Consulting : Das Zitat… und Ihr Gewinn

George Bernard Shaw sagt: Die Jugend ist etwas Wundervolles. Es ist eine wahre Schande, dass man sie an die Kinder vergeudet.

Der Jugendwahn hat einen festen Wohnsitz: die Unternehmensberatungen. Die meisten Jungberater sind frei von eigener Berufserfahrung. Sie kommen direkt von der Uni, noch nie haben sie eine Firma als Mitarbeiter von innen gesehen, allenfalls als Praktikanten. Die Abläufe, die Gepflogenheiten, die Geschäftsmodelle, all das kennen sie nicht. Touristen sind sie im Firmenland – müssen aber gleich als Reiseführer agieren!

Die Beratungsfirmen sagen, die Hochschulabgänger hätten einen unverbrauchten Blick auf die Dinge. Das klingt besser als "Sie sind ahnungslos!", bedeutet aber dasselbe. Einerseits sind die Unternehmensberatungen bei ihrer Personalauswahl äußerst penibel; sie nehmen nur die besten Absolventen eines Jahrgangs. Andererseits scheint es egal zu sein, dass die Jungberater außer Schule und Hochschule wenig gesehen haben. Aber wie soll jemand, der vom Innenleben einer Firma nichts versteht, genau dieses Innenleben optimieren? Wie soll jemand, der nicht unterscheiden kann zwischen formalen und heimlichen Spielregeln, zwischen Organigramm und tatsächlicher Machtverteilung, zwischen Zahlen auf dem Papier und echter Geschäftslage – wie soll er ein über Jahrzehnte gewachsenes Unternehmen beraten?

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Frei nach George Bernard Shaw: Das Beraten ist etwas Wundervolles. Es ist eine wahre Schande, dass man es an die Jugend vergeudet. Zumal der Jungberater, wenn er ein paar Jahre Erfahrung gesammelt hat, von seiner Firma verabschiedet und durch junge Nachrücker ersetzt wird; nur ein Bruchteil der Berater kann zum Seniorberater und später zum Partner aufsteigen.

Das größte Kapital eines Beraters sind menschliche Reife und Erfahrung. Und die wachsen mit den Lebensjahren. Deshalb wäre es klug, nicht möglichst junge, sondern möglichst erfahrene Berater einzustellen, gerne zwischen 50 und 70. Solche Menschen haben viel gesehen, bringen Maßstäbe mit und können deshalb auch eher in kurzer Zeit die Potenziale einer Firma erkennen. Zugleich haben sie bei den Kunden das nötige Standing – was man von Jungberatern nicht immer behaupten kann. Nichts spräche dagegen, dass auf jeden älteren Berater ein jüngerer kommt – statt auf fünf jüngere (schätzungsweise) nur einer von über 45, wie in der jetzigen Kultur des Jugendwahns.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Oh doch, das kann funktionieren ... (Teil 1)

"... das gestandene Akademiker in entsprechenden Positionen oder auch ohne Arbeit mit mehreren Jahre Berufserfahrung bei Unternehmensberatungen anfangen, sich dort 70-80 h Wochen zumuten,ihre Familie nur noch alle paar Wochen sehen, in der Welt rumreisen und dort meist inkompetenten Managern und Geschäftsführern erklären, wie sie ihr Geschäft zu führen haben. Das tut man sich ab einem gewissen Grad an Berufserfahrung nicht mehr an."

Aus eigener Beobachtung kann ich Ihre Einschätzung widerlegen: vor einigen Jahren noch - und wahrscheinlich ist das auch heute noch so - wurden erfahrenen und durchaus erfolgreichen Manager aus den mittleren und oberen Führungsebenen von ihren Unternehmen der Vorruhestand angeboten (teils weil die Unternehmen schrumpfen wollten oder auch weil sie sich verjüngen wollten). Zum Abschied gab es den goldenen Händedruck.
Relativ kurze Zeit später standen diese Leute als Berater zur Verfügung. Nicht, um sich in ein langjähriges Beschäftigungsverhältnis zu begeben, sondern um ihre Kompetenz und Erfahrung nochmals zum Einsatz zu bringen. Gerne eingesetzt und durchaus gut nachgefragt wurden diese Manager in kritischen Projekten. Projekte haben naturgemäß eine begrenzte Dauer. Diese Projekte hatten durchaus ihre 70-80 Stunden Woche, Reisetätigkeit, Stress ... aber eben für eine begrenzte Dauer von 1 bis 2 Jahren.
Was hatten die Unternehmen vom Einsatz dieser Manager?

" Nichts spräche dagegen, dass auf jeden älteren Berater...

...ein jüngerer kommt – statt auf fünf jüngere (schätzungsweise) nur einer von über 45, wie in der jetzigen Kultur des Jugendwahns."

oh doch, nämlich die zahlungsbereitschaft des mandanten...

schade, der artikel klingt so als würden sich 12-jährige zusammenrotten um den eismann zu überfallen...

und schade, ich finde sie sprechen den 25/26/27-jährigen von heute zu viel denkvermögen und intelligenz ab...

...und das mit dem alter...mit 50+ haben die wenigsten lust auf solche arbeitszeiten...oder sie haben sich bereits selbständig gemacht und machen jetzt ihr eigenes ding...

meines erachtens nach mehr ein (job)nachfrageproblem als ein problem des (job)angebots...