Ein Sattelschlepper rumpelt über die Piste, zwischen Dorngestrüpp und Kakteen kriechen Planierraupen und Schaufelbagger herum, Bauarbeiter gießen Zement für Fundamente. Hier, in der Wüste Arizonas, knapp 30 Minuten von Phoenix entfernt, entsteht Eastmark – eine neue Kleinstadt für 15.000 Einwohner samt Einkaufsmeile, Hotels, Schulen und Parks. »Dort wird unser Amphitheater gebaut«, sagt Shannon Francoeur, die leitende Bauingenieurin, »und weiter drüben, wo die großen Findlinge liegen, soll unser See hin, davor der Basketball-Platz. Wir schaffen eine Lebensgemeinschaft der Zukunft.«

Das ist schon eine erstaunliche Entwicklung. Bis vor Kurzem nämlich sah hier alles anders aus: Da war Francoeur arbeitslos, und Eastmark drohte eine Planungsskizze zu bleiben. Die nahe Stadt Phoenix war das Zentrum jenes Bebens, das den US-Immobilienmarkt zum Einsturz brachte und die Finanzkatastrophe von 2008 auslöste.

So großzügig floss das Geld, dass das Zocken zum Volkssport wurde

Doch seit einigen Monaten ziehen an vielen Orten Amerikas die Hauspreise wieder an, und ausgerechnet in Phoenix tun sie es besonders deutlich. Bei Hausbesitzern von Maine bis Florida regt sich nun die Hoffnung, dass der Markt sich wieder belebt. Die Zahl der verkauften Eigenheime ist auf dem höchsten Stand seit vier Jahren, die Preise für Wohnimmobilien sind binnen Jahresfrist um zwölf Prozent gestiegen.

Und woran liegt diese wundersame Erholung? Sie wird nicht zuletzt von denjenigen angetrieben, die für den Boom und Kollaps vor fünf Jahren verantwortlich waren: Wall-Street-Investoren und Banken. Auf dem Höhepunkt der Immobilienwelle hatten sie Banken so großzügig Geld zur Verfügung gestellt, dass Immobilienspekulation zum Volkssport wurde. Ob die Sache diesmal gut geht?

Erik Walbot hat eigentlich niemanden in seinem Bekanntenkreis, der nicht in der Krise eine Immobilie verloren hätte. »Früher war eine Zwangsversteigerung ein sozialer Makel, heute redet man ganz selbstverständlich darüber«, erzählt er. Als Immobilienmakler traf es Walbot hart. Doch inzwischen ist er wieder im Geschäft, hetzt von einem Besichtigungstermin zum nächsten. Gerade hat er einem Ehepaar aus Illinois ein Millionendollarhaus gezeigt. »Auf ein Objekt kommen nicht selten sechzig oder siebzig Angebote.«

Walbot, der mit lässig offenem Leinenhemd und Jeans eher wie der Besitzer eines Fitnessclubs wirkt, sieht Phoenix schon wieder als Amerikas Metropole der Zukunft. So übertrieben die Immobilienblase war, so übertrieben sei der Absturz gewesen. »Wir haben Tech-Jobs und eine große Universität, besseres Klima als Florida und sind günstiger als Kalifornien. Und wir haben die besten mexikanischen Kneipen«, sagt er. Ein Blick auf sein Smartphone, dann muss Walbot auch schon wieder in seinen Mercedes SL und los. Für den Nachmittag haben sich Kanadier angesagt, die hier einen Zweitwohnsitz suchen.

An allen Ecken wird gebaut. Die Jobs im Baugewerbe sind wieder da. Nicht nur in Arizona: Seit vergangenem September hat die Branche 150.000 Stellen geschaffen. Es entstehen auch wieder neue Jobs durch die wachsende Nachfrage nach Möbeln, Haushaltsgeräten, Flachbildschirmfernsehern und anderen Gütern rund um den privaten Haushalt. Als die Baumarktketten Home Depot und Lowe’s zuletzt satte Quartalszahlen meldeten, jubelten nicht nur deren Aktionäre, sondern auch Ökonomen: Das seien gute Zeichen für einen erneuten Aufschwung. Sogar die Kassen der Städte und Gemeinden, die sich zum großen Teil aus Grund- und Immobiliensteuern finanzieren, füllen sich langsam wieder.

Skeptiker aber warnen, dass die Erholung nur ein Strohfeuer sei – angefacht durch die US-Notenbank Fed. Und auch dafür gibt es gute Argumente. Notenbankchef Ben Bernanke hat so gut wie nichts gescheut, um den Immobilienmarkt aus dem Tief zu holen. Der US-Leitzinssatz liegt seit der Finanzkrise praktisch bei null, und mit etlichen Finanztricks drückte die Notenbank die längerfristigen Hypothekenzinsen noch zusätzlich. Im vergangenen Jahr begann sie sogar, selber in großem Stil Hypothekenpapiere aufzukaufen – für bis zu 40 Milliarden Dollar im Monat. Das Aufkaufprogramm soll noch bis 2015 laufen. Bis dahin könnte die Fed bis zu knapp eine Billion Dollar in den Immobilienmarkt gepumpt haben. Jedenfalls sind die Zinsen für Hypotheken auf historische Tiefstände gefallen. Ein Darlehen mit einer Laufzeit von 30 Jahren ist schon ab drei Prozent Zinsen zu haben.