Möbeldesign: "Wir stellen Chaos her"
Ein Gespräch mit den Brüdern Erwan und Ronan Bouroullec, die aus der grauen Bretagne stammen und heute die farbenfrohsten Designer Frankreichs sind
© Ola Rindal

Ronan Bourollec (rechts) wurde 1971 in Quimper geboren, Erwan Bourollec 1976. Seit 1997 arbeiten sie gemeinsam in ihrem Designbüro in Paris. Der Ältere der Brüder ist der Zeichner, der Jüngere beschäftigt sich mit dem Technischem.
ZEITmagazin: Messieurs, Sie sind dafür bekannt, keine Angst vor starken Farben zu haben. Ihren Readymade-Curtain, einen Vorhang, der besonders leicht zu montieren ist und Anfang des Jahres in Köln präsentiert wurde, gibt es in tiefem Blau und leuchtendem Rot, den Vegetal-Stuhl, den sie 2009 für Vitra entworfen haben, kann man in Orange, Grün oder Aubergine wählen. Welche Farben findet man in Ihren Wohnungen?
Erwan Bouroullec: Ich habe viele mundgeblasene Glasobjekte und Raku-Keramiken, das sind Tonobjekte, die in einem jahrhundertealten japanischen Brennverfahren in Handarbeit hergestellt werden. Durch ihre lebendige Struktur kommt die Farbe erst richtig zur Geltung. Außerdem sammele ich Plaids und Decken. Farbige Textilien mag ich besonders, denn sie sind recht matt, und ihre Struktur erzeugt eine unebene Oberfläche mit schattigen und lichten Momenten. Diese Unebenheiten enthüllen erst die Pracht der Farben und bringen sie zum Leuchten.
ZEITmagazin: Eine farbige Wand kommt für Sie beide also nicht infrage?
Ronan Bouroullec: Ein zartes Gelb kann fantastisch sein, aber auch verschiedene Grautöne können das. Trotzdem sind bei mir alle Wände weiß, hier ist es mehr das Material, das mich interessiert. Ich habe aus meiner Studentenzeit noch viele alte Holzmöbel vom Flohmarkt.
Erwan Bouroullec: Für mich ist ganz klar, dass Architektur ein neutraler Bereich bleiben muss. Auf der Kunsthochschule gab es immer diesen weißen Raum, den man mit Farbe füllen musste. Dieser Gedanke gefällt mir heute noch. Eine rote Wand ist Nonsens, ich würde eher einen roten Stoff kaufen und ihn über das Bett hängen.

Was bunte Harmonie ist, zeigt dieser Bouroullec-Teppich von 2011.
ZEITmagazin: Aber genau auf diese Weise versuchen viele, Farben in ihre Wohnung zu integrieren, über eine giftgrün oder purpurrot leuchtende Wand.
Erwan Bouroullec: Das geht aber auch anders. Ein Bücherregal kann für mich zu einem wundervollen Wandmuster werden. Da fallen mir sofort diese alten Whiskey-Zimmer ein, die mit den wandhohen Regalen für das englische Interieur so typisch sind. Mit den vielen dunkelgrünen- und braunen Büchern in dem goldenen Regal bekommt der Raum einen dunkelbraunen Ton, der sich erst aus dem Nebeneinander der Farben ergibt.
ZEITmagazin: Welche Rolle spielt das eigene Zuhause für Sie?
Erwan Bouroullec: Kommt man nach Hause und zieht seine Schuhe und Jacke aus, taucht man ab. Das richtige Maß an Unordnung zu finden ist das Wichtigste. Unordnung entsteht zum Beispiel durch viele Bücher und Regale. In unserer Arbeit versuchen wir, ein organisches Chaos herzustellen.
ZEITmagazin: Welche Farben gehören unbedingt in eine Wohnung?
Erwan Bouroullec: Es gibt eine Regel für die Gestaltung einer Fläche oder eines Gegenstands – je kleiner die Fläche oder das Objekt ist, desto ungewöhnlicher und stärker dürfen die Farben sein. Zum Beispiel sind ein pinkfarbener Briefumschlag oder eine hellblaue Blume etwas Tolles. Je langlebiger und größer die Oberfläche ist, desto eher sollte man sich für gedeckte Farben entscheiden.
ZEITmagazin: Gehen die Deutschen unentschieden mit Farbe um?
Erwan Bouroullec: Wie wir auf Farbe reagieren, liegt in unserer Kultur begründet. In den kalten europäischen Ländern wie England oder Deutschland sehnen wir uns nach rötlichen Tönen oder dunklem Holz. Je weiter südlich man kommt, desto eher findet man hellere und kräftige Farben wie Weiß und Blau.
Ronan Bouroullec: Die Deutschen haben doch quasi die Lehre der Farben erfunden. Man denke nur an den Maler und Bauhaus-Professor Josef Albers, der die Farben und ihre Wirkung jahrelang erforschte. Ich glaube, man kann die Verwendung von Farbe nicht mehr an einer Nation festmachen, in einer Zeit, in der es ganz normal ist, dass ein Möbel aus Tokio in einer Wohnung in Paris steht.
ZEITmagazin: Was ist Ihre Lieblingsfarbe?
Ronan Bouroullec: Mich beeindruckt seit Langem die Vielfalt von Pink. Als ich vor 20 Jahren das erste Mal nach Japan gereist bin, war ich von dem selbstverständlichen Umgang der Japaner mit dieser leuchtenden Farbe begeistert.
Erwan Bouroullec: Ich habe zwei Lieblingsfarben. Einmal ein Grün, mit genügend Gelbanteil, damit es nicht zu kalt wirkt. Denn Vorsicht: Hat es zu viel Gelb, wird es ein grauenhaftes Grün. Es muss tief und dunkel genug sein, darf aber nicht zu sehr ins Blaue gehen. Meine zweite Lieblingsfarbe ist ein dunkles Blaugrün, eine Art dunkles Türkis. Man verwendete die Farbe früher oft für Bucheinbände und für Leder, mit dem Schreibtischplatten bezogen wurden.
ZEITmagazin: Wie viele Farben kann ein Raum ertragen?
Ronan Bouroullec: Es geht nicht um die Anzahl der Farben, sondern um das Verhältnis, in das man sie bringt. Der Teppich, den wir für die spanische Teppichfirma Nanimarquina entworfen haben, ist wahnsinnig bunt, aber er funktioniert trotzdem, weil das Verhältnis der Farben ausgeglichen ist.
Erwan Bouroullec: Wenn man sich im Schlafzimmer für eine rote Überdecke entscheidet, dann ist der Raum mit Farbe ausreichend bedient. Das Schlimmste ist, finde ich, die kleinen und großen Elemente in einem Raum aufeinander abzustimmen. Also den Vorhang bitte nicht in derselben Farbe wie die Bettdecke wählen.
ZEITmagazin: Welche Dinge sollte man beachten, wenn man Farbe in seine Wohnung bringen will?
Erwan Bouroullec: Investieren Sie in bunte Decken und Teppiche, leben Sie in Ihren Wohnungen wie in einem Park. Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Picknick: Sobald man die Decke ausbreitet, passiert etwas, und die Umgebung verändert sich. Und Regenstiefel für Kinder, die sollten auch immer bunt sein.











wirklich ein tolles Beispiel sei...
bei diesem Interview über Farbe und Design fand ich die Fotostrecke...
ähm, wo war die noch gleich...
ach ja hier:
http://theslideshow.net/#...
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