DebattenÜber den Kampf zum Spiel

Die multikulturelle Gesellschaft fordert uns zum Streit um Überzeugungen heraus. Gut so! von Carlos Fraenkel

Als ich vor zwölf Jahren Arabisch in Kairo lernte, freundete ich mich mit ägyptischen Studenten an. Je näher wir uns kamen, umso mehr interessierten wir uns für unsere ganz verschiedenen Lebensweisen. Sie wollten mich zum Islam bekehren, um meine Seele vor ewiger Verdammnis in der Hölle zu retten. Ich wollte sie von meiner säkularen Weltsicht überzeugen, um sie von der Illusion eines Lebens nach dem Tod zu befreien. In einer unserer Diskussionen fragten sie mich, ob ich sicher sei, dass es Gott nicht gebe. Die Frage überraschte mich. Dort, wo ich intellektuell sozialisiert wurde, galt dies als selbstverständlich. Ich führte ein Argument an, auf das sie ein Gegenargument hatten. Die Diskussion endete ergebnislos.

Und doch wurde mir bewusst, dass ich viele meiner Grundüberzeugungen nicht richtig durchdacht hatte – von der Frage, ob Gott existiere, bis zu der, wie man leben solle. Die Herausforderung durch meine ägyptischen Freunde zwang mich, Ansichten zu verteidigen, die in meinem kulturellen Milieu selten hinterfragt werden. Seitdem habe ich philosophische Workshops in verschiedenen Teilen der Welt organisiert, zum Beispiel an einer palästinensischen Universität in Jerusalem, mit chassidischen Juden in New York und mit Mohawk-Indianern in einem Reservat in Kanada. Dadurch habe ich gelernt, wie unterschiedlich wir alle fundamentale moralische, religiöse und philosophische Fragen beantworten.

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Ist das bedauerlich? Nein. Uneinigkeit ist gut, wenn sie zu einem respektvoll geführten Streitgespräch führt. Wie können wir schließlich sicher sein, dass unsere Ansichten über die Welt mit der Welt übereinstimmen oder dass das, was wir für gerecht halten, wirklich gerecht ist? Es gibt viele Gründe, die Wahrheit zu schätzen: weil wir ein Leben führen möchten, das gut ist und nicht nur so scheint; weil für uns die Kenntnis der Wahrheit ein wesentlicher Bestandteil des guten Lebens ist; weil wir ein auf Wahrheit gegründetes Leben als moralische Verpflichtung betrachten; oder weil wir, wie meine ägyptischen Freunde, größere Nähe zu Gott suchen, der die Wahrheit ist (al-Haqq, einer der Namen Gottes im Islam). Natürlich würden wir nicht an unseren Ansichten festhalten, wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass sie wahr sind. Aber das bietet natürlich keine Garantie. Waren meine ägyptischen Freunde nicht ebenso überzeugt wie ich? Betrachten wir verschiedene Epochen und Kulturen, finden wir eine verwirrende Vielfalt oft widersprüchlicher Ansichten, die alle von starker Überzeugung getragen werden. Genau deshalb sollten wir Streitgespräche begrüßen: weil sie sich hervorragend dazu eignen, Überzeugungen kritisch zu überprüfen.

Carlos Fraenkel

lehrt Philosophie an der McGill University in Montreal, Kanada.

Theoretisch müssen wir dazu nicht bis nach Kairo reisen, sondern können auch zu Hause, gemütlich im Sessel sitzend, nachdenken. In der Praxis aber scheinen wir eine verstörende Erfahrung zu brauchen, die uns mit unserer Fehlbarkeit konfrontiert oder – wie es der große muslimische Denker al-Ghazali (gestorben 1111) ausdrückte – die die "Fesseln des Taqlid" löst: jener Ansichten, die von den zufälligen Umständen unserer Sozialisation herrühren.

Bei ihm selbst, so al-Ghazali, hätten sich die Fesseln des Taqlid gelöst, als ihm klar geworden sei, dass er mit ebenso glühender Überzeugung Jude oder Christ hätte sein können, wie er Muslim sei, wenn er statt in einer muslimischen Gemeinde in einer jüdischen oder christlichen aufgewachsen wäre. Er erklärt Taqlid als die Autorität von "Eltern und Lehrern", was wir allgemeiner als all das beschreiben können, was unsere Ansichten bestimmt, ohne dass wir sie selbst durchdacht haben: Medien, Mode, Marketing, aber natürlich auch politische und religiöse Rhetorik.

Gerade weil das so ist, können wir uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in der Gesellschaften zunehmend heterogen und multikulturell werden und in der die Globalisierung uns zwingt, über nationale, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zu diskutieren – so wie ich es in Kairo tun musste. Sie bietet uns Gelegenheiten, unsere Grundüberzeugungen und Autoritäten zu überdenken.

Natürlich ist Verschiedenheit allein noch keine Garantie für ein kultiviertes Streitgespräch (sonst wären der Mittlere Osten und der Balkan die vornehmsten Debattierclubs). Stattdessen erzeugt sie oft Frustration oder schlimmer: schlägt in Gewalt um. Deshalb brauchen wir eine ausgefeilte und akzeptierte Kultur des Streitgesprächs.

Leserkommentare
  1. meint in Bezug auf Streitkultur und öffentlichen Dikurs.
    "Die politische Correctness schütze "die Minderheit der Dauerbeleidigten und Hyperempfindlichen" und gebe dieser Minderheit das Recht zu bestimmen,was in einer Gesellschaft überhaupt noch gesagt werden darf,und welche Themen zumutbar sind."
    Schön und gut obigen Artikel zu lancieren,nur was hilft das,wenn die Zensur das ganz anders sieht.

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  2. Zitat:
    "In einer unserer Diskussionen fragten sie mich, ob ich sicher sei, dass es Gott nicht gebe. Die Frage überraschte mich. Dort, wo ich intellektuell sozialisiert wurde, galt dies als selbstverständlich. Ich führte ein Argument an, auf das sie ein Gegenargument hatten. Die Diskussion endete ergebnislos."

    Auf ihr "Argument", das es Gott nicht gäbe, wäre ich gespannt. Atheismus ist nur eine Negation, die auf Glauben basiert. Ich habe noch kein positives Argument für Atheismus gehört, nur negative.

    Zitat
    "Dürfen wir nicht stehlen, weil es die Bibel verbietet, oder verbietet es die Bibel, weil es objektiv falsch ist? Und wenn wir ohne die Bibel einsehen können, dass Stehlen falsch ist, wozu brauchen wir sie dann noch?"

    Ihr Euthyphron Dilemma ist ein falsches Dilemma: Das Gute selbst ist ontologisch in Gott verankert.
    Gott ist das Gute selbst, somit ist ihr Euthyphron Dilemma aus dem Spiel.
    Wenn sie epistomologisch über Gut und Falsch diskutieren, ist das eher zweitrangig.
    Die Frage ist, wo machen sie fest, was Gut oder Falsch ist, wo begründen sie objektive Moral? Aus christlicher Sicht ist es ohne Gott nicht möglich, weil die Autorität für moralische Werte und moralische Pflichten wegfällt.
    Z.B: Wenn NICHT die gesetzliche Autorität, die Polizei, sie beim Zu-schnell-fahren an den Straßenrand winkt, werden sie nicht anhalten.

    Also, werter "Citoyen", wo machen sie ihre "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" fest, wo begründen sie die moralischen Werte?

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    Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: "Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallen lassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott."
    - Bertolt Brecht, Die Frage, ob es einen Gott gibt

    • bapon1
    • 05. April 2013 14:11 Uhr

    Zur Frage von Argumenten:
    Es gibt weder tragfähige Argumente für die Existenz von Gott noch dagegen.
    Vielmehr ist Glauben (atheistisch, muslimisch, christlich oder anders) vom Grundsatz her spekulativ.

    Zur Frage nach Gott :
    Wenn Gott nur mit der Menge alles Guten identifiziert wird, ist es nur noch ein Begriff, den man auch durch "Vernunft" ersetzen könnte.
    Die Vorstellung von personalen Göttern (mit Bart und Sohn oder mit 10 Armen und Inkarnationen) bleibt Spekulation.

    Zur Frage, woher man gut und schlecht kennt:

    Es können auch die Stresshormone sein.
    Wenn niemand stiehlt, brauche ich keine Angst zu haben, dass ich bestohlen werde.
    Wenn ich keinen verkloppe, brauche ich mir um meine Nase keine Sorgen zu machen.
    Mein Distresspegel bleibt angenehm niedrig.

    Ist Gott also endokrin ?

    <em>„Ich habe noch kein positives Argument für Atheismus gehört, nur negative.“</em>

    Es ist immer noch so, dass die Existenz von etwas (hier: „Gott“) bewiesen werden muss, nicht die Nicht-Existenz: Ich habe auch noch kein „positives Argument“ für die Nicht-Existenz von Spaghettimonstern, Thetanen, Dämonen oder Russell’schen Teekannen gehört.

    <em>„Gott ist das Gute selbst“</em>

    Es sei Ihnen unbenommen, ein vom menschlichen Geist konstruiertes Abstraktum („das Gute selbst“) auf ein anderes („Gott“) zu projizieren. Aber <em>beweisen</em> kann man mit solchen Projektionen natürlich rein gar nichts (s. Feuerbach).

    <em>„Die Frage ist, wo machen sie fest, was Gut oder Falsch ist, wo begründen sie objektive Moral?“</em>

    Ich kann nicht für den/die Angesprochene(n) antworten, aber: Hoffentlich nicht im transzendent (= übersinnlich, irrational) legitimierten Vorschriften-Sammelsurium der Offenbarungsreligionen. Und ein von diesen abstrahierter und zwangsläufig inhaltsleerer Gottesbegriff ist erst recht kein Fundament für „objektive Moral“.

    Zu Ihren übrigen Ausführungen ist mit dem Brecht-Zitat in Kommentar 4 alles Nötige gesagt. :)

    • gkh
    • 05. April 2013 13:39 Uhr

    Unser Handeln wird von unserem Denken bestimmt. Deswegen können und dürfen Überzeugungen jeder Art (weltanschaulich, ethisch und politisch) niemals Privatsache sein.
    Das Hinterfragen unserer Überzeugungen ist auch der Schlüssel zur Heilung unserer Persönlichkeit - nicht umsonst ist das die Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapien.

    Die Fähigkeit zur Debatte ist daher essentiell für eine gesunde Gesellschaft.

    Fehlt diese Fähigkeit, dann empfindet man eine solche Debatte als bedrohliche Provokation. Und das ist die Ursache für Intoleranz, Chauvinismus, Rassismus und anderer -ismen. So wurden Sokrates und Jesus wegen ihrer Provokationen von der Justiz ermordet.

    Es ist daher im wahrsten Sinne des Wortes tragisch, wenn wir nicht erkennen, dass diese Provokationen unserem Heil dienen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: "Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallen lassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott."
    - Bertolt Brecht, Die Frage, ob es einen Gott gibt

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    Antwort auf "Kommentar"
    • bapon1
    • 05. April 2013 14:11 Uhr

    Zur Frage von Argumenten:
    Es gibt weder tragfähige Argumente für die Existenz von Gott noch dagegen.
    Vielmehr ist Glauben (atheistisch, muslimisch, christlich oder anders) vom Grundsatz her spekulativ.

    Zur Frage nach Gott :
    Wenn Gott nur mit der Menge alles Guten identifiziert wird, ist es nur noch ein Begriff, den man auch durch "Vernunft" ersetzen könnte.
    Die Vorstellung von personalen Göttern (mit Bart und Sohn oder mit 10 Armen und Inkarnationen) bleibt Spekulation.

    Zur Frage, woher man gut und schlecht kennt:

    Es können auch die Stresshormone sein.
    Wenn niemand stiehlt, brauche ich keine Angst zu haben, dass ich bestohlen werde.
    Wenn ich keinen verkloppe, brauche ich mir um meine Nase keine Sorgen zu machen.
    Mein Distresspegel bleibt angenehm niedrig.

    Ist Gott also endokrin ?

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    ...tragfähige Argumente für die Existenz Gottes.
    Das kosmologische Argument
    Das teleologische Argument
    Das moralische Argument
    Das Leben der historischen Person Jesus Christus.

    Zitat bapon1:
    "Wenn Gott nur mit der Menge alles Guten identifiziert wird, ist es nur noch ein Begriff, den man auch durch "Vernunft" ersetzen könnte"

    Wo leiten sie das moralische SOLL ab?
    Ist es vernünftig, wenn ein Pädophiler seinen Lustgewinn erzielt, in dem er ein Kind sexuell mißbraucht?
    Waren die Nazis vernünftig, als sie Homosexuelle, Roma, Juden als "wissenschaftlich" krankhaft befanden und sie in Vernichtungslager steckten?
    Ist es vernünftig, eine reiche Erbtante mit Zyanid zu vergiften, um an ihr Erbe zu gelangen?

    Zitat bapon1:
    "Zur Frage, woher man gut und schlecht kennt:
    Es können auch die Stresshormone sein.
    Wenn niemand stiehlt, brauche ich keine Angst zu haben, dass ich bestohlen werde.
    Wenn ich keinen verkloppe, brauche ich mir um meine Nase keine Sorgen zu machen. Mein Distresspegel bleibt angenehm niedrig."

    Sie haben meine Frage an den Autor nicht verstanden.
    Es geht NICHT darum, ob Menschen, die nicht an Gott glauben, nicht zwischen Gut oder Falsch unterscheiden können. Die epistomologische Frage steht hier nicht im Vordergrund, sondern:

    Warum ist stehlen falsch? Warum ist "verkloppen" falsch?

    Wo machen sie das fest oder begründen sie es?

  4. ...tragfähige Argumente für die Existenz Gottes.
    Das kosmologische Argument
    Das teleologische Argument
    Das moralische Argument
    Das Leben der historischen Person Jesus Christus.

    Zitat bapon1:
    "Wenn Gott nur mit der Menge alles Guten identifiziert wird, ist es nur noch ein Begriff, den man auch durch "Vernunft" ersetzen könnte"

    Wo leiten sie das moralische SOLL ab?
    Ist es vernünftig, wenn ein Pädophiler seinen Lustgewinn erzielt, in dem er ein Kind sexuell mißbraucht?
    Waren die Nazis vernünftig, als sie Homosexuelle, Roma, Juden als "wissenschaftlich" krankhaft befanden und sie in Vernichtungslager steckten?
    Ist es vernünftig, eine reiche Erbtante mit Zyanid zu vergiften, um an ihr Erbe zu gelangen?

    Zitat bapon1:
    "Zur Frage, woher man gut und schlecht kennt:
    Es können auch die Stresshormone sein.
    Wenn niemand stiehlt, brauche ich keine Angst zu haben, dass ich bestohlen werde.
    Wenn ich keinen verkloppe, brauche ich mir um meine Nase keine Sorgen zu machen. Mein Distresspegel bleibt angenehm niedrig."

    Sie haben meine Frage an den Autor nicht verstanden.
    Es geht NICHT darum, ob Menschen, die nicht an Gott glauben, nicht zwischen Gut oder Falsch unterscheiden können. Die epistomologische Frage steht hier nicht im Vordergrund, sondern:

    Warum ist stehlen falsch? Warum ist "verkloppen" falsch?

    Wo machen sie das fest oder begründen sie es?

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    • bapon1
    • 05. April 2013 15:40 Uhr

    Die vielen Argumente, die Sie genannt haben, haben letztlich doch eine spekulative Komponente.
    Oder sie enthalten Zirkelschlüsse, wie das teleologische Argument.

    Zu Ihrer letzten Bemerkung: Gerade zum "Warum" habe ich einen psychologischen Ansatz genannt, der ohne Gott auskommt.

    Natürlich ist der Rückgriff auf "Stresshormone" zugespitzt.
    Aber er ist nicht irreal.

    • tokas
    • 05. April 2013 15:59 Uhr

    Warum ist stehlen falsch? Warum ist "verkloppen" falsch?
    Wenn ich andere verkloppe, besteht die Gefahr,
    selbst verkloppt zu werden. Was du nicht willst, daß man dir tu', ...

    Die Argumente zur Existenz Gottes sind alle widerlegt,
    in dem Sinne, daß sie entkräftet sind und die Existenz
    nicht bewiesen ist, nicht aber in dem Sinne, daß die Nichtexistenz
    bewiesen ist.

    Man kann ja auch schlecht die Nichtexistenz von etwas beweisen,
    das noch nicht einmal genau definiert ist und von dem jeder
    andere Vorstellungen hat. Die Nichtexistenz des rosanen
    unsichtbaren Einhorns ist ja auch nicht bewiesen.

    Und wenn ich diesem Einhorn auch noch zuschreibe,
    perfekt zu sein, habe ich dann schon seine Existenz bewiesen
    (weil aus "perfekt" die Existenz folgt)?

  5. ist richtig und notwendig, sonst werden sie zum Korsett, das freies Denken verhindert.
    So sehe ich auch die Frage des Glaubens, denn auch das Nicht-Glauben muß in Frage gestellt werden können, sonst wird es zum Dogma.

    Andererseits - so das mir einleuchtende Böckenförde-Diktum - braucht der freiheitliche, säkularisierte Staat ein verbindendes Ethos, das unsere Gesellschaft zusammenhält und das durch einen demokratischen Rechtsstaat _nicht_ aufgezwungen werden kann und das sich sich aus den Quellen Christentum, Aufklärung und Humanismus speist. (Ernst-Wolfgang Böckenförde)
    Das ist dann gewissermaßen der "Mörtel", der die Mauern unseres Hauses Demokratie zusammenklebt.

    Insofern darf der Streit um Überzeugungen nicht zu einer Relativierung aller Überzeugungen führen, sondern muß dort enden, wo es um Menschenrechte und demokratische Grundrechte geht, die eben nicht mehr verhandelbar sind.

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    • GDH
    • 05. April 2013 15:50 Uhr

    Sie meinen:
    "Insofern darf der Streit um Überzeugungen nicht zu einer Relativierung aller Überzeugungen führen, sondern muß dort enden, wo es um Menschenrechte und demokratische Grundrechte geht, die eben nicht mehr verhandelbar sind."

    So habe ich den Artikel auch nicht verstanden. Ganz im Gegenteil bedient die Vorstellung, nicht streiten zu dürfen ("Vielfalt ist doch schön, lass dem anderen seine Meinung" oder "Religion ist tabu - du darfst nicht kritisieren, was anderen heilig ist") einen Werterelativismus.

    Gesellschaften müssen sich ständig auf gemeinsame Regeln einigen. Das funktioniert um so besser, wenn offen angesprochen wird, welche Regeln und Verhaltensweisen man richtig bzw. falsch hält..

    • bapon1
    • 05. April 2013 15:40 Uhr

    Die vielen Argumente, die Sie genannt haben, haben letztlich doch eine spekulative Komponente.
    Oder sie enthalten Zirkelschlüsse, wie das teleologische Argument.

    Zu Ihrer letzten Bemerkung: Gerade zum "Warum" habe ich einen psychologischen Ansatz genannt, der ohne Gott auskommt.

    Natürlich ist der Rückgriff auf "Stresshormone" zugespitzt.
    Aber er ist nicht irreal.

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    Ich bringe positive Argumente, sie nicht. Ich warte, bis irgendwann, irgendwo auf diesem Planeten ein positives Argument für die Nicht Existenz Gottes von atheistischer Seite kommt.

    Zitat bapon1:
    "sie enthalten Zirkelschlüsse, wie das teleologische Argument."

    Weisen sie den Zirkelschluß nach, Behauptungen reichen hier nicht.

    Und wiederum falsch:
    Zitat bapon1:
    "Gerade zum "Warum" habe ich einen psychologischen Ansatz genannt, der ohne Gott auskommt."

    Ihr "psychologischer Ansatz" erklärt, warum wir Menschen unter gewissen Bedingungen etwas für moralisch halten(epistomologisch): Sie nennen "Angst" und "eigener Wille".
    Nur war das nicht die Frage. Ich wiederhole sie noch einmal für sie:
    Warum IST es falsch, jemanden zu bestehlen oder jemand zu schlagen?(ihr Beispiel) Worin begründen sie, das es moralisch falsch ist?

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