Luxus-LädenDer Wilde fürs Milde
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Viel Raum, viel Licht und ein schneller Überblick

Marino sagt, sein Rezept sei seit Jahrzehnten dasselbe: viel Raum, viel Licht und ein schneller Überblick für den Kunden über das Sortiment. »Ich kenne Läden, da muss man durch einen Tunnel gehen, um in den Verkaufsraum zu kommen, das ist vielleicht beeindruckend, aber nicht hilfreich, wenn Sie nur 20 Minuten haben, um sich eine Tasche zu kaufen.«

Das Marino-Prinzip ist offenbar so erfolgreich, dass er es sich als einer der wenigen Architekten leisten kann, für konkurrierende Marken zu arbeiten. Marino hat Läden für Chanel, Ermenegildo Zegna, Fendi, Christian Dior, Valentino und Armani gestaltet. Wie kann er da Ähnlichkeiten vermeiden? »Als ich noch Privatwohnungen eingerichtet haben, habe die auch alle unterschiedlich ausgesehen.« Marino behauptet, er gelte als das schwarze Schaf unter den Stararchitekten. Weil er kommerzielle Räume baue und keine Museen. Aber immerhin kann er Luxusläden etwas Museales hinzufügen. So werden in dem neuen Louis Vuitton Maison in München unter anderem Werke der zeitgenössischen Künstler Anselm Reyle und Thomas Struth ausgestellt.

Die Kunst, sagt Marino sei ja ohnehin das Motiv, für das er das alles mache, es gehe immer nur um Kunst, er sei ein manischer Sammler: »Es gibt nichts, was ich nicht sammle, Skulpturen, Bücher, Bilder, Porzellan – es ist wie ein schwarzes Loch: Wenn man so viel Geld für Kunst ausgibt wie ich, wird schnell klar, warum ich so viel Geld verdienen muss, das motiviert ungemein.«

Seine Mitarbeitern sagt er immer wieder: »Du darfst ganz oben oder ganz unten sein, aber nie in der Mitte, die Mitte ist tödlich für die Kreativität.« Was ist sein Rezept, um ganz oben zu bleiben? »Bäuerliche Kraft. Wenn man eine Schlacht gewinnen will, schickt man da Bauern als Krieger ins Feld oder Adelige? Ich sage Ihnen, setzen Sie auf die Bauern, die haben auch Zeiten erlebt, die nicht so schön waren, die wissen, um was sie kämpfen!« Diese nicht so schönen Zeiten deutet Peter Marino nur an, über seine Kindheit möchte er nicht sprechen. Doch im Gespräch bekommt man schnell den Eindruck, dass sein Leder-Outfit eine sensible Seele schützen soll. Kämpft er denn immerzu? »Es ist immer ein Kampf, Erfolg ist fünf Prozent Talent und 95 Prozent harte Arbeit, all diese begabten Leute, die es doch zu nichts bringen, sind einfach nur faul.«

Nun redet er wie eine Dampfwalze, und das Beben in seiner Stimme lässt ahnen, dass er um mehr kämpft als um Geld, das er in Kunst investieren will. Was würden Sie zu sich selbst sagen, wenn Sie heute dem Peter Marino von 1970 begegnen würden? – »Ich würde ...« Marino atmet tief ein. »Ich würde ihm sagen, mein Junge, du kannst dir nicht vorstellen, wie weit du noch kommen wirst. Mach dich bereit dafür.« Tränen schießen ihm in die Augen, er wischt sie weg. Dann lacht Marino, so laut, als wollte er einen Bären vertreiben.

 
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