KrimiZeit-BestenlisteDie zehn besten Krimis im April 2013

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. von Tobias Gohlis

1(2) Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer
Aus dem Englischen von Hannes Riffel, Tropen, 320 S., 19,95 €

Ost-Texas, während der Großen Depression. Nachdem May Linns Leiche im Sabine River gefunden wurde, verbrennen ihre Freunde sie und transportieren die Asche den Fluss hinab. Fernziel: Hollywood. Die Flucht der Jugendlichen erinnert an die von Huck Finn und Tom Sawyer, verläuft aber grotesker und brutaler als bei Mark Twain.

2(3) Elmore Leonard: Raylan
Aus dem Englischen von Kirsten Risselmann, Suhrkamp, 308 S., 19,95 €

Kentucky. Ob Nierenhandel, Umweltverbrechen oder Schusswechsel mit einer einarmigen Transe – US-Marshal Raylan Givens bleibt stets gelassen. Mit Gleichmut und schnellem Finger sorgt er für das, was er persönlich für Gerechtigkeit hält. Wie schon in der TV-Serie Justified, jedoch im Buch viel, viel abgefahrener.

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3(-) Sara Gran: Das Ende der Welt
Aus dem Englischen von Eva Bonné, Droemer, 368 S., 14,99 €

San Francisco/Brooklyn. Fünf Gitarren, ein Pokerchip, Schlüssel – schwache Hinweise auf den Mörder von Paul, Claire de Witts Exgeliebtem. Prekäre Autonomie der Detektivin: Claire zerstört sich fast auf der Suche nach Wahrheit, nach dem Kindertraum geliebt zu werden. Kaliforniens Norden: kalt und hip. Gran fasziniert.

4(-) Giancarlo de Cataldo: Der König von Rom
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, Folio, 176 S., 19,90 €

Rom 1976. Machtvakuum in der Hauptstadt. Nicht die Camorra, nicht die Marseiller, keiner hat die volle Kontrolle. Junggangster Libano am Scheideweg: mit Giada, der bourgeoisen Revoluzzerin, in die Boheme oder mit Gewalt ans große Geld? Libano lernt Verbrechen. Ruppiges Vorspiel zu Romanzo Criminale.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

5(-) Derek Nikitas: Brüche
Aus dem Englischen von Manfred Roth, Seeling, 328 S., 15,00 €

Cassadaga County, New York. Für 500 Dollar in den Klingelbeutel seiner Kirche rückt Deputy Hartwick eine Adresse heraus. Zwei Tage später sind sechs Menschen ermordet. Nikitas’ Welt: Hier wird schuldig, wer auch nur den Finger rührt. Familienzusammenführung bis zur Katastrophe. Düstere Wucht.

6(-) Cathi Unsworth: Opfer
Aus dem Englischen von Hannes Meyer, Suhrkamp, 384 S., 14,99 €

Ernemouth, Norfolk. Privatdetektiv Sean Ward, im Polizeidienst verkrüppelt, rollt den Fall der "Hexe des Ostens" erneut auf. 1983: Teenie-Rivalitäten eskalieren im Ritualmord. 2003: Alte Säcke verteidigen die lieb gewonnene Macht. Tolles Brit-Stück. Perfekt reanimierte Gothic-Atmo. Unsworth wiederentdeckt.

7(-) Ian Rankin: Mädchengrab
Aus dem Englischen von Conny Lösch, Manhattan, 512 S., 19,99 €

Edinburgh/Rosemarkie. John Rebus kann es nicht lassen. Der Pensionär wühlt in ungelösten Altfällen. Vier Mädchen sind verschwunden, alle an der A9. DI Siobhan Clarke assistiert halb widerwillig, der Verdächtige will nicht reden, da nimmt Rebus Gangster zu Hilfe. Rankin und Rebus – kommt gut.

8(5) Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann, Liebeskind, 238 S., 18,90 €

Los Angeles/Las Vegas/New York. Manson-Mythos trifft Elften September. Die sexy blutigen Zeiten liegen 30 Jahre zurück. Mae, einzig Überlebende der Family, gibt Karten in Vegas. Als die Türme fallen, gleitet die Todesgöttin zurück in antike Blutträume und Rachemuster. US-Gewalt-Metaphysik.

9(9) Paolo Roversi: Milano Criminale
Aus dem Italienischen von Esther Hansen, Ullstein, 464 S., 19,99 €

Mailand 1958–1971. Vandelli (10) und Santi (14) sind zufällig Zeugen des sensationellen Überfalls an der Via Osoppo. Der eine wird daraufhin Räuber, der andere Polizist. Nach dem Vorbild von Romanzo Criminale: die Geschichte Mailands als Kampf zwischen Staat und Verbrechern.

10(-) P. D. James: Der Tod kommt nach Pemberley
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Droemer, 384 S., 19,99 €

Stolz und Vorurteil zum Zweiten. P. D. James’ Fortschreibung des Romans von Jane Austen als mystery novel entfaltet stilgenau präviktorianische Wirrnisse. Ein Mord am Vorabend des großen Balls auf Pemberley folgt aus Gentry-Zwängen um 1800: Ein illegitimes Kind darf einfach nicht die Standesehre beschmutzen.

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Leserkommentare
  1. Liebe Zeit-Redakteure,

    seit gestern habt Ihr auf Eurer Literatur-Übersichtsseite die falsche Liste verlinkt. Nämlich diese hier: http://www.zeit.de/2011/1....

    Die akutelle Liste ist aber diese hier, unter der ich kommentier, die aber von Eurer aktuellen Literatur-Überssichtsseite nicht zu erreichen ist: http://www.zeit.de/2013/1...

    Es grüßt herzlich
    der Krimiblogger

  2. In der Liste befindet sich kein einziger deutscher KrimiI? Sind deutsche Autoren so schlecht? Oder ist es unter den Mitgliedern der Jury einfach usus, dass man beim Krimi zu englischsprachigen Krimis greift? Ich finde viele deutsche Autoren können mit den englischen mithalten. Dass sie dennoch völlig ausgeblendet werden, erschließt sich mir nicht. Oder ist dies die Lobby-Arbeit der Großverlage, die ihre Übersetzungen untergebracht wissen wollen?

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