StilkolumneDesigner-Ostereier

Eine Stil-Kritik von 

Schlecht versteckt: Schoko-Eier von Armani Dolci

Schlecht versteckt: Schoko-Eier von Armani Dolci  |  © Peter Langer

Wenn Mode und Essen bislang zusammenfanden, veranstaltete meist ein Kekshersteller eine Modenschau, bei der Darstellerinnen der Sendung Germany’s next Topmodel auftraten und Kleider aus Lebkuchen vorführten. Immer wieder kommen auch Fotografen auf die Idee, Models Königskrabben ins Haar zu flechten oder sie mit geschmolzener Schokolade zu übergießen. Dabei gäbe es viel schönere Arten, die beiden Themen zusammenzubringen. Vor Jahren beispielsweise präsentierte das Modehaus Prada einen Tee, der von den Duftsorten »Infusion de Tubereuse« und »Infusion de Vetiver« inspiriert war. Den Teebeuteln haftete ein seidener Faden an, was einem das Gefühl gab, sich etwas Besonderes zu gönnen – etwas, was Miuccia Prada auch trinken würde.

Leider ist das ausgesuchte Getränk nicht mehr erhältlich, auch nicht die Edition goldener Macarons, die das Mailänder Label Marni einmal zusammen mit der Konditorei Ladurée entwarf. Der Pariser Zuckerbäcker sucht immer wieder eine Verbindung zur Mode. Mal kreierte er zusammen mit dem Schuhdesigner Christian Louboutin Süßwaren in sündigem Blutrot, zuletzt entwarf Albert Elbaz eine Box für Ladurée. Solche Engagements sind allerdings immer nur von kurzer Dauer.

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Einzig der Großmeister des Markenausbaus, Giorgio Armani, unterhält seit Längerem eine Süßwarenfraktion: Armani Dolci. Aus dem Hause des Designers gibt es Pralinen im Würfelformat, Gebäck, Konfitüre, Honig – und nun sogar Ostereier, die man in Armani-Boutiquen erwerben kann.

Dass Modemarken sich mit Lebensmitteln beschäftigen, mag irritieren – doch das eine hat mit dem anderen durchaus etwas zu tun. Was man isst und in welchen Restaurants man sich blicken lässt, ist zu einem ähnlich wichtigen Thema geworden wie die Frage, was man anzieht. Zudem glauben viele Konsumenten, ein Lebensmittel sei umso wertvoller, je mehr man dafür bezahle. Wenn der Konsum von Nahrungsmitteln nach denselben Gesetzen funktioniert wie jener von Kleidungsstücken – warum sollen sie dann nicht von denselben Marken angeboten werden? Wir warten also auf den Armani-Weihnachtsmann und freuen uns, zu erfahren, dass Miuccia Prada tatsächlich Kräutertee liebt. Wahrscheinlich trinkt sie gerade den restlichen Infusion de Tubereuse alleine aus.

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Leserkommentare
  1. ...weis um deren Wert.

  2. ...besonders gut.
    Armani rechnet wohl zurecht mit einer längeren Krise...

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Getränk | Giorgio Armani | Mode | Modenschau | Nahrungsmittel | Prada
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