Wochenmarkt : Frische Wildkräuter statt Frost

Vom Münchner Restaurant Gratitude stammt dieses Rezept für eine Wildkräutersuppe. Sie sollte nicht heißer werden als 42 Grad – dann bleibt die Kraft der Kräuter erhalten.

Gehen die einen Nahrungstabus, kommen andere. Früher war es verpönt, auf der Straße zu essen, dafür hatte man kein Problem damit, Singvögel zu verspeisen (Thüringer Meisensuppe). Mit der Lockerung der Tischmanieren entstanden offenbar neue Sensibilitäten für bestimmte Tierarten. Der Ekel wendet sich immer Neuem zu, und vielen ist das schockgefrorene, sicherheitsverpackte Essen aus dem Supermarkt inzwischen unerträglich geworden. Das erklärt den Appeal von Wildkräutern. Sie werden am Wegesrand gepflückt und haben oft ein starkes, eigenwilliges Aroma. Für die einen ein Schreck, für die anderen die Idee der ganzen Sache.

In vielen Städten werden Kräuterwanderungen angeboten. Felicitas Bethmann erklärt im Hamburger Stadtpark, wo man wann welche Kräuter findet und wie sie sich unterscheiden lassen. Sie macht aus Kräutern Salate und Alkoholauszüge, die gegen Kopfschmerzen und Schlafstörungen helfen (dafür sollten die Kräuter 200 bis 500 Meter von der Straße entfernt gewachsen sein).

Vom Münchner Restaurant Gratitude stammt dieses Rezept für eine Wildkräutersuppe auf Misobasis. Einige Kräuter kann man auf dem Markt kaufen, so wie Sauerampfer, Bärlauch und Löwenzahn. Andere, wie der Giersch, wachsen im Garten.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Die Wildkräuter werden mit ungefähr zwei Tassen handwarmem Wasser püriert. Dann werden die restlichen Zutaten dazugegeben und püriert. Die Mischung wird langsam erhitzt. Das Ganze sollte nicht köcheln, sondern am besten nicht heißer als 42 Grad werden, damit die Enzyme erhalten bleiben.

Misosuppe mit Wildkräutern
(für 4 Personen)

3–4 Tassen Wildkräuter (zum Beispiel Giersch, Bärlauch, Brennnessel, Sauerampfer, Spitzwegerich, Löwenzahn)
1 Tasse Misopaste
1 reife Avocado
2 TL Olivenöl
2 TL Senf
1 TL Currypulver
1 TL Cayennepfeffer 
Salz und Pfeffer

Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Na sowas ...

Auch ich konnte mich der kenntnisreichen Erfahrung von Großmüttern und deren Verwandten erfreuen und schätze dies nach wie vor. All das ist kein Grund für oberflächliche Geister wie außerdienstliche Zeitungsententrolle, dummerhaftiges Zeug abzusondern.
Lieber Duesentrieb, wir müssen uns mal kurzschließen, um uns auszutauschen. Es werden sich Wege finden lassen.

Ich bin zwar nicht der Admiral

aber es soll Menschen geben, denen haben Mutter und Großmutter sowas beibringen können.
Danach muss man zwar nicht jedes Kraut aus dicken Bücher kennen, doch man hält es da ohnehin wie mit dem Pilzesammeln, was man positiv kennt geht mit, der Rest bleibt stehen.
Heutzutage problematischer ist für viele Menschen ohnehin das Finden einer akzeptablen Fundstelle.

In obigem Rezept ist die Menge 1 Tasse Misopaste tatsächlich etwas seltsam. Daraus würde eigentlich ein kleiner Eimer Suppe und dafür erscheine wieder die Kräuter wenig und die einzige genannte Wassermenge sind die zwei Tassen in denen die Kräuter püriert werden.
Aber vielleicht mögen die veganen Zeitungsenten a.D. das Rezept trotzdem, denn ums Kochen gehts denen ja nicht, sondern nur um die Botschaft.