Martenstein: Über Medienirrtümer und alberne Bezeichnungen
Harald Martenstein macht inhaltliche Fehler und landet deshalb bei bildblog.de. Jetzt hofft er inständig: Bitte lass meinen Spitznamen nicht "Franz Josef" sein!
Die Redaktion möchte, dass ich einen Fehler korrigiere. Ich mag das nicht, aber gut. Pro Jahr schreibe ich rund 150 Texte, das geht zack, zack, wumm, wumm, und ich bin nicht mehr der Jüngste. Wenn ich morgens zum Schreiben aufstehe, hört man noch drei Häuser weiter das Knacken der Knochen. Das Positivste, was ich über meine Gesundheit sagen kann: Ich hatte heute noch kein Fieber. Klar, ich könnte weniger schreiben. Ich schreibe aus dem gleichen Grund weiter, aus dem Clint Eastwood weiter Filme macht. Wenn wir aufhören, sterben wir sowieso, da können wir genauso gut weitermachen.
In drei bis vier Kolumnen pro Jahr sind sachliche Fehler enthalten. Das ist eine verdammt gute Quote. Was Fakten angeht, bin ich immer noch besser als die Encyclopædia Britannica, die in der Druckausgabe den Geburtsnamen von Bill Clinton falsch geschrieben hat. Vor ein paar Wochen habe ich angedeutet, Klaus Wowereit und Guido Westerwelle seien in der Schule sitzen geblieben. Das hatte ich in ungefähr einem Dutzend Quellen gelesen, es stimmt trotzdem nicht. Manchmal spare ich mir halt den letzten Waschgang und lese stattdessen in den Invektiven von Catull.
Der neue Papst heißt übrigens nicht Franziskus I., nein, er heißt einfach "Franziskus". Der Neue könnte so lange, bis ein Franziskus II. auftaucht, höchstens "Franziskus der Einzige" heißen. Franziskus ist Südamerikaner. Im Zusammenhang mit der Papstwahl wurde gemeldet, dass alle bisherigen Päpste Europäer gewesen seien. Hier eine unvollständige Liste der Medien, die behauptet haben, Franziskus sei der erste nichteuropäische Papst: Welt, Hamburger Abendblatt, Stuttgarter Nachrichten, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, n-tv, AFP, Evangelischer Pressedienst. Dabei liegt das Pontifikat des Syrers Gregor III. gerade mal 1272 Jahre zurück. Insgesamt hat es acht asiatische und zwei afrikanische Päpste gegeben. Sogar Jesus, der Chef persönlich, ist, als in Palästina geborener Jude, kein Europäer gewesen.
Solche Informationen über Medienirrtümer findet man auf bildblog.de, einer meiner Lieblingsseiten im Netz. Sehr informativ ist das Bild-Wörterbuch auf bildblog.de. Dort wird aufgelistet, unter welchen Invektiven bekannte Menschen, Menschengruppen oder Körperteile in der Bild-Zeitung geführt werden. Mir war bekannt, dass Griechen in Bild immer als "die Pleite-Griechen" auftauchen, außer sie spielen Fußball, dann sind sie "Gyros-Bomber". Dass der Sportchef der Reifenfirma Michelin, wegen eines Irrtums während eines Autorennens, in Bild konsequent unter "der Reifen-Depp" geführt wird, war mir ebenso neu wie die Schreibweise "Pete Drogerty" für den Musiker Pete Doherty. Am kreativsten scheint Bild bei der Findung von Bezeichnungen für die weibliche Brust zu sein, da wechseln sich "Bojen", "Hupen" und "Zuckertüten" offenbar in schöner Regelmäßigkeit ab, während für das männliche Glied bei Bild nur zwei Spitznamen aktenkundig sind, nämlich "Kurti" (im Falle des Schauspielers Kurt Russell) und "Schniedel-Woods" (gemünzt auf den Golf-Titanen Tiger Woods).
Mit meinem Westerwelle-Irrtum bin ich nun, nicht ganz zu Unrecht, selber Gegenstand der Bildblog-Berichterstattung geworden. Und sie haben mir tatsächlich, ganz im Stil von Bild, einen Spitznamen gegeben. Ich bin "der Franz Josef Wagner der ZEIT". Wagner ist Kolumnist von Bild. Und Jesus ist der Berthold Beitz der Kirche, oder? Falls im Bildblog jemals Benennungen meiner Körperteile notwendig sein sollten, nehmt wenigstens nicht "Franz Josef".
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio







Es tut mir leid, dass Sie meinen Namen nicht mögen. Auf Marionette bin ich noch gar nicht gekommen. Mir hat der Klang gefallen. Klingt für mich ein bisschen wie Harriet, ein Vorname, den ich mag. Besonders in englischen Kriminalromanen. Die Hotelkette ist aber auch nicht schlecht. Und klein geschrieben sieht cooler aus, finden Sie nicht?
Spaß am Schreiben zu haben, ist nicht zwangsläufig romantisch. Da haben Sie Recht. Dieses Wort bezog sich auch eher auf den Inhalt Ihrer lesenswerten Kommentare. Finden Sie das abwegig? Träume zu haben und zu verfolgen, das ist schön. Noch schöner ist es, wenn sie wahr werden, oder?
Kannten Sie eigentlich den Begriff "Eastwooding"?
MfG marriott
Na, da lobe ich mir doch, dass ich heute wenig Zeit zum Schreiben habe, weil ich unschlüssig zwischen den Vorstellungen stehe, vergast zu werden (boyle und marriotte) oder aber respektvoll akzeptiert zu werden (marriott).
"Cool" zu sein ist manchmal großartig, ebenso wie Romantik und das Wahrwerden von Träumen. Ich teile Ihre Meinung dabei. Und solange unsere Kommentare lesenswert bleiben, Spaß machen und unterhaltsam sind - beschreibe ich vielleicht auch noch einmal mehr eine erotische Übung für die Mundmotorik :) Das Wort "Erotik" trifft es in dem Fall besser als "Romantik", oder?
"Eastwooding" war mir bisher kein geläufiger Begriff und scheint mir auch soeben ersonnen. Gut gewählt. Holz zu Ostern? Aaaah, okay. Meine Recherche hat ergeben, dass Mr. Eastwood eine Rede zu einem leeren Stuhl gehalten hat. Darüber werde ich später nachlesen. Danke für den Hinweis und die netten Komplimente.
MfG WW
Na, da lobe ich mir doch, dass ich heute wenig Zeit zum Schreiben habe, weil ich unschlüssig zwischen den Vorstellungen stehe, vergast zu werden (boyle und marriotte) oder aber respektvoll akzeptiert zu werden (marriott).
"Cool" zu sein ist manchmal großartig, ebenso wie Romantik und das Wahrwerden von Träumen. Ich teile Ihre Meinung dabei. Und solange unsere Kommentare lesenswert bleiben, Spaß machen und unterhaltsam sind - beschreibe ich vielleicht auch noch einmal mehr eine erotische Übung für die Mundmotorik :) Das Wort "Erotik" trifft es in dem Fall besser als "Romantik", oder?
"Eastwooding" war mir bisher kein geläufiger Begriff und scheint mir auch soeben ersonnen. Gut gewählt. Holz zu Ostern? Aaaah, okay. Meine Recherche hat ergeben, dass Mr. Eastwood eine Rede zu einem leeren Stuhl gehalten hat. Darüber werde ich später nachlesen. Danke für den Hinweis und die netten Komplimente.
MfG WW
Lieber Herr Martenstein,
es ist ja schön zu sehen, wie sie dieser Bildblog-Artikel trifft, dass Sie sich in erbsenzählerischer Manier ob der wenigen Fehler, die Ihnen unterlaufen, rechtfertigen zu müssen glauben. Ist ein bisschen peinlich, oder? Und auch ein wenig selbstgerecht. Vielleicht hätten Sie auch nach dem Schreiben dieses Textes ein bisschen weniger Catull lesen sollen und stattdessen noch mal kritisch den eigenen Text.
... und der Kolumnist Martenstein gehört laut Lebenswandel, Schreibstil und stets ironisierter Argumentation auch zu dieser Herde, die sich wechselweise durch Selbstkritik und sanften Schmäh gegenüber Dritten auszeichnet. Was er mit Ihnen gerade veranstaltet hat, werte Ninakatarina, ist "dissimulatio", also Verstellung der eigenen Ansichten durch Herausposaunen angeblich vertretener Werturteile. (Das können literarisch nicht vorgebildete BILDBlogger nur als "durcheinandere Kolumne" [L.Heinser] auffassen - denen fehlt so einiges; sie sind zu eindimensional). Also nehmen Sie es bitte als Spielerei eines WHAM (weißer, heterosexueller, älterer Mann), dem man nicht gerecht wird, wenn man ihn als "Opferopfer" diffamiert. (Niggemeier wäre eigentlich intelligent genug, das richtig einzuschätzen - er möchte aber lieber gern "Charaktermasken" herunterreißen, im Gestus eines Niggespierre). Im übrigen sollten Sie sich unbedingt zu diesem Punkte auch die Komödien des Aristophanes (z.B. Lysistrate) mal zu Gemüte führen - da tritt ein Chor der Alten auf, die genau wissen, daß auch die Jüngeren mal alt werden. Ach, noch etwas - wenn Sie sich tatsächlich die Invektiven Catulls reinziehen wollen - Achtung, sexistische Sprache, vor allem Carmen 16! So explizit trieben es die alten Römer ... dafür ist Martenstein aber viel zu diskret; er deutet nur an.
... und der Kolumnist Martenstein gehört laut Lebenswandel, Schreibstil und stets ironisierter Argumentation auch zu dieser Herde, die sich wechselweise durch Selbstkritik und sanften Schmäh gegenüber Dritten auszeichnet. Was er mit Ihnen gerade veranstaltet hat, werte Ninakatarina, ist "dissimulatio", also Verstellung der eigenen Ansichten durch Herausposaunen angeblich vertretener Werturteile. (Das können literarisch nicht vorgebildete BILDBlogger nur als "durcheinandere Kolumne" [L.Heinser] auffassen - denen fehlt so einiges; sie sind zu eindimensional). Also nehmen Sie es bitte als Spielerei eines WHAM (weißer, heterosexueller, älterer Mann), dem man nicht gerecht wird, wenn man ihn als "Opferopfer" diffamiert. (Niggemeier wäre eigentlich intelligent genug, das richtig einzuschätzen - er möchte aber lieber gern "Charaktermasken" herunterreißen, im Gestus eines Niggespierre). Im übrigen sollten Sie sich unbedingt zu diesem Punkte auch die Komödien des Aristophanes (z.B. Lysistrate) mal zu Gemüte führen - da tritt ein Chor der Alten auf, die genau wissen, daß auch die Jüngeren mal alt werden. Ach, noch etwas - wenn Sie sich tatsächlich die Invektiven Catulls reinziehen wollen - Achtung, sexistische Sprache, vor allem Carmen 16! So explizit trieben es die alten Römer ... dafür ist Martenstein aber viel zu diskret; er deutet nur an.
(Sam Hawkens alias Karl May) - hat "G.-G." nicht der Haupt- und Staatsblogger vom Dandysee verbrochen; das ist schon reichlich älter. Aber an den Edelmenschen von Villa Shatterhand muß man bei "Zeilenroda" denken - riecht doch stark nach Zeulenroda oder Kötzschenbroda oder sonstigen Saxonismen. Außerdem ist Mainz nicht Budapest ... obwohl - für Revolutionen waren beide Metropolen auch immer gut. Und Zola hat so was von "J'accuse" - und sei es nur den Milljö-Saint-Just, der in den Medienjournalismus die krausame Kerrmaschine wiederbeleben möchte. Oder sollte ich "Trash-Thersites" oder "Lichtenbergs Kröte" sagen?!
marriotte hat mit boyle ein gasgesetz formuliert.
daran ist nix gruseliges.
"Pro Jahr schreibe ich rund 150 Texte, [...]"
Es können viele Leute viel schreiben. Vielleicht komme ich ja pers. auch auf 150 Texte im Jahr, wenn ich meine Blog und Forenkommentare zusammenrechne. Die Frage ist halt die Qualität der Texte. Und da mangelt es beim heutigen "Qualitätsjournalismus" doch erheblich.
Klar: Wen interessiert es, ob der Papst nun ein I im Namen hat oder nicht. Auch wenn der eine oder andere Politiker doch nicht sitzen geblieben ist, so scheint das nicht weltbewegend. Das Bildblog berichtet allerdings darüber weil solche Fehler ein System haben. Es wird einfach abgeschrieben, was in anderen Medien schon veröffentlicht wurde, ohne dass man sich die Primärquellen noch einmal anschaut. Das geht halt schneller. Hauptsache es kommen 150 Texte im Jahr zusammen! So wurde dann aus dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in der Presse einfach ein EU-Gerichtshof, was dann wiederum flux zum EU-Bashing genutzt wurde.
Über ein Jahrzehnt lang hat kein Journalist so bemerkt, dass die Krankenstände des BMG von der Anzahl der Feiertage an den 1. der Monate abhängen. Stattdessen wurde konsequent kompletter Unsinn aus den Kaffeetassen der Journalisten als Begründungen herangezogen.
Na, da lobe ich mir doch, dass ich heute wenig Zeit zum Schreiben habe, weil ich unschlüssig zwischen den Vorstellungen stehe, vergast zu werden (boyle und marriotte) oder aber respektvoll akzeptiert zu werden (marriott).
"Cool" zu sein ist manchmal großartig, ebenso wie Romantik und das Wahrwerden von Träumen. Ich teile Ihre Meinung dabei. Und solange unsere Kommentare lesenswert bleiben, Spaß machen und unterhaltsam sind - beschreibe ich vielleicht auch noch einmal mehr eine erotische Übung für die Mundmotorik :) Das Wort "Erotik" trifft es in dem Fall besser als "Romantik", oder?
"Eastwooding" war mir bisher kein geläufiger Begriff und scheint mir auch soeben ersonnen. Gut gewählt. Holz zu Ostern? Aaaah, okay. Meine Recherche hat ergeben, dass Mr. Eastwood eine Rede zu einem leeren Stuhl gehalten hat. Darüber werde ich später nachlesen. Danke für den Hinweis und die netten Komplimente.
MfG WW
Sie sind leicht zu erschrecken, stimmt's? Wenn von einem Gasgesetz die Rede ist, muss man ja nicht gleich an das Schlimmste denken. Auch eine Marionette ist nicht wirklich gruselig. Von jemandem gelenkt zu werden, hat vielleicht auch Vorteile.
Danke für den Hinweis auf die erotischen Bezüge in Ihrem Kommentar.Das war mir so nicht aufgefallen. Eher etwas in der romantischen Richtung, aber dieses Wort mögen sie ja nicht.
MfG marriott
boyle und marriotte haben nicht mit vergasen zu tun, sondern nur mit den physikalischen verhaltensweisen von gasen.
nebenbei, die stickstoffsauerstoffmischung, die du dir wahrscheinlich den ganzen tag reinziehst, ist auch gasförmig.
Sie sind leicht zu erschrecken, stimmt's? Wenn von einem Gasgesetz die Rede ist, muss man ja nicht gleich an das Schlimmste denken. Auch eine Marionette ist nicht wirklich gruselig. Von jemandem gelenkt zu werden, hat vielleicht auch Vorteile.
Danke für den Hinweis auf die erotischen Bezüge in Ihrem Kommentar.Das war mir so nicht aufgefallen. Eher etwas in der romantischen Richtung, aber dieses Wort mögen sie ja nicht.
MfG marriott
boyle und marriotte haben nicht mit vergasen zu tun, sondern nur mit den physikalischen verhaltensweisen von gasen.
nebenbei, die stickstoffsauerstoffmischung, die du dir wahrscheinlich den ganzen tag reinziehst, ist auch gasförmig.
Sie sind leicht zu erschrecken, stimmt's? Wenn von einem Gasgesetz die Rede ist, muss man ja nicht gleich an das Schlimmste denken. Auch eine Marionette ist nicht wirklich gruselig. Von jemandem gelenkt zu werden, hat vielleicht auch Vorteile.
Danke für den Hinweis auf die erotischen Bezüge in Ihrem Kommentar.Das war mir so nicht aufgefallen. Eher etwas in der romantischen Richtung, aber dieses Wort mögen sie ja nicht.
MfG marriott
... und der Kolumnist Martenstein gehört laut Lebenswandel, Schreibstil und stets ironisierter Argumentation auch zu dieser Herde, die sich wechselweise durch Selbstkritik und sanften Schmäh gegenüber Dritten auszeichnet. Was er mit Ihnen gerade veranstaltet hat, werte Ninakatarina, ist "dissimulatio", also Verstellung der eigenen Ansichten durch Herausposaunen angeblich vertretener Werturteile. (Das können literarisch nicht vorgebildete BILDBlogger nur als "durcheinandere Kolumne" [L.Heinser] auffassen - denen fehlt so einiges; sie sind zu eindimensional). Also nehmen Sie es bitte als Spielerei eines WHAM (weißer, heterosexueller, älterer Mann), dem man nicht gerecht wird, wenn man ihn als "Opferopfer" diffamiert. (Niggemeier wäre eigentlich intelligent genug, das richtig einzuschätzen - er möchte aber lieber gern "Charaktermasken" herunterreißen, im Gestus eines Niggespierre). Im übrigen sollten Sie sich unbedingt zu diesem Punkte auch die Komödien des Aristophanes (z.B. Lysistrate) mal zu Gemüte führen - da tritt ein Chor der Alten auf, die genau wissen, daß auch die Jüngeren mal alt werden. Ach, noch etwas - wenn Sie sich tatsächlich die Invektiven Catulls reinziehen wollen - Achtung, sexistische Sprache, vor allem Carmen 16! So explizit trieben es die alten Römer ... dafür ist Martenstein aber viel zu diskret; er deutet nur an.
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