ArbeitslosigkeitSo kommt die Jugend aus der Falle
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Österreich

Europa schaut nach Österreich

Auf ihrer Suche nach einem Mittel gegen die Jugendarbeitslosigkeit ist die EU in der Wiener Leopoldstadt fündig geworden. Dort hat das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) seinen Sitz. Das AMS ist zuständig für die Arbeitsvermittlung; und es verfügt über ein Angebot, das sich die EU-Kommission zuletzt aufmerksam angeschaut hat.

Das AMS betreibt staatlich finanzierte Lehrbetriebe, in denen 12.000 Jugendliche ausgebildet werden – eine Art zweiter Ausbildungsmarkt. Jeder österreichische Jugendliche, der keinen regulären Ausbildungsplatz findet oder arbeitslos wird, erhält spätestens nach drei Monaten ein Angebot. Auch dank dieser Ausbildungsgarantie lag die Jugendarbeitslosigkeit Ende 2012 in Österreich mit 8,5 Prozent weit unter dem EU-Durchschnitt von 23,4 Prozent.

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Deshalb soll aus Österreichs Ausbildungsgarantie nun ein Modell für Europa werden – in Form einer sogenannten Jugendgarantie, die in allen 27 EU-Mitgliedsländern gültig ist.

Aber lässt sich das österreichische Modell überhaupt übertragen? Einerseits wird die EU mitverantwortlich gemacht für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa, andererseits sind der Kommission die Hände gebunden: Für Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik sind im Wesentlichen die Mitgliedsstaaten zuständig. Auf dieses Dilemma hat die Kommission zuletzt mit immer neuen Initiativen reagiert. So müssen die Staaten in Brüssel nationale Jobpläne vorlegen; dafür schaufelt die Kommission Gelder frei, die für junge Arbeitssuchende eingesetzt werden. Experten der Kommission sind in die besonders betroffenen Länder gereist, um dort Schwachstellen zu analysieren und Erfahrungen weiterzugeben. Etwa aus Österreich.

Johannes Kopf, der Chef des AMS, sagt, er freue sich, dass nun europaweit eine Jugendgarantie eingeführt werden soll. Doch dann folgen zwei große Aber.

In Österreich gibt es genau wie in Deutschland eine duale Berufsausbildung. Damit ist nicht nur ein bestimmtes Ausbildungsniveau garantiert, sondern auch die enge Verzahnung von Betrieben und Berufsanwärtern. Die Hälfte der zunächst staatlich geförderten Lehrlinge wechselt bereits nach einem Jahr auf eine betriebliche Lehrstelle.

Die Ausbildungsgarantie wirkt, weil das System funktioniert. »Die duale Ausbildung ist hierfür eine wichtige Voraussetzung«, so Kopf. In Spanien, Italien oder Griechenland gibt es hingegen kein vergleichbares Angebot. Entsprechend vage ist die »Garantie«. Den jungen Menschen, heißt es da, solle spätestens nach vier Monaten eine »hochwertige Arbeitsstelle bzw. Ausbildung« oder ein »hochwertiger Praktikumsplatz« angeboten werden. Das wäre, wenn es funktioniert, mehr als bisher. Dennoch lässt die Formulierung offen, ob den Jugendlichen eine dreijährige Lehre oder lediglich ein kurzes Praktikum garantiert wird.

Kopfs zweites Aber ist eng mit dem ersten verbunden. Denn ein »hochwertiges Angebot« kostet viel Geld. In Österreich werden die staatlichen Lehrbetriebe pro Jahr mit rund 130 Millionen Euro gefördert. Gerade in den von Jugendarbeitslosigkeit besonders betroffenen Ländern fehlt aber das Geld. Die 27 Regierungschefs der EU haben für die Jugendgarantie bis 2020 sechs Milliarden Euro vorgesehen. Sechs Milliarden für sieben Jahre: »Das geht sich nicht aus«, sagt AMS-Chef Kopf. Experten schätzen die Kosten europaweit auf 21 Milliarden Euro – pro Jahr. Ob die Garantie wirkt, ist also sehr fraglich. Matthias Krupa

Leser-Kommentare
  1. an der Zahl sind es mittlerweile 200.000 ohne Arbeit, die Talente emigrieren und sind dabei sehr erfolgreich. So geht Italien (nicht allein) in der Krise viel Know-how verloren.

    Was für ein schönes Europa mit dem Euro...zurück ins Mittelalter dank Goldman Sachs und nichts ändert sich...doch etwas bewegt sich, immer mehr Europa heisst die Devise und das bedeutet zugleich eine immer schwerer werdende Krise...

    Vor 2 tage hat Marine Le Pen Beppe Grillo angerufen, sie will die nationale Währung wieder, der Euro kann dennoch als Gemeinschaftswährung bestehen bleiben..warum nicht? Das ist der einzige Ausweg aus der Krise...

    Für alle die etwas italienisch können, hier das Interview von Marine Le Pen:

    http://www.serviziopubbli...

    Grüße an alle Europäer

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    und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

    und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

  2. und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

    Antwort auf "Italiens Akademiker "
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    Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

    Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

  3. Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

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    Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

    Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

  4. Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

  5. Die Folge des Preisanstiegs im Inland, muss zwangsläufig eine Lohnerhöhung und damit steigende Exportpreise sein. Es fehlt an Faktormobilität und an verschiedenen Branchen.....

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