ArbeitslosigkeitHelft ihnen, jetzt!

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa steigt dramatisch. Gerade Deutschland ist gefordert.

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Schon die bekannten Folgen der Jugendarbeitslosigkeit sind schlimm genug: der Verlust sozialer Fähigkeiten und Bindungen, die Depression, die Armut. Nicht minder fürchterlich könnten auch ihre unbekannten sein. Fast jeder vierte junge Europäer im erwerbsfähigen Alter ist inzwischen arbeitslos, ein Acht-Millionen-Heer junger Bürger ohne Arbeit ist entstanden. Es könnte sich in Richtungen bewegen, die zu nichts Gutem führen. In Italien hat die Jugendarbeitslosigkeit schon wesentlich zum Erfolg der Grillo-Bewegung beigetragen.

Heute ein Aushilfsjob im Supermarkt, morgen Nachtdienst im Büro. Oder ein Erste-Hilfe-Kurs, das Schulterzucken auf dem Arbeitsamt, schließlich stapelweise Versand von Bewerbungen. Nicht selten geht das viele Jahre so und zermürbt auch jene, denen Sicherheit nicht alles ist. Eigentlich ist die Jugend das Alter der Pläne, Projekte und Fantasien. Aber für Millionen junger Europäer verliert die Zukunft gerade ihre Gestalt, wird etwas Graues, Hoffnungsloses.

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Neu ist das nicht; neu ist das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit, die sich noch dazu auf einige Länder konzentriert. In ihnen ist der Arbeitsmarkt verbaut, liegt die Wirtschaft am Boden, machen sich Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften andere Sorgen. Milliarden werden verschleudert, weil die Jungen nicht arbeiten, aber versorgt werden müssen. Und die Besten und Mutigsten kehren ihrer Heimat den Rücken.

Debatte

Wie retten wir Europas verlorene Generation? Auf Facebook diskutieren Autoren der ZEIT ab Donnerstag, 14 Uhr, mit Lesern von ZEIT ONLINE.

Neu ist noch etwas: Die jungen, arbeitslosen Europäer wissen voneinander. Sie sind im Internet unterwegs, und dort können sie ihren Zorn artikulieren, sich verabreden. Zu was? Wenn sie sich zusammenfänden, um den Regierenden ihre Wut ins Gesicht zu schreien: Das könnte helfen, den gesellschaftlich Mächtigen die Dringlichkeit des Problems klarzumachen. Aber was, wenn die Enttäuschten, die Empörten nach rechts marschierten? Blieben die politischen Systeme in Europa auch dann noch krisenfest?

Vielleicht geschieht da gar nichts. Was allerdings kein Grund zur Beruhigung wäre. Für einen jungen Maghrebiner in den nördlichen Stadtteilen Marseilles lautet die Alternative heute so: »les barbus ou les voyous«, sprich Extremismus (»die Bärtigen«) oder Verbrechen (»die Schurken«). Und dass die Familien die jungen Leute auffangen, ist nicht in jeder europäischen Kultur selbstverständlich und vor allem nicht immer möglich.

Natürlich lebt die Mehrheit der jungen Arbeitslosen nicht in Ghettos, sie lebt mitten in der Gesellschaft – aber eben in einer Gesellschaft, die sie nicht zu brauchen scheint. Glaubt jemand, diese Erfahrung, millionenfach gemacht, werde ohne Weiteres weggesteckt?

Umso erschütternder ist es, dass für die Regierungen selbst jener Länder, die wir auf diesen Seiten beschreiben, die Arbeitslosigkeit ihrer jungen Bürger nur ein Thema unter vielen ist. Eines, das sich zur Inszenierung eines Ministerbesuchs in einer Firma eignet, in der dann ein paar junge Gesichter mit aufs Foto dürfen. Ansonsten werden die jungen Leute auf Staatskosten irgendwo geparkt, im Vereinsleben, in Jugendzentren, in Kursen für dieses und jenes.

Leser-Kommentare
  1. Das Projekt Sonnenbahn könnte so ein Projekt sein. Bitte informieren Sie sich. Wenn das umgesetzt würde: Der "Knüller". Photovoltaik-Überdachung (Folien) aller europaweiten Autobahnen und Landstraßen. DAS Kraftwerk!

    Sehen Sie selbst: Einfach nach Projekt Sonnenbahn googeln und das im pdf-Format verfügbare Dokument herunterladen und studieren. Man überlege sich mal: Sämtliche geeigneten Autobahntrassen und Landstraßen sind mit Photovoltaikfolien ausgestattet . . . liefern beständig Strom, welcher für den Nachtverbrauch in Druckluftspeichern vorgehalten wird . . . und mit kleinen vertikalen WKA gestützt wird . . . wieviele Arbeitsplätze lassen sich damit auf Dauer (für Wartung und Instandhaltung) generieren. Startet man dieses Vorhaben in Südeuropa, verfügen jene plötzlich über einen "Exportschlager" = Strom!. Über 20 Jahre - von Südeuropa nach Nordeuropa - würde so ein Projekt Europa wirklich vereinen! Nur wer etwas gemeinsam aus gemeinsamen Interessen erschafft, wächst zusammen. Selbst Solidarität gibt es nicht zum Nulltarif.

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    Antwort auf "Richtig!"
  2. 162. Export

    <<< Dem steht nun einmal entgegen, daß sich die Exporte in den Nicht-Euro-Raum viel besser entwickelt haben. Die südlichen Euro-Länder und Irland sind ja nicht in Schwierigkeiten geraten, weil sie so viele BMWs und Mercedes gekauft haben, sondern gerade in Spanien und in Irland wegen der völlig aus dem Ruder gelaufenen Immobilienspekulation. <<<

    Dann erklären Sie mir doch einfach bitte, wie z.B. die Spanier sich so viele neue BMW hätten leisten können, OHNE deren Immobilienspekulation und die dadurch entstandene Geldschwemme?
    Womit hätten die Spaniern den teuren Plunder made in germany real bezahlen sollen, bei schwacher eigener Währung?
    Eine richtig wettbewerbsfähige Industrie hatte Spanien noch nie, bleibt also im Kern nur der Anbei von Gemüse.
    Ich würde bezweifeln, dass damit der real konsumierte (importierte) Wohlstand bezahlt werden konnte.
    Dass die Süd-Exporte letztlich der dt. Steuerzahler trägt, spielt keine Rolle, es geht nur darum, dass die dt. Exportwirtschaft Profit machen konnte und das Hamsterrad weiterläuft.
    Und kommen Sie mir nicht mit: "Dann hätte Dtl. den Kram halt anderwo hin exportiert".
    Wenn das alles so einfach wäre und genug Nachfrage vorhanden wäre, müsste sich Merkel nicht ständig an irgendwelchen Autokraten ranwanzen, damit dt. Unternehmen dort ihre Waren absetzen können.

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    Wenn ein EU-Land durch u.a. die EU-Richtlinien für die Mitgliedsländer auf Export getrimmt wird über einen unterbewerteten EURO und ein anderes EU-Land auf Einkauf getrimmt wird, was es sich nur über Kredite oder Hilfsgelder leisten kann...

    ... sollte logischerweise folgen, dass das ein System ist, das nicht lange bestehen kann.

    Oder was ist Ihr Pro für den EURO? Wenn Sie selber sagen, dass da etwas schief läuft.

    Wenn ein EU-Land durch u.a. die EU-Richtlinien für die Mitgliedsländer auf Export getrimmt wird über einen unterbewerteten EURO und ein anderes EU-Land auf Einkauf getrimmt wird, was es sich nur über Kredite oder Hilfsgelder leisten kann...

    ... sollte logischerweise folgen, dass das ein System ist, das nicht lange bestehen kann.

    Oder was ist Ihr Pro für den EURO? Wenn Sie selber sagen, dass da etwas schief läuft.

  3. Wenn ich eine Friseuse auffordere, sich ihre Kunden selbst zu suchen und privat Haare zu schneiden, weil durch den Wegfall teurer Ladenmieten und Investitionen IHR mehr Geld zu Leben bleibt, dann nennen sie das Schwarzarbeit?
    Nun, solang sie nicht über 1000€ im Monat damit verdient, würden nicht mal Steuern anfallen, legt man den Freibetrag und ein paar Kosten zugrunde!
    Und sie müsste nicht in Hartz4 oder als Aufstocker leben und hätte ihr Leben selber in der Hand!
    Was soll daran schlecht sein?
    Die Frage ist, ob unser System ihr das gestattet und sie dafür einen Gewerbeschein bekommt?

    4 Leser-Empfehlungen
  4. all die Jahre, seit der Einführung des Euro konnten sich die ClubMed Länder Geld zu Zinssätzen beschaffen, die vorher undenkbar waren. Ergebnis:
    Riesige Schulden aber kein bisschen Wirtschaftsstimulation, so einfach ist das.

    Es ist eine dumme Aussage zu behaupten mit massivem Einsatz von Geld könnte man eine Wirtschaft sanieren. Man müsste schon sehr, sehr genau wissen, was man mit dem Geld machen will, sonst ist es einfach weg und man muss für Generationen die Zinsen zahlen. Was in Südeuropa gelaufen ist, war dass enorme Geldmengen unter die Leute gebracht wurden als ob es kein morgen gäbe und jetzt hat man die Schulden und kann die Zinsen nicht mehr zahlen.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Spar-idiotie"
  5. <<< Das ist schon dreist, wenn man weis, oder auf Grund des Bundesbank-Berichtes - heute bereits verlinkt - wissen könnte, dass die Durchschnittshaushaltsvermögen netto der Privathaushalte in Spanien und Italien mehr als dreimal so hoch sind, als in Deutschland. <<<

    Sie meinten doch sicher Medianvermögen http://de.wikipedia.org/w... , oder?
    Was ich eher so deuten würde, dass sich die dt. Mittelschicht in noch viel stärkeren Ausmaß von der Oberschicht veralbern lässt und die Einkommensverteilung in Dt. noch weit ungesünder und ungerechter ist, als im südlichen Europa, weshalb dort die Masse(!) der Haushalte ein 3mal höheres Vermögen hat, als hier, und nichts darüber aussagt, ob diese ingesamt (also durchschnittlich) vermögender sind.

    2 Leser-Empfehlungen
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    das in den anderen Länder wesentlich mehr eigengenutztes Immobilienvermögen vorhanden ist, was sich wohl auch auf die Tatsache zurückführen lässt, das Deutschland ganz andere Haushaltsstrukturen hat als die anderen Länder.

    Das aber eine Immobilie die man nicht verkaufen kann, weil einfach kein Käufer da ist, keinen wirklichen Wert hat, versteht der Gute nicht.

    Genauso wenig wie er versteht, das es nichts bringt, die unteren Einkommen der anderen Länder auf unser schlechtes Niveau zu bringen.

    das in den anderen Länder wesentlich mehr eigengenutztes Immobilienvermögen vorhanden ist, was sich wohl auch auf die Tatsache zurückführen lässt, das Deutschland ganz andere Haushaltsstrukturen hat als die anderen Länder.

    Das aber eine Immobilie die man nicht verkaufen kann, weil einfach kein Käufer da ist, keinen wirklichen Wert hat, versteht der Gute nicht.

    Genauso wenig wie er versteht, das es nichts bringt, die unteren Einkommen der anderen Länder auf unser schlechtes Niveau zu bringen.

    • dp80
    • 04.04.2013 um 16:17 Uhr

    Naja, vermutlich sieht die Graphik einfach besser aus, wenn man überall ca. 20% hat, anstatt an manchen Stellen über 50% und an anderen nur 8%

  6. n?

    na dann gute Nacht.
    Hoffen wir, dass die Idealisten und Eurokraten irgendwann aus ihrem schöngeistigen Tugendwahn aufwachen.
    Besser wärs

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  7. 168. Aha ???

    Und für diese durchschaubar wirtschaftstechnokratische Sicht globalen Handels sollen wir alle immer geringere Löhne akzeptieren?
    Damit die zehntausend reichsten Unternehmer von Milliardären zu Billionären werden können?
    Millionär zu bleiben kann man ja heute von keinem grossen Unternehmer mehr verlangen .-)
    Das ist mir alles zu krank!

    3 Leser-Empfehlungen
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    • Wombel
    • 04.04.2013 um 17:20 Uhr

    gar nicht geäußert, mir geht es erstmal um die Erwirtschaftung von Geld das verteilt werden kann.
    Immer Ärmer werden ist auch kein Grundgesetz, in China sind die Löhne z.B. massive gestiegen.
    Klar muss aber auch sein je mehr Geld ich Drucke je weniger ist es Wert.
    Es muss schon ein Wert (Ware oder Dienstleistung) dem Geld gegenüberstehen.

    • Wombel
    • 04.04.2013 um 17:20 Uhr

    gar nicht geäußert, mir geht es erstmal um die Erwirtschaftung von Geld das verteilt werden kann.
    Immer Ärmer werden ist auch kein Grundgesetz, in China sind die Löhne z.B. massive gestiegen.
    Klar muss aber auch sein je mehr Geld ich Drucke je weniger ist es Wert.
    Es muss schon ein Wert (Ware oder Dienstleistung) dem Geld gegenüberstehen.

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