ZEITmagazin: Messieurs, Sie sind dafür bekannt, keine Angst vor starken Farben zu haben. Ihren Readymade-Curtain, einen Vorhang, der besonders leicht zu montieren ist und Anfang des Jahres in Köln präsentiert wurde, gibt es in tiefem Blau und leuchtendem Rot, den Vegetal-Stuhl, den sie 2009 für Vitra entworfen haben, kann man in Orange, Grün oder Aubergine wählen. Welche Farben findet man in Ihren Wohnungen?

Erwan Bouroullec: Ich habe viele mundgeblasene Glasobjekte und Raku-Keramiken, das sind Tonobjekte, die in einem jahrhundertealten japanischen Brennverfahren in Handarbeit hergestellt werden. Durch ihre lebendige Struktur kommt die Farbe erst richtig zur Geltung. Außerdem sammele ich Plaids und Decken. Farbige Textilien mag ich besonders, denn sie sind recht matt, und ihre Struktur erzeugt eine unebene Oberfläche mit schattigen und lichten Momenten. Diese Unebenheiten enthüllen erst die Pracht der Farben und bringen sie zum Leuchten.

ZEITmagazin: Eine farbige Wand kommt für Sie beide also nicht infrage?

Ronan Bouroullec: Ein zartes Gelb kann fantastisch sein, aber auch verschiedene Grautöne können das. Trotzdem sind bei mir alle Wände weiß, hier ist es mehr das Material, das mich interessiert. Ich habe aus meiner Studentenzeit noch viele alte Holzmöbel vom Flohmarkt.

Erwan Bouroullec: Für mich ist ganz klar, dass Architektur ein neutraler Bereich bleiben muss. Auf der Kunsthochschule gab es immer diesen weißen Raum, den man mit Farbe füllen musste. Dieser Gedanke gefällt mir heute noch. Eine rote Wand ist Nonsens, ich würde eher einen roten Stoff kaufen und ihn über das Bett hängen.

Was bunte Harmonie ist, zeigt dieser Bouroullec-Teppich von 2011. © Studio Bouroullec

ZEITmagazin: Aber genau auf diese Weise versuchen viele, Farben in ihre Wohnung zu integrieren, über eine giftgrün oder purpurrot leuchtende Wand.

Erwan Bouroullec: Das geht aber auch anders. Ein Bücherregal kann für mich zu einem wundervollen Wandmuster werden. Da fallen mir sofort diese alten Whiskey-Zimmer ein, die mit den wandhohen Regalen für das englische Interieur so typisch sind. Mit den vielen dunkelgrünen- und braunen Büchern in dem goldenen Regal bekommt der Raum einen dunkelbraunen Ton, der sich erst aus dem Nebeneinander der Farben ergibt.

ZEITmagazin: Welche Rolle spielt das eigene Zuhause für Sie?

Erwan Bouroullec: Kommt man nach Hause und zieht seine Schuhe und Jacke aus, taucht man ab. Das richtige Maß an Unordnung zu finden ist das Wichtigste. Unordnung entsteht zum Beispiel durch viele Bücher und Regale. In unserer Arbeit versuchen wir, ein organisches Chaos herzustellen.