Stimmt's?Lässt sich ein weich gekochtes Ei nach dem Abkühlen noch hart kochen?

… fragt Thomas Koppe aus Brandenburg von 

Ich muss zugeben, ich habe es nach einem Experiment zunächst auch geglaubt. Zu Hause habe ich zwei rohe Eier fünf Minuten in sprudelnd kochendem Wasser gegart und dann im Kühlschrank mehrere Stunden abkühlen lassen. Eines wurde dann noch einmal fünf Minuten lang gekocht. Dann habe ich beide Eier aufgeschlagen – und siehe da, in beiden war das Eiklar gleich glibberig und der Dotter fast flüssig. Ist damit die Hypothese bestätigt?

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Nein, dem Versuch liegt ein Denkfehler zugrunde. Die Zeit, die das Ei in kochendem Wasser verbringt, korrespondiert nämlich nicht unbedingt mit der Härte. Tatsächlich ist es so, dass es für die Proteine im Ei eine definierte Temperatur gibt, bei der sie gerinnen (60 Grad fürs Eiklar, 68 Grad fürs Eigelb). Ein hartes Ei braucht deshalb so lange, weil es eine gewisse Zeit dauert, bis sich das Innere des Eis auf diese Temperatur erwärmt hat – dann erfolgt die Gerinnung recht schnell.

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Das aber heißt: Für das weich gekochte Ei, das im Kühlschrank war, beginnt die Zeitrechnung von vorne – die noch flüssigen Eiweiße müssen erst einmal wieder auf die entsprechende Temperatur gebracht werden, und das kann sogar länger dauern als zuvor, weil die bereits geronnenen äußeren Schichten die Wärme schlechter leiten. Im zweiten Experiment habe ich dann ein weiches Ei noch einmal acht Minuten lang gekocht – und es wurde richtig schön hart.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. das ist eine wichtige, weltumspannende Frage.

    9 Leserempfehlungen
  2. an der man ein bisschen naturwissenschaftliches Denken schulen kann...

    9 Leserempfehlungen
  3. Zunächst werde ich eine Arbeitsgruppe bilden, um erst einmal das Problem ausführlich zu diskutieren.
    Ich denke, es wird auch erforderlich sein, eine Untersuchung anzustoßen, die evaluiert, ob vergleichbare Ergebnisse bei weißen und braunen Eiern erzielt werden.
    Auch der jahreszeitliche Aspekt wird sicherlich Bestandteil der Untersuchung sein. Leichte Frühjahrseier, schwere Wintereier???
    Endergebnis wird eine, sicherlich Plagiat-freie, Dissertation sein.
    Es grüßt Sie
    Dottore ei. RogerGerhold

    3 Leserempfehlungen
  4. Dieses kleine Experiment zeigt, wie man konstruktiv mit naturwissenschaftlicher Neugierde umgeht. Ist das wirklich so? Wenn ja, welche Faktoren spielen eine Rolle? Welche Prozesse werden durch welche Umstände angeregt. Das Wissenwollen um das physikalische Warum nannte Einstein "Gedankenphysik".

    Die ist doch ausgesprochen spannend !

    Ich rätsel gerade, warum ein Ei, das ich in einer Schale Wasser in der Mikrowelle kochen wollte, weder weich noch hart wurde, sondern einfach mit einem Riesenknall explodierte.

    Wer auch gerne gedanklich experimentiert, dem empfehle ich das Buch von Lewis C. Epstein," Denksport Physik".

    Alles Begreifen von komplexen physikalischen Zusammenhängen fängt mit dem Verstehen einfacher Zusammenhänge an.

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... darauf, das Sicherheitsventil der Eierschale nicht zu blockieren. Sonst explodiert's wieder ... – wie? Ihre Eier haben keine Sicherheitsventile?

    Eine Mikrowelle nutzt eine Frequenz, die -wenn ich mich recht erinnere- Wasserstoffatome zum Schwingen bringt und auf diese Energie überträgt und das erhöht in einem geschlossenem System den Druck...

    Interessant wäre die Frage, ob man ein Ei damit quasi bei passender Leistungseinstellung am Gerät kochen kann, wenn das Ei genug Löcher hat, um den Druck abzuleiten...oder ob das auch einfach nur ein undefinierbares Etwas und eine total versiffte Mikrowelle ergibt?

  5. Sie haben den Artikel doch gelesen, also hat sie die Antwort genau wie mich wirklich interessiert.

    5 Leserempfehlungen
  6. ... darauf, das Sicherheitsventil der Eierschale nicht zu blockieren. Sonst explodiert's wieder ... – wie? Ihre Eier haben keine Sicherheitsventile?

    4 Leserempfehlungen
    • habito
    • 28. Juni 2013 11:46 Uhr

    Gelingt dann das perfekte Frühstücksei - Eiweiß hart, Eigelb weich - am besten, wenn man es gar nicht kocht, sondern bei 60 bis 67 Grad gart?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nicht wirklich.

    Der entscheidende Punkt ist ja, dass sich das Ei nicht gleichmäßig erwärmt, sondern die Hitze von Aussen nach Innen das Ei langsam durchdringt.

    Oder anders gesagt, die Energiezufuhr in Form von Wärmeenergie muss nur rechtzeitig unterbrochen werden. Bei niedrigen Temperaturen dauert es lediglich länger, bis das Eiweiss genug Energie aufgenommen und sich dadurch gerinnungsbedingt verfestigt hat.

    Bei niedrigen Temperaturen hat man zwar größere Zeitfenster, da dem Ei langsamer Energie übertragen wird, aber auf die Zeit muss man dennoch achten.
    Ich würde bei kochendem Wasser bleiben, da da immerhin die Temperatur konstant ist u. man nur auf die Kochzeit achten muss, während man bei abweichenden Temperaturen sowohl auf die Zeit als auch auf die Wassertemperatur achten muss.

    Auf der anderen Seite...versuchen Sie es doch einfach mal mit der anderen Temperatur und schildern Sie ihr Ergebnis. Vielleicht ist das eine gute Idee :)

    PS: Ich hoffe, ich habe hier jetzt gerade keinen Denkfehler, sonst Asche auf mein Haupt, es ist Samstag Mittag. In dem Sinne, allen Eiliebhabern ein gelungenes, morgiges Sonntagsei.

  7. Nicht wirklich.

    Der entscheidende Punkt ist ja, dass sich das Ei nicht gleichmäßig erwärmt, sondern die Hitze von Aussen nach Innen das Ei langsam durchdringt.

    Oder anders gesagt, die Energiezufuhr in Form von Wärmeenergie muss nur rechtzeitig unterbrochen werden. Bei niedrigen Temperaturen dauert es lediglich länger, bis das Eiweiss genug Energie aufgenommen und sich dadurch gerinnungsbedingt verfestigt hat.

    Bei niedrigen Temperaturen hat man zwar größere Zeitfenster, da dem Ei langsamer Energie übertragen wird, aber auf die Zeit muss man dennoch achten.
    Ich würde bei kochendem Wasser bleiben, da da immerhin die Temperatur konstant ist u. man nur auf die Kochzeit achten muss, während man bei abweichenden Temperaturen sowohl auf die Zeit als auch auf die Wassertemperatur achten muss.

    Auf der anderen Seite...versuchen Sie es doch einfach mal mit der anderen Temperatur und schildern Sie ihr Ergebnis. Vielleicht ist das eine gute Idee :)

    PS: Ich hoffe, ich habe hier jetzt gerade keinen Denkfehler, sonst Asche auf mein Haupt, es ist Samstag Mittag. In dem Sinne, allen Eiliebhabern ein gelungenes, morgiges Sonntagsei.

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  • Schlagworte Kochen
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