Arbeitslosigkeit: So kommt die Jugend aus der Falle
Ein Rundblick durch die Problemländer zeigt: Es gibt interessante Lösungsansätze, doch meist fehlen der politische Wille und das Geld.
© Fabian Strate/dpa

Demonstration der Indignados vor dem spanischen Kongress in Madrid gegen das Sparprogramm der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy.
Spanien: Baustopp
Mikel Revuelta Ortiz ist 21 Jahre alt, und eigentlich sollte sein Leben gerade richtig losgehen. Doch während ältere Spanier mit der Krise ihren Job oder ihre Ersparnisse verloren haben, glaubt Mikel wie viele andere in seinem Alter, dass man ihm seine gesamte Zukunft geraubt hat. »Wir waren die am besten ausgebildete Generation, die es jemals in Spanien gegeben hat«, sagt er. »Aber jetzt haben wir keine Wohnung, keine Arbeit und keine Chancen.«
Mikel ist Sprecher von »Jugend ohne Zukunft«, einer Organisation, die jungen Spaniern eine Stimme geben will. Nach Griechenland ist Spanien das Land mit der zweithöchsten Jugendarbeitslosigkeit in der EU, jeder zweite Iberer unter 25 hat keinen Job. »Seit 2008 sind in Spanien 3,7 Millionen Stellen verloren gegangen«, schätzt die Wirtschaftsprofessorin Sara de la Rica. »In 75 Prozent der Fälle waren dabei junge Menschen unter 30 betroffen.«
De la Rica nennt zwei Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit: einmal den ungezügelten Bauboom, der das Land Ende der 1990er erfasste und der am Bau gute Löhne selbst für ungelernte Arbeiter brachte. »Viele Jugendliche brachen daraufhin die Schule ab, um auf dem Bau zu arbeiten«, sagt die Ökonomin. Dazu kam ein grundlegenderes Problem: Schon vor der Krise wurden 30 Prozent der Stellen in Spanien auf Zeit besetzt, meist für drei bis sechs Monate – und fast immer gingen sie an Menschen unter 30. Selbst gut ausgebildete Jugendliche hangelten sich von Job zu Job, in der Hoffnung, am Ende doch noch eine feste Stelle zu ergattern, meist jedoch vergeblich.
Als 2008 die Immobilienblase platzte, standen zunächst Zehntausende ungelernte Spanier ohne Arbeit da. Und als die Rezession überall wütete, waren es die Jungen mit Zeitverträgen, die trotz guter Ausbildung ihre Jobs verloren.
Erst Anfang 2013 reagierte die Regierung: Mit finanziellen Anreizen sollen nun junge Arbeitslose ermutigt werden, sich selbstständig zu machen. Gleichzeitig will der Staat Unternehmen finanziell belohnen, wenn sie Jugendliche einstellen.
Die Erfolgschancen dieser Programme sind nach de la Ricas Meinung gering – schon gar für das Heer der Ungelernten. Aber auch den gut gebildeten jungen arbeitslosen Spaniern werden sie nicht viel nützen. Besser wäre es nach Ansicht des Ökonomen Juan José Dolado, Zeitverträge abzuschaffen. »Dadurch würden Arbeitsverträge länger halten.« Vorerst bleibe den Jungen ohne Job aber nur eine Möglichkeit: »auswandern«. Schließlich gebe es genug Länder, die gut ausgebildete Jugendliche brauchten.
»Jugend ohne Zukunft« schätzt, dass jede Woche einige Tausend junge Spanier genau das tun. Nur erwartet sie in der Ferne oft kein besseres Leben. »Alle jungen Auswanderer erzählen fast das Gleiche«, sagt Mikel Revuelta Ortiz: »dass sie in Spanien trotz guter Ausbildung keinen Job gefunden haben und jetzt im Ausland in einem Hamburgerladen arbeiten«. Im Internet kann man die Geschichten unter dem Stichwort »no nos vamos, nos echan« nachlesen. Auf Deutsch: »Wir gehen nicht, wir werden rausgeschmissen.« Christoph Gurk
Unfaires Frankreich
Fast jeder vierte Franzose unter 25 Jahren ist arbeitslos. Die Durchschnittszahl verdeckt ein noch größeres Problem: In den Ghettos der Vorstädte hat jeder zweite junge Mann keinen Job, für junge Frauen sieht es kaum besser aus. Zu erklären ist dieser Zustand nicht bloß mit der allgemeinen Schwäche der französischen Wirtschaft, es kommen besondere Ursachen hinzu.
Etwa die, dass die Berufsberatung eine Katastrophe ist. Die zuständigen Beamten in Frankreichs Schulen haben kaum Kontakt zu Firmen. Sie favorisieren Angestelltenberufe und wissen oft nicht, dass es im Handwerk oder bei Dienstleistern offene Stellen gibt. Es kommt die Diskriminierung der Schüler arabischer und afrikanischer Herkunft hinzu: Ihnen trauen viele Berater von vornherein keine interessante Karriere zu, also werden sie links liegen gelassen.
Der französische Steuerzahler finanziert an die 80 verschiedene Institutionen, die allesamt den Übergang junger Leute ins Berufsleben fördern sollen. Ärger noch der Zustand der Berufsbildung: Die Gewerkschaften kassieren jährlich 32 Milliarden Euro Subventionen, die sie auf 55.000 Bildungsinstitutionen verteilen. Die wiederum kümmern sich hauptsächlich um jene, die bereits einen Job haben. Frankreichs Präsident François Hollande hat versprochen, mit diesen Missständen aufzuräumen; das wird nur gehen, wenn die Gewerkschaften mit den Milliarden nicht mehr unkontrolliert treiben können, was sie wollen.
In einem Punkt hat die Regierung die Berufsbildung sogar schon verändert – zum Schlechteren. Sie hat eine Reform rückgängig gemacht, die 14- und 15-Jährigen eine Art Lehrlingsausbildung eröffnen sollte. Hintergrund: 36,9 Prozent der 15-Jährigen sind mindestens einmal sitzen geblieben; sie bilden den Hauptanteil der über 293.000 Schulabgänger ohne Abschluss.
Stattdessen konzentriert sich die Regierung auf zwei Maßnahmen, denen sie viel Symbolwert zumisst: Einmal die »Zukunftsjobs«, das sind subventionierte, befristete Stellen in Gemeinden und Vereinen, die Jugendlichen ohne Schulabschluss angeboten werden. Aber in diesem Jahr sind gerade mal 10.000 Verträge abgeschlossen worden – nur zehn Prozent des verkündeten Ziels. Eine Brücke in die Arbeitswelt sind diese Jobs ohnehin nicht, wie die fast 30-jährigen Erfahrungen mit solchen Projekten zeigt.
Der »Generationenvertrag« ist die interessantere Idee: Unternehmen werden dafür belohnt, dass sie einen mindestens 57-jährigen Mitarbeiter dafür beschäftigen, einem frisch eingestellten Jugendlichen den Job beizubringen. Der Blick in das soeben verabschiedete Gesetz ist allerdings ernüchternd: Die Vorschriften sind auf groteske Weise kompliziert. Schwer zu glauben, dass kleine und mittlere Unternehmen sich in großer Zahl diesem Ungetüm nähern möchten. Ab 300 Mitarbeitern kehrt das Gesetz den Spieß sogar um: Die müssen eine bestimmte Anzahl solcher Abmachungen nachweisen können, anderenfalls sind Geldbußen fällig. Ob dadurch Jahr für Jahr die angepeilten 100.000 Arbeitsplätze für junge Leute entstehen?
Gezielte Maßnahmen reichen freilich ohnehin nicht aus. Denn das Übel liegt im System. Das Risiko, arbeitslos zu sein, ist für junge Leute fast dreimal so hoch wie für die 25- bis 49-Jährigen; ein Verhältnis, das auf eine schreiende Ungleichbehandlung deutet: Arbeitsmarktpolitik hat bisher vorwiegend dazu gedient, bestehende Arbeitsverhältnisse zu sichern. Das Risiko trugen stets die Jungen, und in der Krise realisiert es sich jetzt eben.
Ihnen könnte man ein paar Dinge anbieten, die sich banaler anhören, als sie sind. Etwa das staatlich verordnete Kartell der Fahrschulen zerschlagen – der französische Führerschein ist der teuerste in ganz Europa, und ein Führerschein ist ein Plus für jeden Arbeitssuchenden. Oder die Gründung kleiner Unternehmen mit Rat und Tat fördern. Oder die Barrieren einreißen, die zwischen Schulen oder Universitäten und Unternehmen bestehen.
Frankreichs Politik spricht gern vom »Voluntarismus«: Wo ein Wille sei, sei auch ein Weg. Zurzeit mangelt es am Willen. Gero von Randow
Europa schaut nach Österreich
Auf ihrer Suche nach einem Mittel gegen die Jugendarbeitslosigkeit ist die EU in der Wiener Leopoldstadt fündig geworden. Dort hat das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) seinen Sitz. Das AMS ist zuständig für die Arbeitsvermittlung; und es verfügt über ein Angebot, das sich die EU-Kommission zuletzt aufmerksam angeschaut hat.
Das AMS betreibt staatlich finanzierte Lehrbetriebe, in denen 12.000 Jugendliche ausgebildet werden – eine Art zweiter Ausbildungsmarkt. Jeder österreichische Jugendliche, der keinen regulären Ausbildungsplatz findet oder arbeitslos wird, erhält spätestens nach drei Monaten ein Angebot. Auch dank dieser Ausbildungsgarantie lag die Jugendarbeitslosigkeit Ende 2012 in Österreich mit 8,5 Prozent weit unter dem EU-Durchschnitt von 23,4 Prozent.
Deshalb soll aus Österreichs Ausbildungsgarantie nun ein Modell für Europa werden – in Form einer sogenannten Jugendgarantie, die in allen 27 EU-Mitgliedsländern gültig ist.
Aber lässt sich das österreichische Modell überhaupt übertragen? Einerseits wird die EU mitverantwortlich gemacht für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa, andererseits sind der Kommission die Hände gebunden: Für Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik sind im Wesentlichen die Mitgliedsstaaten zuständig. Auf dieses Dilemma hat die Kommission zuletzt mit immer neuen Initiativen reagiert. So müssen die Staaten in Brüssel nationale Jobpläne vorlegen; dafür schaufelt die Kommission Gelder frei, die für junge Arbeitssuchende eingesetzt werden. Experten der Kommission sind in die besonders betroffenen Länder gereist, um dort Schwachstellen zu analysieren und Erfahrungen weiterzugeben. Etwa aus Österreich.
Johannes Kopf, der Chef des AMS, sagt, er freue sich, dass nun europaweit eine Jugendgarantie eingeführt werden soll. Doch dann folgen zwei große Aber.
In Österreich gibt es genau wie in Deutschland eine duale Berufsausbildung. Damit ist nicht nur ein bestimmtes Ausbildungsniveau garantiert, sondern auch die enge Verzahnung von Betrieben und Berufsanwärtern. Die Hälfte der zunächst staatlich geförderten Lehrlinge wechselt bereits nach einem Jahr auf eine betriebliche Lehrstelle.
Die Ausbildungsgarantie wirkt, weil das System funktioniert. »Die duale Ausbildung ist hierfür eine wichtige Voraussetzung«, so Kopf. In Spanien, Italien oder Griechenland gibt es hingegen kein vergleichbares Angebot. Entsprechend vage ist die »Garantie«. Den jungen Menschen, heißt es da, solle spätestens nach vier Monaten eine »hochwertige Arbeitsstelle bzw. Ausbildung« oder ein »hochwertiger Praktikumsplatz« angeboten werden. Das wäre, wenn es funktioniert, mehr als bisher. Dennoch lässt die Formulierung offen, ob den Jugendlichen eine dreijährige Lehre oder lediglich ein kurzes Praktikum garantiert wird.
Kopfs zweites Aber ist eng mit dem ersten verbunden. Denn ein »hochwertiges Angebot« kostet viel Geld. In Österreich werden die staatlichen Lehrbetriebe pro Jahr mit rund 130 Millionen Euro gefördert. Gerade in den von Jugendarbeitslosigkeit besonders betroffenen Ländern fehlt aber das Geld. Die 27 Regierungschefs der EU haben für die Jugendgarantie bis 2020 sechs Milliarden Euro vorgesehen. Sechs Milliarden für sieben Jahre: »Das geht sich nicht aus«, sagt AMS-Chef Kopf. Experten schätzen die Kosten europaweit auf 21 Milliarden Euro – pro Jahr. Ob die Garantie wirkt, ist also sehr fraglich. Matthias Krupa
Italiens Absichten
Die Stellenausschreibung klingt eher pathetisch als präzise, nicht einmal das Gehalt ist angegeben: »Wir brauchen Personen, die sauber, ehrlich, kompetent und willig sind.« Die 163 Parlamentarier der »Fünf-Sterne-Bewegung« von Beppe Grillo suchen Büroassistenten – 18.000 Bewerbungen gingen bisher ein. Eine ganze Kleinstadt auf Arbeitssuche bei den »Grillini«.
Die Verzweiflung ist groß. 35 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, bei den Akademikern ist es jeder Fünfte. In Süditalien ist jeder Zweite unter 30 ohne Arbeit. Der Erfolg der Fünf-Sterne-Bewegung, die bei den Parlamentswahlen fast ein Viertel der Stimmen holte, ist auch auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Dabei hat Grillo kein Rezept, er verspricht nur ein »Bürgereinkommen« von 1.000 Euro monatlich. Viele haben ihn deshalb gewählt. Italiens Generationskonflikt hat die Politik erreicht.
Jahrzehntelang hatten Italiens Politiker tatenlos zugesehen, wie Zehntausende junge Leute auf der Suche nach Arbeit ihr Land verließen. Das Problem wurde einfach exportiert, nach Deutschland, Frankreich oder in die Niederlande. Es gingen die gut Ausgebildeten und die Akademiker. Die anderen blieben frustriert zu Hause, ohne Lobby. Italien hat die älteste Bevölkerung Europas, also vertraten die Parteien lieber Rentnerinteressen. Das brachte mehr Wählerstimmen und weniger Ärger: Im Unterschied zu arbeitslosen Jugendlichen sind Italiens Rentner straff organisiert. Sie haben sogar eigene Gewerkschaften.
Eine Rentenreform wurde ebenso verschleppt wie Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. »Heiraten Sie doch meinen Sohn«, empfahl Silvio Berlusconi einmal einer jungen Frau, die ihn fragte, wie sie denn endlich einen Job finden könnte. Erst der parteilose Ökonom Mario Monti setzte die Heraufsetzung des Renteneinstiegsalters durch. Aber er sparte auch eisern an Schulen und Hochschulen. Noch nie investierte Italien so wenig Geld in Bildung und Ausbildung wie heute.
Der Schuldenberg ist erdrückend, es fehlt das Geld, aber es mangelt auch an Ideen. Und am Konsens – nicht für alle hat die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit höchste Priorität. Die Politik vertritt ebenso Partikularinteressen wie Gewerkschaften und Unternehmerverbände. Wer die notwendigen Reformen zur Neuordnung des Arbeitsmarktes durchsetzen soll, ist angesichts des Patts im Parlament völlig ungewiss.
Dabei drängt die Zeit. Jeden Monat schließen rund 1.000 Firmen, die Konsequenz aus fünf Jahren Rezession. Wer noch Lehrlinge ausbilden oder junge Arbeitnehmer einstellen möchte, wird überdies durch veraltete Arbeitsgesetze ausgebremst. In Betrieben mit mehr als 15 Arbeitnehmern sind feste Arbeitsverträge so gut wie unkündbar. Der private Arbeitsmarkt ist zweigeteilt in 5,8 Millionen Festangestellte und 2,5 Millionen Beschäftigte mit Zeitverträgen, Letztere fast ausnahmslos unter 30. Italiens Arbeitsmarkt braucht mehr Flexibilität und niedrigere Lohnnebenkosten. Wer heute einen Lehrling einstellt, kann ihm praktisch nicht kündigen, muss aber 80 Prozent des Angestelltenlohns zahlen.
Viele Betriebe nutzen deshalb Lehrlinge nur als billigere Arbeitskräfte. Umgekehrt haben junge Italiener sich jahrzehntelang weniger um Lehrstellen gekümmert als um eine Festanstellung in der Verwaltung. Der posto alle poste, der Platz bei der Post oder in der aufgeblasenen staatlichen Bürokratie, galt als beste Zukunftsversicherung.
Dem Handwerk fehlt dagegen der Nachwuchs. Italienische Friseure, Tischler und Maler arbeiten in Ermangelung jüngerer Kollegen oftmals noch, wenn sie über 70 sind. Staatliche Lehrlingsförderprogramme waren bislang Fehlanzeige. Also müssen die Großeltern für ihre arbeitslosen Enkel mitarbeiten, absurder geht es nicht.
Erst im vergangenen Herbst beschlossen die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihre italienische Amtskollegin Lehrlings-Pilotprojekte nach dem deutschen Vorbild der dualen Ausbildung. Aber bislang gibt es nur Absichtserklärungen, für konkrete Programme fehlt wieder einmal das Geld. Birgit Schönau
Großbritannien: 160.000 Jobs
Mehr als ein Fünftel aller Briten unter 25 hat keinen Job – und Großbritanniens Regierung scheint das Problem erkannt zu haben. Während sich die Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten seit ihrem Amtsantritt vor allem darin übt, überall Geld einzusparen, hat sie für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit immer wieder neue Mittel gefunden.
Bis 2014 investiert sie nun über eine Milliarde Pfund, damit »die jungen Menschen, die im Boom geboren wurden, nicht als die verlorene Generation aus der Krise hervorgehen«, wie Vizepremier Nick Clegg sagt. Allein im Privatsektor werden 160.000 Arbeitsplätze gesponsert. Wer einen Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren einstellt, der seit mehr als neun Monaten arbeitslos ist, erhält eine einmalige Zahlung von umgerechnet 2.665 Euro. Dafür muss er den neuen Mitarbeiter mindestens sechs Monate lang beschäftigen – und zwar so, dass es wenigstens den Mindestlohn von 6,19 Pfund gibt.
Umgekehrt droht dem Jobanwärter die Streichung des Arbeitslosengeldes, wenn er den Job nicht annimmt oder die Arbeit vorzeitig beendet. »Früher wurden vor allem Stellen im öffentlichen Dienst geschaffen, die am Ende doch nicht langfristig waren«, sagt Mark Hoban, Staatssekretär im Arbeitsministerium. Zusätzlich hat das Finanzministerium Steuererleichterungen für diejenigen Arbeitgeber eingeführt, die junge Behinderte einstellen. »Für diese Gruppe ist der Einstieg ins Berufsleben oft besonders schwer«, so Hoban.
Außerdem will die Regierung 250.000 Praktikumsplätze vor allem für die 16- und 17-jährigen Schulabgänger finanzieren. Der frühere Gewerkschaftschef Brendan Barber warnt allerdings vor den Folgen. Das Programm biete Gelegenheit, junge Menschen auszubeuten, indem sie reguläre Jobs ausfüllten und dafür wenig oder gar nicht bezahlt würden, meint er. »Auch gibt es Anzeichen dafür, dass Praktikanten Festangestellte aus ihren Stellen drängen.« John F. Jungclaussen
Slowenien lernt
Andere Studenten sind froh, wenn sie endlich alle Prüfungen geschafft haben und das Uni-Zeugnis in den Händen halten. Tjaša nicht. Ihren Abschluss zögert die Slowenin hinaus, sie will nicht fertig werden, nicht jetzt, wo es auf dem Arbeitsmarkt so schlecht für sie aussieht. Tjaša, Mitte zwanzig, studiert Dolmetschen, Deutsch und Englisch. Dadurch, dass sie Studentin ist, bekommt sie immerhin Gelegenheitsjobs. Mit einem Uni-Abschluss wäre sie wohl arbeitslos.
Wie ihr geht es mehr als einem Fünftel der Slowenen zwischen 15 und 24. »In meinem Freundeskreis hat nur eine einen festen Job«, sagt Tjaša.
Slowenien ist so groß wie Hessen und hat rund zwei Millionen Einwohner. 2004 trat das Land der EU bei. Das Wachstum lag damals bei 3,6 Prozent, die Arbeitslosenquote unter dem EU-Durchschnitt. 2007 führte Slowenien den Euro ein. Dann kam die Krise. Inzwischen schrumpft die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit ist auf rund neun Prozent gestiegen – sie ist doppelt so hoch wie vor Beginn der Krise.
Seither ist der sogenannte Studentenstatus ein Türöffner auf dem Arbeitsmarkt. Firmen stellen bevorzugt Studenten ein, denn die sind billiger – und fast so gut ausgebildet wie Hochschulabsolventen. Die Folge: Junge Leute bleiben so lange wie möglich an der Uni. Verglichen mit anderen Ländern in der EU, sind slowenische Studenten deshalb inzwischen am ältesten, wenn sie die Hochschule verlassen.
Inzwischen fragen die Firmen sogar 50-jährige Arbeitslose, ob sie sich nicht immatrikulieren könnten – dann würden sie einen Job bekommen. Die Regierung hat nun eingegriffen: Wer bereits einen Abschluss hat und noch einmal studieren möchte, muss zahlen. Das Erststudium ist kostenlos.
Mindestens alle drei Monate gehen Tjaša und ihre Freundinnen zum Arbeitsamt, das ist Pflicht. Das letzte Mal, als sie dort war, um nach einer neuen Stelle zu fragen und einen Buchhaltungskurs zu beantragen, sagte der Bearbeiter zu ihr: »Ich weiß auch nicht, wie lange ich diesen Job hier noch haben werde.« Tjaša lacht, als sie das erzählt. Es ist kein fröhliches Lachen. Wenn das Arbeitsamt einen Job vermitteln kann, ist man verpflichtet, ihn anzunehmen. So kommt es, dass Grafikerinnen als Putzfrauen arbeiten, Ingenieure Schornsteine reinigen oder Sportwissenschaftler Fenster in Einkaufszentren putzen.
In der Kartei des Arbeitsamts von Sloweniens Hauptstadt Ljubljana stehen rund 100.000 Namen. Etwa 1.000 Stellen sind zu besetzen. Viele Jobs werden unter der Hand vergeben. Tjaša wurde kürzlich zu einem Vorstellungsgespräch bei Lidl eingeladen und erfuhr, dass 800 Bewerbungen für eine einzige Stelle an der Kasse eingegangen waren.
Ihre Freundin Zala überlegte kurz, ob sie sich einen Job im Ausland suchen soll – Österreich vielleicht oder Deutschland. Sie ist dann aber doch geblieben. Die Soziologin Mirjana Ule wundert das nicht: »Kulturell gesehen, liegt Slowenien zwischen dem Mittelmeer und Zentraleuropa. Ähnlich wie in anderen südlichen EU-Ländern ist auch hier der enge Familienzusammenhalt wichtig, viele Eltern unterstützen ihre Kinder.« Zala wohnt mit ihrer Mutter zusammen, die bezahlt Miete und Strom, Wasser und Lebensmittel. Im vergangenen Jahr hat Zala 2.000 Euro verdient, also nicht mal 200 Euro im Monat. Alleine könnte sie nur schwer überleben.
Wenn junge Slowenen ins Ausland gehen, zieht es sie vielfach nach Deutschland. Ähnlich wie in Spanien oder Italien, wo die Nachfrage nach Deutschkursen seit Jahren steigt, wollen auch die Slowenen Deutsch lernen. »Immer mehr rufen bei uns an und wollen wissen, wann der nächste Sprachkurs beginnt«, meint Hendrik Kloninger, Leiter des Goethe-Instituts in Ljubljana. In Beltinci, im Nordosten des Landes nahe der ungarischen Grenze, wurde 2008 eine deutsch-slowenische Grundschule eröffnet, unterstützt vom Goethe-Institut. Kloninger erzählt, dass ihm viele Eltern Dankesbriefe schreiben – weil ihre Kinder dort die Möglichkeit haben, von klein auf Deutsch zu lernen. »So etwas habe ich in meiner gesamten Goethe-Laufbahn noch nie erlebt«, sagt er.
Auch Tjašas Freundin Kaja lernt jetzt Deutsch. Fremdsprachenkenntnisse seien von Vorteil, meint sie, weg aus Slowenien will sie nicht: »Das ist doch keine Lösung. Wir müssen für unsere Rechte kämpfen!« Im November 2012 gingen in Maribor erstmals junge Menschen auf die Straße. Die Bewegung hatte auf Facebook begonnen, »Maribor uprising« heißt sie: Maribor lehnt sich auf. Gegen hohe Arbeitslosigkeit, ein schlechtes Gesundheitssystem, Korruption. Der damalige Regierungschef Janez Janša konnte nicht erklären, wie 210.000 Euro auf seine Privatkonten gelangt waren. Und Oppositionsführer Zoran Janković wollte der Antikorruptionsbehörde nicht sagen, wie er zu 2,4 Millionen Euro gekommen war.
Maribor ist zu einem Vorbild geworden, inzwischen gehen auch die Menschen in Ljubljana auf die Straße. Seit Ende März hat Slowenien eine neue Regierung. Sie sagt, die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sei ein primäres Ziel. Wird es jetzt besser werden? Tjaša zuckt mit den Schultern. Sie hat zwei Bewerbungen nach Österreich geschickt. Dort will sie gerne eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beginnen. Jana Gioia Baurmann






an der Zahl sind es mittlerweile 200.000 ohne Arbeit, die Talente emigrieren und sind dabei sehr erfolgreich. So geht Italien (nicht allein) in der Krise viel Know-how verloren.
Was für ein schönes Europa mit dem Euro...zurück ins Mittelalter dank Goldman Sachs und nichts ändert sich...doch etwas bewegt sich, immer mehr Europa heisst die Devise und das bedeutet zugleich eine immer schwerer werdende Krise...
Vor 2 tage hat Marine Le Pen Beppe Grillo angerufen, sie will die nationale Währung wieder, der Euro kann dennoch als Gemeinschaftswährung bestehen bleiben..warum nicht? Das ist der einzige Ausweg aus der Krise...
Für alle die etwas italienisch können, hier das Interview von Marine Le Pen:
http://www.serviziopubbli...
Grüße an alle Europäer
und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.
Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.
Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.
Ebenfalls Grüße an alle Europäer
und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.
Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.
Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.
Ebenfalls Grüße an alle Europäer
und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.
Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.
Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.
Ebenfalls Grüße an alle Europäer
Sie schreiben:
"Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."
das geht sehr gut ohne Euro.
Sie schreiben:
"Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."
das geht sehr gut ohne Euro.
Sie schreiben:
"Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."
das geht sehr gut ohne Euro.
Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....
Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....
Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....
Die Folge des Preisanstiegs im Inland, muss zwangsläufig eine Lohnerhöhung und damit steigende Exportpreise sein. Es fehlt an Faktormobilität und an verschiedenen Branchen.....
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