Gesellschaftskritik: Über den Wolken
Der Blick in die Sterne war bisher meist ein besinnlicher Moment. Doch Christine Meffert fürchtet, dass es damit nun vorbei ist: Die High Society cruist durch das All.
- Datum: 03.04.2013 - 16:52 Uhr
© Aly Song/Reuters

Singt sich in kosmische Sphären: Sarah Brightman
Manchmal, wenn einem alles auf die Nerven geht, hilft es, sich einsame Orte vorzustellen. Orte, an denen einem keiner mit irgendeinem Blödsinn in die Quere kommt. Ein Ort ohne Gedudel an jeder Ecke, ohne Verkehrslärm, ohne Menschen.
Diese Orte sind nicht mehr so leicht zu finden auf der Erde, deshalb weicht so mancher, auch wenn er nicht an den Himmel glaubt, in seiner Vorstellung nach oben aus. So wie es Reinhard Mey in dem Lied Über den Wolken getan hat. "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", sang er, und weiter: "Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen, und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein." Reinhard Mey schrieb dieses Lied im Jahr 1974 – damals konnte man noch nicht wissen, was heute offenbar wird: Der Himmel, ja das All als von Menschen unberührter Sehnsuchtsort ist in Gefahr. Es wird, so muss man befürchten, dort in den nächsten Jahren immer voller werden.
2015 wird die laut Bunte "erfolgreichste Sopranistin der Welt", Sarah Brightman, "schwerreiche Exfrau von Musicalgott Andrew Lloyd Webber (Phantom der Oper) ins All fliegen für geschätzte 40 Millionen Euro. Zehn Tage will sie dort bleiben, 16-mal am Tag wird sie die Erde umrunden. Und: Sie will versuchen, dort zu singen und vielleicht sogar Musik aufzunehmen.

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Man mag über die Stimme und das Repertoire dieses Musicalstars denken, wie man will, mit der Ruhe da oben ist es dann jedenfalls vorbei. Ein Sehnsuchtsort, an dem Don’t Cry For Me, Argentina von einer Frau gesungen wird, die vorzugsweise Zipfelkleider trägt, ist, zumindest für manche, schwer vorstellbar.
Noch können wenige Menschen 40 Millionen Dollar für einen Weltraumtrip erübrigen. Doch die Zahl der "Superreichen" wächst stetig, und Flüge sind auch immer billiger geworden.
Nach Felix Baumgartner will nun auch der Milliardär Richard Branson aus der Stratosphäre hüpfen. Er wird aufpassen müssen, dass er nicht mit einer der Raumkapseln kollidiert, in denen schwerreiche Exfrauen singen, schauspielern, durch die Gegend funken und womöglich neue Rekorde im Luftanhalten aufstellen. Alles wird plötzlich denkbar. Nur eines ist dann leider nicht mehr denkbar: ein Ort ohne Menschen und all den Nonsens, den sie fabrizieren.









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