Berliner BühneDer wichtigste Mann

Abschied in Mitte: Dieter Wollstein verlässt das Café Einstein.

Das Café Einstein Unter den Linden ist das Café Wichtig der Hauptstadt. Hier businessluncht, wer den Serviettenknödeln des Lebens beweisen muss, dass er selbst zum Saftgulasch gehört. Wir gehen da sehr gern hin.

Zuletzt trafen wir dort eine Grüne, die ein wenig anstrengend ist, einen SPD-Mann, der immer Wiener Schnitzel bestellt, und einen Verteidigungsexperten, der einen kampfunfähig quasseln kann. Die anstrengende Grüne sagte: "Der Wollstein ist immer so freundlich – der mag mich." Der Schnitzel-Sozi meinte: "Der Wollstein ist immer so freundlich – der mag mich." Und die Quassel-Waffe quasselte unter anderem: "Der Wollstein ist immer so freundlich – der mag mich."

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Der Wollstein – das ist Dieter Wollstein, der Einstein-Geschäftsführer. Wollstein besitzt die Gabe, jedem Einzelnen das Gefühl zu vermitteln, im Café Wichtig sei er der Wichtigste. Jeden Gelegenheitsbesucher spricht er mit Namen an, jeden Stammgast begrüßt er, als hätte der gerade einen Afghanistan-Kampfeinsatz oder ein Andrea-Berg-Konzert überlebt. Und der Kollegin, die mal erwähnte, ihrem Sohn schmecke das Einstein-Brot so gut, schenkte er von da ab bei jedem Besuch einen Laib davon, "für den Sohn". All das, vom Wichtigsein bis zur Brotgabe, hat nun ein Ende. Mit 65 Jahren tritt Wollstein in den Ruhestand. Alle, die Wollstein so mögen, wie er sie mag, wissen längst: Im Einstein waren sie immer nur die Serviettenknödel – und Dieter Wollstein war das Saftgulasch.

 
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