EuropaRan an die Bank

Der Fall Zypern zeigt: Die Europäer lassen sich von der Kreditwirtschaft nicht länger erpressen. Kommt jetzt ein Gesetz zur Abwicklung maroder Institute? von 

Sieht so das neue Europa aus? Der Finanzminister musste zurücktreten, die Wirtschaft befindet sich im freien Fall, und erstmals in der Geschichte der Währungsunion musste der freie Kapitalverkehr eingeschränkt werden. Eine Woche nach der Einigung auf ein Hilfspaket für Zypern bekommt das Land die Folgen der Entscheidung zu spüren, die Sparer an den Kosten der Rettung zu beteiligen.

Dabei zeigt der Fall Zypern, wie sich Europas Banken zähmen lassen – aber das funktioniert nur, wenn die Deutschen bereit sind, noch stärker ins Risiko zu gehen.

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Es ist das Gesetz dieser Krise, dass kleine Eingriffe große Folgen haben können. Nach dem Schuldenschnitt in Griechenland zogen die Investoren ihr Geld aus ganz Südeuropa ab, und die Europäische Zentralbank (EZB) musste einspringen, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Die Sparerbeteiligung in Zypern sorgt für neue Unruhe an den Finanzmärkten – und auch darauf wird Europa reagieren müssen.

Denn die Europäer sind viel zu lange viel zu nachsichtig mit ihren Banken umgegangen. Sie haben immense Summen aufgewendet, um marode Institute zu stützen, doch die Gläubiger und Kunden wurden fast immer ausbezahlt. Im Fall Zyperns müssen sie die Verluste übernehmen, dafür werden die Steuerzahler geschont. Nach Ansicht von Nicolas Véron, Bankenexperte beim Brüsseler Forschungsinstitut Bruegel, wurde damit ein Prinzip etabliert, das auch bei künftigen Rettungsaktionen beherzigt werden sollte.

Sicherheit fürs Geld: Pflicht

In der EU sind Bankeinlagen bis 100.000 Euro gesetzlich geschützt. In Deutschland übernehmen das die Entschädigungseinrichtungen der Banken, die sich aus Beiträgen der Mitgliedsinstitute finanzieren.

Kür

Darüber hinaus sind praktisch alle deutschen Banken und Sparkassen Mitglied in brancheneigenen Einlagensicherungsfonds, die ein Vielfaches des gesetzlich vor- geschriebenen Betrags absichern und sich ebenfalls durch Gebühren finanzieren. Die Deutsche Bank etwa gehört dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken an und garantiert bei ihren Privat- und Geschäftskunden 814 Millionen Euro.

Risiko

Der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken wurde 1976 gegründet. Bisher wurden immer alle Kunden zu 100 Prozent entschädigt. Über wie viel Geld der Fonds verfügt, ist nicht bekannt. Klar ist aber: Wenn alle Kunden ihre Konten räumen und eine oder mehrere große Banken kollabieren, reichen die Mittel nicht aus, um die Einleger auszubezahlen. Der Sinn einer Einlagensicherung ist aber gerade, einen solchen Ansturm zu verhindern.

Tatsächlich könnte Europa von der konsequenten Anwendung der Methode Zypern profitieren – nicht nur, weil sie Steuergeld spart. Wenn die Kunden künftig damit rechnen müssen, ihr Geld zu verlieren, werden sie sich genau überlegen, welcher Bank sie es überlassen. Das führt im Idealfall dazu, dass die Banken mit dem Geld sorgsamer umgehen und auf riskante Geschäfte verzichten, um ihre Kunden nicht zu verprellen. Die Angst der Geldgeber vor dem Verlust dürfte den Finanzsektor stärker disziplinieren als manche neue Regulierung.

Slowenien gilt als nächster Kandidat für den Rettungsschirm

Auch politisch passt eine Rettung à la Zypern in die Zeit. Im vierten Jahr der Euro-Krise geht die Bereitschaft der Bevölkerung, ausländische Banken zu stützen, gegen null. Tatsächlich arbeitet die EU-Kommission gerade einen Gesetzesentwurf aus, der die Beteiligung von Eigentümern, Gläubigern und Sparern – oberhalb der von der EU gesetzlich festgelegten Grenze von 100.000 Euro je Konto – zur Regel für den Umgang mit maroden Banken macht.

Langfristig wird das Prinzip der Bankenbeteiligung Europas Finanzwirtschaft also stabiler machen. Doch kurzfristig könnte es eine Menge Schaden anrichten. Denn wenn jedes Land für seine Banken selbst verantwortlich ist, dann bedeutet das auch: Reicht das Geld nicht, um die Einleger auszubezahlen, müssen sie auf einen Teil ihres Ersparten verzichten – und werden möglicherweise auch noch wie in Zypern mit Kapitalverkehrskontrollen daran gehindert, über den verbliebenen Rest frei zu verfügen.

Damit wird die Finanzkraft ihres Souveräns zum Sicherheitsrisiko für die Sparer. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ die Bankkunden auf dem Kontinent unverblümt wissen, dass sie im Zweifel nicht mit Hilfe rechnen können. Wenn ein Staat insolvent sei, "nützt auch die europäische Einlagensicherung nur begrenzt", sagte er vergangene Woche.

Das Problem dabei: Es gibt eine Reihe maroder Banken in hoch verschuldeten Staaten. Slowenien gilt als nächster Kandidat für den Rettungsschirm, weil die Institute dort jede Menge faule Kredite in ihren Büchern stehen haben. Auch Spanien, Griechenland und Portugal brauchen möglicherweise noch einmal frisches Geld aus Brüssel.

Und selbst Zypern muss vielleicht schon bald erneut gerettet werden. Nachdem sie kräftig zur Kasse gebeten wurden, ist es unwahrscheinlich, dass internationale Investoren den Banken des Landes in naher Zukunft wieder ihr Geld anvertrauen. Außer Banken aber hat die zyprische Wirtschaft nicht viel zu bieten. So droht ein dramatischer Einbruch der Wirtschaftsleistung mit einer rasant steigenden Arbeitslosigkeit. Damit würde auch der Finanzbedarf des Landes noch einmal steigen.

Leserkommentare
  1. Irland wollte es 2010 schon so wie Zypern machen, durfte aber nicht. Der Bailout sah ausdrücklich vor das alle Kunden und Gläubiger ausgezahlt werden. Da ging es deutsches, französisches und amerikanisches Geld.
    Griechenland ist sowieso pleite und man hat die letzten Jahre dafür verwendet das Geld von Gläubigern in die Hand von EZB und Steuerzahler zu schieben, damit es später abgeschrieben werden kann und auch wird - machen wir uns da nichts vor.
    Portugals Schulden sind auch von Gläubigerhand zur EZB und zum Steuerzahler gewandert.
    Spanien, Italien und Frankreich kann niemand retten.
    Slowenien ist unbedeutend für den internationalen Geldverkehr.

    Mit anderen Worten man hat in den letzten drei Jahren die eigenen Schafe ins trockene gebracht. Was jetzt kommt ist nicht mehr wichtig oder der ganze Laden kracht zusammen, sollte es Spanien, Italien oder Frankreich treffen.
    Da kann ich dann auch der große Mann vor den Banken (oder dem Wähler) sein...

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    ... glaubten unsere superintelligenten, superklugen Volksvertreter, dass das Problem ausschließlich Irland betraf. Weder sie noch die nach Brüssel abgeschobenen Superköpfe wussten, dass nacheinander alle EU-Länder Irland folgen werden. Sie wissen es bis heute nicht.

    und sie wissen es heute!

    Nichts wird sich ändern so lange wir uns belügen lassen!

    Warum lese ich nichts über die Großkunden, die ihre Vermögen trotz geschlossener Banken von Zypern abziehen konnten?

    Dieser Artikel ist nur Sand für meine Augen!

    • Burts
    • 11. April 2013 18:11 Uhr

    In Zypern waren ja nur die Steuerhinterzogenen Schwarzgelder der russischen Oligarchen Korruptions Drogen Mafia betroffen und das ist ja wohl mehr als gerecht, in Irland ging es darmals u. A. um die völlig legalen, sozialverträglichen und Gemeinschaftsfördernden Auslagen underer Deutschen Bank.

    Aus diesem Grunde musste der Deutsche Steuerzahler über den Umweg - Irischer Steuerzahler, helfen aber in Zypern eben nicht.

    Wann liquidieren wir endlich eine Bank?

  2. "So droht ein dramatischer Einbruch der Wirtschaftsleistung", die es niemals gab!

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  3. ... glaubten unsere superintelligenten, superklugen Volksvertreter, dass das Problem ausschließlich Irland betraf. Weder sie noch die nach Brüssel abgeschobenen Superköpfe wussten, dass nacheinander alle EU-Länder Irland folgen werden. Sie wissen es bis heute nicht.

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    • Alex1
    • 11. April 2013 8:03 Uhr

    wer damals alles dafür stimmte , daß Slowenien .- Zypern Griechenland , Malta , Bulgarien usw in die EU aufgenommen werden soll als Politiker jetzt persönlich haften ,mit seinem Geld um diese Länder zu retten , egal ob diese den Euro haben oder nicht , grobe Fehleinschätzungen , jeder Betriebsinhaber wäre lange Pleite .

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  4. Der "Zyperntest" ist nun nicht so positiv ausgefallen, wie erhofft und nun haben die in ihre Finanzregulierung verstrickten Politiker alle Mühe, den berechtigten Sorgen der Sparer das Wasser abzugraben.
    Solange ein Problem mit den Methoden bekämpft wird, die eine treibende Kraft des Problems sind, beschleunigt man nur das bisher offenbar berauschende Karussel, bis den Ersten der Angstschweiss von der Stirne tropft.
    Die Wahrheit lässt von den geträumten Supergewinnen nur das übrig, was Hand und Fuss hat. Bilanzblasen können nur platzen oder verpuffen und die jämerliche Hülle bleibt übrig, die sie immer schon war.
    Das rechtzeitig zu sehen, könnte so manchen Reichtum retten, bevor er im sich im heissen Spekulierdampf auflöst.

    Eine Leserempfehlung
  5. und sie wissen es heute!

    Nichts wird sich ändern so lange wir uns belügen lassen!

    Warum lese ich nichts über die Großkunden, die ihre Vermögen trotz geschlossener Banken von Zypern abziehen konnten?

    Dieser Artikel ist nur Sand für meine Augen!

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  6. Bei uns im schweizerländli (da wo die deutschen arbeiten kommen)
    ists ja schon länger klar :wir sind gegen aussen eine direkte demokratie, aber eigentlich das best organisierte kartell weltweit,
    auch hier hat das völkchen,
    ( grundseelenzustand des schweizers: ich werde auch noch millionär darum stimme ich gegen höhere besteuerung der reichen)
    vergessen, wie mächtig der konsument eigentlich ist, genau gesagt:noch nie war er so mächtig wie heute, wir erinnern uns an die brent spar plattform welche shell im meer versenken wollte, da hat für einmal der deutsche autowahnsinnige reagiert und die tankstellen boykottiert und ,loriot selig würde sagen:ZACK, wurde die plattform sauber abgebaut.
    Genau so hat der "machtlose" konsument es in der hand jegliche dieser monsterfirmen zu kontrollieren, auch die banken, als basler,
    damals freie reichsstadt,bin ich in der fundamentalistisch protestantischen tradition (achtung ich bin atheist)aufgewachsen
    "me het nyt z tue mit dene elände zellner und zinshayscher" zu deutsch :man hat nichts zu tun mit diesen elenden zöllnern und zinshaien.
    sprich: habe ich das geld nicht im sack kaufe ich auch nichts basta!

    interssanterweise ist allen religionen,und seien sie noch so schräg,
    eines gemein: die gier ist eine sünde. wie wir wissen sind religionen versuche dem monsterego menschlein, ansatzweise soziales verhalten beizubringen also gesetzgebung der simplen art, genau so wie musicals opern für idioten sind (ich liebe es elitär zu sein)

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  7. langes blahblah kurzer sinn: eine bank im leben reicht, kreditkarte gibt es mittlerweile sogar prepaid (wenn leer is is leer) und wenn ein konzern wieder mal müll macht:boykott und ihr,ihr lieben deutschen,(achtung belehrung vom kuhschweizer) ihr habt ein wunderschönes land ,gehet hin an ostern und schauet eure wunderbaren wälder und landschaften dero da sind so viele anstatt  wie die lemminge am gotthard stau spielen inklusive überteuertes benzin
    (komisch an ostern ist das benzin immer teurer in deutschland)

    aber vergesst nicht die gesundheit ist unser höchstes gut!
    daher bei der nächsten von der basler pharmalobby inizierten grippewelle (wir haben die who ziemlich gut im griff) kauft unser tamiflu ein drittes mal uahahahaha....(13 milliarden reigewinn nach steuern..das herstellende labor ist c.a. 120qm gross)SO macht man das!

    Gruss und kuss hüronimuss

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    Bauen sie doch einfach eine Mauer um die Schweiz und werfen alle Ausländer raus. Damit schützen sie einerseits den Kulturzwinglianismus und tun gleichzeitig noch was für die Völkerverständigung - dann muss kein Reisender mehr dämliche Fragen beantworten wie: "Arbeiten sie in der Schweiz?" "Nein", oder: "Wohnen sie in der Schweiz?" "Nein". Das würde auch eine Menge Geld sparen: die Schweiz ist viel zu teuer. Die Hotels kann sich doch kaum ein Mensch leisten im 2-Sterne bereich. Da kann ich ja im o-du-schönen Westerwald Tage gegen Wochen tauschen. Und die Schweizer können dann im Inland jubeln: keiner muss mehr Fragen: "Hast a Münz?" weil allen alles möglich wird - oder auch nicht ;) Ich bin froh, dass ich weit genug von dem Zirkus wegwohne.

    Wenn ich da eine Wahl gewinnen wollte würde ich einfach die Forderung nach dem Beitritt der Schweiz zur EU fallen lassen und alles mögliche für Arbeitnehmer fordern getreu der guten alten (demokratisch...) sozialistischen Internationale. Dann hätte diese entsetzliche Volksverhetzung endlich mal ein Ende. 10% ist mal zu wenig an Stimmen ;) Wo soll der Sinn darin sein wenn dieser Kampf Luther vs. Zwingli noch 2013 geführt wird?

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