VermögenArme Zahlmeister

Von wegen reiche Deutsche – laut Bundesbank besitzen die Bürger in manchen Krisenländern größere Vermögen. von 

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Deutsche, die Angehörigen einer vor Wirtschaftskraft strotzenden Nation, im Vergleich zu ihren Nachbarn geradezu arm sind. Das zeigt eine Art Armuts- und Reichtumsbericht, den ausnahmsweise einmal nicht die Bundesregierung, sondern die Deutsche Bundesbank veröffentlicht hat. Eigentlich geht es in dem Bericht um Vermögen. Aber die großen Unterschiede, die dabei zutage treten, lassen manche eben fast als arme Schlucker erscheinen. Das gilt insbesondere für die Mitte der deutschen Gesellschaft.

Die Untersuchung der Bundesbanker ist Teil eines europäischen Projekts. Gemeinsam wollen die Notenbanken der Euro-Zone regelmäßig ermitteln, wie groß der Wohlstand in den jeweiligen Ländern ist. Nun liegen erste Ergebnisse vor, und die sind überraschend. Danach verfügen zum Beispiel Spanier über ein deutlich höheres Vermögen als Deutsche. Es sind 286.000 Euro pro Haushalt im Vergleich zu 195.000 Euro hierzulande. Das ist politisch heikel, weil in der Euro-Krise deutsche Steuerzahler spanische Banken retten sollen. Auch die Bürger des Krisenlandes Italien dürften im Durchschnitt über mehr Vermögen verfügen als die Bürger der soliden Bundesrepublik, allerdings hat Rom noch keine vollständigen Zahlen veröffentlicht. Auch Franzosen und Österreicher rangieren vor den Deutschen.

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Das wiedervereinigte Deutschland ist nicht mehr der reiche Onkel

Noch krasser treten die Unterschiede hervor, wenn man nicht auf den Durchschnitt schaut, sondern auf den Median. Dieser Wert ist aussagekräftiger, wenn man wissen will, was in der Mitte der Gesellschaft los ist. Er ergibt sich, wenn man alle Haushalte ihrem Vermögen nach in einer langen Reihe sortiert und dann schaut, wie viel derjenige besitzt, der sich genau in der Mitte befindet. Den Median beeinflusst es nicht, wie viel Geld ein paar Superreiche auf ihrem Konto haben (sie ziehen nur den Durchschnitt nach oben). Er gibt an, wie groß das finanzielle Polster der Menschen in der Mitte tatsächlich ist. In Deutschland ist es erstaunlich dünn, es beträgt gerade mal 51.000 Euro. Erfasst sind dabei Immobilien, Sparbücher, private Lebensversicherungen, Aktien und Betriebsvermögen abzüglich aller Schulden.

In Spanien und Italien verfügen die mittleren Haushalte über mehr als dreimal so viel wie die hiesige Mitte (178.000 Euro und 164.000 Euro), in Frankreich ist es das Doppelte (114.000 Euro). Die Zahlen für alle Euro-Länder liegen bei der Europäischen Zentralbank vor, wurden aber noch nicht veröffentlicht. Schon jetzt scheint klar: Das Zentrum der deutschen Gesellschaft schneidet erstaunlich schlecht ab – im Vergleich zu großen Nachbarn in Europa und im Vergleich zu den Reichen im eigenen Land, wie der große Abstand zwischen Median und Durchschnitt zeigt. Die Aussage, um die sich die Bundesregierung bei der Vorlage ihres Armuts- und Reichtumsberichts jüngst noch wand, wird nun durch die Zahlen der Bundesbank bekräftigt und erweitert: Ja, die Vermögen sind sehr ungleich verteilt, innerhalb Europas und innerhalb Deutschlands.

Für diese Tatsache führen die Experten der Bundesbank verschiedene Erklärungen an. Zum einen zieht der Osten die gesamtdeutschen Zahlen herunter. Das Wohlstandsgefälle, das 40 Jahre Kapitalismus auf der einen und 40 Jahre real existierender Sozialismus auf der anderen Seite hinterlassen haben, ist längst nicht ausgeglichen. Schaut man nur auf die Westdeutschen, gleicht das Durchschnittsvermögen dem der Franzosen (230.000 Euro) und der Median dem der Österreicher (76.000 Euro). Ostdeutschland kommt jeweils etwa auf ein Viertel dieser Werte. Das ist eine Erklärung – ändert aber nichts daran, dass die Bundesrepublik heute eben nicht mehr der reiche Onkel ist, der wie selbstverständlich für alle zahlen kann. Seit der Wiedervereinigung wohnen in seinem eigenen Haus viele arme Verwandte.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Deutschen ungewöhnlich wenige Eigenheime und Eigentumswohnungen besitzen. Wo viele Haushalte über Immobilien verfügen – 83 Prozent in Spanien –, ist das mittlere Vermögen groß, wo wenige in den eigenen vier Wänden wohnen – 44 Prozent in Deutschland, 48 Prozent in Österreich –, ist es klein. Zur Miete zu wohnen ist nicht überall üblich. Wer sich aber eine Immobilie anschaffe, sagen Experten, spare intensiver, um seine Schulden abzubauen.

Der Immobilienbestand könnte allerdings auch den Wohlstand einiger Länder überzeichnen. Spanien etwa steckt nicht zuletzt deshalb in der Krise, weil am Immobilienmarkt eine gigantische Preisblase geplatzt ist. In der Befragung der Haushalte, die dort schon 2008 startete (in Deutschland 2010), spiegelt sich das wohl noch nicht voll wider.

Leserkommentare
  1. ...Nr. 1:

    Der Artikel gehört nach oben, mit schöner Aufmachung.

    Konsequenz Nr. 2:

    Es darf keine weitere Umverteilung von den mässig reichen Deutschen an andere Staaten geben, bevor diese nicht ihre Haushalte mittels Besteuerung ihrer relativ reicherer Haushalte sanieren.

    Konsequenz Nr. 3:

    Wenn die Frage beim politbarometer lautet, "wollen Sie eine stärkere Besteuerung höherer Einkommen" (vgl, zdf videotext), und die Mehrheit sagt ja, ist das nicht gleichbedeutend damit, dass man gefragt hätte, wollen Sie eine stärkere Besteuerung schon ab 30 oder 40 tausend Euro, dann wäre es nämlich mit der Mehrheit ruck zuck vorbei.

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    also ein schöner Versuch das Thema (angebliche) relative! Ungerechtigkeit in den Medien zu halten.
    Die Wahlkampfchefin der SPD wirds freuen

    zu 3: man muss den Leuten halt erklären, dass man nur gut Aufkommen generiert, wenn man die BEmessungsgrundlage schön weit hält und dafür den STeuersatz senkt.
    DAS sagt natürlich weder Trittin noch der Schachspieler..ist eingetliich auch logisch und insofern nicht weiter zu betonen.
    Dämliche altlinke Umverteilungslügen sind nicht das Gebot der STunde

  2. 2. Bomben

    Es gibt auch eine sehr einfache Erklärung: Deutschland wurde in 2. WK viel intensiver bombardiert als jedes andere europäische Land (vielleicht mit der Ausnahme Polens). Spanier war im WK neutral und der Bürgerkrieg wurde vom Boden aus ausgetragen, so dass größere Schäden nicht entstanden. In Italien gab es wenige Bombardements und diese betrafen fas ausschließlich die Zentren und Industriegebiete großer Städte wie Mailand und Padua. In Frankreich wurde vor allem der Norden getroffen. Es gab in den genannten Ländern auch keine "Stunde Null" und keine Währungsreform. So konnten vor allem Immobilien von der einen Generation auf die nächste übertragen werden.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich würde vermuten, dass die Auswirkungen des Weltkrieges auf die Vermögen nicht mehr nachweisbar sind und längstens kompensiert / überkompensiert worden sind. Die Ursache für die geringen Vermögen der Mittelschicht in Deutschland finden sich in der neoliberalen Politik von CDU/FDP und SPD/Grüne der letzten ca. 20 Jahre, die systematisch eine Begünstigung von Kapitalvermögen und großen Unternehmen betrieben haben, einhergehend mit sinkenden Nettolöhnen und Aufbau eines ausufernden NIedriglohnsektors.

    Die Faktenlage ist unzweideutig, aber Politiker v.a. von FDP und CDU betreiben weiterhin einen verbohrten, schon als demagogisch, zu bezeichnenden verbalen Eiertanz, um diese Fakten zu verschleiern und zu leugnen.

    Die Bomben waren nicht das Problem. die Häuser wurden relativ schnell wieder aufgebaut. Problematisch waren allerdings die viel Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten. Die Staatsgröße hatte sich nach zwei verlorenen Weltkriegen doch sehr stark verkleinert.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass in Deutschland ein sehr großer Teil in Ballungsgebieten wohnt. Hinzu kommt auch noch, dass es in Deutschland einen sehr weitreichenden Mieterschutz gibt.

  3. Die angesprochene Studie dient ausschließlich zur Volksverdummung!
    Es wird hier nur von Haushalten gesprochen! Es stimmt zwar das die südeuropäischen Haushalten mehr Vermögen habe als die deutschen, aber sie haben auch mehr Mitglieder! Rechnet man das Vermögen wieder auf Einzelpersonen um, relativiert sich das wieder.

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    ...das ist natürlich Unsinn mit Verlaub, denn wenn man die Studie genau anschaut, dann verhält sie sich eben nicht nur zum Median-Haushaltsvermögen, sondern auch zur Eigentumsquote, und die bezieht sich auf alle, eben 44 % bei uns, und über 80 % in anderen Ländern, warum wir so relativ arm sind, hat damit zu tun, und mit den geringen Vermögen in den neuen Bundesländern.

  4. Ja, und guckt euch mal an, wie viele Probleme es gibt, dass die Superreichen nicht dafür sorgen, dass es dem Rest der Gesellschaft besser geht.

    Jeden Tag gehe ich durch die Wälder und Wiesen und am Wegesrand sehe ich "obsolenzbetriebene" Fernsehgeräte, Stereoanlagen, und anderen Müll.

    Denn, die meisten können es nicht "fachgerecht" entsorgen, nicht nur weil sie zu bequem sind, sondern weil die Entsorgung an sich schon kostet. Man muss sparen an jedem Ende, weil man sein bescheidenes Leben mit ein bisschen Alltagsluxus noch veredeln möchte.

    Übrigens. Obsolenz, ist es, wenn Geräte früher kaputt gehen "sollen", damit die Superreichen (Konzerne, Unternehmerfamilien) weiterhin zu Massen produzieren können.

    Und trotz dieser massenhaften Exportgeschichte Deutschlands kommt der Wohlstand nicht ins Land. Es sind die 1%-5% Superreichen, wo sich alles aber auch alles konzentriert.

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    kann ich persönlich nicht nachvollziehen.
    Mein BMW hat nach 166.000 km noch keine Werkstatt von innen gesehen.
    Meine Lasermaus G5 von Logitech aus dem Jahr 2008 funktioniert noch einwandfrei. Ich habe sogar noch meinen funktionierenden 17" Röhrenbildschirm daheimstehn. Vor einer Woche habe ich meinen Gameboy Advance SP ausgegraben Baujahr 2004. Läuft immer noch wie am Schnürchen. Mein Sony Ericcson W880i übrigens auch.

    Was ihnen diese Aufzählung sagen soll. Tja wenn man sein Zeug anständig behandelt, dann geht es in den allermeisten Fällen auch nciht kaputt.
    Es mag sein, dass bei manchen Teilen nicht die Goldrandlösung verbaut wird, aber im Ernst welchen Nutzen hat es wenn der Bildschirm 40 Jahre hält?

    Eine sehr spannende Arte-Reportage zum Thema "geplante Obolesenz" finden alle Interessierten hier:

    http://www.youtube.com/wa...

    (Besonders die Freunde eines steten Wirtschaftswachstums mögen sich diesen Film einmal in aller Ruhe anschauen)

    Obsoleszenz ist anscheinend der korrekte Begriff. :)

    "Denn, die meisten können es nicht "fachgerecht" entsorgen, nicht nur weil sie zu bequem sind, sondern weil die Entsorgung an sich schon kostet."

    Inzwischen muss auch jedes Märchen herhalten, um auf "die da oben" schimpfen zu können, oder? Ich kenne keine Gemeinde, in der Elektrokleingeräte nicht kostenlos entsorgt werden können. Und selbst die Sperrmüllabholung kostet nicht mehr als einen symbolischen Beitrag, damit nicht für jeden Hocker ein Abholfahrzeug angefordert wird.

  5. >>>Das oberste Zehntel verfügt nicht mehr über 15-mal so viel Besitz wie der Durchschnittsbürger, sondern nur noch über viermal so viel.

    und eine andere Schlagzeile in diesen Tagen passt dazu:
    Mehr als 100.000 Vermögen in Steueroasen...

    Eine Leserempfehlung
    • L0rdi
    • 06. April 2013 15:20 Uhr

    gehören langsam groß geschrieben. Ich erwarte tatsächlich mehr Taktgefühl, Details und eine ausgewogenere Berichterstattung, wenn ich eine Zeitung lese, die sich als Qualitätsblatt und nicht als Boulevardpresse versteht.
    Aber der Schaden ist wohl schon angerichtet, siehe Kommentar 1. Herzlichen Glückwunsch ...

    9 Leserempfehlungen
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    ...bei mir ist überhaupt kein Schaden angerichtet, denn ich verweise bereits seit drei Wochen in meinen Kommentaren auf die Studie.

    Es ist eher ein Skandal, dass man nicht ausführlicher berichtet und berichtet hat. Und, ach ja, ich kenne mich genau aus, was und wie es passiert, wenn die Eigenheimquote gering ist, und die Leute aus den Mietwohnungen hinausgeklagt werden.

    "Die größere Ungleichheit der Vermögensverteilung hierzulande aber dürfte uns kein Anlass sein, die Gerichtsvollzieher gen Süden schicken zu wollen.

    Fazit: Einen belastbaren Vergleich der durchschnittlichen Privatvermögen der Deutschen, Italiener und Spanier bietet die Bundesbankstudie kaum.

    Urteil: Der eigentliche Wert des Berichts ist im "Pseudo-Hype" vom Armenhaus Deutschland leider vorerst untergegangen. Note vier minus für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesbank."
    http://www.spiegel.de/pol...

    Die Überschrift des Artikels leistet nationalistischen Reaktionen Vorschub.

    Und gleich im ersten Kommentar geht das Gejammer los. Ach wir armen Deutschen...

    Wie schon gesagt. Bei einer solchen Überschrift, muss das gewollt sein.

    Der von mir verlinkte Artikel vom Spiegel zeigt auf, wo der Hase wirklich im Pfeffer liegt:

    In der enorm ungleichen Verteilung des Vermögens in Deutschland!

  6. ...das ist natürlich Unsinn mit Verlaub, denn wenn man die Studie genau anschaut, dann verhält sie sich eben nicht nur zum Median-Haushaltsvermögen, sondern auch zur Eigentumsquote, und die bezieht sich auf alle, eben 44 % bei uns, und über 80 % in anderen Ländern, warum wir so relativ arm sind, hat damit zu tun, und mit den geringen Vermögen in den neuen Bundesländern.

    Eine Leserempfehlung
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    Lesen Sie die Studie genau durch! Die Zahlen aus Südeuropa stammen aus dem Jahr 2008 vor der Finanzkrise und dem Platzen der dortigen Immobilienblase! Die eingerechneten Immobilien aus Südeuropa sind also massiv überbewertet. Während die Zahlen aus Deutschland aus dem Jahr 2010 stammen, also nach Ausbruch der Finanzkrise und bevor wir das Vorkrisenniveau wieder erreichen konnten!

    Die Eigentumsquote sagt auch rein garnichts über Vermögen aus. Der theoretische Verkaufswert eines Grundstücks muss erstmal auf dem freien Markt erzielt werden! Was besonders nach einer Immobilienblase schwierig sein sollte!

    Zustätzlich ignoriert die Studie vollkommen die erworbenen Ansprüche gegenüber den Sozialversicherungen wie Rente und Pensionen! Die in Deutschland bekanntlich im Mittel höher sind als in Südeuropa.

    Mit ein bisschen nachforschen wüssten Sie auch das die Studie in eine Reichtumsbilanz der EZB eingehen soll! Diesen will die EZB aber erst später präsentieren, da die gravierenden nationalen Unterschiede erst von Fachleuten vergleichbar gemacht werden müssen!

    Unsinn mein lieber Mitforist ist es, wenn man sich ohne eigene Nachforschung auf eine Studie verlässt die solche groben handwerkliche Fehler enthält!

  7. Was ich nicht verstehe ist, warum in dem Artikel die Zahlen innerhalb des Textes zusammengesucht werden müssen und so, meiner Ansicht nach, das Verstehen des Textes erschwert wird.

    Warum fügt man nicht eine Grafik wie diese ein und verzichtet dann im Artikel auf die Nennung der Zahlen. Dann könnte man wesentlich flüssiger schreiben. http://www.berliner-zeitu...

    Ansonsten kann ich subjektiv bestätigen, dass es für viele Italiener ganz ok ist, weil sie trotz Krise ein sicheres Dach über dem Kopf haben, was ja bei sehr vielen Deutschen nicht der Fall ist, selbst wenn sie eine Arbeit haben.

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