UnternehmensberaterErst aufsteigen, dann aussteigen

Unternehmensberatungen sind oft nur ein Sprungbrett: Zum Beispiel für eine eigene Firma. Drei Gründer erzählen. von 

Kaufen nach Rezepten

Am Anfang war da die Neugier. Alle reden über Berater – ich wollte wissen, was die tun, und habe ein Praktikum bei McKinsey gemacht. Es folgte das Angebot, nach meinem BWL-Studium anzufangen. In dem Umfeld habe ich mich gleich wohlgefühlt: Man kann sich schließlich in der Welt aus Business Class, Hotels und steigendem Gehalt gut einrichten. Aber das ist auch die Gefahr: Gerade weil man viel arbeitet, hat man keine Zeit, seine Präferenzen zu überdenken.

Nach zweieinhalb Jahren habe ich einen "Leave" gemacht. Diese Unterbrechung legen Unternehmensberater oft ein, um zu promovieren. Das war auch mein Plan – doch schon davor hatte ich die Idee für das Kochhaus, dem nach Rezepten sortierten Lebensmittelgeschäft. Durch die Pause war Zeit, das ernsthaft zu erwägen. Als ich eine Location entdeckt habe, alles konkreter und die Resonanz immer besser wurde, entschied ich mich, mein Anstellungsverhältnis zu beenden und als Gründer durchzustarten.

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Der Neustart war nicht schwer. Als Berater ist man mit Konzepten beschäftigt, versucht Probleme zu verstehen und entwickelt Strategien. Als Gründer macht man anfangs alles selbst. Ich muss niemanden anrufen, um Entscheidungen zu treffen, und arbeite stärker umsetzungsorientiert. Ich suche Rezepte aus, habe Kundenkontakte, stelle Mitarbeiter ein. Ist mir etwas wichtig, wird es in drei Wochen Realität. Auch die Teamarbeit ist toll. Früher ging es alle drei bis sechs Monate von vorne los. Heute habe ich ein Team auf Dauer. Wir entwickeln uns gemeinsam. Zwar sind meine Arbeitszeiten kaum anders als früher. Aber ich bin in sechs von sieben Nächten zu Hause. Das steigert die Lebensqualität.

Aus meiner Beraterzeit nehme ich dennoch einiges mit: Einen überzeugenden Businessplan für mein eigenes Unternehmen konnte ich nur schreiben, weil ich gelernt habe, eine Idee auszuformulieren und Schwierigkeiten zu bedenken. Die Gefahr, wenn man zu lange Berater war, könnte sein, dass man Dinge schnell erfasst, aber die Bereitschaft für eine andere Perspektive fehlt. Ich hoffe, das ist bei mir nicht so.

Ramin Goo, 32 Jahre, gründete die Lebensmittelkette "Kochhaus", in der Produkte nach Rezepten sortiert sind

Vermitteln von Experten

Ein Headhunter sprach mich an während meiner Mathematik-Promotion, und das kam mir gerade recht: Mir war schon länger klar, dass ich nicht in dem Fachbereich bleiben will – ich wollte eher viele Unternehmen von innen kennenlernen. Über den Headhunter bin ich mit Anfang 30 bei einer kleinen Beratung eingestiegen. Vier Jahre habe ich hauptsächlich Energieversorger beraten. Das war eine abwechslungsreiche Arbeit, mal war ich ein paar Wochen, mal monatelang in einem Unternehmen tätig, habe oft mit mehreren Abteilungen zu tun gehabt und gelernt, mir Informationen zu unterschiedlichsten Themenbereichen zu verschaffen.

Doch den Alltag als Berater darf man nicht unterschätzen. Ich hatte zwar keine 70-Stunden-Arbeitswoche, bin aber jeden Montag um 6.30 Uhr in eine andere Stadt geflogen. Wenn ich Glück hatte, kam ich Donnerstagabend zurück. Wenn es unter der Woche Ärger mit einem Projekt gab, konnte ich nicht einfach Freunde treffen, um nach Feierabend beim Bier drüber zu sprechen. Irgendwann haben die Nachteile die Vorteile überwogen. Innerhalb des Unternehmens zu wechseln oder zu einer anderen Beratung zu gehen erschien mir nicht als Lösung, zumal ich schon länger überlegt hatte, ein Unternehmen zu gründen.

Heute betreibe ich mit meinem Bruder das Expertennetzwerk ExploreB2B, wo ich unterschiedliche Unternehmen zusammenbringe. Dass ich selbst einmal Unternehmen beraten habe, hilft mir. Meine Arbeit als Beraterin war aber oft theoretisch, dort habe ich das Ergebnis fast nie mitbekommen, weil ich längst in einer anderen Stadt bei einem anderen Kunden war. Jetzt stehe ich für alles gerade und erlebe die Umsetzung selbst. Es gefällt mir besser, an einer Sache dranzubleiben und Dinge zu Ende zu bringen. Als Chefin habe ich zwar viel Verantwortung, bin aber auch weniger fremdgesteuert. Außerdem muss ich das Ganze betrachten – als Berater konnte ich Scheuklappen aufsetzen und mich mit einem Bereich befassen. Auch der Alltag ist schöner: Ich sehe meine Freunde öfter, treffe Gründerkollegen, mein Sozialleben ist breiter und langfristiger.

Eine Rückkehr in die Unternehmensberatung kann ich mir nicht vorstellen. Dennoch möchte ich die Zeit nicht missen. Ich habe mehr gelernt, als in einem normalen Job möglich gewesen wäre.

Susanna Gebauer, 41 Jahre, machte sich mit ExploreB2B, einer Onlineplattform für Experten, in Berlin selbstständig

Leserkommentare
  1. Wie erfolgreich sind denn jetzt diese selbstgegründeten "Unternehmen"?

    Und wie lange?

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  2. "Viele Consultants machen sich mit dem erworbenen Wissen später mit einer eigenen Firma selbstständig."

    Und scheitern in der Regel. Die Beherrschung von Consulting-Speak vernebelt meistens das Gehirn und macht unfähig zum zweckrationalen Management.

    2 Leserempfehlungen
    • shtok
    • 26. April 2013 23:38 Uhr

    hoffentlich berichtet Frau Hampel in 2-3 Jahren noch mal über diese Unternehmer und was aus ihren Unternehmen geworden ist.

    Goo's Unternehmen probiert ein Franchisesystem aufzubauen, so dass andere das gesamte Risiko tragen. Zum Konzept, wer um selber zu kochen regelmäßig Kochaus nutzen sollte, erschliesst sich auch nicht, besonders nicht als dauerhaft kundenbindendes Konzept.

    Frau Gebauer und Bruder bauen eine Netzwerkplattform auf, die im Prinzip imltho weitestgehend schon von anderen größeren Mitbewerbern abgedeckt wird. Und 9.90 Euro für Statistiken zu bezahlen, wer auf eigene Artikel zurückgegriffen hat, dass kann man als Unternehmen auch selber über einen eigenen Auftritt für lau realisieren und scheint auch mehr auf Medienschaffende ausgerichtet zu sein.

    Herr Hackenberg hat mit 35 (-2 Jahren) angefangen in einer Unternehmensberatung zu arbeiten (11 Jahre als U-berater jetzt 46 Jahre alt) und probiert jetzt mittels Softwarelösung Sachen an den Mann zubringen, die sonst U-berater machen. Da ist auch die Frage wie groß ist dort der Markt und wie oft machen Leute die angebotenen Coachings.

    Schön wäre wenn die Autorin mal U-berater finden würde, die eigene Unternehmen in der verarbeitenden Wirtschaft selber von Null aufgebaut haben und diese auch über 10 Jahre erfolgreich geführt haben.

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  3. Unternehmens- und Betriebsberater, die direkt aus dem Studium in diese Berufe gehen, verfügen zwangsläufig über keiinerlei praktische Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten.

    Man fragt sich, wie sie dann in der Lage sein wollen, Firmen wirklich gut zu beraten.

    Sinnvoll wäre der umgekehrte Weg. Nach dem Studium Tätigkeiten in Unternehmen aufnehmen, um dann später andere Unternehmen sowohl theoretisch als auch praktisch richtig zu beraten.

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  4. Erst in Lohn und Brot in einer Branche, dann arbeitslos. Nach einiger Zeit vergeblicher Bewerbungen geht man als freier Berater, und sucht sich selber Kunden.

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  5. befähigen noch lange nicht zum Unternehmer.

    Dafür benötigt man nicht nur Kennzahlen der Unternehmensführung sondern vor allem handwerkliche Fähigkeiten im operativen Bereich und der Branche, denn wenigstens in den ersten Jahren dürfte ein "Unternehmer" noch die Personalunion für alle möglichen Handgriffe sein.

    Sein Geschäft verstehen heißt vor allem zu wissen was dort im Details abläuft. Und wie nachhaltig das vermeindliche Geschäftsmodell eine gefühlte Marktlücke abdeckt, der Berater-Lifestyle geeignet ist das wirkliche Leben noch wahrzunehmen... Und genau das lernen jung-dynamische Consultants meist nicht.
    (Wird es doch mal gebraucht, werden die REport-Seiten mit Mitarbeiter-Erfahrungen des Auftraggebers befüllt, die sich dann u.U. wundern, dass in den ppt's für den Vorstand die Dinge auftauchen, die sie schon seit Jahren bekannt sind.)

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  6. aber notwendiges Business.

    Und die Beratungen mit ihrer Top-Absoventen Auslese sind auch glaubwürdiger als Berater,selbst wenn sie direkt von der Uni ohne Berufserfahrung in die Beratung einsteigen.

    Die Berater,die sich selbständig vor allem im Bereich der Existenzgründungen tummeln (die dann oft vom Arbeitsamt mit Gutschein etc bezahlt werden),sind jedoch meist gescheiterte Existenzen,die nach dem Scheitern in der privatwirtschaft dann aus Steuertöpfen bezahlt werden und mit Binsenweisheiten ihr subventioniertes Auskommen haben.
    Generall sind Berater ,die nicht entweder zu den 1 Prozent Top-Absolventen gehören oder sich irgendwann selbständig machen unglaubwürdig.
    Denn aufgrund welcher Leistung maßen sie sich an,dem Jungunternehmer Ratschläge zu erteilen?

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