ArbeitslosigkeitSo kommt die Jugend aus der Falle

Ein Rundblick durch die Problemländer zeigt: Es gibt interessante Lösungsansätze, doch meist fehlen der politische Wille und das Geld.

Demonstration der Indignados vor dem spanischen Kongress in Madrid gegen das Sparprogramm der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Demonstration der Indignados vor dem spanischen Kongress in Madrid gegen das Sparprogramm der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Spanien: Baustopp

Mikel Revuelta Ortiz ist 21 Jahre alt, und eigentlich sollte sein Leben gerade richtig losgehen. Doch während ältere Spanier mit der Krise ihren Job oder ihre Ersparnisse verloren haben, glaubt Mikel wie viele andere in seinem Alter, dass man ihm seine gesamte Zukunft geraubt hat. »Wir waren die am besten ausgebildete Generation, die es jemals in Spanien gegeben hat«, sagt er. »Aber jetzt haben wir keine Wohnung, keine Arbeit und keine Chancen.«

Mikel ist Sprecher von »Jugend ohne Zukunft«, einer Organisation, die jungen Spaniern eine Stimme geben will. Nach Griechenland ist Spanien das Land mit der zweithöchsten Jugendarbeitslosigkeit in der EU, jeder zweite Iberer unter 25 hat keinen Job. »Seit 2008 sind in Spanien 3,7 Millionen Stellen verloren gegangen«, schätzt die Wirtschaftsprofessorin Sara de la Rica. »In 75 Prozent der Fälle waren dabei junge Menschen unter 30 betroffen.«

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De la Rica nennt zwei Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit: einmal den ungezügelten Bauboom, der das Land Ende der 1990er erfasste und der am Bau gute Löhne selbst für ungelernte Arbeiter brachte. »Viele Jugendliche brachen daraufhin die Schule ab, um auf dem Bau zu arbeiten«, sagt die Ökonomin. Dazu kam ein grundlegenderes Problem: Schon vor der Krise wurden 30 Prozent der Stellen in Spanien auf Zeit besetzt, meist für drei bis sechs Monate – und fast immer gingen sie an Menschen unter 30. Selbst gut ausgebildete Jugendliche hangelten sich von Job zu Job, in der Hoffnung, am Ende doch noch eine feste Stelle zu ergattern, meist jedoch vergeblich.

Als 2008 die Immobilienblase platzte, standen zunächst Zehntausende ungelernte Spanier ohne Arbeit da. Und als die Rezession überall wütete, waren es die Jungen mit Zeitverträgen, die trotz guter Ausbildung ihre Jobs verloren.

Erst Anfang 2013 reagierte die Regierung: Mit finanziellen Anreizen sollen nun junge Arbeitslose ermutigt werden, sich selbstständig zu machen. Gleichzeitig will der Staat Unternehmen finanziell belohnen, wenn sie Jugendliche einstellen.

Die Erfolgschancen dieser Programme sind nach de la Ricas Meinung gering – schon gar für das Heer der Ungelernten. Aber auch den gut gebildeten jungen arbeitslosen Spaniern werden sie nicht viel nützen. Besser wäre es nach Ansicht des Ökonomen Juan José Dolado, Zeitverträge abzuschaffen. »Dadurch würden Arbeitsverträge länger halten.« Vorerst bleibe den Jungen ohne Job aber nur eine Möglichkeit: »auswandern«. Schließlich gebe es genug Länder, die gut ausgebildete Jugendliche brauchten.

»Jugend ohne Zukunft« schätzt, dass jede Woche einige Tausend junge Spanier genau das tun. Nur erwartet sie in der Ferne oft kein besseres Leben. »Alle jungen Auswanderer erzählen fast das Gleiche«, sagt Mikel Revuelta Ortiz: »dass sie in Spanien trotz guter Ausbildung keinen Job gefunden haben und jetzt im Ausland in einem Hamburgerladen arbeiten«. Im Internet kann man die Geschichten unter dem Stichwort »no nos vamos, nos echan« nachlesen. Auf Deutsch: »Wir gehen nicht, wir werden rausgeschmissen.« Christoph Gurk

Leser-Kommentare
  1. an der Zahl sind es mittlerweile 200.000 ohne Arbeit, die Talente emigrieren und sind dabei sehr erfolgreich. So geht Italien (nicht allein) in der Krise viel Know-how verloren.

    Was für ein schönes Europa mit dem Euro...zurück ins Mittelalter dank Goldman Sachs und nichts ändert sich...doch etwas bewegt sich, immer mehr Europa heisst die Devise und das bedeutet zugleich eine immer schwerer werdende Krise...

    Vor 2 tage hat Marine Le Pen Beppe Grillo angerufen, sie will die nationale Währung wieder, der Euro kann dennoch als Gemeinschaftswährung bestehen bleiben..warum nicht? Das ist der einzige Ausweg aus der Krise...

    Für alle die etwas italienisch können, hier das Interview von Marine Le Pen:

    http://www.serviziopubbli...

    Grüße an alle Europäer

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    und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

    und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

  2. und eine Rückkehr zu Nationalwährungen, inklusive national zersplitterter Geldpolitik wäre keine Lösung.
    Ganz offensichtlich ist die Jugendarbeitslosigkeit durch andere Mißstände verursacht:
    In Spanien z.B. durch eine geplatzte Immobilienblase, die zu Hochzeiten schnelles Geld verhieß und dazu führte, daß viele Jugendliche auf eine Ausbildung verzichteten.
    In Frankreich durch einen irrwitzigen Teppich aus Einzelfallsubventionen und die Vernachlässigung mittelständischer Unternehmen und Handwerksbetriebe.
    In Italien herrscht paradoxerweise Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel im Handwerk, also ein fehlgesteuerter Arbeitsmarkt.

    Das hat alles nichts mit dem Euro und der EU zu tun.

    Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen.

    Ebenfalls Grüße an alle Europäer

    Antwort auf "Italiens Akademiker "
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    Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

    Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

  3. Sie schreiben:
    "Die EU eröffnet viel mehr die Möglichkeit, daß ausgebildete Arbeitnehmer sich auch in anderen Ländern um Arbeit bewerben können, die Freizügigkeit ist ein wesentliches Recht eines jeden EU-Bürgers.
    Und die EU ermöglicht es, von Arbeitsmärkten zu lernen, die günstigere Kennzahlen aufweisen."

    das geht sehr gut ohne Euro.

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    Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

    Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

  4. Man muss sich nur die Frage stellen, was mit einer kleinen Lira oder Drachme passiert, wenn die Wirtschaft des Landes schwächelt. Die Abwertung führt nur auf den ersten Blick zu einem Vorteil des Exports. Denn der Großteil der Exporte geht in die EU selbst und Transaktionskosten werden wieder fällig. 2. ist die Wirtschaft zu eng mit Europa vernetzt, als das sich daraus langfristig ein Vorteil entwickeln könnte. 3. Würden die Importpreise eben wegen dieser Vernetzung sehr schnell ansteigen und in Griechenland beipielsweise gäbe es sehr schnell ein Ernährungsproblem. 4. Währungsspekulation im großen Stil, auch gegen den Euro, dann in die andere Richtung nach oben! Das würde dann auch in Deutschland und nicht nur bei den faulen anderen Europäern - auf die wir immer so verächtlich hinabschauen - zu Jobverlusten in Millionenhöhe führen. Eurokritiker möchte ich auch noch gerne auf die jetzige Inflationsrate von 1,7% hinweisen, Schreckensszenario ist für mich nur eins: Das jemand mal auf die hört, die nicht mal fähig sind das Werk des Wirtschaftsnobelpreisträgers Mundell und die Erweiterungen seiner Nachfolger(unter anderem De Growe der als erster riet, die EZB solle nur ankündigen sich zu engagieren, was ja wie man gesehen hat hervorragend klappt) richtig zu lesen. Pragmatismus bitte....

  5. Die Folge des Preisanstiegs im Inland, muss zwangsläufig eine Lohnerhöhung und damit steigende Exportpreise sein. Es fehlt an Faktormobilität und an verschiedenen Branchen.....

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