FührungskräfteDas Zitat... und Ihr Gewinn

Oscar Wilde sagt: Der Unterschied zwischen einem Heiligen und einem Sünder ist, dass der Heilige eine Vergangenheit und der Sünder eine Zukunft hat. von 

Was soll ein Unternehmen? "Gewinn machen", antworten Manager. Doch wer seine Firma als Geldmaschine definiert, denkt zu kurz. Zwar müssen Unternehmen keine Heiligen sein – aber als Sünder haben sie heute keine Zukunft mehr (entgegen der Aussage von Oscar Wilde!). Jede Firma ist Teil der Gesellschaft. Sie braucht Orte, an denen sie ihre Gebäude baut, Straßen, über die ihre Fahrzeuge rollen, Menschen, die für sie arbeiten, und Kunden, die ihre Angebote nutzen und ihre Kasse füllen. Firmen sind keine Inseln, sie nutzen gemeinschaftliche Ressourcen: Sie verbrauchen Wasser und Strom, verbauen Natur, produzieren Abgase, kassieren staatliche Fördergelder und werben mit ihrem Standort Deutschland.

Jede Firma schöpft aus dem Topf der Gesellschaft, und daraus erwächst ihr die Pflicht, etwas zurückzugeben, über Steuergelder hinaus. Doch etliche Manager übersehen, dass sie nicht nur dem schnellen Gewinn verpflichtet sind, sondern Verantwortung tragen fürs Gemeinwesen, für ihre Mitarbeiter, ihre Kunden, ihre Kommune und ihren Staat. Genau das unterscheidet eine anständige Firma von einer Zockerbande: Sie schielt nicht nur auf den Gewinn, sondern fragt nach den moralischen Umständen, unter denen er erwirtschaftet wird. Auf den maximalen Gewinn zu verzichten, wenn er einherginge mit maximaler Ausbeutung von Mensch oder Natur, ist nicht heilig, aber moralisch. Warum Zeitarbeiter zu Hungerlöhnen anheuern, wenn auch mit regulären Mitarbeitern stattliche Gewinne gelängen? Warum eine Filiale am anderen Ende der Welt eröffnen und mit ihr einen gigantischen Reiseverkehr, wenn sich auch eine annehmbare Lösung vor der eigenen Haustür fände?

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Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Unternehmen, die nur noch für die Börse schaulaufen, die Mitarbeiter zur Gewinnmaximierung entlassen, die Kunden über den Tisch ziehen und Umweltressourcen verschwenden – solche Firmen berauben sich ihrer gesellschaftlichen Legitimation. Das kann ihnen die Politik deutlich machen, aber auch Arbeitnehmer können es – indem sie diese Irrenhäuser meiden und verlassen. Das führt zu einer positiven Evolution: Die anständigen Unternehmen bekommen die besten Mitarbeiter und damit die besten Aussichten am Markt. Und die Zocker-Firmen bleiben dort, wo sie hingehören: auf der Strecke.

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