PersonensucheFrau Panter spürt fast jeden auf

Ob leibliche Eltern oder Halbgeschwister – die Personensucherin findet Menschen auf der ganzen Welt. von Catalina Schröder

Wenn man Susanne Panter fragt, wie sie zu ihrem Job gekommen ist, erzählt sie die Geschichte von ihrem Opa, dem Erfinder der Kindersicherung für Steckdosen. Er sei ein Marktlücken-Finder gewesen und habe sich ausgedacht, was gebraucht wurde. Das habe sie von ihm geerbt. Susanne Panter besetzt mit ihrem Beruf in Deutschland gewissermaßen auch eine Marktlücke, denn es gibt nur wenige, die ihn ausüben: Die 46-Jährige ist Personensucherin. Sie hilft ihren Kunden, Menschen zu finden, die sie aus den Augen verloren oder noch nie getroffen haben.

Panter hat sich einen Job gesucht, der sie immer auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Denn die Konstellationen, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet, kennt sie fast alle aus ihrer eigenen Familie. Ihre Mutter lässt sich scheiden. Panter hat eine Halbschwester, zwei Halbbrüder und einen Stiefbruder. Ihren leiblichen Vater lernt sie erst mit 18 Jahren kennen. Vielleicht will sie sich mit ihrem Job beweisen, dass es in anderen Familien noch chaotischer zugeht als bei ihr selbst. Panter formuliert es vorsichtiger, sie sagt: "Viele Schicksale, die in meinem Job vorkommen, gibt es auch in meiner Familie."

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Kinder anonymer Samenspender sind seit Kurzem potenzielle Auftraggeber

Eines dieser Schicksale ist das von Benjamin Schmitz. Der Einzelhandelskaufmann aus Velbert in der Nähe von Wuppertal ist 26 Jahre alt, Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters. Aufgewachsen ist er bei seiner Oma und bei seiner Mutter im Ruhrgebiet. Die Mutter hat keinen Kontakt zum Vater und verbietet dem Sohn, nach ihm zu suchen – deswegen möchte Benjamin Schmitz auch nicht seinen echten Namen in der Zeitung lesen. Jahrelang quälen ihn Fragen: Wie sieht sein Vater aus? Wie riecht er? Wie klingt seine Stimme? Mit 16 sucht er ihn zum ersten Mal. Vergeblich. Mit 24 versucht er es noch einmal. Erfolglos. Dann beauftragt er Susanne Panter.

Panters Büro liegt in der Frankfurter Innenstadt, nicht weit entfernt von der Zeil, einer der belebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Ihr Büro ist weniger aufregend. Genau genommen, ist es nur eine spartanisch eingerichtete Ecke in ihrem Wohnzimmer. Dort steht ein großer Schreibtisch, darauf ein Laptop, der mit dem Internettelefonprogramm Skype und einem Headset ausgerüstet ist, ein Telefon und fünf Papierstapel. Für jede Suche macht sie einen neuen Stapel.

Von diesem Tisch aus hat Panter in den vergangenen 13 Jahren rund 3.000 Menschen in der ganzen Welt gesucht. Mehr als 2.800 von ihnen habe sie gefunden, sagt sie, eine Erfolgsquote von über 90 Prozent. Mit den Familien, die sie zusammengebracht hat, ließe sich eine Kleinstadt bevölkern. "Wenn sich jemand nicht absichtlich versteckt, finde ich ihn beinahe überall", sagt Panter. Hinter ihrem Schreibtisch hängt eine anderthalb Meter mal einen Meter große Weltkarte. Sie ist vergilbt vom Sonnenlicht, das durch die bodentiefen Fenster fällt. Mit Stecknadeln hat Panter auf der Karte die Länder markiert, in denen sie bereits Menschen gefunden hat: in Deutschland, Südafrika, Großbritannien, den USA, Chile, Russland oder Australien. Mehr als 50 Nadeln stecken in der Karte.

Zu Panter kommen Menschen, die adoptiert wurden und als Erwachsene ihre leiblichen Eltern suchen. Menschen, die wie Schmitz ohne ihren Vater aufgewachsen sind und nicht wissen, wo er sich aufhält. Sie hoffen, einen Teil von sich selbst zu entdecken, der bislang unsichtbar war: Niemand könne wissen, wer er sei, ohne zu wissen, wo er herkomme, so sieht es Panter. Seit Kurzem hat sie noch mehr potenzielle Kunden: Vor einigen Wochen entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass Kinder, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, erfahren dürfen, wer ihr leiblicher Vater ist. In Deutschland betrifft das rund 100.000 Menschen.

Panter findet das Urteil gerecht. Sie sagt: "Viele, die ihren leiblichen Vater nicht kennen, glauben ihr Leben lang, es sei nicht in Ordnung, dass es sie gibt." Für Panter ist es fast eine Mission geworden, ihnen dieses Gefühl zu nehmen. Sie erinnert sich, dass sie sich selbst genauso fühlte, bevor sie ihren leiblichen Vater kennenlernte. Heute hat sie ihr Familienleben für sich selbst geordnet, lebt in einer festen Beziehung und hat viel Kontakt zu ihrer Halbschwester.

Mit ihrer Ausbildung hat ihr heutiger Beruf nichts mehr zu tun. Nach der Schule macht sie eine Lehre zur Bankkauffrau. Später studiert sie neben dem Job und wird Kommunikationswirtin. Sie wechselt häufig die Stelle, zieht mehrmals um, ist nie richtig zufrieden und immer auf der Suche. Mit einer Freundin macht sie sich Mitte der Neunziger selbstständig: Sie gründen einen Klassentreff-Service, um alte Schulfreunde zusammenzubringen. Der Plan geht schief, sie bekommen nicht genügend Aufträge.

Panter bleibt hartnäckig, ihre Idee ruhen zu lassen wäre für sie eine Niederlage. Sie ist überzeugt, dass es keinen Job gibt, der besser zu ihrer eigenen Geschichte passt. Fünf Jahre später versucht sie es deshalb noch einmal. Sie schickt eine Pressemitteilung an den Tip, ein Berliner Stadtmagazin. Darin erklärt sie ihre Geschäftsidee. Kurze Zeit später hat sie so viele Anfragen, dass sie diese kaum noch bewältigen kann. Die meisten suchen ihre leiblichen Eltern. "Offensichtlich wurde jemand wie ich gebraucht", sagt sie.

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