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Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa steigt dramatisch. Gerade Deutschland ist gefordert.

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Studenten und Uniabsolventen bei einer Jobmesse in Athen

Schon die bekannten Folgen der Jugendarbeitslosigkeit sind schlimm genug: der Verlust sozialer Fähigkeiten und Bindungen, die Depression, die Armut. Nicht minder fürchterlich könnten auch ihre unbekannten sein. Fast jeder vierte junge Europäer im erwerbsfähigen Alter ist inzwischen arbeitslos, ein Acht-Millionen-Heer junger Bürger ohne Arbeit ist entstanden. Es könnte sich in Richtungen bewegen, die zu nichts Gutem führen. In Italien hat die Jugendarbeitslosigkeit schon wesentlich zum Erfolg der Grillo-Bewegung beigetragen.

Heute ein Aushilfsjob im Supermarkt, morgen Nachtdienst im Büro. Oder ein Erste-Hilfe-Kurs, das Schulterzucken auf dem Arbeitsamt, schließlich stapelweise Versand von Bewerbungen. Nicht selten geht das viele Jahre so und zermürbt auch jene, denen Sicherheit nicht alles ist. Eigentlich ist die Jugend das Alter der Pläne, Projekte und Fantasien. Aber für Millionen junger Europäer verliert die Zukunft gerade ihre Gestalt, wird etwas Graues, Hoffnungsloses.

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Neu ist das nicht; neu ist das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit, die sich noch dazu auf einige Länder konzentriert. In ihnen ist der Arbeitsmarkt verbaut, liegt die Wirtschaft am Boden, machen sich Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften andere Sorgen. Milliarden werden verschleudert, weil die Jungen nicht arbeiten, aber versorgt werden müssen. Und die Besten und Mutigsten kehren ihrer Heimat den Rücken.

Debatte

Wie retten wir Europas verlorene Generation? Auf Facebook diskutieren Autoren der ZEIT ab Donnerstag, 14 Uhr, mit Lesern von ZEIT ONLINE.

Neu ist noch etwas: Die jungen, arbeitslosen Europäer wissen voneinander. Sie sind im Internet unterwegs, und dort können sie ihren Zorn artikulieren, sich verabreden. Zu was? Wenn sie sich zusammenfänden, um den Regierenden ihre Wut ins Gesicht zu schreien: Das könnte helfen, den gesellschaftlich Mächtigen die Dringlichkeit des Problems klarzumachen. Aber was, wenn die Enttäuschten, die Empörten nach rechts marschierten? Blieben die politischen Systeme in Europa auch dann noch krisenfest?

Vielleicht geschieht da gar nichts. Was allerdings kein Grund zur Beruhigung wäre. Für einen jungen Maghrebiner in den nördlichen Stadtteilen Marseilles lautet die Alternative heute so: »les barbus ou les voyous«, sprich Extremismus (»die Bärtigen«) oder Verbrechen (»die Schurken«). Und dass die Familien die jungen Leute auffangen, ist nicht in jeder europäischen Kultur selbstverständlich und vor allem nicht immer möglich.

Natürlich lebt die Mehrheit der jungen Arbeitslosen nicht in Ghettos, sie lebt mitten in der Gesellschaft – aber eben in einer Gesellschaft, die sie nicht zu brauchen scheint. Glaubt jemand, diese Erfahrung, millionenfach gemacht, werde ohne Weiteres weggesteckt?

Umso erschütternder ist es, dass für die Regierungen selbst jener Länder, die wir auf diesen Seiten beschreiben, die Arbeitslosigkeit ihrer jungen Bürger nur ein Thema unter vielen ist. Eines, das sich zur Inszenierung eines Ministerbesuchs in einer Firma eignet, in der dann ein paar junge Gesichter mit aufs Foto dürfen. Ansonsten werden die jungen Leute auf Staatskosten irgendwo geparkt, im Vereinsleben, in Jugendzentren, in Kursen für dieses und jenes.

Leser-Kommentare
  1. Wie wäre es mal mit der Erkenntnis, dass Vollbeschäftigung weder möglich noch notwendig ist? Vor 100 Jahren arbeiteten 40% der Bevölkerung in der Landwirtschaft - heute noch 1,5%. In der Industrie sieht es ähnlich aus. Dafür wurden überbordend Jobs im Dienstleistungssektor geschaffen: Werbefuzzies, Steuerberater, Rechtsverdreher, Unternehmens-, Prozess- und Lifestyleberater, Behörden aller Coleur. Ich behaupte, dass 50% aller Jobs ersatzlos wegfallen könnten, ohne dass es irgendjemanden stören würde. Zum Abschluss: Menschen brauchen keine Arbeit, sondern lediglich ein Einkommen zum Auskommen.

    65 Leser-Empfehlungen
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    Wenn jemand keine Arbeit hat, der hat auch keinen Platz in der heutigen Gesellschaft, kann mit seinem "Einkommen" kaum etwas anfangen, wird Opfer von Depressionen, Alkoholismus, Vereinsamung, Suizidgedanken...
    Und Arbeit ist eben nicht nur die mit der Hand, intellektuelle, geistige Arbeit und Dienstleistung braucht auch jeder von uns. Oder kommen Sie ohne Bücher, Zeitungen, TV, Kino, Theater... aus?
    Es gibt keinen Mangel an Arbeit, nur wenig Bereitschaft, auf eigenes Einkommen zu verzichten, um Arbeit zu entlohnen. Leere Bahnhöfe, geschlossene Postämter, kaum Beratung im Kaufhaus, Call Centers, keine Techniker, die die Bahn bei Schnee schnell instand setzen, haarsträubende Zustände bei Gesundheit und Pflege... das sind alles Beispiele dafür, dass es jede Menge Arbeit gibt.

    ... http://www.wildcat-www.de... , der schon im 19. Jahrhundert erkannte, was für ein vollkommener Irrsinn, dass v.a. von den Sozialdemokraten geforderte "Recht auf Arbeit" ist.
    Im Endeffekt nichts mehr, als ein "Recht", von der ökonomisch herrschenden Klasse ausgebeutet zu werden, mit egal was für einer sinnfreien, destruktiven Tätigkeit (und wenn die eine Hälfte der Armen dafür bezahlt wird, die andere Hälfte totzuschlagen) und von dessen Lohn seine (nicht selten nackte) Existenz bestreiten zu können.

    Ganz so radikal würde ich es nicht formulieren, aber ich finde, in der Sache haben Sie durchaus nicht Unrecht!
    Und jetzt die schlechte Nachricht: Diese Erkenntnis wird sich nie verbreiten.

    Lesen Sie doch mal bitte das Buch "Das Ende der Massenarbeitslosigkeit" von Heiner Flassbeck, bevor Sie hier so einen undifferenzierten Stuss von sich geben. Ihre Aussage scheitert bereits logisch, da der Anstellungsverlust garantiert irgendjemanden unter den entlassenen 50% der Arbeitnehmer stören würde (die Wahrscheinlichkeit hierfür strebt gegen 1). Es zeugt von flagrantem historischen Mangelwissen zu glauben, dass die gegenwärtige Situation nicht maßgeblich das Ergebnis von Reaktionen auf vergangene Missstände wäre; würde man bspw. den Großteil der Berater und Berater entlassen, würden genau jene Arbeitsstellen vermutlich wenige Jahre später neu geschaffen.

    in der Absolutheit. Vollbeschäftigung, in der alle nur 2 Stunden erwerbstätig sind, wäre wohl möglich, aber nicht durchsetzbar - derzeit.

    • akrio
    • 04.04.2013 um 13:43 Uhr

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Auch ich denke, dass es Arbeit nicht für alle gibt. Jedenfalls nicht, in dem Maße, wie sich das einige Politiker und Wirtschaftswissenschaftler denken. Ein Eingeständnis in diese Tatsache würde helfen, neue Wege zu beschreiten. Die protestantische Arbeitsethik hat ausgesorgt.

    wie viele Menschen verdienen heute Geld ohne zu arbeiten? Arbeiten im Sinne von etwas leisten. An vorderster Front will ich hier die Dienstleister von Banken und Versicherungen nennen. Was wird hier denn für wen geleistet?
    Des weiteren gibt es immer mehr Produkte die zwar "Arbeit" generieren, die aber kein Mensch dieser Erde wirklich braucht. Unsere Erde ist doch bereits von Plastikmüll der Firmen "kik, trik und track"verschandelt. Oder wozu braucht es jedes Jahr ein neues smartphone bzw. eine neue Modellreihe von Auto´s, Fernseher, etc. Ja, ja werden sie sagen - aber die Wirtschaft muss doch wachsen! Nein, der Mensch muss wachsen und sich auf das besinnen was er kann bzw. was seine Pflicht ist: Arbeiten um sinnerfüllt zu Leben und nicht leben um für etwas sinnloses zu Arbeiten!

    Echte Arbeit ist für Sie auch nur die mit der Hand, oder?

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Wir ziehen alle ins Schlaraffenland.

    ein Unglück. Wenn ihr arbeitet, erfüllt ihr euren Teil am höchsten Traum der Erde, der euch anvertraut wurde, als dieser Traum entstand, und wenn ihr euch den Mühen stellt, liebt ihr das Leben wahrhaftig.

    Denn das Leben durch die Arbeit lieben heisst, mit dem tiefsten Geheimnis des Lebens vertraut zu werden. - Khalil Gibran

    Ich bin selber von Arbeitslosigkeit betroffen und wünsche dies nicht mal meinem ärgsten Feind. Meine Gedanken sind bei allen Erwerbs- u. Arbeitslosen. Dieser Zustand kann einen Menschen regelrecht brechen.

    Wenn jemand keine Arbeit hat, der hat auch keinen Platz in der heutigen Gesellschaft, kann mit seinem "Einkommen" kaum etwas anfangen, wird Opfer von Depressionen, Alkoholismus, Vereinsamung, Suizidgedanken...
    Und Arbeit ist eben nicht nur die mit der Hand, intellektuelle, geistige Arbeit und Dienstleistung braucht auch jeder von uns. Oder kommen Sie ohne Bücher, Zeitungen, TV, Kino, Theater... aus?
    Es gibt keinen Mangel an Arbeit, nur wenig Bereitschaft, auf eigenes Einkommen zu verzichten, um Arbeit zu entlohnen. Leere Bahnhöfe, geschlossene Postämter, kaum Beratung im Kaufhaus, Call Centers, keine Techniker, die die Bahn bei Schnee schnell instand setzen, haarsträubende Zustände bei Gesundheit und Pflege... das sind alles Beispiele dafür, dass es jede Menge Arbeit gibt.

    ... http://www.wildcat-www.de... , der schon im 19. Jahrhundert erkannte, was für ein vollkommener Irrsinn, dass v.a. von den Sozialdemokraten geforderte "Recht auf Arbeit" ist.
    Im Endeffekt nichts mehr, als ein "Recht", von der ökonomisch herrschenden Klasse ausgebeutet zu werden, mit egal was für einer sinnfreien, destruktiven Tätigkeit (und wenn die eine Hälfte der Armen dafür bezahlt wird, die andere Hälfte totzuschlagen) und von dessen Lohn seine (nicht selten nackte) Existenz bestreiten zu können.

    Ganz so radikal würde ich es nicht formulieren, aber ich finde, in der Sache haben Sie durchaus nicht Unrecht!
    Und jetzt die schlechte Nachricht: Diese Erkenntnis wird sich nie verbreiten.

    Lesen Sie doch mal bitte das Buch "Das Ende der Massenarbeitslosigkeit" von Heiner Flassbeck, bevor Sie hier so einen undifferenzierten Stuss von sich geben. Ihre Aussage scheitert bereits logisch, da der Anstellungsverlust garantiert irgendjemanden unter den entlassenen 50% der Arbeitnehmer stören würde (die Wahrscheinlichkeit hierfür strebt gegen 1). Es zeugt von flagrantem historischen Mangelwissen zu glauben, dass die gegenwärtige Situation nicht maßgeblich das Ergebnis von Reaktionen auf vergangene Missstände wäre; würde man bspw. den Großteil der Berater und Berater entlassen, würden genau jene Arbeitsstellen vermutlich wenige Jahre später neu geschaffen.

    in der Absolutheit. Vollbeschäftigung, in der alle nur 2 Stunden erwerbstätig sind, wäre wohl möglich, aber nicht durchsetzbar - derzeit.

    • akrio
    • 04.04.2013 um 13:43 Uhr

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Auch ich denke, dass es Arbeit nicht für alle gibt. Jedenfalls nicht, in dem Maße, wie sich das einige Politiker und Wirtschaftswissenschaftler denken. Ein Eingeständnis in diese Tatsache würde helfen, neue Wege zu beschreiten. Die protestantische Arbeitsethik hat ausgesorgt.

    wie viele Menschen verdienen heute Geld ohne zu arbeiten? Arbeiten im Sinne von etwas leisten. An vorderster Front will ich hier die Dienstleister von Banken und Versicherungen nennen. Was wird hier denn für wen geleistet?
    Des weiteren gibt es immer mehr Produkte die zwar "Arbeit" generieren, die aber kein Mensch dieser Erde wirklich braucht. Unsere Erde ist doch bereits von Plastikmüll der Firmen "kik, trik und track"verschandelt. Oder wozu braucht es jedes Jahr ein neues smartphone bzw. eine neue Modellreihe von Auto´s, Fernseher, etc. Ja, ja werden sie sagen - aber die Wirtschaft muss doch wachsen! Nein, der Mensch muss wachsen und sich auf das besinnen was er kann bzw. was seine Pflicht ist: Arbeiten um sinnerfüllt zu Leben und nicht leben um für etwas sinnloses zu Arbeiten!

    Echte Arbeit ist für Sie auch nur die mit der Hand, oder?

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Wir ziehen alle ins Schlaraffenland.

    ein Unglück. Wenn ihr arbeitet, erfüllt ihr euren Teil am höchsten Traum der Erde, der euch anvertraut wurde, als dieser Traum entstand, und wenn ihr euch den Mühen stellt, liebt ihr das Leben wahrhaftig.

    Denn das Leben durch die Arbeit lieben heisst, mit dem tiefsten Geheimnis des Lebens vertraut zu werden. - Khalil Gibran

    Ich bin selber von Arbeitslosigkeit betroffen und wünsche dies nicht mal meinem ärgsten Feind. Meine Gedanken sind bei allen Erwerbs- u. Arbeitslosen. Dieser Zustand kann einen Menschen regelrecht brechen.

  2. dankbar, wenn von ZEIT-Seite ebenfalls darüber berichtet würde, wie man mit den jungen Leuten, die bereits hier leben, umgeht, nachdem sie bspw. ihr Studium, oder ihre Ausbildung abgeschlossen haben.

    Die hangeln sich nämlich von einem Praktikum zum nächsten, oder aber, sie sollen sich als Zeitarbeitnehmer befleißigen.

    Viele finden jedenfalls keinen adäquaten Arbeitsplatz, auch wenn immer wieder die Mär des Fachkräftemangels beschrieben wird.

    Es geht bei den beschriebenen Situationen auch nicht um Absolventen eines Orchideenfachs, sondern bspw. um MINT-Absolventen. Sobald die vernünftige Arbeitsplätze haben - keine Jobs - sind sämtliche junge, gut ausgebildetete Europäer/innen ein Segen.

    53 Leser-Empfehlungen
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    aus persönlicher erfahrung und auch aus den geschichten von guten freunden. alle haben sie studiert und trotzdem haben die wenigsten sofort >den< job zu >vernünftigen< konditionen bekommen.

    Die Freizügigkeit innerhalb des Binnenmarktes ist eine der Grundfreiheiten, die EU-Bürger haben.

    Jeder EU-Bürger kann innerhalb der EU arbeiten und leben, wo er will.

    Das ist genauso selbstverständlich wie zum Beispiel ein Flensburger, der in Stuttgart eine Arbeit annimmt, der ist ja auch kein "Zuwanderer" oder gar Migrant dort.

    Wenn im Emsland ein Unternehmer seine Stellen nicht mehr besetzt kriegt, warum soll ein qualifizierter Spanier nicht dorthin ziehen und der drückenden Arbeitslosigkeit in Spanien entgehen?

    http://www.zeit.de/2012/3...

    Wenn in München der KiTa-Ausbau stockt, weil Erzieherinnen fehlen, warum sollen dann qualifizierte Erzieherinnen in Athen arbeitslos bleiben?

    http://www.sueddeutsche.d...

    Ich finde, das ist Europa wie es sein soll.

    mit der demographischen Pyramide? Wir brauchen diesem Theorem zufolge dringend Einwanderer und müssen arbeiten bis 67.

    Irgendwas muß ich da mißverstanden haben.

    Also ich bin ein MINT-Absolvent, habe weder gute Noten noch bin ich irgendwie besonders engagiert. Zwar habe ich neben dem Studium immer als Werksstudent in verschiedenen Instituten und Forschungsabteilungen von Firmen auf 10h pro Woche Basis gearbeitet, aber sonst ist mein Lebenslauf wirklich LANGWEILIG!

    Und? Ich habe genau eine Bewerbung geschrieben (natürlich auf eine passende Stelle, d.h. zeilgerichtet und ca. 1/2 Jahr vor Ende meins Studiums) und habe genau diesen Job bekommen (der gut bezahlt und unbefristet ist).

    Meine meisten Mitkommolitonen haben entweder ne Doktorantenstelle angetreten oder haben gerade GAR KEINE Lust zu arbeiten und machen erstmal Urlaub nach dem miesen Uni-Stress (m.E. nicht die schlechteste Entscheidung). Aber auch bei denen (i.Ü. haben die alle viel bessere Noten als ich und auch Berufserfahrung in Form vom Werksstudentendasein) habe ich Null bedenken, dass die sofort einen guten Job bekommen werden.

    Zusatz: Die Story spielt sich nicht im Industrieverwöhnten Bayern, BW oder Hessen ab, sondern im verarmten, industrielosen Berlin bzw. in der strukturschwachen Region Göttingen.

    • plutoo
    • 04.04.2013 um 14:10 Uhr

    Die Realität sieht für die MINT Fächer in meinen Augen komplett anders aus, vielleicht mit Ausnahme vom Fach Biologie. Ich kenne genügend Leute die deutlich über Regelstudienzeit studiert haben und eher schwache Noten hatten, die dann unbefristet mit 45k+ p.A. eingestiegen sind - ein wenig Mobilität vorausgesetzt.

    die Unternehmen wollen die Jobs gar nicht mit älteren Arbeitnehmern besetzen, weils die Spanier oder Griechen auch für die Hälfte tun würden. Das ist das Problem.

    aus persönlicher erfahrung und auch aus den geschichten von guten freunden. alle haben sie studiert und trotzdem haben die wenigsten sofort >den< job zu >vernünftigen< konditionen bekommen.

    Die Freizügigkeit innerhalb des Binnenmarktes ist eine der Grundfreiheiten, die EU-Bürger haben.

    Jeder EU-Bürger kann innerhalb der EU arbeiten und leben, wo er will.

    Das ist genauso selbstverständlich wie zum Beispiel ein Flensburger, der in Stuttgart eine Arbeit annimmt, der ist ja auch kein "Zuwanderer" oder gar Migrant dort.

    Wenn im Emsland ein Unternehmer seine Stellen nicht mehr besetzt kriegt, warum soll ein qualifizierter Spanier nicht dorthin ziehen und der drückenden Arbeitslosigkeit in Spanien entgehen?

    http://www.zeit.de/2012/3...

    Wenn in München der KiTa-Ausbau stockt, weil Erzieherinnen fehlen, warum sollen dann qualifizierte Erzieherinnen in Athen arbeitslos bleiben?

    http://www.sueddeutsche.d...

    Ich finde, das ist Europa wie es sein soll.

    mit der demographischen Pyramide? Wir brauchen diesem Theorem zufolge dringend Einwanderer und müssen arbeiten bis 67.

    Irgendwas muß ich da mißverstanden haben.

    Also ich bin ein MINT-Absolvent, habe weder gute Noten noch bin ich irgendwie besonders engagiert. Zwar habe ich neben dem Studium immer als Werksstudent in verschiedenen Instituten und Forschungsabteilungen von Firmen auf 10h pro Woche Basis gearbeitet, aber sonst ist mein Lebenslauf wirklich LANGWEILIG!

    Und? Ich habe genau eine Bewerbung geschrieben (natürlich auf eine passende Stelle, d.h. zeilgerichtet und ca. 1/2 Jahr vor Ende meins Studiums) und habe genau diesen Job bekommen (der gut bezahlt und unbefristet ist).

    Meine meisten Mitkommolitonen haben entweder ne Doktorantenstelle angetreten oder haben gerade GAR KEINE Lust zu arbeiten und machen erstmal Urlaub nach dem miesen Uni-Stress (m.E. nicht die schlechteste Entscheidung). Aber auch bei denen (i.Ü. haben die alle viel bessere Noten als ich und auch Berufserfahrung in Form vom Werksstudentendasein) habe ich Null bedenken, dass die sofort einen guten Job bekommen werden.

    Zusatz: Die Story spielt sich nicht im Industrieverwöhnten Bayern, BW oder Hessen ab, sondern im verarmten, industrielosen Berlin bzw. in der strukturschwachen Region Göttingen.

    • plutoo
    • 04.04.2013 um 14:10 Uhr

    Die Realität sieht für die MINT Fächer in meinen Augen komplett anders aus, vielleicht mit Ausnahme vom Fach Biologie. Ich kenne genügend Leute die deutlich über Regelstudienzeit studiert haben und eher schwache Noten hatten, die dann unbefristet mit 45k+ p.A. eingestiegen sind - ein wenig Mobilität vorausgesetzt.

    die Unternehmen wollen die Jobs gar nicht mit älteren Arbeitnehmern besetzen, weils die Spanier oder Griechen auch für die Hälfte tun würden. Das ist das Problem.

  3. 3. Europa

    "Etwa indem sie ausdrücklich eingeladen werden, bei uns dauerhafte Arbeitsverträge abzuschließen"

    "dauerhaft" im Sinne von "unbefristet"? Davon träumt sogar jeder deutsche Berufsanfänger.

    Entwicklungshilfe für ganz Europa – klingt nach einem wirklich ausgeklügelten Plan!

    40 Leser-Empfehlungen
  4. 4. Genug

    Gibt es auf diesem Planeten eigentlich noch irgend ein Problem, für dessen Lösung Deutschland nicht in irgend einer Art und Weise verantwortlich ist? Ist es nicht so, dass dieses Land nicht bereits hoffnungslos damit überfordert ist, seine eigenen Probleme zu lösen? Muss man sich in dieser Situation unbedingt auch noch die unlösbaren Probleme anderer Staaten zu eigen machen?

    Und was ist so falsch daran, dass diejenigen, die die Probleme in der üblich souveränen Art verursacht haben, Sie in der selben Weise lösen - oder zumindest solange ignorieren bis sie ihnen um die Ohren fliegen?

    Oder besteht Europa jetzt wirklich nur mehr aus einem Haufen minderbemittelter Fürsorgeempfänger die als Mitglieder der geheiligten grosseuropäischen Wohlstandszone einen gottgegebenen Anspruch darauf haben, die Lösung für sämtliche selbstverschuldeten Probleme auf einem Silbertablett präsentiert zu bekommen? Soll Europa seine Sprensätze entschärfen oder damit in die Luft fliegen. Aber es reicht endgültig mit dieser Anspruchshaltung ebenso wie dem deutschen Reflex sich für jedes Problem und jeden Unsinn dieser Welt zuständig zu fühlen.

    27 Leser-Empfehlungen
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    .... also wie sich die USA in ihrer Führungsrolle fühlen. Sie werden für Alles verantwortlich gemacht. Da wir ja jetzt der leise Hegemon auf diesem Kontinenten sind, geht es uns genauso. Der Preis der Führung.

    Deutschland hat schließlich mit dem vollkommen falschen Niedriglohnsektor angefangen. Jetzt bleiben eigentlich nur wenige Möglichkeiten.

    - Die anderen Staaten unterbieten uns in dem Lohngefüge
    - Wir bezahlen dafür, das wir so viel Überschuss produzieren
    - Wir beenden das Dilemma Niedriglohnsektor

    Suchen sie sich etwas heraus.

    • spr33m
    • 04.04.2013 um 15:17 Uhr

    "[...] diejenigen, die die Probleme in der üblich souveränen Art verursacht haben [...]"

    Den Verursacher der Probleme haben Sie aber schnell ausfindig gemacht. Ganz nach dem Motte: Ich wars nicht, also müssen sie es selber gewesen sein!

    Aber erklären Sie mir bitte mal, inwiefern die jungen Menschen der betroffenen Länder schuld daran sind? Die haben diese Politik weder gemacht noch gewählt. Natürlich könnt man verlangen, dass sie für die "Fehler" ihrer Eltern/Vorfahren gerade stehen, aber mit dieser Forderung wäre ich aus deutscher Sicht eher vorsichtig. Die Schuld die mir von meinen Vorfahren aufgebürgt wurde könnte ich nämlich mit keinem Geld der Welt begleichen.

    .... also wie sich die USA in ihrer Führungsrolle fühlen. Sie werden für Alles verantwortlich gemacht. Da wir ja jetzt der leise Hegemon auf diesem Kontinenten sind, geht es uns genauso. Der Preis der Führung.

    Deutschland hat schließlich mit dem vollkommen falschen Niedriglohnsektor angefangen. Jetzt bleiben eigentlich nur wenige Möglichkeiten.

    - Die anderen Staaten unterbieten uns in dem Lohngefüge
    - Wir bezahlen dafür, das wir so viel Überschuss produzieren
    - Wir beenden das Dilemma Niedriglohnsektor

    Suchen sie sich etwas heraus.

    • spr33m
    • 04.04.2013 um 15:17 Uhr

    "[...] diejenigen, die die Probleme in der üblich souveränen Art verursacht haben [...]"

    Den Verursacher der Probleme haben Sie aber schnell ausfindig gemacht. Ganz nach dem Motte: Ich wars nicht, also müssen sie es selber gewesen sein!

    Aber erklären Sie mir bitte mal, inwiefern die jungen Menschen der betroffenen Länder schuld daran sind? Die haben diese Politik weder gemacht noch gewählt. Natürlich könnt man verlangen, dass sie für die "Fehler" ihrer Eltern/Vorfahren gerade stehen, aber mit dieser Forderung wäre ich aus deutscher Sicht eher vorsichtig. Die Schuld die mir von meinen Vorfahren aufgebürgt wurde könnte ich nämlich mit keinem Geld der Welt begleichen.

  5. Diesen Ländern ist mit nichten geholfen, wenn man die qualifizierten jungen Arbeitskräft nach Deutschland und anderen Ländern lockt.
    Die qualifizierten und minder qualifizierten jungen Leute müssen über ein Systemwechsel denken in ihrem eigenen Land nachdenken. Sie müssen realisieren, dass es ihre eigene Regierung, ihre eigenen Korrupten Leute waren und sind, die ihr Land ruiniert haben. Verlässt er/sie das Land lässt er auch damit die Probleme links liegen, und kümmert sich nicht um die anderen, denn er/sie hat jetzt eine Arbeit

    Weiterhin setzt man die jungen Leute hier massiv unter Druck. Wenn man ungehindert (provokant formuliert) Menschen anwirbt, so wird die eigene Bevölkerung hier ohne Arbeit stehen. Es wird sich rechtes Gedankengut viel einfacher verbreiten, nach dem Prinzip:"Der Spanier, Portugiese etc nimmt mir meine Arbeit weg"

    Wann wird die Politik realisieren, dass Europa, aufgrund der riesen Unterschiede bzgl Wirtschaft eine naive Idee ist

    23 Leser-Empfehlungen
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    ....es gibt in Italien, Spanien, Griechenland, Portugal usw. keine qualifizierten jungen Arbeitskräfte, jedenfalls nicht nach unseren Masstäben ! Abgesehen von Akademikern sind das fast überwiegend angelernte Kräfte, ohne fachliche Ausbildung und was noch schlimmer ist, ohne Fremdsprachenkenntnisse ! Während in Deutschland Kinder im Vorschulalter mit Englisch, Französisch oder gar Chinesisch traktiert werden, hat dies in den südlichen Ländern keine Tradition.Auch wenn unsere Arbeitgeber noch so auf das vermeindliche günstige Humankapital des Südens linsen, der mögliche Schaden, der durch Missverständnisse oder blankes Nichtverstehen auf dem Arbeitsplatz geschehen kann, wiegt das Ökonomische nicht auf !
    Knick it !

    ....es gibt in Italien, Spanien, Griechenland, Portugal usw. keine qualifizierten jungen Arbeitskräfte, jedenfalls nicht nach unseren Masstäben ! Abgesehen von Akademikern sind das fast überwiegend angelernte Kräfte, ohne fachliche Ausbildung und was noch schlimmer ist, ohne Fremdsprachenkenntnisse ! Während in Deutschland Kinder im Vorschulalter mit Englisch, Französisch oder gar Chinesisch traktiert werden, hat dies in den südlichen Ländern keine Tradition.Auch wenn unsere Arbeitgeber noch so auf das vermeindliche günstige Humankapital des Südens linsen, der mögliche Schaden, der durch Missverständnisse oder blankes Nichtverstehen auf dem Arbeitsplatz geschehen kann, wiegt das Ökonomische nicht auf !
    Knick it !

    • ZH1006
    • 04.04.2013 um 12:36 Uhr

    und zwar, w e i l die Jungen mit Billiglöhnen abgespeist und mit Zeitverträgen erpresst werden,

    während die wohl- bis überversorgte Rentnergesellschaft Politik für sich selbst macht, aus dem Ohrensessel heraus gute Ratschläge erteilt und für Löhne, wie sie in China und Indien gezahlt werden, weder früher noch jetzt einen Finger krumm gemacht hätte - geschweige denn für Löhne, die noch darunter liegen.

    Weder Rentengarantien noch solch zynische Wortmeldungen (von dem fremdenfeindlichen Unterton wollen wir lieber gar nicht sprechen) werden dazu beitragen, dass Junge wieder bereit sind, Kinder in diese kaltherzige Egoistengeselllschaft zu setzen.

    19 Leser-Empfehlungen
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    ....werden nur mit Billiglöhnen abgespeist, wenn sie nichts können oder irgendwas mit Politik oder Medien studiert haben! Aus Ihnen spricht Frust! Wenn Sie etwas können, dann gehen Sie nach Australien, Kanada oder Norwegen! Performer sind dort gesucht! dann brauchen Sie hier auch nicht über die überversorgten Renter schimpfen! Take it oder leave it!!!

    ....werden nur mit Billiglöhnen abgespeist, wenn sie nichts können oder irgendwas mit Politik oder Medien studiert haben! Aus Ihnen spricht Frust! Wenn Sie etwas können, dann gehen Sie nach Australien, Kanada oder Norwegen! Performer sind dort gesucht! dann brauchen Sie hier auch nicht über die überversorgten Renter schimpfen! Take it oder leave it!!!

  6. Es ist utopisch, davon auszugehen, als könne der deutsche Arbeitsmarkt so wachsen, dass von ihm ein Beitrag zur Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit anderenorts ausginge.

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    • Erkos
    • 04.04.2013 um 12:36 Uhr

    Ich pflichte vollständig bei.
    Außerdem wird noch immer ein Schiene geritten, die allen Wohlstand auf irgendeinem ominösen "Wachstum" aufbaut. Dabei ist längst klar, dass wir schon längst zuviel an Wachstum hatten und haben. Was bitteschön sollte denn D nun in noch größerem Umfang produzieren, wenn potentielle Abnehmerländer diese Waren nur dann kaufen könnten, wenn sie vorher Geld von außerhalb bekommen würden. So hatte das ja lange in Griechenland funktioniert: Deutsche Rüstungsfirmen exportierten ihre Waren nach Griechenland, das mit Geld aus D bezahlt hat. Wenn es nicht so bitterböse wäre, man könnte sich schlapp lachen über diese Manöver.
    Was wir brauchen, ist eine Idee, wie wir bei schrumpfender Ressourcenverwertung unsere Gesellschaft(en) vernünftig und solidarisch organisieren! Wo sind die Ökonomen und Gesellschaftswissenschaftler, die eingefahrene Gleise verlassen können!? Es wäre interessant, ob überhaupt jemand in diese Richtung denkt.

    • Erkos
    • 04.04.2013 um 12:36 Uhr

    Ich pflichte vollständig bei.
    Außerdem wird noch immer ein Schiene geritten, die allen Wohlstand auf irgendeinem ominösen "Wachstum" aufbaut. Dabei ist längst klar, dass wir schon längst zuviel an Wachstum hatten und haben. Was bitteschön sollte denn D nun in noch größerem Umfang produzieren, wenn potentielle Abnehmerländer diese Waren nur dann kaufen könnten, wenn sie vorher Geld von außerhalb bekommen würden. So hatte das ja lange in Griechenland funktioniert: Deutsche Rüstungsfirmen exportierten ihre Waren nach Griechenland, das mit Geld aus D bezahlt hat. Wenn es nicht so bitterböse wäre, man könnte sich schlapp lachen über diese Manöver.
    Was wir brauchen, ist eine Idee, wie wir bei schrumpfender Ressourcenverwertung unsere Gesellschaft(en) vernünftig und solidarisch organisieren! Wo sind die Ökonomen und Gesellschaftswissenschaftler, die eingefahrene Gleise verlassen können!? Es wäre interessant, ob überhaupt jemand in diese Richtung denkt.

  7. uns fühlen und deshalb vorausschauend schonmal die Probleme von ganz Europa lösen, Herr von Randow? Solidarität ist eine Sache, das Schüren nationaler Ressentiments eine andere. ("da entsteht eine Generation, die glaubt, dass die Deutschen mit schuld seien an ihrer aussichtslosen Lage..."). Nein, "die Deutschen" sind nicht Schuld an allen Problemen, schon gar nicht die aktuelle Generation, und das sollte KLAR formuliert werden.

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