FloridaDie Schatzsucher
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Den Muschelreichtum verdankt die Insel ihrer Lage

Strandbesucher auf Sanibel Island

Strandbesucher auf Sanibel Island

Warum aber treibt es die Mollusken überhaupt so massenhaft nach Sanibel? Erklären kann dieses Phänomen niemand so gut wie José Leal – ein hochgewachsener, stiller Brasilianer und einer der führenden Muschelexperten weltweit. Leal ist Professor an der University of Miami und der Florida Gulf Coast University, Präsident der Conchologists of America und Herausgeber der Fachzeitschrift The Nautilus . Vor allem aber leitet er seit 17 Jahren das Muschelmuseum von Sanibel.

Aus der Triplofusus giganteus machten die Indianer Hämmer

Ein alter Fahrstuhl verbindet die Ausstellungsräume im Erdgeschoss mit Leals Reich im ersten Stock, wo die Wände hinter stahlgrauen Schubladenschränken verschwinden. Hier lagern Exemplare der mehr als 400 Molluskenarten, die auf Sanibel bereits gefunden worden sind. Und Dank privater Sammler wie Mary Burton, die ihre ganz besonderen Trophäen dem Museum überlassen, werden es immer mehr.

Den Muschelreichtum verdankt die Insel ihrer Lage und Ausrichtung. Florida selbst ist nur der sichtbare Rücken einer Plattform, die rund 90 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und, 160 Kilometer von der Küste entfernt, steil zum Boden des Golfes von Mexiko abfällt. "Kommt die Winterkälte, machen die Muscheln sich von ihren Bänken auf der Florida Plattform auf in Richtung Strand, in die warmen küstennahen Gebiete", erklärt Leal. Der Wind aus Nordwest treibt sie direkt auf die Küste Floridas zu – wo Sanibel wie ein Ost-West-Riegel quer in der Strömung liegt und die Muscheln abfängt.

Den Muschelreichtum schätzten schon die Calusa-Indianer. Sie kamen vor 2500 Jahren nach Sanibel und gründeten auf der Insel eine große Siedlung. Hier gab es alles, was sie zum Leben brauchten: Fisch, Muscheln und Früchte im Überfluss – so viel, dass sie sich gar nicht erst mit Ackerbau abgaben. In der Ausstellung sitzen zwei lebensgroße Indianerpuppen an einem künstlichen Strand: ein Vater, der seinem Sohn erklärt, was man aus Molluskenschalen alles herstellen kann. Die großen Gehäuse von Triplofusus giganteus oder der Roten Fechterschnecke etwa werden zu Hämmern und kleinen Äxten verarbeitet, abgeschlagene Schalen eignen sich als scharfe Klingen.

Vor allem aber sind die Tiere natürlich auch essbar, was ein großer Esstisch in der Mitte der Ausstellung verdeutlicht, über dem eine Weltkarte hängt. Auf einem Touchscreen können Besucher eine Muschelart auswählen, Herzmuscheln zum Beispiel, und dazu eine Weltregion, sagen wir Nordamerika. Auf dem Bildschirm erscheint kurz darauf ein US-amerikanisches Rezept, Spicy Manhattan Cockle Chowder. Und was macht man mit Austern in Lateinamerika? Ostiones pimentados – gepfefferte Austern. Wer auf den Geschmack kommt, kann sich das Rezept gleich selbst zumailen und zu Hause nachkochen.

Den Muschelrezept-Generator hat The Timbers Restaurant & Fish Market gesponsert, das in bequemer Fahrraddistanz vom Museum entfernt liegt. Das behäbige Mietrad zwingt unterwegs zu einem Tempo, das genügend Zeit lässt, um Flora und Fauna am Straßenrand zu betrachten – den Schmuckreiher im Tümpel, der geduldig auf den nächsten Fisch wartet, die Kormorane, die über den Wipfeln der Palmen kreisen.

Im Timbers laufen am Nachmittag schon die Vorbereitungen für den Abend. Soßen und Marinaden müssen vorbereitet, Kühlschränke und Schubladen aufgefüllt werden. Chef Teh inspiziert die Austernvorräte. Drei verschiedene Sorten gibt es heute, aus Florida, aus North Carolina, aus Washington State. Die Spezialität bei Timbers sind Oysters Rockefeller – überbacken mit Spinat und Käse. Aber es gibt sie auch mit Kaviar, Frühlingszwiebeln und Sour Creme, mit Knoblauchbutter und Parmesan, mit Was-auch-immer-Teh-sonst-gerade-einfällt, paniert und gebacken. Oder ohne alles. "Austern muss man unbedingt roh probieren", findet der geborene Malaysier. "Nur dann kann man richtig schätzen, wie gut und nahrhaft sie aus dem Meer kommen. Ich weiß, ich sollte das bei meinem Beruf vielleicht nicht sagen, aber die Natur ist der beste Koch."

Unterkunft

Am besten wohnt man auf Sanibel bei einem der vielen Anbieter, die Strandhütten oder kleine Apartments mit Küchenzeile vermieten.

Zum Beispiel im West Wind Inn, 3345 West Gulf Drive, Sanibel, FL 33957, Tel. 001-239/4721541. DZ ab 169 Dollar

Essen

The Timbers Restaurant & Fish Market, 703 Tarpon Bay Road, Sanibel, FL 33957, Tel. 001-239/4723128

Museum

The Bailey-Matthews Shell Museum, 3075 Sanibel-Captiva Road, Sanibel, FL 33957, Tel. 001-239/3952233

Auskunft

Strände von Fort Myers und Sanibel

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Die Küche ist jetzt startklar. Der Abend kann beginnen. Wenn um kurz nach sechs die Sonne untergeht und im Timbers die ersten Gäste an ihren Cocktails nippen, versinkt der Rest der Insel in Dunkelheit. Es gibt keine Straßenlaternen auf Sanibel. Wegen der Georgia-Gopherschildkröten. Frisch geschlüpfte Gopher krabbeln direkt auf die hellste Lichtquelle zu, was in der Natur zur Schlüpfzeit, also nachts, der Sternenhimmel über dem offenen Meer sein sollte. Leuchtet eine Laterne jedoch heller, machen sich die Baby-Gopher auf in Richtung Straße. Und so verzichtet Sanibel ihnen zuliebe auf nächtliche Beleuchtung.

Was sollte man nach Einbruch der Dunkelheit auch draußen wollen? Schließlich hat der Tag früh begonnen. Noch ein letzter Blick in die Glut des rosa-pink-goldenen Sonnenuntergangs, ein herzhaftes Gähnen – und dann ab ins Bett. Denn auch in dieser Nacht wird die Strömung wieder neue Muscheln anspülen. Und im Koffer wäre noch jede Menge Platz dafür.

 
Leser-Kommentare
  1. Beim aller Liebe, aber auf der Straße sind die Baby-Schildkröten besser aufgehoben, als sich am "Sternenhimmel über dem offenen Meer" zu orientieren. Es sind nämlich Landschildkröten!

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