Suhrkamp Verlag : Dringend gesucht: 13 Millionen Euro

Der Suhrkamp Verlag braucht jetzt schnell einen Investor.

Vom Umzug des Suhrkamp Verlags nach Berlin abgesehen, waren die beiden Gesellschafter Ulla Berkéwicz und Hans Barlach unfähig, irgendeine Meinungsverschiedenheit anders als durch Anrufung der Gerichte auszutragen. Weil die Mühlen der Justiz langsam mahlen, liefen die Geschäfte lange weiter wie gewohnt. Nun aber schlagen in immer kürzeren Abständen die Urteile ein wie Bomben. Und sie alle sind eine Bedrohung für die Verlegerin. In der vergangenen Woche gab das Landgericht Frankfurt Hans Barlach recht, wonach der Suhrkamp Verlag ihm 2,2 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn des Jahres 2010 auszuzahlen habe.

Das ist eine Summe, von der man nicht weiß, ob der Verlag sie stemmen kann. Deshalb appelliert ein Autor wie Adolf Muschg an Barlach, Gnade (also Verantwortungsgefühl) vor Recht walten zu lassen. Während Berkéwicz einen Prozess nach dem anderen verliert, steigt ihr moralisches Ansehen. Alle zittern um Suhrkamp. Barlach holt sich sein Recht, aber der Verlag ist offenbar für eine rechtskonforme Führung nicht gerüstet. So ist Barlachs Recht zur Bedrohung für Suhrkamp geworden.

Dabei wird Barlach immer mehr zu einem Michael Kohlhaas im Kleinformat. Fiat iustitia, et pereat mundi: Es geschehe Recht, auch wenn der Verlag darüber zugrunde geht. Viele Suhrkamp-Autoren haben immer vor Barlach gewarnt und ihn mit Hohn und Spott überzogen. Mittlerweile schlägt Barlach auf die primitivste Art zurück. Es ist, als wolle er sich für alle Demütigungen rächen. Aber es ist natürlich vollständiger Wahnsinn, dass jemandem ein Verlag gehört, dessen bedeutende Autoren er am liebsten zum Teufel schickte.

Deshalb gibt es nur eine Lösung: Irgendjemand muss Barlach seine Anteile abkaufen. Wenn Barlach kein Masochist ist, dann will er raus aus diesem Psychodrama. 10 Millionen, schätzen Branchenkenner, habe Barlach für seine Anteile gezahlt. Man schlage noch drei Millionen Anwaltskosten drauf. Für 13 Millionen gehören einem 39 Prozent Suhrkamp. Natürlich gibt es dafür Investoren: Die Namen Hubert Burda, Thomas Ganske und Stefan von Holtzbrinck werden genannt. Doch kein Investor, der bei Trost ist, steigt bei Suhrkamp ein, ohne dass sich etwas an den Machtverhältnissen ändert. Berkéwicz hat schon einmal im Interview mit der ZEIT angedeutet, dass sie sich zum Besten des Verlags auch zurückziehen könnte, etwa auf ihre Rolle als Vorsitzende der Familienstiftung und mondäne Repräsentantin der Suhrkamp-Kultur. Und die Familienstiftung selbst wird Anteile abgeben müssen, damit der neue Gesellschafter auf Augenhöhe agiert. Das alles muss schnell geschehen, denn längst fragen sich Literaturagenten, ob sie einem Verlag Manuskripte anbieten sollen, dessen Zukunft so ungewiss ist.

Anzeige

Kultur-Newsletter

Was die Musik-, Kunst- und Literaturszene bewegt. Jede Woche kostenlos per E-Mail.

Hier anmelden

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

nur eine Bedingung

Nur eine Bedinung: dieser neue Investor muss erst einmal mit Frau Berkéwicz zurechtkommen, was nicht nur Herrn Barlach misslungen ist. Am besten, er gibt nur das Geld und stellt ansonsten keine weiteren Bedingungen.

Frau Berkéwicz hat es recht gut verstanden, dass deutsche Feuilleton gegen Herrn Barlach aufzubringen: hier die Kultur, dort der kalte Kapitalist. Da ist doch von vornherein klar, auf wessen Seite man steht, und das nutzt Frau Berkéwicz aus. Leider nützt ihr das nichts vor Gericht. Dass sie sich ihre Villa in Berlin indirekt von Herrn Barlach hat bezahlen lassen, spricht nicht für ihre Integrität. Auch das Gericht hat dagegen Einspruch erhoben.

wirklich so wichtig?

hat dieser Verlag in dieser Unternehmenskonstellation noch eine Zukunft? Wenn ja, wird es sicherlich einen Investor geben der den "bedeutenden" Autoren zuliebe, die Anteile von Herrn Barlach übernimmt.

Wenn nicht, wird es einen Verlag, mit Verlaub gesagt, etwas angestaubtem Image, weniger in Deutschland geben. Andere Verlage mit weniger "bedeutenden" Autoren (und geringerer Auflage), arbeiten heute sowieso wesentlich kreativer, innovativer und sprechen den Zeitgeist einer jüngeren Leserschaft an.

Schuld an der Misere sind aber nur zwei Menschen mit einem etwas zu aufgeblähten Ego: Herr Barlach und Frau Unseld-Berkéwicz. Denn, zum streiten gehören immer zwei, und zum versöhnen eben auch. Sind die beiden Streithähne auch nur halb so intelligent wie ihre Autoren und zudem guten Willens, dann müsste eine gute Lösung doch möglich sein.