ArbeitslosigkeitHelft ihnen, jetzt!

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa steigt dramatisch. Gerade Deutschland ist gefordert.

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Schon die bekannten Folgen der Jugendarbeitslosigkeit sind schlimm genug: der Verlust sozialer Fähigkeiten und Bindungen, die Depression, die Armut. Nicht minder fürchterlich könnten auch ihre unbekannten sein. Fast jeder vierte junge Europäer im erwerbsfähigen Alter ist inzwischen arbeitslos, ein Acht-Millionen-Heer junger Bürger ohne Arbeit ist entstanden. Es könnte sich in Richtungen bewegen, die zu nichts Gutem führen. In Italien hat die Jugendarbeitslosigkeit schon wesentlich zum Erfolg der Grillo-Bewegung beigetragen.

Heute ein Aushilfsjob im Supermarkt, morgen Nachtdienst im Büro. Oder ein Erste-Hilfe-Kurs, das Schulterzucken auf dem Arbeitsamt, schließlich stapelweise Versand von Bewerbungen. Nicht selten geht das viele Jahre so und zermürbt auch jene, denen Sicherheit nicht alles ist. Eigentlich ist die Jugend das Alter der Pläne, Projekte und Fantasien. Aber für Millionen junger Europäer verliert die Zukunft gerade ihre Gestalt, wird etwas Graues, Hoffnungsloses.

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Neu ist das nicht; neu ist das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit, die sich noch dazu auf einige Länder konzentriert. In ihnen ist der Arbeitsmarkt verbaut, liegt die Wirtschaft am Boden, machen sich Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften andere Sorgen. Milliarden werden verschleudert, weil die Jungen nicht arbeiten, aber versorgt werden müssen. Und die Besten und Mutigsten kehren ihrer Heimat den Rücken.

Debatte

Wie retten wir Europas verlorene Generation? Auf Facebook diskutieren Autoren der ZEIT ab Donnerstag, 14 Uhr, mit Lesern von ZEIT ONLINE.

Neu ist noch etwas: Die jungen, arbeitslosen Europäer wissen voneinander. Sie sind im Internet unterwegs, und dort können sie ihren Zorn artikulieren, sich verabreden. Zu was? Wenn sie sich zusammenfänden, um den Regierenden ihre Wut ins Gesicht zu schreien: Das könnte helfen, den gesellschaftlich Mächtigen die Dringlichkeit des Problems klarzumachen. Aber was, wenn die Enttäuschten, die Empörten nach rechts marschierten? Blieben die politischen Systeme in Europa auch dann noch krisenfest?

Vielleicht geschieht da gar nichts. Was allerdings kein Grund zur Beruhigung wäre. Für einen jungen Maghrebiner in den nördlichen Stadtteilen Marseilles lautet die Alternative heute so: »les barbus ou les voyous«, sprich Extremismus (»die Bärtigen«) oder Verbrechen (»die Schurken«). Und dass die Familien die jungen Leute auffangen, ist nicht in jeder europäischen Kultur selbstverständlich und vor allem nicht immer möglich.

Natürlich lebt die Mehrheit der jungen Arbeitslosen nicht in Ghettos, sie lebt mitten in der Gesellschaft – aber eben in einer Gesellschaft, die sie nicht zu brauchen scheint. Glaubt jemand, diese Erfahrung, millionenfach gemacht, werde ohne Weiteres weggesteckt?

Umso erschütternder ist es, dass für die Regierungen selbst jener Länder, die wir auf diesen Seiten beschreiben, die Arbeitslosigkeit ihrer jungen Bürger nur ein Thema unter vielen ist. Eines, das sich zur Inszenierung eines Ministerbesuchs in einer Firma eignet, in der dann ein paar junge Gesichter mit aufs Foto dürfen. Ansonsten werden die jungen Leute auf Staatskosten irgendwo geparkt, im Vereinsleben, in Jugendzentren, in Kursen für dieses und jenes.

Leser-Kommentare
    • Erkos
    • 04.04.2013 um 12:36 Uhr

    Ich pflichte vollständig bei.
    Außerdem wird noch immer ein Schiene geritten, die allen Wohlstand auf irgendeinem ominösen "Wachstum" aufbaut. Dabei ist längst klar, dass wir schon längst zuviel an Wachstum hatten und haben. Was bitteschön sollte denn D nun in noch größerem Umfang produzieren, wenn potentielle Abnehmerländer diese Waren nur dann kaufen könnten, wenn sie vorher Geld von außerhalb bekommen würden. So hatte das ja lange in Griechenland funktioniert: Deutsche Rüstungsfirmen exportierten ihre Waren nach Griechenland, das mit Geld aus D bezahlt hat. Wenn es nicht so bitterböse wäre, man könnte sich schlapp lachen über diese Manöver.
    Was wir brauchen, ist eine Idee, wie wir bei schrumpfender Ressourcenverwertung unsere Gesellschaft(en) vernünftig und solidarisch organisieren! Wo sind die Ökonomen und Gesellschaftswissenschaftler, die eingefahrene Gleise verlassen können!? Es wäre interessant, ob überhaupt jemand in diese Richtung denkt.

    12 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Keine Chance"
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    Bei schrumpfender Bevölkerung sind wachsende Arbeitseinkommen auch möglich, wenn zwar die Arbeitsproduktivität und das BIP pro Kopf, nicht aber das "BIP absolut" wächst. Allerdings gerät dann die Umverteilungsrente in Schwierigkeiten, weil die Bevölkerung bei den jungen Erwerbstätigen schrumpft, wodurch der Anteil der Rentner wächst, sofern man die Leute nicht auch später in Rente schickt.

    Das Problem ist, dass Wachstum einer Wirtschaft ist doch nicht nur durch die Gueterproduktion determiniert, sondern zum groessten Teil durch Dienstleistungen. Und da gibt es doch noch hinreichend Defizite, wie man taeglich lesen kann. Man denke nur an Altenpfleger, Aerzte usw.. Das Problem ist die westliche Welt hat ein Verteilungsproblem. Und natuerlich, das deutsche Wirtschaftsmodell, dass auf Export von Guetern und Kapital basiert ist alles andere als nachhaltig, aber Frau Merkel glaubt das. Und nehmen wir an, die Merkelpolitik funktioniert und Spanien, Italien etc. wuerden demnaechst alle konkurrenfaehig im Vrgleich zu DE werden, ja dann spaetestens hat Merkel einen guten Grund nach Hartz V, VI und VII zu schreien. Aber der deutsche Waehler merkt es nicht einmal wie schraeg diese Politik ist. Offensichtlich war die Prognose falsch, dass sich unterentwickelte Oekonomien an die Reicheren hinsichtlich der Loehne annaehern, es laeuft anders rum und offensichtlich waren die Prognosen eines Mannes namens Marx wohl die Besseren. Zumindest dann, wenn man den Markt machen laesst. Bismarck war da ein wenig weitsichtiger als Merkel mit seinen Sozialversicherungen, die Merkel ja fuer ein Uebel haelt.

    Das Projekt Sonnenbahn könnte so ein Projekt sein. Bitte informieren Sie sich. Wenn das umgesetzt würde: Der "Knüller". Photovoltaik-Überdachung (Folien) aller europaweiten Autobahnen und Landstraßen. DAS Kraftwerk!

    Sehen Sie selbst: Einfach nach Projekt Sonnenbahn googeln und das im pdf-Format verfügbare Dokument herunterladen und studieren. Man überlege sich mal: Sämtliche geeigneten Autobahntrassen und Landstraßen sind mit Photovoltaikfolien ausgestattet . . . liefern beständig Strom, welcher für den Nachtverbrauch in Druckluftspeichern vorgehalten wird . . . und mit kleinen vertikalen WKA gestützt wird . . . wieviele Arbeitsplätze lassen sich damit auf Dauer (für Wartung und Instandhaltung) generieren. Startet man dieses Vorhaben in Südeuropa, verfügen jene plötzlich über einen "Exportschlager" = Strom!. Über 20 Jahre - von Südeuropa nach Nordeuropa - würde so ein Projekt Europa wirklich vereinen! Nur wer etwas gemeinsam aus gemeinsamen Interessen erschafft, wächst zusammen. Selbst Solidarität gibt es nicht zum Nulltarif.

    Bei schrumpfender Bevölkerung sind wachsende Arbeitseinkommen auch möglich, wenn zwar die Arbeitsproduktivität und das BIP pro Kopf, nicht aber das "BIP absolut" wächst. Allerdings gerät dann die Umverteilungsrente in Schwierigkeiten, weil die Bevölkerung bei den jungen Erwerbstätigen schrumpft, wodurch der Anteil der Rentner wächst, sofern man die Leute nicht auch später in Rente schickt.

    Das Problem ist, dass Wachstum einer Wirtschaft ist doch nicht nur durch die Gueterproduktion determiniert, sondern zum groessten Teil durch Dienstleistungen. Und da gibt es doch noch hinreichend Defizite, wie man taeglich lesen kann. Man denke nur an Altenpfleger, Aerzte usw.. Das Problem ist die westliche Welt hat ein Verteilungsproblem. Und natuerlich, das deutsche Wirtschaftsmodell, dass auf Export von Guetern und Kapital basiert ist alles andere als nachhaltig, aber Frau Merkel glaubt das. Und nehmen wir an, die Merkelpolitik funktioniert und Spanien, Italien etc. wuerden demnaechst alle konkurrenfaehig im Vrgleich zu DE werden, ja dann spaetestens hat Merkel einen guten Grund nach Hartz V, VI und VII zu schreien. Aber der deutsche Waehler merkt es nicht einmal wie schraeg diese Politik ist. Offensichtlich war die Prognose falsch, dass sich unterentwickelte Oekonomien an die Reicheren hinsichtlich der Loehne annaehern, es laeuft anders rum und offensichtlich waren die Prognosen eines Mannes namens Marx wohl die Besseren. Zumindest dann, wenn man den Markt machen laesst. Bismarck war da ein wenig weitsichtiger als Merkel mit seinen Sozialversicherungen, die Merkel ja fuer ein Uebel haelt.

    Das Projekt Sonnenbahn könnte so ein Projekt sein. Bitte informieren Sie sich. Wenn das umgesetzt würde: Der "Knüller". Photovoltaik-Überdachung (Folien) aller europaweiten Autobahnen und Landstraßen. DAS Kraftwerk!

    Sehen Sie selbst: Einfach nach Projekt Sonnenbahn googeln und das im pdf-Format verfügbare Dokument herunterladen und studieren. Man überlege sich mal: Sämtliche geeigneten Autobahntrassen und Landstraßen sind mit Photovoltaikfolien ausgestattet . . . liefern beständig Strom, welcher für den Nachtverbrauch in Druckluftspeichern vorgehalten wird . . . und mit kleinen vertikalen WKA gestützt wird . . . wieviele Arbeitsplätze lassen sich damit auf Dauer (für Wartung und Instandhaltung) generieren. Startet man dieses Vorhaben in Südeuropa, verfügen jene plötzlich über einen "Exportschlager" = Strom!. Über 20 Jahre - von Südeuropa nach Nordeuropa - würde so ein Projekt Europa wirklich vereinen! Nur wer etwas gemeinsam aus gemeinsamen Interessen erschafft, wächst zusammen. Selbst Solidarität gibt es nicht zum Nulltarif.

  1. Da klingt er wieder, der markerschütternde Ruf. Nicht der Ruf des Cthulhu, das wäre vergleichsweise harmlos, sondern der Ruf der berufsmäßigen Aufrufer. "Man müsste doch...man kann doch nicht zusehen, wie....Deutschland hat die Pflicht...(...)". Wenn die aufgeblähte wasserköpfige Krake, die sich deutscher Staat nennt und sich ghulisch an unseren Steuern und Abgaben weidet, irgendeine Pflicht hat, dann läge sie darin, sich selbst ein paar Arme abzuhacken und ihren Bürgern wieder ein freies Durchatmen zu erlauben.
    Ganz gewiss jedoch ist es nicht ihre Aufgabe, das von uns allen erpresste Geld zur Senkung südeuropäischer Jugendarbeitslosigkeit einzusetzen. Dieser Staat leistet es sich bereits, einerseits ein Gutteil an unaussprechlichem Lumpenpack zu alimentieren und andererseits ein weiteres Gutteil an arbeitswilligen Unglücklichen behördlich zu quälen. Darf ich mal ein Beispiel anbringen? Ein Akademiker findet einige Monate keine Arbeit. Das Amt schickt ihn zum arbeitspsychologischen Dienst, wo er sich vor drei Psychologen stundenlang auf seine kommunikativen Fähigkeiten hin testen lassen muss. Effekt: ein Arbeitsloser gedemütigt, ein Haufen parasitärer Hilfsindustrie-Angestellter beschäftigt. Beschäftigung später rein durch Eigenleistung gefunden. Seitdem erklärter Feind jener "Hilfs"- Maschinerie.
    Wir haben nicht einmal im Inland eine vernünftige Arbeitslosenpolitik. DIESES Modell bekommen die Südländer auch ohne Hilfe zustande, möchte ich einmal unken.

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    gelassen aus. Ich wundere und freue mich, daß Ihre deutlichen Worte ("unaussprechliches...") noch zu lesen sind.

    gelassen aus. Ich wundere und freue mich, daß Ihre deutlichen Worte ("unaussprechliches...") noch zu lesen sind.

  2. <<< Wegen dem Euro. Alles, dank dem Euro, oder glaubt irgendjemand, dass es im Jahr 2013 diese Zustände gäbe, wenn der Euro nicht eingeführt worden wäre? Dann hätten Länder wie Spanien oder Griechenland ihre Währung schon längst abgewertet und alles wäre nicht so schlimm wie aktuell. Klar, eine globale Finanzkrise hätte es dank Lehmann und Co. trotzdem gegeben, nur wäre man in den europäischen Krisenstaaten eben wesentlich glimpflicher davon gekommen. <<<

    Ohne € hätte es keinen schuldeninduzierten Nachfrageboom* gegeben (von dem auch die dt. Exportindustrie stark profitierte) und Europa wäre schon nach 2000 nicht mehr aus der wachstumsschwachen Dauerkrise gekommen.
    Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut ist auch prima ohne € möglich, siehe Ungarn, Bulgarien, Rumänien, das "Boomland" Polen ist ja wohl auch auf dem Weg dorthin. Oder GB, USA,...
    Es braucht nur eine entsprechende gesellschaftliche Vermögens- und Machtverteilung, bei der sich am oberen Ende alles zusammenklumpt.

    Nein, der € ist nur Sympton; die Ursache ist das kapitalistische Wirtschaftssystem und dessen bürgerliche Scheindemokratie, die darauf fixiert ist, "marktkonform" die Interessen der Systemprofiteure zu vertreten und den laufenden Geschäftsbetrieb solange am Laufen zu halten, bis es richtig kracht.

    * Die US-Hypothekenpolitik Dank der der Finanzmarkt 2007/2008 crashte, hatte einen ähnlichen Zweck

    14 Leser-Empfehlungen
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    • Lu-S
    • 04.04.2013 um 13:18 Uhr

    Da der Euro aus ideologischen Gründen keine (Mit-)Schuld an der gegenwärtigen Misere haben darf, wird wieder die Behauptung hervorgekramt, daß wir doch alle so toll vom Euro profitiert hätten. Fakten spielen da keine Rolle. In Wahrheit ist der Export in die Eurostaaten im Wachstum deutlich hinter den Export in den Nicht-Euro-Raum zurückgefallen, so daß z.B. unter den fünf größten deutschen Exportmärkten mittlerweile drei Nicht-Euro Staaten sind. Mit Ländern wie Frankreich und den Niederlanden haben wir auch früher schon massiven Handel getrieben und würden es nach dem Ende des Euro weiter tun.

    Die "am deutschen Wesen soll die Welt genesen" Haltung der Zeit wird langsam irritierend. Gestern sollten wir Mali retten, obwohl dieses Land praktisch keine Verbindungen zu uns hat, heute sollen wir die europäische Jugend beschäftigen. Gut ausgebildete junge Europäer mit Initiative kommen jetzt bereits zu uns. Der Vorschlag jedoch, Anwerbung aus dem Ausland praktisch noch zu Lasten deutscher Jugendlicher zu fördern, kann wohl nicht Ernst gemeint sein. Anscheinend ist es dem Autor egal, wenn durch solche Maßnahmen die ohnehin auch in Deutschland rasant wachsende Europaskepsis massiv gefördert würde.

    • Medley
    • 04.04.2013 um 20:24 Uhr

    "Ohne € hätte es keinen schuldeninduzierten Nachfrageboom gegeben."

    Das ist objektiv!!! FALSCH! Ohne die STAATSINTERVENTIONISTISCHE NIEDRIGZINSPOLITIK der EZB hätte es keine schuldeninduzierten Nchfrageboom inclusive der daraus entstandenen Preisblasen in diversen Assetmärkten(incl. Immobilien) gegeben. Mit dem Euro hat das stattdessen nur sehr, sehr wenig zu tun.

    "...von dem auch die dt. Exportindustrie stark profitierte..."

    Jaja. Die deutsche Exportindustrie hat in gewisser Hinsicht vom Euro profitiert. Allerdings nicht sensationell, denn der Anteil unser Exporte, der in den Euro-Raum geht, der hat schon seit der Euroeinführung im Jahr 2001 nicht zu-, sondern (prozentual gesehen) tatsächlich kontinuierlich abgenommen. Der heimischen Volkswirtschaft und der Bevölkerung Deutschlands als großes Ganzes hat die Euro-Währung -zumindest bis 2008- stattdessen massiv geschadet, weil das vorhandene Spar-, bzw. Investitionskapital aus Deutschland und von ausserhalb Deutschlands noch dazu, in den boomenden Süden geflossen ist. Lesen sie daher bitte diesen SEHR erhellenden Artikel aus dem "Der Tagesspiegel".

    LINK: http://www.tagesspiegel.d...

    "...die Ursache ist das kapitalistische Wirtschaftssystem..."

    Natürlich.Was, außer dem üblichen Verdächtigen könnte auch sonst die Ursache sein. Und was empfehlen sie uns dann als Alternative zum Kapitalismus? Nur keine Hemmungen. Lassen sie uns/mich nicht unwissend sterben.

    • Lu-S
    • 04.04.2013 um 13:18 Uhr

    Da der Euro aus ideologischen Gründen keine (Mit-)Schuld an der gegenwärtigen Misere haben darf, wird wieder die Behauptung hervorgekramt, daß wir doch alle so toll vom Euro profitiert hätten. Fakten spielen da keine Rolle. In Wahrheit ist der Export in die Eurostaaten im Wachstum deutlich hinter den Export in den Nicht-Euro-Raum zurückgefallen, so daß z.B. unter den fünf größten deutschen Exportmärkten mittlerweile drei Nicht-Euro Staaten sind. Mit Ländern wie Frankreich und den Niederlanden haben wir auch früher schon massiven Handel getrieben und würden es nach dem Ende des Euro weiter tun.

    Die "am deutschen Wesen soll die Welt genesen" Haltung der Zeit wird langsam irritierend. Gestern sollten wir Mali retten, obwohl dieses Land praktisch keine Verbindungen zu uns hat, heute sollen wir die europäische Jugend beschäftigen. Gut ausgebildete junge Europäer mit Initiative kommen jetzt bereits zu uns. Der Vorschlag jedoch, Anwerbung aus dem Ausland praktisch noch zu Lasten deutscher Jugendlicher zu fördern, kann wohl nicht Ernst gemeint sein. Anscheinend ist es dem Autor egal, wenn durch solche Maßnahmen die ohnehin auch in Deutschland rasant wachsende Europaskepsis massiv gefördert würde.

    • Medley
    • 04.04.2013 um 20:24 Uhr

    "Ohne € hätte es keinen schuldeninduzierten Nachfrageboom gegeben."

    Das ist objektiv!!! FALSCH! Ohne die STAATSINTERVENTIONISTISCHE NIEDRIGZINSPOLITIK der EZB hätte es keine schuldeninduzierten Nchfrageboom inclusive der daraus entstandenen Preisblasen in diversen Assetmärkten(incl. Immobilien) gegeben. Mit dem Euro hat das stattdessen nur sehr, sehr wenig zu tun.

    "...von dem auch die dt. Exportindustrie stark profitierte..."

    Jaja. Die deutsche Exportindustrie hat in gewisser Hinsicht vom Euro profitiert. Allerdings nicht sensationell, denn der Anteil unser Exporte, der in den Euro-Raum geht, der hat schon seit der Euroeinführung im Jahr 2001 nicht zu-, sondern (prozentual gesehen) tatsächlich kontinuierlich abgenommen. Der heimischen Volkswirtschaft und der Bevölkerung Deutschlands als großes Ganzes hat die Euro-Währung -zumindest bis 2008- stattdessen massiv geschadet, weil das vorhandene Spar-, bzw. Investitionskapital aus Deutschland und von ausserhalb Deutschlands noch dazu, in den boomenden Süden geflossen ist. Lesen sie daher bitte diesen SEHR erhellenden Artikel aus dem "Der Tagesspiegel".

    LINK: http://www.tagesspiegel.d...

    "...die Ursache ist das kapitalistische Wirtschaftssystem..."

    Natürlich.Was, außer dem üblichen Verdächtigen könnte auch sonst die Ursache sein. Und was empfehlen sie uns dann als Alternative zum Kapitalismus? Nur keine Hemmungen. Lassen sie uns/mich nicht unwissend sterben.

  3. Haben Sie sich schonmal überlegt, wer von billiger Arbeit profitiert? Die jungen Leute sind es ganz sicher nicht.

    50% der Deutschen besitzen 1% des Vermögens. Weit mehr als die Hälfte leiden unter dem, was "die Wirtschaft antreibt".

    Lernen Sie bitte, selbst zu denken.

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    • Wombel
    • 04.04.2013 um 16:49 Uhr

    EU Nachbarländern welche Situation Sie besser finden.
    Das wir uns nicht falsch verstehen natürlich gehört es sich anständige Löhne zu zahlen, aber ohne Welthandel gibt es keine Einnahmen die verteilt werden können.
    Geld ist nur bedrucktes Papier ein Schuldschein für Waren und Dienstleistungen die geschuldet werden.
    Kein Land der Welt kauft unsere Waren aus sozialen Gründen.

    • Wombel
    • 04.04.2013 um 16:49 Uhr

    EU Nachbarländern welche Situation Sie besser finden.
    Das wir uns nicht falsch verstehen natürlich gehört es sich anständige Löhne zu zahlen, aber ohne Welthandel gibt es keine Einnahmen die verteilt werden können.
    Geld ist nur bedrucktes Papier ein Schuldschein für Waren und Dienstleistungen die geschuldet werden.
    Kein Land der Welt kauft unsere Waren aus sozialen Gründen.

  4. Die ständige Abwertungen von FF und ITL haben dafür gesorgt, dass in F und I jahrzehntelang keine Forschung und Produktentwicklung getrieben wurde, mit der Folge, dass viele Produkte aus diesen Ländern qualitativ nicht kompetitiv sind. Da die Arbeitskosten in F und I auf deutschem Niveau sind, können technisch unterlegene Produkte nicht billiger verkauft werden.
    Auch wenn F und I wieder abwerten könnten, wären sie immer noch viel teurer als China, Indien und Korea und würden schlechtere Qualität produzieren, die sich preislich auf halbem Wege zwischen D und China befinden würde. Heute kann man Ramsch nur zum echten Ramschpreis verkaufen.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "besser ohne Euro"
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    Nennen Sie Korea nicht in einem Atemzug mit China und Indien! Südkorea ist ein kleines High-Tech-Land, das gerade die Japaner das fürchten lehrt! Und wenn die Apple-Aktien sinken, dann liegt das an Samsung! Die Qualität französischer Autos hinkt schon lange hinter Hyundai und Co. hinterher! Also Ramsch kommt von dort nicht mehr! Auch apple lässt in China fertigen!
    So nun eine Gretchefrage an alle Kapitalismuskritiker hier im Forum: Wie hat es Süd-Korea geschafft innerhalb von 50 Jahren zu einer industriellen Mittelmacht zu werden. Was hat Frankreich in den letzten 50 Jahren gemacht um die Grande Nation zu einer petite Nation werden zu lassen?
    Ich habe in meinem Haushalt gernRamsch aus Korea und guten Wein und Käse aus Frankreich! ich fliege auch gern mit dem Airbus - echt deutsch/französische Qualitätsarbeit!

    Nennen Sie Korea nicht in einem Atemzug mit China und Indien! Südkorea ist ein kleines High-Tech-Land, das gerade die Japaner das fürchten lehrt! Und wenn die Apple-Aktien sinken, dann liegt das an Samsung! Die Qualität französischer Autos hinkt schon lange hinter Hyundai und Co. hinterher! Also Ramsch kommt von dort nicht mehr! Auch apple lässt in China fertigen!
    So nun eine Gretchefrage an alle Kapitalismuskritiker hier im Forum: Wie hat es Süd-Korea geschafft innerhalb von 50 Jahren zu einer industriellen Mittelmacht zu werden. Was hat Frankreich in den letzten 50 Jahren gemacht um die Grande Nation zu einer petite Nation werden zu lassen?
    Ich habe in meinem Haushalt gernRamsch aus Korea und guten Wein und Käse aus Frankreich! ich fliege auch gern mit dem Airbus - echt deutsch/französische Qualitätsarbeit!

  5. Ganz so radikal würde ich es nicht formulieren, aber ich finde, in der Sache haben Sie durchaus nicht Unrecht!
    Und jetzt die schlechte Nachricht: Diese Erkenntnis wird sich nie verbreiten.

    6 Leser-Empfehlungen
  6. Das es Defizite in der persoenlichen Betreuung gibt, ist sicher richtig. Banken/Sparkassen sperren Filialen zu, treiben Internetbanking voran, nicht genug Pflegekraefte, nicht genuegend Verkaeufer in vielen Geschaeften, wie von Ihnen beschrieben.
    Die angesprochenen Unternehmen bzw Einrichtungen sind auf Profitmaximierung ausgerichtet - ich nehme an, dass Sie das mit Einkommensreduzierung meinen. Die Deutsche Bahn hat erst vor kurzem einen Rekordgewinn vermeldet - grossteils durch Kostensenkungsmassnahmen - und bei ALLEN Unternehmen heisst das vor allem Arbeitsplatzabbau.Die humanen und finanziellen Kosten traegt dann aber auch der einkommensbeziehende Steuerzahler, nie die erwaehnten Unternehmen / Einrichtungen - Shareholder Value ueber alles, Menschen / Arbeitskraefte sind Kostenfaktoren, sonst nichts , ausser man sitzt im Vorstand mit fetten Vertraegen, wo man auch nach Rausschmiss fuerstlich entlohnt wird

    5 Leser-Empfehlungen
  7. Haben die anderen Staaten geschlafen,es ist doch sehr bezeichnend das nur Deutschland es geschafft hat die Jugendarbeitslosigkeit zu senken.

    Deutschland sollte sich weiter um die Beschäftigung der Jugendlichen in Deutschland kümmern.
    Es ist nicht akzeptabel ,das in diesem Bericht Deutschland aufgefordert wird Jugendliche aus anderen EU Staaten eine Ausbildung anzubietet.

    Es ist Pflicht der gescheiterten EU Länder dieses Problem mit Vorrang selber zu bekämpfen.

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