Liebeskolumne: Ist sie eifersüchtig auf sein Tablet?
Die Frage: Solange Gerd seine Leidenschaft für das Lesen von Zeitungen an raschelndem Papier befriedigte, war Laura einverstanden. Sie saßen beim Frühstück, er mit der Politik, sie mit dem Feuilleton. Manchmal ergab sich ein Gespräch.
Seit einem Jahr hat Gerd ein Tablet und hat darauf seine Zeitungen abonniert. Er findet das praktisch – genügend Platz für Teller und Tasse, kein Papiermüll mehr. Wenn sein Freund Max, der in Florida lebt, einen Artikel mitlesen soll, genügen vier Tipps mit der Fingerkuppe. Nur Laura ist unglücklich. Sie mag die Elektronik nicht.
Es nervt sie, dass Gerd immerzu auf diesen Bildschirm blickt und klopft. Sie fühlt sich vernachlässigt, alt und unattraktiv. »Du interessierst dich nur noch für dieses Smartdings!« – »Bist du etwa auf ein Tablet eifersüchtig?«
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eifersucht wurzelt in Verlustängsten, und Ängste machen proaktiv. Dass dann eifrig gesucht wird, was Leiden schafft, weiß der Volksmund. Die Einsicht nützt nicht viel.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Paare sollten kooperieren und nicht den belasteten Partner durch den Vorwurf unter Druck setzen, er widerstehe einem blöden Empfinden zu wenig. Gerd muss Laura gelegentlich einen Blick schenken, wenn er Nachrichten liest, und sein Spielzeug weglegen, wenn sie unzufrieden ist.
Laura sollte wissen, dass eine Frau unendlich reizvoller ist als ein verglastes Ding, die menschliche (speziell die männliche) Aufmerksamkeit aber die Neigung hat, dorthin zu fließen, wo sie vor Vorwürfen und Kritik sicher ist. Je finsterer sie blickt, desto schwerer kann sich Gerd von seinem freundlichen Schirmchen losreißen.
- Die Liebeskolumne
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Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.
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