Carla BruniEine Frage von allerhöchster Brisanz

Wie politisch ist eigentlich das neue Album von Carla Bruni? von Thomas Gross

Früher Mannequin, danach Präsidentengattin, jetzt immer noch Sängerin: Carla Bruni

Früher Mannequin, danach Präsidentengattin, jetzt immer noch Sängerin: Carla Bruni  |  © Universal Music

Das Chanson hat es auch nicht leicht. Seit Europa größer geworden ist, überschwemmen Billiganbieter aus dem Osten mit quietschig buntem Balkanpop den Markt, und die Imbissbuden der Großstädte sind an türkische Arabeskmusik gefallen. Frankreichs Spezialität hingegen ist vom Exportschlager zum Regionalprodukt herabgesunken, etwa so mehrheitsfähig wie Ziegenschimmelkäse aus der hinteren Auvergne. Es sei denn... ja, es sei denn, Carla Bruni macht mal wieder was.

Gesteigerte Aufmerksamkeit ist kein Ausdruck für das, was sich abspielt, wenn die Bruni ein neues Album herausbringt. Man muss schon von einem medialen Orkan sprechen, der sich von Paris her ausbreitet. Inzwischen hat er rechtsrheinische Gebiete erreicht, wo er zuverlässig Schneisen von Gala bis Spiegel schlägt. Für Frankreichs Selbstbewusstsein im Allgemeinen und den französischen Pop im Besonderen ist das ein erfreulicher Erfolg. Sieht man einmal von dem Umstand ab, dass das Chanson selbst dabei auf der Strecke geblieben ist.

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Es haucht, es schnurrt, es gurrt, doch ansonsten sind Brunis Little French Songs genau jene Petitessen, auf die sie im Titel so unnachahmlich kokett anspielt. Belassen wir es bei der Feststellung, dass die Gattin des Ex-Präsidenten dem französischen Lied seinen Glamour zurückgegeben hat, denn natürlich ist das Musikalische hier nur Vehikel für Fragen der politisch-erotischen Hermeneutik. Der »Pinguin«, der durch einen der Texte watschelt, ist das nicht François Hollande, der neue Mann im Élysée? Und wenn Carla von »ihrem Raymond« singt, der über sie zu kommen pflegt »wie eine Atombombe«, wer kann da anderes gemeint sein als – na, Sie wissen schon?


Was für ein Traumpaar! Nicolas Sarkozy wird nachgesagt, während seiner Amtszeit ein Politikdarsteller gewesen zu sein, die Bruni geht den umgekehrten Weg und betreibt die Fortsetzung der Politik mit theatralischen Mitteln. Beim Schlüssellochblick auf seine Elite fühlt Frankreich sich noch einmal so richtig schön französisch. Neu im Boulevardstück Carla und Sarko tun es ist eine gewisse Umkehr der Rollen. Früher war sie der Vamp an seiner Seite, jetzt greift sie ihm unter die Arme, indem sie die Freuden des ehelichen Lebens besingt: Ein Abend mit Mann und Kind, das kann doch auch sehr erfüllend sein.

Bleibt die Frage, wie wörtlich dieses Happy End zu nehmen ist, schließlich hat sie noch immer die Rollen gewechselt wie ein Kleid. Es ist eine Frage von höchster Brisanz, die unsere Nachbarn mehr beschäftigt als Euro-Krise und Bankenskandal zusammen – zumindest diese Woche. Wann werden die Hollandes zurückschlagen? Warum schweigt Sarko? Wird Carla es schaffen, ihm auf Dauer treu zu bleiben? Restez en ligne.

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Leserkommentare
  1. .
    ... auf einem breiten Fundament aus tollen Textern, Komponisten und ausdrucksvollen Künstlern und ist nicht auf diesen aufmerksamkeitsheischenden Quark mit Piepsestimmchen angewiesen.

    6 Leserempfehlungen
  2. Zu unbedeutend um ihr mehr als eine Zeile zu widmen.

    5 Leserempfehlungen
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    Geschmack ist bekanntlich streitbar, aber dass sie solide, erwähnenswerte Musik macht, kann man ihr - glaube ich - nicht absprechen!

  3. Also bin ich der einzigste hier oder kann es sein dassi Bruni aufm Bild ein bisschen gealtert erscheint??

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    • illyst
    • 04. April 2013 13:17 Uhr

    Das rührt von ihrem Faceliftingunfall den sie sich ich glaube nach der Hochzeit mit Sarko gegeben hat. Wobei, das ist meine Meinung, dass ältere (eigentlich alle) Frauen besser aussehen so wie sie sind als wenn man mit aller Gewalt gegen wirkt.

  4. Geschmack ist bekanntlich streitbar, aber dass sie solide, erwähnenswerte Musik macht, kann man ihr - glaube ich - nicht absprechen!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bruni wer?"
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    kann man...

    • illyst
    • 04. April 2013 13:17 Uhr
    5. Alter

    Das rührt von ihrem Faceliftingunfall den sie sich ich glaube nach der Hochzeit mit Sarko gegeben hat. Wobei, das ist meine Meinung, dass ältere (eigentlich alle) Frauen besser aussehen so wie sie sind als wenn man mit aller Gewalt gegen wirkt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Jetzt ehrlich "
  5. 6. doch!

    kann man...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bitte???"
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    Interessant, dass Sie jetzt schon den zweiten Kommentar unter einen Artikel über eine "nicht erwähnenswerte Künstlerin" schreiben...

  6. an die Photosession vor den ägyptischen Pyramiden, mit der Sarco-Bruni offiziell gekrönt, pardon - als Paar eingeführt wurden? Da watschelte noch Napoleon I. höchstpersönlich durchs Bild, symbolisch gesprochen, die ägyptische Expedition von 1799 wurde noch einmal aufgerollt und siegreich abgeschlossen, nicht zuletzt als Revanche für den missglückten Kreuzzug des Heiligen Ludwig IX. ... !

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    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Tonfall. Danke, die Redaktion/sam

  7. können Männer froh sein, dass sie Männer sind und keine Frauen! [...] na ja, der Kommentator ist ja auch männlich! Eine professionelle Auseinandersetzung mit ihrer Musik findet in diesem Artikel nicht statt, sondern so lala Getratsche und Vermutungen über die Begleitumstände! Ein Fakt: sie ist schön, war dies schon immer und wird auch noch mit 80 altersgemäß schön sein. Wer von den Kommentatoren kann denn von sich behaupten, nicht zu altern!? Warum denn der Vorwurf, dass sie gealtert erscheint – das Altern ist keine Schande, blöd ist es nur, sich darüber lustig zu machen! Fakt ist auch, dass sie ihren eigenen, kultivierten Gesangsstil pflegt. Ihre poetischen Texte, ihren unprätentiöser Gesangstil vergleiche ich mit Leonard Cohen, dessen Aussagekraft sich – schon immer – vom Mainstream unterschieden hat und der auch im Alter noch sehr überzeugend wirkt. So wird auch Carla Bruni immer sie selbst sein. Mein Gott, was für ein Niveauverlust der „ZEIT“, die seit ca. 48 Jahren mein Leben begleitet und auf die man früher stolz sein konnte!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

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  • Schlagworte Carla Bruni | Nicolas Sarkozy | Album | Atombombe | Chanson | Euro-Krise
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