ExpertentippsFarben über Farben

Wann soll ich eine Wand bunt streichen? Welche Farbe schmeckt am besten? Experten geben Antwort von  und Inga Krieger

Stühle auf der Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile, 2012

Stühle auf der Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile, 2012   |  © Comitato Organizzatore del Salone del Mobile Italiano, 2012

Wie finde ich die richtigen Farben für einen Raum?

Grundsätzlich sollte man zunächst vom Licht ausgehen. Wenn im Raum schon weiches, volles Licht herrscht, sollte man für eine warme Bodenfarbe sorgen und die Wände einfach weiß streichen. Wenn der Lichteinfall aber hart ist, etwa weil die Fenster klein sind, und man deswegen sehr helle und sehr dunkle Stellen im Raum hat, kann man mit einer farbig gestrichenen Wand eine weichere Stimmung schaffen. Man sollte dazu möglichst die Wand wählen, auf die das Licht seitlich trifft, damit die Farbe in den Raum reflektiert wird. Weil glänzende Farben das Licht lebhafter und in vielen Schattierungen wiedergeben, sind sie besser geeignet als matte, die eher monoton wirken. Es müssen nicht Pastelltöne sein, in der Regel tun volle Farben der Raumstimmung besser. Je kleiner der Raum ist, desto kräftiger darf die Farbe sein. Eine Toilette verträgt knalliges Magenta, Blau oder Grün. Man muss vor solchen Tönen grundsätzlich keine Angst haben, in Mexiko zum Beispiel werden ganze Fassaden oder Innenhöfe in Magenta gestrichen – und es sieht gut aus. Für ein größeres Zimmer können die Töne erdiger sein, ein Umbra kann schön sein, aber auch ein warmes Grau. Farbige Möbel sollten zur Raumstimmung passen und darin Schwerpunkte setzen. Man sollte von ihnen aber nicht erwarten, eine solche Stimmung selbst zu erzeugen. Wenn man bunte Stühle und Tische dazu nutzen will, ein Zimmer lebendiger zu gestalten, überfordert man sie.

Stefan Diez, Industrie-Designer

Wann wird bunt eigentlich zu bunt?

Das Spiel mit Farbe wird erst spannend, wenn die kombinierten Farben in Kontrast stehen, aber dennoch harmonieren. Es ist wichtig, dass die Anzahl der Farben und ihre Kombination nicht die Silhouette und Form erdrücken. Dann wird es zu viel.

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Consuelo Castiglioni, Creative Director Marni

Welche Töne gehören in ein Wohnzimmer?

Ein Wohnraum sollte immer Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Dazu passen am besten erdige Farben, die so ähnlich auch in der Natur vorkommen. Schön sind Cremetöne, Strohfarben, Holz und Beige. Am besten kommen sie zur Geltung, wenn man viele Stoffe und Teppiche im Raum hat. Wohntextilien sorgen für ein mildes und nicht zu starkes Licht. In solch einem Licht sieht übrigens auch die Haut immer am besten aus, und besonders im eigenen Wohnzimmer sollte man sich schön fühlen.

Brunello Cucinelli, Modedesigner

Welches wird die nächste Autotrendfarbe?

Nach dem extrem starken Weißtrend ist aktuell ein Brauntrend zu beobachten. Die Farbe liegt heute bereits bei einem Marktanteil von sieben Prozent bei den Neuzulassungen, und es wird erwartet, dass Braun in Deutschland auf diesem hohen Niveau bleibt. Künftig ist allerdings wahrscheinlich, dass die Farbe Grün an Popularität gewinnt und in vier bis fünf Jahren wieder verstärkt auf den Autos zu sehen ist – so lange dauert es etwa, bis sich eine Trendfarbe auf den Straßen zeigt. Der Hintergrund ist eine Reaktion auf die Übertechnisierung und den Verlust traditioneller Werte wie Vertrauen, Moral und Besitz. Dies lässt sich gut in Grün darstellen. Dabei ist eine sehr natürliche Grünpalette zu erwarten, von sattem Dunkelgrün bis zu frischem Blattgrün.

Mark Gutjahr, Farbdesigner BASF Coatings Europa

Folgt die Form der Farbe oder die Farbe der Form?

Die Form ist führend im Gestaltungsprozess. Da aber Farbe sehr viel stärker als die Form in uns Emotionen weckt, gelingt es ihr mühelos, ebenbürtig zu erscheinen. Zum Beispiel fühlten sich mehr Berliner Bürger von der blauvioletten Farbgebung der Bestuhlung im Bundestag berührt als durch die interessante Bauform.

Christian Brandstädter, Farbdesigner für Architekten

Welche Farbe werden wir in Zukunft häufiger sehen?

Hellblau.

Humberto Leon und Carol Lim, Creative Directors bei Kenzo und Gründer des US-Labels Opening Ceremony

Leserkommentare
  1. so dass sie die Farben braun und beige für's Wohnzimmer empfehlen können?? Sind wir noch in den 70er Jahren?

    Und ein ganzes Zimmer schwarz anzustreichen? Wie deprimierend. Derjeniger, der das empfohlen hat, soll mal zum Psychiater.

    Gott sei dank, dass ich auf solche Leute nicht höre.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 11. April 2013 13:03 Uhr

    Das hier:

    http://top-interior-desig...

    ...finde ich nun nicht gerade ungemütlich. Es kommt natürlich nicht nur auf die Farbe an, sondern auch auf die Einrichtung, die Materialien.

    Dieser schwarze Raum hier wirkt entsprechend völlig anders:

    http://decoratingdesignin...

    • dacapo
    • 27. Mai 2013 6:46 Uhr

    ........... braun. Das ist ein großer Unterschied. Braune Erde gibt es kaum. Erdfarben sind eine große Palette, kommt aber eben ohne braun aus.

  2. Das ist mir auch bereits aufgefallen. Verstehen muss man das aber nicht. Da gibt man einen Haufen Geld für einen Neuwagen aus (bzw. nimmt einen entsprechenden Kredit auf), nur um dann in einem k*braunen Auto herumzufahren.

    *kopfschüttel*

    Man kann nur hoffen, dass das Grün sich bald durchsetzt.

  3. Erstaunlich die Sprache, in der diese Designer reden: sanft-diktatorisch. Einerseits ist natürlich alles persönliche Geschmackssache, andererseits werden Abweichler mit absoluter Verachtung gestraft. Die Modeleute reden auch so. Warum reden die so?

    • Suryo
    • 11. April 2013 13:03 Uhr

    Das hier:

    http://top-interior-desig...

    ...finde ich nun nicht gerade ungemütlich. Es kommt natürlich nicht nur auf die Farbe an, sondern auch auf die Einrichtung, die Materialien.

    Dieser schwarze Raum hier wirkt entsprechend völlig anders:

    http://decoratingdesignin...

    3 Leserempfehlungen
    • dacapo
    • 27. Mai 2013 6:46 Uhr

    ........... braun. Das ist ein großer Unterschied. Braune Erde gibt es kaum. Erdfarben sind eine große Palette, kommt aber eben ohne braun aus.

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