Homo-EheDie Liebe der anderen

Um die Homo-Ehe tobt ein globaler Kulturkampf. Die Konservativen fürchten sich vor dem Zerfall der Normalfamilie – und suchen die Schuld bei Lesben und Schwulen. von 

Einen solchen globalen Kulturkampf hat es lange nicht gegeben. Der Streit um die Rechte von Homosexuellen entfesselt die Leidenschaften rings um die Welt, peitscht die Emotionen auf, in Russland, in Afrika ebenso wie in Europa und den USA. Fast scheint es, als sei dies die Frage, an der sich die Zivilität und Liberalität einer Gesellschaft entscheidet, wie einst an der Frage nach der Emanzipation der Juden.

In Frankreich gehen Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Homo-Ehe zu protestieren und gegen das Recht von Schwulen und Lesben, Kinder zu adoptieren. Praktisch zeitgleich verhandelt der Supreme Court in Washington, das höchste Gericht der Vereinigten Staaten, über exakt die selben Fragen, und die Nation hört atemlos zu. Und in Deutschland stürzt die Ankündigung des Bundesverfassungsgerichts, im Frühsommer über die steuerliche Behandlung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu urteilen, die CDU in ideologische Zuckungen.

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Wieso löst der Streit um die Homo-Ehe nahezu gleichzeitig in drei großen, liberalen Demokratien des Westens eine derart erbitterte Debatte aus?

Mit ein bisschen Abstand betrachtet, ist das aus mindestens zwei Gründen erstaunlich. Zum einen: Die reale gesellschaftliche Bedeutung des Problems ist minimal. Schwule und Lesben, die heiraten wollen, sind eine Minderheit in der Minderheit, noch weniger von ihnen wollen gemeinsam Kinder großziehen. In Deutschland gab es 2011 lediglich 27.000 eingetragene Lebenspartnerschaften, nur rund 7.000 Kinder lebten bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Nicht einmal fünf Prozent der eheähnlichen Verbindungen, der sogenannten Pacs, die in Frankreich als Alternative zur Ehe geschlossen werden können, wurden von Homosexuellen eingegangen. Ähnlich ist die Situation in den Vereinigten Staaten. Auch die finanziellen Folgen einer steuerrechtlichen Gleichbehandlung von schwulen und lesbischen Paaren wären marginal, in Deutschland ebenso wie in den USA.

Wieso dann die Aufwallung? Warum diese Erregung über das Liebesleben einer Minderheit?

Die Empörung ist noch weniger verständlich, wenn man zum Zweiten daran erinnert, dass die Sache eigentlich durch ist. In zehn Jahren wird sich niemand mehr über die Homo-Ehe aufregen, in Frankreich nicht, in Deutschland nicht und wohl auch nicht in Amerika.

1897

Der Sexualforscher Hirschfeld gründet ein Komitee gegen homophobe Gesetze.

1969

Aufstände gegen Polizei-Razzien in den Schwulen-Bars der New Yorker Christopher Street.

2001

Die Niederlande führen als erstes Land weltweit per Gesetz die gleichgeschlechtliche Ehe ein.

Nach einer Untersuchung der Washington Post und des Fernsehsenders NBC unterstützen 58 Prozent der Amerikaner die gleichgeschlechtliche Ehe. Das ist ein sensationeller Meinungsumschwung, denn noch 2006 war es genau andersherum. Erst 1987 wagte der erste Kongress-Abgeordnete, Barney Frank, sein öffentliches Coming-out, und noch 2008 stimmte eine Mehrheit von Wählern im eigentlich erzliberalen Kalifornien für ein Verbot der Homo-Ehe.

Heute wünschen 81 Prozent aller Amerikaner zwischen 18 und 29, dass Schwule und Lesben heiraten können. Bei seiner zweiten Amtseinführung sagte Präsident Barack Obama im Januar, was noch nie ein amerikanischer Präsident ausgesprochen hat: "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere homosexuellen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden." Längst ist das keine Provokation mehr: In ganzseitigen Anzeigen warben vor der Verhandlung des Supreme Court wichtige Wirtschaftsverbände für die Homo-Ehe. Laura Bush, die Ehefrau von Ex-Präsident George W. Bush, ist dafür und ebenso dessen ehemaliger Vize Dick Cheney, der eine lesbische Tochter hat. In der mündlichen Verhandlung vor dem Supreme Court scherzte der vorsitzende Richter John Roberts, die Befürworter der Homo-Ehe könnten sich ja derzeit vor politischer Unterstützung kaum retten. Und die Zeitschrift New Yorker titelte lakonisch: "Warum der Kampf um die Homo-Ehe vorbei ist".

Leserkommentare
  1. Ich bin nicht schwul. Hab aber einige Schwule Freunde und muss sagen die sind auch nicht anders als die anderen. Also echt ezz. Lass die doch man heiraten. Is doch echt nicht so schlimm. Wirklich ezz v

    7 Leserempfehlungen
    • marfan
    • 11. April 2013 15:55 Uhr

    so ein quatsch...

  2. Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/se

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 11. April 2013 16:12 Uhr

    Vielleicht besser, es das nächste Mal in Bangkok nicht so mit den synthetischen Drogen zu übertreiben...

  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich beim konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tut mir leid, aber das ist nicht zu vergleichen.

    Bei dem einen geht es um zwei Menschen, die in ihrem freien Willen die Ehe eingehen. Bei dem anderen geht es um einen Menschen und ein Tier, das gezwungen wird...

    Die Grenze ist doch ganz einfach. Bei einer schwulen Partnerschaft muss der eine für den anderen einstehen, auch finanziell bei etwaiger Arbeitslosigkeit. Im Gegenzug hat er aber fast keinerlei Rechte bei bspw. Krankheit oder Ableben des Partners.

    Im Endeffekt geht es nur um Gleichbehandlung. Nicht mehr und nicht weniger.

    Durch "Homo-Ehen" werden weder weniger Hetero-Ehen geschlossen, noch wird plötzlich die halbe Population schwul...

    • Suryo
    • 11. April 2013 16:14 Uhr

    Sie können gerne versuchen, ein Tier zur Unterschrift unter eine Heiratsurkunde zu bewegen.

    Mal ehrlich, seit mindestens zwanzig Jahren fällt den Gegnern der Homoehe kein einziges neues Argument ein.

    Und dabei sehr beleidigend.

    Sind Homosexuelle keine Menschen oder wieso stellt sich Ihnen der Vergleich mit Tieren?

    Bei der Gleichberechtigung von Schwarzen hätten Sie dann ja sicherlich auch gespottet: "Wie weit geht das noch? Haben bald auch Katzen und Hunde Bürgerrechte?"

    Bei der Wahlfreiheit für Frauen wäre dann wohl folgendes gekommen: "Dürfen bald auch Affen wählen? Wie weit geht das noch?"

    Sorry, aber das ist so etwas von hinterwälderisch.

    Wenn Sie das wirklich ernst gemeint ist, existiert in Ihrem Kopf wirklich eine kleine Welt, ohne Horizont.

    ... von Homosexuellen mit Zoophilen ist in mehr als nur einer Hinsicht tendenziös.

    • Denitz
    • 11. April 2013 16:08 Uhr

    Der Artikel zeigt sehr schön auf, wie Homosexuelle letztendlich als Sündenbock für komplexe gesellschaftliche Probleme herangezogen werden. Deshalb aber zu behaupten, die Mehrheit der Protestler sei "nicht homophob" finde ich allerdings problematisch, denn es ist genau diese Sündenbock-Rolle, die, wie die Geschichte zeigt, zu ziemlich dramatischen Folgen innerhalb der Gesellschaft geführt hat – und dies in vielen Teilen der Gesellschaft immer noch tut.

    "Ich hab nichts dagegen, dass jemand schwul ist aber..." ist letztlich eine noch viel problematischere Form der Fremdenfeindlichkeit, weil sie weitaus systemischer ist und von vielen (unter anderem dem Autor dieses Artikels) nicht so ernst genommen wird, wie es ihr gebührt. Es ist vermessen, zu glauben, dass sie von Betroffenen nicht wahrgenommen wird – im Gegenteil (Selbstmordraten unter homosexuellen Jugendlichen, vor allem in den USA sprechen eine eindeutige Sprache). Ebenso ist es genau dieser (politische) Missbrauch von solchen gesellschaftlichen Feindbildern, der seit Jahrhunderten zu Extremen geführt hat, und gehört deshalb von der Wurzel an bekämpft.

    19 Leserempfehlungen
    • Suryo
    • 11. April 2013 16:12 Uhr

    Vielleicht besser, es das nächste Mal in Bangkok nicht so mit den synthetischen Drogen zu übertreiben...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Maedels "

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  • Schlagworte Barack Obama | Frankreich | USA | Ehe | Protest | Europa
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