Utopien : Es geht auch anders

Ökonomische Utopien gibt es noch: Wirtschaft ohne Wachstum, teilen statt besitzen, Geld ohne Arbeit.

Wirtschaftsutopien sind aus der Mode – doch Visionen für eine andere Ökonomie gibt es noch. Etwa die neue Antwort auf die uralte Frage: Wie viel Privatbesitz muss sein? Statt diesen ganz abzuschaffen, wie das Thomas Morus (in Utopia) oder der Kommunismus postulieren, wird dieser in der sogenannten sharing economy nach und nach durch eine Wirtschaft des Teilens ersetzt. Sie beruht auf der Idee, dass Eigentum letztlich ein irrationales Beharren ist. So benutzen viele Menschen ihre private Bohrmaschine im Laufe des Lebens durchschnittlich zwölf Minuten. Und ihr Auto steht 23 Stunden am Tag auf dem Parkplatz.

Das Mantra der Meins-ist-deins-Ökonomen lautet: nutzen statt besitzen. Viele Konsumenten wollten gar nicht die Produkte, sondern bloß deren Nutzen. Also nicht die CD, sondern die Musik. Nicht das Auto, sondern die Mobilität. Nicht die Bohrmaschine, sondern die Löcher in der Wand. Deshalb kaufen sie nicht mehr alles, sondern sie tauschen, teilen und leihen: Wohnungen, Fahrräder, Küchen, Instrumente, Taschen, Spielzeug. Collaborative consumption nennt die Amerikanerin Rachel Botsman das Phänomen, das sie in ihrem Buch What’s mine is yours beschreibt: gemeinschaftlicher Konsum. In bestimmten, urbanen Milieus ist Nutzen statt Besitzen mittlerweile schick. Nicht das dicke Auto gilt als Statussymbol, sondern der Carsharing-Pass oder die Bahncard 100.

Auch eine Gesellschaft, in der man für sein Geld arbeiten muss, ist rückständig. So sehen es die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Sie träumen von einem Sozialstaat, in dem jeder Geld erhält – je nach Modell zwischen 400 und 1.500 Euro im Monat –, und zwar unabhängig davon, was er tut und ob er etwas tut. Zu der Idee gehört ein radikaler Umbau des Steuer- und Sozialsystems. Denn zur Finanzierung des Grundeinkommens sollen alle anderen sozialen Leistungen abgeschafft werden, Arbeitslosengeld, Hartz IV, Pensionen, Renten, Wohn- und Kindergeld. Zudem würden sämtliche Steuern abgeschafft, bis auf die Mehrwertsteuer. Die wäre deutlich höher als heute und müsste alle öffentlichen Ausgaben finanzieren. Das sieht zumindest der Vorschlag des Drogerie-Unternehmers Götz Werner (dm) vor, eines bekannten Befürworters dieser Idee.

Diese Utopie hat es immerhin in die Parteiprogramme der Grünen und Piraten geschafft. Auch Teile der Linkspartei begeistern sich dafür, selbst in der CDU gibt es Sympathisanten. Kritiker halten all den Visionären aber entgegen, dass nur ein extrem niedriges Grundeinkommen finanzierbar sei. Zudem könne es fatal sein, Menschen von Kindesbeinen an zu signalisieren, sie müssten sich nicht anstrengen und bekämen Geld, ohne zu fragen.

Umweltschonender Verzicht

Ein Klassiker der ökonomischen Utopien ist die Wirtschaft ohne Wachstum. Bereits Anfang der 1970er Jahre sah der Club of Rome die Grenzen des Wachstums kommen. Umweltverschmutzung, knappe Nahrungsmittel und Rohstoffe brächten das gängige Wirtschaftsmodell zum Stillstand. Das Wachstum in den Industrieländern, heißt es auch heute, verliere unausweichlich an Tempo (ZEIT Nr. 10/13). Experten warnen vor dem Ende. Dazu gehören der Sozialforscher Meinhard Miegel oder der Oldenburger Ökonom Niko Paech, der in zahllosen Vorträgen umweltschonenden Verzicht predigt und selbst auf Flüge verzichtet.

Die Wachstumskritiker sind sich bei der Diagnose einig, bei den Reformvorschlägen nicht. Kann man ein anderes, grünes Wachstum schaffen? Und wie? Oder muss dem System der Wachstumsdrang an sich ausgetrieben werden? Der Schweizer Ökonom Hans Christoph Binswanger will das erreichen, indem er die Vergabe von Krediten deckelt. Vor allem Zinsen und Kredite erzeugten Wachstumszwang. Außerdem will er Aktiengesellschaften in Stiftungen oder Genossenschaften umwandeln, was den Expansionsdruck verringere. Muss man auch die Arbeit neu verteilen, wenn weniger statt mehr produziert wird? Ein allgemein akzeptiertes Modell gibt es nicht. Eine Zahl wächst jedoch noch: die der Postwachstumsforscher.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Ergänzung zum 1. Post zum BGE

Zitat:
"Das Sozialbudget der BRD von 2011 weist 760 Milliarden € insgesamt für soziale Zwecke aus. => ca 9.300€ p.a., 775€ pro Monat pro Person"

Da die BRD gleichzeitig knapp 140 Mrd € p.a. ausgibt um sich zu überlegen wer die 760 Mrd € bekommen soll, und dieser Verteilungsaufwand bei einem BGE praktisch komplett eingespart werden würden, könnte man diesen Betrag imho noch draufrechnen. D.h. die Rechnung könnte sogar folgendermaßen lauten: Ca. 900Mrd€ aufgeteilt auf 82 Mill Menschen => 915€ pro Person pro Monat...

Noch ein Kommentar zum Budget des Staates:
Soweit ich das verstehe gibt es eine Staatsquote die alle Ausgaben und Transfers des Staates beinhaltet. 2011 war diese 44,93%, mit einem BIP von 2570 Mrd€, daraus ergeben sich 1154 Mrd€ Spielmasse. Davon muss man ein paar Ministerien, Verteidigung, Bildung etc bezahlen, aber wohl kaum mehr ein Ministerium für Arbeit und Soziales wenn man ein BGE hat...

Meine Quellen: http://de.statista.com/st...
Dort kann man die Höhe der Einsparung des Ministeriums für Arbeit und Soziales und des Ministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend ablesen.

http://de.statista.com/st...
Hier sieht man die Staatsquote mit 44,93%

https://www.destatis.de/D...
Und hier das BIP mit 2570 Mrd€.

Die Robotik wird Malocharbeit bald überflüssig machen!

Es wird in 10 Jahren nur noch kreative und schöpferische Arbeit geben!
Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution bei weiten übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs in der Landwirtschaft wo 1900 noch 80% beschäftigt waren, heute sind es weniger als 2%! Die Computer, Informationstechnik und Robotik von heute macht immer mehr Menschen ganz überflüssig. Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Heute werden nur noch zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein. Die soziale und kulturelle Entwicklung hinkt der technischen Entwicklung auf Jahrzehnte hinterher.
Roboter können alles besser:
http://www.facebook.com/p...

Auf der Wolke

bin ich auch lange lange mitgefogen, bis ich irgendwann durch Zufall auf das Thema Energie gestoßen bin.

Und das hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt.

In 10 Jahren werden die Milchmädchenrechnungen die man der Welt in Sachen Fracking, Ölversorgung, Biotreibstoffe usw. unterschiebt zu platzen beginnen.

Robotter bedeuten eine derart kompolexe vernetzte weltweite Infrastruktur , dass sie bei einem Rückgang der Weltenergieversorgung nie in der Lage sein werden diese Aufrecht zu erhalten.

Ich empfehle da gerne die Energie Watchgroup, oder die Website www.peak-oil.com, oder die international herausragende Website the-oildrum.com

"da wird Ihnen geholfen.."

Energieverfügbarkeit ist überhaupt DER Schlüssel zur weltweiten Encklung der letzen 150 Jahre, und die Industrialisierung hätte daher besser den Namen Fossile Revolution verdient.

WEnn die Prognosen, dass die Weltölverfügbarkeit bis 2030 um VIERZIG !!! Prozent zurückgehen auch nur ansatzweise richtig sind, wird das Problem Deutschlands nich die Frage der Robotik, sondern die Frage sein, wie wir überhaupt noch genügend Diesel zum Betreiben unserer Traktoren bekommen sein.

Denn dann werden die Förderländer gerade mal noch Ihren eigenen BEdarf decken können.

Und Fracking, Tightoil, Tarsande, LNG und Tiefseeöl können den Rückgang der konventionellen Reserven nicht im Ansatz ausgleichen.

So gerne ich es auch anders hätte.