelt es sich um Kinder jüdischer Einwanderer. Ihre Geschichte beginnt im 19 Jhd. mit dem Aufflammen des Zionismus und nicht mit irgendwelchen Häuserruinen aus vergangenen Jahrtausenden.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "WAQF - ein Desaster"
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    Erstens lebten schon vor dem Aufkommen des Zionismus um 1850 um die 13000 Juden in Israel (bei einer Gesamtbevölkerung von ung. 340 000). Auch in den Jahrzenten danach gab es schon eine vemehrte Einwanderung nach Israel, noch vor dem Aufkommen des Zionismus (ung. 24000 in 1881)!
    Quelle: Schliwski, Carsten: Geschichte des Staates Israel. Stuttgart 2012.

    Und außerdem gehören die Geschichten der Tora eben mit zur Identität der Juden. Dass manche das nicht verstehen können ist klar, denn wir wissen nicht was unsere Vorfahren (die "Germanen") vor 2000 bzw. 3000 Jahren wirklich getrieben haben.

  3. ... die ungeteilte Hauptstadt Israels. Und solange Israel die militärische Macht hat, sich gegen die Araber zu verteidigen, bleibt es auch so. In den nächsten 200 Jahren schon mal sicher. Was danach passiert, wird nicht mehr unser Problem sein.

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    Es ist schon erstaunlich, dass der User "funtsaren" hier ganz offen die Inbesitznahme Ostjerusalems durch Israel, was ganz eindeutig ein Verstoß gegen das Völkerrecht ist (man kann dies auch ein Völkerrechtsverbrechen nennen) gutheißt und mit militärischer Stärke und nicht mit Rechtsstaatlichkeit begründet.

    Und auch erstaunlich ist, dass die zeit.de-Redaktion kein Problem mit solch einem hetzerischen Kommentar hat!

    Würden Sie, werte zeit.de-Redaktion, diesen Kommentar auch stehen lassen wenn z.B. ein Neonazi die militärische Stärke der Wehrmacht zur Legitimation deren Verbrechen heranziehen würde?

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

  4. Unter anderem Arafats Urgroßvater siedelte vor 3001 Jahren nach Al-Quds, in die Hauptstadt von Palestine.

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    • eras
    • 10. April 2013 10:01 Uhr

    "Unter anderem Arafats Urgroßvater siedelte vor 3001 Jahren nach Al-Quds, in die Hauptstadt von Palestine."

    Wow, das würde dann wohl heissen, dass Arafats Urgroßvater mindestens 2800 Jahre gelebt hat. Da werden selbst die Patriarchen aus dem Alten Testament blass vor Neid...

    Onkel Arafat war ein brillianter Märchenerzähler. Insbesondere, wenn man mit ein paar kleinen, kosmetischen Korrekturen einen Anspruch auf irgendwas erheben konnte.

    So liess Arafat je nach aktueller Stimmung verbreiten, er sei in Jerusalem - oder in Gaza geboren. In Wahrheit war sein Geburtsort Kairo. Aber wahrscheinlich hat Mohammed seiner Mutter das gepflügelte Pferd vorbeigeschickt, damit sie an mehreren Orten gleichzeitig gebären konnte.

    Ein normaler Mensch liest Märchen zur Entspannung - nur ein Narr glaubt, dass sie etwas mit der Realität zu tun haben. Das gilt für die palästinensischen Narren genauso wie für die Narren, die den Quatsch von Elad konsumieren und glauben. Gefährliche Narren, denn sie sind bereit, ihre Wolkenstädte mit Waffengewalt zu verteidigen.

    Leider hat Gott in bestimmten Gegenden "seiner" Stadt Wahn statt Hirn vom Himmel regnen lassen. Worunter wir zurechnungsfähigen Einwohner der Stadt zu leiden haben...

  5. Es ist schon erstaunlich, dass der User "funtsaren" hier ganz offen die Inbesitznahme Ostjerusalems durch Israel, was ganz eindeutig ein Verstoß gegen das Völkerrecht ist (man kann dies auch ein Völkerrechtsverbrechen nennen) gutheißt und mit militärischer Stärke und nicht mit Rechtsstaatlichkeit begründet.

    Und auch erstaunlich ist, dass die zeit.de-Redaktion kein Problem mit solch einem hetzerischen Kommentar hat!

    Würden Sie, werte zeit.de-Redaktion, diesen Kommentar auch stehen lassen wenn z.B. ein Neonazi die militärische Stärke der Wehrmacht zur Legitimation deren Verbrechen heranziehen würde?

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Jerusalem ist ..."
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    "Jerusalem (hebräisch ירושלים?/i Jeruschalajim [jɛruʃa'lajim], altgriechisch Ἱεροσόλυμα, lateinisch Hierosolyma, arabisch ‏القدس‎ al-Quds (asch-Scharif) „die Heilige“, türkisch Kudüs) ist die Hauptstadt des Staates Israel. Sie liegt in den Judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer und hat 804.355 Einwohner. Dort befinden sich der Sitz des israelischen Präsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht als Teil des politischen Systems Israels, die 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem."

  6. "Jerusalem (hebräisch ירושלים?/i Jeruschalajim [jɛruʃa'lajim], altgriechisch Ἱεροσόλυμα, lateinisch Hierosolyma, arabisch ‏القدس‎ al-Quds (asch-Scharif) „die Heilige“, türkisch Kudüs) ist die Hauptstadt des Staates Israel. Sie liegt in den Judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer und hat 804.355 Einwohner. Dort befinden sich der Sitz des israelischen Präsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht als Teil des politischen Systems Israels, die 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem."

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    Ost-Jerusalem gehört nicht zu Israel, die Besitznahme ist und bleibt illegal und ist ein Völkerrechtsverbrechen.

    Und das meinen nicht nur alle internationalen Institutionen wie die vereinten Nationen .....

    http://www.dradio.de/aktu...
    http://www.nzz.ch/aktuell...

    .... sondern auch das Bundesozialgericht.

    http://www.mpil.de/ww/en/...

    Also unterlassen Sie doch in Zukunft ihre volksverhetzenden Parolen, dass Verbrechen Israels durch militärische Stärke legitimiert werden können.

    • GDH
    • 10. April 2013 13:07 Uhr

    Sie antworten auf eine Kritik, die sich meinem Eindruck nach an Ihrem Gebrauch des Wortes "ungeteilt" entzündet. Ihre Aussage kann daher so verstanden werden, dass Jerusalem nicht nur der Sitz von Regierungseinrichtungen ist, sondern vollständig (das impliziert das Wort "ungeteilt" ja) dem Staat Isreal zugeschlagen gehörte. Daher geht Ihre Antwort an der Kritik vorbei.

  7. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Tonfall und üben Sie Kritik argumentativ. Danke, die Redaktion/fk.

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  8. Ost-Jerusalem gehört nicht zu Israel, die Besitznahme ist und bleibt illegal und ist ein Völkerrechtsverbrechen.

    Und das meinen nicht nur alle internationalen Institutionen wie die vereinten Nationen .....

    http://www.dradio.de/aktu...
    http://www.nzz.ch/aktuell...

    .... sondern auch das Bundesozialgericht.

    http://www.mpil.de/ww/en/...

    Also unterlassen Sie doch in Zukunft ihre volksverhetzenden Parolen, dass Verbrechen Israels durch militärische Stärke legitimiert werden können.

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    Antwort auf "Wikipedia"
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    ... von Polen illegal besetzt?

    ... von der illegalen jordanischen Besetzung befreit. Daran ist nicht zu rütteln, egal wie laut manche schreien.

    "Als Ostjerusalem wird der Teil von Jerusalem bezeichnet, der seit dem Palästinakrieg 1948 von Jordanien besetzt war, bis er im Sechstagekrieg nach einem Angriff Jordaniens auf Westjerusalem 1967 von Israel erobert wurde."

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  • Quelle DIE ZEIT, 27.3.2013 Nr. 14
  • Schlagworte Jerusalem | Archäologie | Israel | Palästina
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