FrauenquoteNoch 792 Jahre Ungleichheit

Die Politik fordert Quoten für Frauen in Führungspositionen – und bleibt hinter den eigenen Zielen zurück. von 

Das Jahr 2013 könnte das Jahr der Frauen werden. Denn vielleicht kommt sie doch noch: die Frauenquote. In diesem Monat stimmt der Bundestag über einen Gesetzentwurf ab, der einen Frauenanteil von 40 Prozent für Aufsichtsräte vorsieht. Kommt die Quote, könnte sie unmittelbar mehr Frauen in Spitzenpositionen bringen, weil in diesem Jahr viele Aufsichtsratsmandate in deutschen Konzernen auslaufen. Allein in den größten Unternehmen, den Dax 30, sind mehr als 70 Posten neu zu besetzen. 

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

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Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Die Hoffnung ist groß: Schon die Androhung einer gesetzlichen Quote hat in der Vergangenheit Wirkung gezeigt. Inzwischen sind rund 20 Prozent der Aufsichtsräte in den Dax-30-Unternehmen weiblich.

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Die Politik macht Druck, und die Unternehmen bewegen sich – wenn auch langsam. Doch wie sieht es in den Bereichen der Wirtschaft aus, auf die der Staat direkten Einfluss hat: bei Unternehmen des Bundes, der Länder und der Städte? Dort tut sich immer noch wenig, wie eine neue Studie der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg belegt. Frauen stellen in vielen öffentlichen Unternehmen mehr als die Hälfte der Beschäftigten, doch an der Spitze sind sie kaum vertreten. Eine Forschergruppe um den Hamburger Verwaltungswissenschaftler Ulf Papenfuß hat dazu 449 öffentliche Unternehmen des Bundes, der Bundesländer und der Landeshauptstädte untersucht.

Die Städte schneiden in diesem Vergleich noch am besten ab. In städtischen Betrieben sind knapp 15 Prozent der Geschäftsleitungen mit Frauen besetzt. Allerdings gibt es gewaltige Unterschiede: In Schwerin stehen zu 30 Prozent Frauen öffentlichen Unternehmen vor, in Hannover und Mainz hat es keine einzige geschafft. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen sind tendenziell an der Spitze vertreten. Es kommt auch sehr auf die Branche an: In Krankenhäusern, Sozialbetrieben und Kulturstätten sind Frauen in Top-Jobs relativ häufig zu finden, in der Entsorgungswirtschaft, bei Verkehrsbetrieben oder Stadtwerken so gut wie gar nicht.

Bei Unternehmen des Bundes und der Länder liegt der Anteil der Führungsfrauen bei unter zehn Prozent. In neun von zehn landeseigenen Unternehmen gibt es überhaupt keine Top-Managerin. In Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Brandenburg findet sich keine einzige Frau.

In den Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen sieht die Sache etwas besser aus. Dort sind Frauen oft stärker vertreten als bei börsennotierten Gesellschaften. Doch anders als in der Privatwirtschaft hat der öffentliche Sektor in den vergangenen Jahren kaum Frauen hinzugewonnen. »Es ist vielfach Stillstand eingekehrt«, sagt der Studienautor Ulf Papenfuß.

Ein Grund dafür: Die öffentlichen Unternehmen stehen viel weniger im Fokus als private. So veröffentlicht das Bundesfamilienministerium seit einigen Monaten im Internet, welche Fortschritte die Dax-30-Konzerne bei der Frauenförderung machen. Öffentliche Unternehmen müssen sich hingegen kaum rechtfertigen. »Eine Quotendiskussion müsste es konsequenterweise auch bei den öffentlichen Unternehmen geben«, sagt Papenfuß.

Leserkommentare
  1. Die Berliner Stadt-Unternehmen sind, genau so wenig wie die Stadtverwaltung, mit Sicherheit keine besonders tolle Referenz.

    7 Leserempfehlungen
    • socal
    • 13. April 2013 13:28 Uhr

    Es dauert also noch 792 Jahre bis das schwächere Geschlecht sich nicht mehr ungleich fühlt, gemessen nach aktueller lesart an Quote der weiblich besetzten Führungspositionen.
    Und das obwohl sich ja schon etliche Unternehmen und Organisationen dem Diktat der neuen Political Correctness unterwerfen und per Quote das (weibliche) Geschlecht höher bewertet wird als die Qualifikation der betreffenden Damen.

    Man könnte jetzt natürlich andersherum fragen, wie lange es wohl dauern würde bis die angestrebte "Gleichheit" sich auf natürlichem Wege einstellen würde, wenn nämlich die Damen den harten Weg der sukzessiven persönlichen Qualifizierung gehen müßten, um die entsprechenden Positionen zu erreichen.
    Vermutlich würde das dann 17243 Jahre dauern.

    Und dann frage ich mich, was wir denn mit all den anderen verbleibenden Ungleichheiten machen sollen:
    Schließlich sind unter den Konzernlenkern und anderen Mächtigen auch nicht gleich viele Links- und Rechtshänder, Große und Kleine, Dünne und Dicke, Glatzköpfe und Behaarte, Schlaue und Dumme etc etc etc....

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    ihr KOmmentar stimmt mit den Hinweisen auf die unterschiedlich ausgeprägte Attraktivität in der F+hrungsetage.

    Die Folge ist einfach, dass es , wie bei Klopp, vermehrt zu Haartransplantationen kommen wird und sich Männer nach der gleichen Logik ausrichten wie Frauen (früher)..das Aussehen ist genauso wichtig wie die Qualifikation...wozu das führen wird, wird man noch sehen^^

    Tolle gegenderte Welt...bei Daimler machten ja die meisten Männer mobil.
    Eine ganze Generation fühlt sich betrogen, schrieb die FAZ.
    Als Student überlege ich gerade das Fach zu wechseln (schon recht spät zugegeben) und in ein Beruf anzustreben, in dem es keine Quoten gibt.
    Denn von quotierten Chefs, die dann vermutlich sofort durch Macht korrumpiert werden und die Untergebenen schlimmer piesacken als früher, lass ich mir gar nichts sagen.
    Darüber hinaus wird wie gesagt eine Art umgekehrter Schönheitswahn entstehen, weil Mann versucht sich bei den Frauen auf alle Wege geneigt zu machen.
    Es ist wie bei der Erbschaftssteuer, die die hypergerechte Gendergeneration ja endlos erhöhen will : Dann bitte auch Schönheit und Körpergröße als (weitesgehend) vererbte Merkmale besteuern

  2. weil Männer und Frauen ungleich sind.
    Alles andere ist eine Dystopie voller Klone.

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  3. Und wieder einmal nimmt jemand einfach einen nackten Zahlenwert (Frauenanteil in Führungspositionen) und leitet daraus mangelnde Gleichberechtigung, bzw. <em>Diskriminierung</em> ab. Dabei wird jedoch stets eine ganze Reihe von Faktoren nicht berücksichtigt, z.B:
    - Wie viele Frauen interessieren sich für eine Führungsposition?
    - Wie viele von ihnen haben vorher eine relevante Ausbildung hingelegt?
    - Wieviele Frauen haben in den Jahrgängen überhaupt studiert, aus denen die heutigen Führungskräfte stammen?
    - Im Hinblick auf politische Parteien: wieviele wollen überhaupt Politik mitgestalten (Siehe dazu den Anteil weiblicher Mitglieder in den Parteien: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/192247/umfrage/frauenantei... ; gemessen an diesen sind sie in Führungsgremien des Öfteren "überrepräsentiert").

    Gleichberechtigung mit Gleichstellung zu verwechseln wird der Gesellschaft auch in 792 Jahren nicht zu mehr Glück verhelfen.

    Was die Quotenthematik angeht, empfehle ich noch diesen, wenn auch etwas älteren <a href="http://community.zeit.de/user/ultrashall/beitrag/2011/03/07/%C3%BCber-pi... .

    26 Leserempfehlungen
    • welll
    • 13. April 2013 13:54 Uhr

    dass eines der Kernprobleme, wenn nicht das Kernproblem, um Familie und Karriere besser zu vereinbaren, kaum einer Erwähnung wert ist, aber die Quote für einige wenige Priviligierte zum 792 mal Thema ist.

    Selbst wenn die Vorstandsetagen zu 100 % mit Frauen besetzt sind, werden sich junge Familien immernoch um Kita-Plätze streiten und wegen des Kinderwunschs schlechtere Karten für den beruflichen Werdegang haben.
    So lange hier nicht die Voraussetzungen geschaffen werden den Einstieg, den Verbleib oder den Wiederseinstieg in ein auch karriereorietiertes Berufsleben zu ermöglichen, sind Maßnahmen wie die Führungsquote doch eher beschämend.

    Wie macht eigentlich eine alleinerziehende Mutter Karriere ? Die Quote hilft ihr nicht die Bohne.

    Hier werden wir wohl ein Vielfaches der 792 Jahre warten müssen, bis Fortschritte sichtbar werden.

    Um das noch anzumerken; die Hoffnung, dass sich Chefinnen mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere einsetzen ist nach eigenen Erfahrungen und denen im Bekanntenkreis nicht begründeter, mitunter gar weniger begründet.

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  4. Ich kann kaum eines der pro-Argumente für eine Frauenquote nachvollziehen.
    Mir ist zudem schleierhaft, wie man allein aus einer ungleichen Verteilung Diskriminierung usw. schlussfolgern könnte. Männer und Frauen sind nicht gleich und das wird hoffentlich auch so bleiben. Ich denke die Hauptursache für die ungleiche Verteilung in manchen Branchen und Ebenen sind schlicht die naturbedingt divergenten Interessen der Geschlechter, wie man auch in Norwegen feststellen musste (welches oft als fortschrittlichstes Land in Sachen Genderpolitik gelobt wird).
    Das Ziel kann nicht die Gleichstellung sein (was auch immer damit gemeint ist - Eine annähernd 50%-50%-Verteilung in sämtlichen Bereichen?)
    Stattdessen sollte es Aufgabe der Politik sein die diametral dazu stehende Gleichberechtigung vollständig durchzusetzen, die genau das bedeutet, was das Wort schon sagt: gleiche Rechte.

    Ich will nicht leugnen, dass es Diskriminierung gibt, aber allein auf das Verteilungsergebnis einer Gruppe zu schauen ist der völlig falsche Weg. Die sogenannte Gleichstellungspolitik nimmt mittlerweile einfach nur noch absurde Züge an (Umbenennung von Straßenschildern) ohne dass wirklich jemandem geholfen wird.

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  5. ..., weder im öffentlichen Dienst noch in Vorstandsetagen. Sowohl Frauen als auch Männer sollten grundsätzlich nur aufgrund ihrer jeweiligen Leistungen in irgendwelche Positionen kommen und nicht aufgrund von Quoten, Nepotismus, Parteibuch, Bestechung oder sonstigen zweifelhaften Umständen. Frauen weisen die Idee einer Quote regelmäßig weit von sich. Wer (egal ob Frau oder Mann) möchte schon nur wegen der Quote eine Stelle bekommen?
    Überhaupt. Warum soll die Frauenquote nur für Führungspositionen gelten? Was soll diese offensichtliche Rosinenpickerei? Wo bleibt die Frauenquote auf dem Bau oder bei der Müllabfuhr? Wo die Männerquote in Grundschule, Kindergarten, Krankenpflege oder vor allem in den Jugendämtern, wenn es um z.B. um die Rechte der Väter geht????
    Das Thema ist auch zu komplex, als dass dem eine vermeintlich einfache
    Gesetzeslösung gerecht würde. Nicht zuletzt ist es eine Frage der
    Ausbildung, Begabung, Neigung und auch des Willens. Dazu kommen Angebot und Nachfrage. Frauen und Männer sind nicht gleich. Punkt. Warum gibt es im Bereich Kommunikation bereits einen überproportional
    großen Anteil von Frauen auch in leitenden Positionen? Richtig, weil
    Frauen da naturgemäß begabter sind und einen größeren Eifer entwickeln.
    Solange ein verschwindend kleiner Prozentsatz an Frauen Ingenieurswissenschaften studiert, gleichzeitig einer der beliebtesten Berufe bei jungen Frauen aber Friseuse ist, bringt eine Frauenquote gar nichts.

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    • FLH80
    • 13. April 2013 16:17 Uhr

    Laut F.A.Z. von heute liegt die Frauenquote im Lehrpersonal in manchen Bundesländern 80%!
    An Grundschulen unterrichten in Deutschland 172.000 Frauen und nur 26.000 Männer.
    Höre ich den Ruf nach einer Männerquote?
    Nein, dort wird offenbar der Berufswahl freien Lauf gelassen.
    Und zugleich werden die werdenden Männer an den Schulen nach immer "weiblicheren" Kriterien bewertet.
    Auch kein Ruf nach Gleichberechtigung zu hören!

  6. Damit wir uns richtig verstehen. Der Staat muss alles dafür tun, damit
    Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen im Bildungssektor
    herrscht. Er muss alles dafür tun, dass sich eine Frau nicht zwischen
    Kind und Karriere entscheiden muss, sondern sich immer für das "sowohl
    als auch" entscheiden kann. Er muss endlich dafür sorgen, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit auch die gleiche Bezahlung bekommen!
    Aber: Man kann ein Pferd zwar zur Tränke führen. Trinken muss es
    alleine. Es ist bereits heute so, Frau Bundeskanzlerin läßt grüßen, dass
    es Frauen mit der richtigen Ausbildung (jetzt einmal falsche Doktorarbeiten außen vorgelassen), dem Willen dazu und auch den nötigen "Ellenbogen" um KonkurrentInnen "wegzubeißen" bis ganz nach oben schaffen. Eine Quote würde dabei nur stören.

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