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Eine Stilkritik von 

Nicht im Ton vergreifen! Taschen von Saint Laurent by Hedi Slimane, 1550 Euro (klein) und 1795 Euro (groß)

Nicht im Ton vergreifen! Taschen von Saint Laurent by Hedi Slimane, 1550 Euro (klein) und 1795 Euro (groß)  |  © Peter Langer

Was haben wir für herrlich bunte Modejahre hinter uns: Colour-Blocking hat die vergangenen Sommer bestimmt, Knallfarbe wurde neben Knallfarbe gesetzt. Das sah stets interessant aus, weil ja viel passiert, wenn man zwei starke Farben miteinander kombiniert. Entweder harmonieren sie, was schön ist, oder sie stoßen sich ab, was noch besser ist. So wurden Pink, Gelb und Orange gerne großflächig Seite an Seite getragen, was eine solche Farbexplosion ergab, dass man sich fragte, wie eine Frau, die so was trägt, tatsächlich überleben kann.

Nach zwei wilden Sommern ist nun eine gewisse Erschöpfung eingetreten. Dieses Jahr werden die Töne gedeckter. Bei Céline beispielsweise ist die gesamte Frühjahrskollektion in Schwarz und Weiß gehalten – bis auf eine kirschrote Clutch. Für die Farbe sind nun also die Accessoires zuständig. Früher trug man Taschen in einem eher neutralen Farbton, damit sie zu möglichst vielen Outfits passten. Nun ist die Tasche der farbliche Mittelpunkt. Noch nie gab es Taschen in so vielen verschiedenen Nuancen.

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Proenza Schouler bringt bereits seit Längerem dieselben Taschenmodelle laufend in neuen Farben auf den Markt. So wird nicht nur der Geschmack jeder Kundin getroffen, man kann auch schon von Weitem sehen, aus welcher Saison die Tasche stammt. Bei Saint Laurent hat Hedi Slimane für die neue Duffle-Bag seine eigene Reisetasche zum Vorbild genommen. Auch dieses Modell wird in etlichen Farbvariationen hergestellt.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Natürlich gibt es auch einen besonders auffälligen Farbtrend: Mohnrot ist überall dabei. Ob bei Céline, Valentino, Gucci, Prada oder The Row – überall findet man diese Taschen in schlichtem Design, mit denen man problemlos eine Unfallstelle markieren könnte. Das ist eine gute Nachricht, denn mehr Rot bei den Taschen macht Hoffnung auf weniger Rot bei den Kleidern. Es ist nämlich so, dass eine rote Tasche den meisten Frauen gut steht, ein rotes Kleid jedoch den wenigsten. Die neue Farbigkeit im Taschensegment bringt allerdings auch mit sich, dass man sich am kräftigen Ton einer Tasche schnell sattsieht. Was man dadurch kompensieren kann, dass man eine neue Tasche in einer anderen Farbe kauft. Wenn man dann eine hübsche Sammlung beisammenhat, funktioniert auch wieder das Colour-Blocking.

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Leserkommentare
    • eras
    • 09. April 2013 12:00 Uhr

    ...für eine simple Tasche ausgibt, dessen Leben muss schon von sehr viel Leere bzw extremen Geltungsdrang bestimmt sein. Warum die Zeit solche Perversionen auch noch bewirbt, erschliesst sich mir nicht.

    In Deutschland gibt es zwei Arten von Armut:

    1) Materielle Armut - Rentner, die sich wochenlang von Kartoffeln ernähren; Menschen, die zwei bis drei minderbezahlte Jobs brauchen, um über die Runden zu kommen; Kinder, die in Trostlosigkeit und mit dem Satz "das können wir uns leider nicht leisten" aufwachsen.

    2) und die geistige Armut: Die findet man bei Menschen, die derartig absurd gepreiste Stangenware kaufen. Und - mit Verlaub - in Sätzen wie diesen:
    "...man kann auch schon von Weitem sehen, aus welcher Saison die Tasche stammt."
    "...dass man sich am kräftigen Ton einer Tasche schnell sattsieht. Was man dadurch kompensieren kann, dass man eine neue Tasche in einer anderen Farbe kauft."

    Der Kauf solcher Taschen scheint mir allgemein eine Form von Kompensation für etwas zu sein. Sinnleere? Zumindest passt der Begriff ziemlich gut auf diesen wie auch auf die anderen Artikel dieser Art. Bleibt die Frage: Warum gibt sich die Zeit für so etwas her?

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Accessoire | Design | Gucci | Hedi Slimane | Prada
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