Luxus-LädenDer Wilde fürs Milde

Er trägt nur Schwarz, dabei ist er der Meister des sanften Beige: Peter Marino gestaltet die Läden der Luxusmarken. von 

Der Architekt Peter Marino

Der Architekt Peter Marino  |  © Manolo Yllera

Wenn sich Peter Marino in einem überfüllten Raum befindet, hört man ihn dennoch sofort. Das Marino-Lachen kann man aus hundert Lachern heraushören. Ein Klang, der die Luft zerreißt. Es ist nicht nur eine Äußerung von Freude und Überraschung, es ist eine Ansage. Dazu muss man ihn nicht zum Lachen animieren, er kann sich selbst zum Lachen bringen. Er erinnert sich einfach an etwas sehr Lustiges. Zum Beispiel an die Frage, mit der vor Kurzem eine Journalistin ihr Interview eröffnete: "Starren die Leute Sie an, wenn Sie auf die Straße gehen?" Es dauert etwas, bis Marino den Kaffeetisch in der Lobby des Pariser Hotels Le Bristol wieder loslassen kann.

Dazu muss man wissen, dass man sich auf jeder Straße der Welt nach Marino nur umdrehen kann: Sein Körper ist in schwarzes Leder gehüllt, Lederriemen umspannen seine tätowierten Bizepse, die so voluminös sind wie bei anderen Menschen die Unterschenkel. Ein Schnauzer thront über der Oberlippe, und die schwarzen Haare sind zum Irokesenschnitt frisiert. Marino pflegt seine Marke. Das nämlich ist seine Spezialität.

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Marino sieht zwar aus, als könnte er einen Rockerkrieg gewaltsam schlichten, seine Profession aber sind die feinen Dinge. Er richtet Flagship-Stores ein, jene sich über mehrere Stockwerke ausbreitenden Einkaufstempel, in denen Luxusmarken ihre Produkte feiern. Marino ist in dieser Welt der König. Das, was man heute gerne Einkaufserlebnis nennt, ist sein Werk: Er schafft Räume, die in Cremeweiß und Beige gehalten sind, in denen drei Zentimeter dicke Teppiche den Schall schlucken und es nach feinem Kalbsleder duftet. Er ist der Erfinder der beigefarbenen Shoppingerfahrung. "Beige ist schön und eignet sich gut, als Hintergrund, um andere Farben umso besser hervorzuheben", sagt er. Den richtigen Hintergrund zu bieten, ist ein großer Teil seines Jobs.

Das Luxuskaufhaus Barney’s war sein Durchbruch

In wenigen Wochen, am 25. April, wird in München eine neue von Marinos Kathedralen eröffnet: In der alten Residenzpost am Max-Joseph-Platz eröffnet Louis Vuitton einen neuen Laden. In dem Gebäude wurde 1849 die Briefmarke "Schwarzer Einser" herausgegeben. Marino hat auf 1300 Quadratmetern ein Universum eingerichtet, in dem man den Sammlerwert einer dieser Marken, etwa 3000 Euro, schnell loswerden kann. Ist es nicht kompliziert, in einem bedeutenden historischen Gebäude einen solchen Umbau zu wagen? "Es macht viel mehr Spaß, als ein unbedeutendes historisches Gebäude umzubauen." Da lacht Marino wieder.

Peter Marinos Karriere begann in den siebziger Jahren. Der Spross einer italienischen Familie aus Queens in New York hätte Künstler werden wollen, aber seine Eltern waren dagegen. Das Architekturstudium war ein Kompromiss für ihn. Sein erster wichtiger Auftrag bestand darin, das Apartment von Andy Warhol einzurichten und dessen dritte Factory zu gestalten. Anfang der neunziger Jahre gestaltete er das Luxuskaufhaus Barney’s an der Madison Avenue in New York – sein Durchbruch. Marino entwarf einen Prunkbau mit Blattgold an den Decken und Marmormosaiken auf den Böden. Damit hatte er seinen Ruf als Palastmeister weg. Seitdem baut er mit seinen 150 Mitarbeitern nicht nur Privatresidenzen in allen Luxuslagen, sondern sorgt vor allem für Shoppingerlebnisse. "Es ist mir egal, ob ein Kunde etwas kauft, aber nicht, ob er, wenn er den Laden verlässt, beeindruckt ist von den Werten, die die Marke darstellt, von der Handwerkskunst und der Verarbeitung", sagt er. Läden, die für den schnellen Umsatz gebaut sind, findet Marino "banal und trivial". "Letztens war ich in einem department store, da hat mich einer der doormen im Gedränge an der Tür geschubst, und ich habe ihm gesagt, wenn du das noch mal machst, schlag ich dich ." So ist Marino: Feinsinn und Brutalität liegen nah beieinander.

Leserkommentare
  1. " ... eingerichtet haben, habe ... "

    Mit meiner bayerischen Schmalspurbildung fallen selbst mir noch soche Fehler auf.

    Es muß ... eingerichtet habe, haben ... heißen. Aber was soll das eingedeutschte Englisch: ... gehabt haben ... finde ich grausam.

    Deutsch wäre einfacher: einrichtete ...

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